Objekte der Visualisierung

     
 

Generelles

Was wird im Einzelfall visualisiert?

Das Wort "was" ist terminologisch zu präzisieren. Es stehen verschiedene Termini zur Auswahl.

Das Wort ›Gegenstand‹ wäre verfänglich, weil es nahelegt, dass es sich beim Visualiierten um ein greifbares Ding handelt.

›Thema‹ bedeutet in der Philosophie seit dem Spätmittelalter die materia, quaestio, den Denkinhalt, das worüber nachgedacht wird. Heutzutage ist das Wort semantisch zu weit.

›Sujet‹ wird für den noch ungeformten Stoff in Dichtung und bildender Kunst verwendet.

Hier wird der Begriff ›Objekt‹ (O) verwendet – und zwar im Sinne der Semiotik: gemeint sind damit nicht nur einzelne ›Dinge‹ in der Welt, sondern auch mentale Schemata / Konzepte, Ereignisse, Prozesse, Gesetzmäßigkeiten, mathematische Relationen (im Sinne von elementweisen Zuordnungen von Mengen), Aussagen, deontische Sätze u.a.m. auf die sich unsere Erkenntnis richtet. Dies im Sinne von Charles Sanders Peirce (1839–1914): “By an object, I mean anything that we can think, i.e. anything we can talk about.” > http://www.commens.org/dictionary/term/object

Der Begriff ›Objekt‹ soll nicht im Sinne einer Objektivität im alltäglichen Sinn missverstanden werden. Dass mit wenigen Ausnahmen alle semantisch (in einer bestimmten Sprache!) umschriebenen ›Objekte‹ gesellschaftliche Konstrukte sind, ist selbstverständlich. Damit wir unhinterfragt handeln können, sind sie eingeübt, institutionalisiert, und werden so als "Wirklichkeit" wahrgenommen. Unsere ›Objekte‹ beruhen auf solchen sozialen Konstrukten, die erkenntnistheoretisch nicht analysiert werden. Vgl. dazu Peter L. Berger / Thomas Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, engl. 1966, dt. Frankfurt: S.Fischer 1970.

(Mit einer an die Ontologie angelehnten Definition von ›Objekt‹ gerät man in des Teufels Küche, vgl. die einschlägigen Artikel in philosophischen Wörterbüchern, z.Bsp.: http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Object.)

Jeder Objekttyp erfordert zur Visualisierung besondere Transformationstechniken; das wird unten jeweils mit Links zu den speziellen Kapiteln angegeben.

Es gibt Objekte, die sich nur schlecht oder überhaupt nicht visualisieren lassen,
vgl. hierzu + das Kapitel über die Unterschiede der Medien Bild/Sprache

 
     
 

Inhaltsübersicht

O Unikat

O Stabiler Typus

O Hypothetischer Idealtyp

O Abstrakte Vorstellung

O Mentales Konstrukt

O Gedankliche Ordnung

O Funktionsbegriff

O Logisches Verhältnis

O Aussage mit Quantor

O Aussagenverbindung, logischer Schluss

O Zuordnung von Elementen aus verschiedenen Sphären

O Bauplan

O Phasen eines zeitlichen Ablaufs

O Prozess-Ablauf, Wirkungsgefüge, Funktionszusammenhang

O Mathematische Funktion

O Quantitäten in Relationen

O Intelligibilia

O Psychologischer / moralischer Begriff

O Deontischer Satz

O Historisches Ereignis

O Mythische Gestalt

O Vision

O Nicht bildlich Darstellbares

O Fiktionales Narrativ

O Imaginiertes (zu realisierendes) Gebilde

O (Von einer Figur im Bild) Gesagtes / Gedachtes

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Objekttyp: Unikat

Als "Eigennamen" werden Wörter bezeichnet, denen ein einziges reales Objekt (eine Person, eine Stadt, aber auch ein Dinge wie die Spiralgalaxis NGC 6872) zugrundeliegt. Auf dieses Objekt lässt sich mit ausgestrecktem Finger zeigen (lat. ostendo, daher "Ostensiv-Definition") und es ist durch ein mimetisches Bild repräsentierbar.

Insofern als die meisten Objekte dreidimensional sind, unterliegt die Visualisierung der Perspektive des Bildgebers (Zeichners, Fotografen). Das macht aber für die in diesem Kapitel angezielte Logik der Objekttypen keinen Unterschied.

••• Beispiel: Der Mond. (Ein Fall, wo wir nur eine einzige Ansicht auf das Objekt haben.)

Johann Georg Krünitz (und Nachfolger), Oekonomisch-technologische Enzyklopädie oder allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung, Band 93 (1811) Figur 5400

••• Beispiel: Individuell zugeschliffene Diamanten bekommen Namen: der Stern des Südens, Kohinoor usw.

Otto Spamer’s Illustrirtes Konversations-Lexikon für das Volk. Zugleich ein Orbis pictus für die Jugend, Leipzig: Spamer 1870–80; Band 3 (1874), S. 1014.

••• Beispiel: Bauwerk

Steinerne Bauten (insbes. Burgen, Tempel, Kirchen) sind (abgesehen von den Plattenbauten in der DDR!) einzigartig errichtet und so erkennbar. Allerdings sind sie gelegentlich Umbauten unterworfen, so dass ihre Abbildung mit einem Datum versehen werden muss.

Das Großmünster in Zürich (1) mit den spätgotischen Spitzhelmen, Kupfer von Conrad Meyer im Neujahrsblatt ab der Bürgerlichen Bibliothec am Neüwen Jahrs Tag Ao 1690:

Am 24. August 1763 zerstörte ein Blitzschlag einen Glockenturm und entzündete den mit Schindeln gedeckten Spitzhelm. 1769/70 wurde auch der Helm des anderen Turms abgetragen.
Das Großmünster (2) als Kupfer von Johannes Balthasar Bullinger (1713–1793), (um 1770):

Das Großmünster (3) mit angepassten Obergeschoßen der Türme und den 1783/86 neu errichteten Hauben, in der Ansicht von der Nordseite her gezeichnet von Franz Hegi (1774–1850) im Neujahrsblatt der Hülfsgesellschaft in Zürich 1814:

••• Beispiel: Portrait einer Person (+ mehr dazu >>> hier)

Die 596 Bildnisse der Schedelschen Weltchronik (1493) sind von nur 72 Holzstöcken gedruckt. Kaiser tragen Szepter, Krone, Reichsapfel; Päpste tragen die Tiara, Bischöfe die Mithra usw. Die Insignien oder die die Unterschriften der Kaiser und Könige charakterisieren die Person, nicht die Gesichtszüge. Man erkennt, dass ein individualistisches Menschenbild vorausgesetzt sein muss, damit ein Portrait im neuzeitlichen Sinne funktionieren kann.

Das Aussehen einer Person ändert sich im Lauf des Lebens ständig. Das Bild zeigt zwar ein Unikat, aber es ist mit einer Datumsangabe zu versehen: P (t).

Albert Schweitzer, Fotografie aus: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bänden, 17. Auflage, Wiesbaden 1966–1974.

Dabei muss das Bild nicht in unserem modernen Sinn mimetisch genau sein. Wenn der Betrachter (oder die Totengottheit) weiß, wer abgebildet ist, kann das Portrait auch stilisiert sein:

Pharao Amenophis III. (ca. 1388–1351), heute im Äygpt. Museum in Berlin. Bild aus Wikipedia

••• Auch historische Ereignisse sind Unikate. (+ mehr dazu unten.) Im folgenden Bild geht es nicht darum zu zeigen, wie Archimedes physiognomisch ausgesehen hat, sondern es wird ein prägnanter Moment* in seinem Leben als "Momentaufnahme" gezeigt, da wo er zum ihn bedrohenden Soldaten sagt »Störe meine Keise nicht«.

*) Zum Ausdruck »prägnanter Augenblick« vgl. Lessing, »Laokoon« [1766], ¶ XVI und XIX > http://www.zeno.org/nid/20005265576 und Schiller in seinem Brief an Goethe vom 15. September 1797.

Livius, Römische Geschichte, XXIV,31, 9–10
> http://www.thelatinlibrary.com/livy/liv.25.shtml#31

Kurzfassung: Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia, VIII,7; ext. 7

Nach der Einnahme von Syrakus hatte Marcellus erfahren, dass sein Sieg durch Archimedes’ Verteidigungsmaschinen lange und nachdrücklich verhindert worden war; da er trotzdem an der außerordentlichen Klugheit dieses Mannes Gefallen gefunden hatte, ordnete Marcellus an, Archimedes am Leben zu lassen, weil er glaubte, die Rettung des Archimedes sei fast ebenso ruhmvoll wie der Sieg über Syrakus. aber während dieser konzentriert, die Augen auf die Erde gerichtet, geometrische Formen zeichnete, konnte er dem Soldaten, der auf Beutesuche in sein Haus eingedrungen war und mit dem gezückten Schwert seinen Kopf bedrohte und fragte, wer er sei, seinen Namen nicht nennen. Er war nämlich leidenschaftlich mit der Lösung eines Problems beschäftigt. Er hielt nur schützend seine Hände über den Sand und sagte: »Ich flehe dich an, bring das nicht in Unordnung« (noli, obsecro, istum disturbare). Und […] so wurde er umgebracht und vergoss sein Blut über den Linien seiner Wissenschaft. So geschah es, dass ihm wegen desselben wissenschaftlichen Eifers einmal das Leben geschenkt, dann genommen wurde. (Übersetzung nach Ursula Blank-Sangmeister)

Holzschnitt aus: Romische Historie / Uß Tito Livio gezogen. Mentz: Schoffer, 6. März 1505, fol. CXXXX recto

••• Auch die Erdoberfläche ist ein Unikat, das in Landkarten visualisiert wird.

+ Zu den hierzu erforderlichen Techniken vgl. das Kapitel zur Geographie

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Objekttyp: Stabiler Typus

Handelt es sich um relativ stabile, (soweit es das überhaupt gibt) interkulturell unveränderliche Entitäten wie zum Beispiel eine Tierart, Pflanzenart, Gesteine, usw. lässt sich ein typisches Bild generieren. Es handelt sich dabei nicht um eine mimetische Abbildung eines bestimmten Exemplars.

Beispiel: Der Hummer, wie ihn Conrad Gessner zeigt:

Fischbuoch: das ist ein kurtze, doch vollkommne Beschreybung aller Fischen so in dem Meer und süssen Wasseren, Seen, Flüssen oder anderen Bächen jr Wonung habend, sampt jrer waren Conterfactur, zuo Nutz und Guotem allen Artzeten, Maleren, Weydleüten und Köchen gestelt, insonders aber denen so ein Lust habend zuo erfaren und betrachten Gottes wunderbare Werck in seinen Geschöpfften, erstlich in Latin durch den hochgeleerten und natürlicher Künsten wolerfarnen Herren D. Cuonradt Gässner beschriben; yetz neüwlich aber durch D. Cuonradt Forer zuo grösserem Nutz allen Liebhaberen der Künsten in das Teütsch gebracht. Getruckt zuo Zürych bey Christoffel Froschower im Jar als man zalt M.D.LXIII. Fol. CXXIIII verso.
> http://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-5026

Nicht nur typische äußere Gestalten, sondern auch typische Verhaltensweisen können Objekt sein.

Beispiel: Beschwichtigungsverhalten des Wolfs

Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Liebe und Hass. Zur Naturgeschichte elementarer Verhaltensweisen, München: Piper 1970; Abb. 24. (Illustration von Hermann Kacher)

Hier wird die Variationsbreite eines Typus dargestellt:

Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen und Leben, 4. Auflage, Erster Band, Freiburg/Br. 1931; Artikel »Abart, Spielart, Variation«

Durch Temperatur und Ernährung ausgelöste Abarten des kleinen Krebses Hyalodaphnia cucullata (nach dem Limnologen Carl Lesenberg-Lund, 1867–1955)

+ Mehr zur Problematik des Typischen im Kapitel Typen

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Objekttyp: Hypothetischer Idealtyp

Das ist ein weites Feld. + Mehr zu dieser Problematik im Kapitel Typen

Beispiel: Das basilika Schema im Kirchenbau

Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen und Leben, 4. Auflage, Erster Band, Freiburg/Br. 1931. s.v.

Beispiel: Das ideale Urbild des Wirbeltiers

Der Typus ist vom Forscher aufgrund idealisierter Organe entworfen. Er hat die Funktion einer Erklärung der realen Vielfalt.

Ernst Haeckel, Anthropogenie oder Entwickelungsgeschichte des Menschen. Gemeinverständliche wissenschaftliche Vorträge über die Grundzüge der menschlichen Keimes- und Stammes-Geschichte, 2. Auflage, Leipzig: Engelmann 1874.
> https://www.biodiversitylibrary.org/item/280104#page/9/mode/1up

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Objekttyp: Abstrakte Vorstellung

Dass gewisse Bilder ›Abstraktes‹ konkretisieren, ist leicht gesagt. Es gibt verschiedene Sorten von Abstraktheit. Eine Klassifikation der Arten von Abstraktion kann hier nicht geleistet werden; wir begnügen uns mit einigen Hinweisen.

• Bei der klassenbildende Superierung abstrahiert man, indem man von Merkmalen der Objekte absieht, d.h. die Schnittmenge bildet. Ein Beispiel ist: Weitsprung, Hochsprung, Stabhochsprung …, welche zum Abstraktum springen / Sprung abstrahierbar sind.

Geht es darum zu zeigen, was ein "Sprung" ist, oder geht es darum zu zeigen was für verschiedene "Arten von Sprüngen" es gibt? Oder um beides? Es kommt auch auf die Textsorte an: In einem (semantik-orientierten) Wörterbuch ist die Funktion: das Abstraktum "Sprung" visualisieren in einem Sach-Lexikon ist die Funktion: zeigen, welche Arten von Sprüngen man ausführen kann.

Aus: Petit Larousse Illustré. Nouveau Dictionnaire Encyclopédique, publié sous la direction de Claude Augé; cent trente-sixième édition, Paris 1917.

s.v. Sauts --- Sprachlich lässt sich das Abstraktum scheinbar einfacher ausdrücken. Der Artikel sauter sagt: S’élever de terre avec effort, ou s’élancer d’un lieu dans un autre.

• Die komplexbildenden Superierung ist die Zusammenfassung einer Menge von Begriffen unter einem neuen Oberbegriff, was auch als Vereinigungsmenge beschrieben werden kann. Beispiel ist das Sinfonieorchester, bestehend aus Geigen, Bratschen, Celli, Oboen, Flöten, Hörnern, Pauken usw.

Hierhin gehören lebensweltliche Weltausschnitte wie z.B. der Badestrand, der hier mit einem all-umfassenden Kompositbild repräsentiert wird:

Der Große Duden. Bildwörterbuch der deutschen Sprache … hg. Otto Basler, Leipzig: Bibliographisches Institut 1935, Tafel 141.

+ Vgl. dazu insbesondere das Kapitel zur Bildvielheit

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Objekttyp: Mentales Konstrukt

Beispiel: Der nördliche Sternhimmel

Es ›gibt‹ die Sternbilder nicht, wir sehen sie in den chaotischen Haufen von Lichtpunkten des Nachthimmels hinein. Um den Blick anzuleiten, werden Sternkarten (mit Bootes, Pegasus, Schwan, großem Wagen usw.) gezeichnet. Diese Sternbilder werden auf den Himmel projiziert.

[Noël Antoine Pluche], Schau-Platz der Natur, oder: Untersuchungen/Gespräche von der Beschaffenheit und den Absichten der natürlichen Dinge, wodurch die Jugend zu weitern Nachforschungen aufgemuntert und auf richtige Begriffe von der Allmacht und Weisheit Gottes geführet wird; mit 204 Kupfern, 8 Bände in Oktav, Wien / Nürnberg u.a.: Monath, 1746–1753.

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Objekttyp: Gedankliche Ordnung

Ordnung in eine Menge gedanklich in Zusammenhang stehender Begriffe kann erstellt werden …

  • (a) mittels einer topischen Ordnung, d.h. assoziativ gebildeten Zusammenhängen, die räumlich (griech. topos = der Ort) ausgelegt werden;
  • (b) mittels einer taxonomischen Ordnung, bei der jeder Begriff in Unterbegriffe differenziert wird usw.

Beispiel für (a) Faktoren, die die Mietpreisbildung beeinflussen

http://en.wikipedia.org/wiki/File:FaktorenDerMietpreisbildung.png (25.1.11)

Das vorliegende Diagramm versucht die vielfältigen Einflussfaktoren, die zur Bildung des Mietpreises führen, anschaulich darzustellen.

Beispiel für (a) Zusammenhänge zwischen Organismus und Umwelt

Kleine Enzyklopädie Natur, (Hauptredaktion Gerhard Niese), Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1961, Seite 485

Beispiel für (b): Alles Seiende in einer Baumgraphik

Zerlegung/Aufteilung des Seienden, durch die gezeigt wird, dass alle seienden Dinge in den 14 Bäumen (Unterabteilungen) enthalten sind:

Valerius de Valeriis, Avrevm Sane Opvs, In Qvo Ea Omnia Breviter Explicantvr, Qvae scientiarum omnium Parens, Raymvndvs Lvllvs, tam in scientiarum Arbore, quam arte generali tradit, Augustae Vindelicorum: Manger 1589, S. 77
> http://diglib.hab.de/drucke/123-5-quod-1s/start.htm

+ mehr dazu im Kapitel zu den Baumgraphiken

Literaturhinweis:

Paul Michel, Verzweigungen, geschweifte Klammern, Dezimalstellen. Potenz und Grenzen des taxonomischen Ordnungssystems von Platon über Theodor Zwinger bis Melvil Dewey, in: Allgemeinwissen und Gesellschaft, hg. von Paul Michel / Madeleine Herren / Martin Rüesch, Aachen: Shaker Verlag 2007, S. 105–144.
> als PDF hier: http://www.enzyklopaedie.ch/kongress/aufsaetze/michel.pdf

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Objekttyp: Funktionsbegriff

Der Begriff ist umstrittten. Gemeint sind hier Wörter, die nicht an sich etwas bedeuten ("Autosemantika"), sondern "autosemantische" Wörter in Relation setzen.

Beispiel: Lokale Präpositionen

Bildwörterbuch deutsch und russisch, mit 194 Text- und Bildtafeln, davon 8 mehrfarbig, sowie Ergänzungen und einem deutschen und russischen Register = Illjustrirovannyj slovar? na nemeckom i russkom jazykach / [Bearb. d. russ. Fassung: Nikolai Gamaleja], 4., neu bearb. und erw. Aufl., Leipzig: Verlag Enzyklopädie 1966; Tafel 193 Lage und Richtung

1/2 vorne/hinten — 1/2-3/4 hintereinander — 7 gegen den Baum gefahren— 8 fliegt über — 12 springt in das Wasser — 13 kriecht durch den Zaun — 16 kommt aus dem Haus — 24 steigt hinauf — 27 geht zwischen 25 und 26 — 32 liegt unter dem Auto

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Objekttyp: Logisches Verhältnis

Beispoiel: das Logische Quadrat

(J. D. 2010) Das logische Quadrat dient der Veranschaulichung elementarer logischer Beziehungen von Aussagen mit jeweils demselben Subjekt und Prädikat. Der Ursprung dieser Aussagen findet sich in Aristoteles’ Werk De Interpretatione 6-7, welche im zweiten Jahrhundert n. Chr. von Apuleius von Madaura vervollständigt und graphisch in die quadrata formula, das logische Quadrat, umgesetzt wurden. Die bis heute gebräuchliche Terminologie der einzelnen Bestandteile geht auf Boethius und dessen Aristoteles-Kommentare zurück.

Die 4 verschiedenen logischen Beziehungen (konträr – kontradiktorisch – subaltern – subkonträr usw.) zwischen den 4 verschiedenen Urteilstypen (allgemein bejahend – allgemein verneinend – partikulär bejahend – partikulär verneinend) werden seit der von Michael Psellos im 11. Jh. ersonnenen Graphik kompakt und einprägsam so visualisiert:

Georg Reisch, Margarita Phylosophica tractans de omni genere scibili, Basel 1517. (Vgl. eine moderne Darstellung Wikipedia)

Die Darstellung in der Margarita Philosophica von Gregor Reisch verwendet als Subjekt bos (›Rind‹) und als Prädikat est animal (›ist ein Tier‹). Die beiden oberen Kreise enthalten die allgemeinen (omnis/nullus bos est animal – ›jedes/kein Rind ist ein Tier‹), die beiden unteren die partikulären Aussagen (quidam bos est est animal / quidam bos est non est animal – ›ein gewisses Rind ist (nicht) ein Tier‹).

Die Kreise auf der linken Seite enthalten die bejahenden, die auf der rechten die verneinenden Aussagen. Sätze, welche kontradiktorisch sind, d.h. sich gegenseitig ausschliessen, stehen sich diagonal gegenüber. Aussagen mit entgegengesetzten Prädikaten sind zueinander horizontal angeordnet. Die Relationen zwischen diesen wird als konträr (allgemeine Aussagen) bzw. subkonträr (partikuläre Aussagen) bezeichnet. Die partikulären Aussagen sind jeweils logisch in den allgemeinen enthalten und werden daher als subaltern zu diesen bezeichnet.

Die logischen Beziehungen der Aussagen lassen sich auch in einer Tabelle auflisten. Die von Apuleius ersonnene Graphik ist jedoch viel kompakter und einprägsamer, nicht nur weil sie sämtliche Relationen der einzelnen Aussagen gleichzeitig abbildet, sondern auch, da es zu keinerlei Überschneidungen innerhalb der quadratischen Anordnung kommt. Die Illustration dient allerdings in erster Linie als Gedankenstütze oder Merkhilfe, da die logischen Beziehungen nur im Text genau definiert und nicht aus der Graphik allein korrekt erfasst werden können. Dies betrifft insbesondere die Subalternität, welche als einzige der Relationen nicht wechselseitig, sondern lediglich unilateral funktioniert. Eine Variante dieses logischen Quadrats listet zusätzlich die Äquivalente der allgemeinen und partikulären Aussagen auf.

Spezialliteratur

Prantl, Carl von (1855), Geschichte der Logik im Abendlande (Leipzig: Hirzel).

›Quadrat, logisches‹ in: Historisches Wörterbuch der Philosophie; Band 7. P-Q (1989). Ritter, Joachim, Karlfried Gründer und Gottfried Gabriel (Hrsg.), (Basel: Schwabe), Sp. 1733-1736.

Parsons, Terence (Fall 2008 Edition), "The Traditional Square of Opposition", The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Edward N. Zalta (ed.), URL = http://plato.stanford.edu/archives/fall2008/entries/square/

 

Beispiel: Wahrheitswerttafel

(J.D. 2010) In einer Wahrheitwertstafel kann man die Korrektheit logischer Aussagen tabellarisch auflisten. Hierbei werden den einzelnen Aussagen (z.B. a und b) Wahrheitswerte zugeordnet (in der Regel w für ›wahr‹ und f für ›falsch‹) und somit angezeigt, ob der jeweilige Sachverhalt besteht oder nicht. Die Wahrheitswerte von zusammengesetzten Sätzen, welche mit Junktoren wie und oder oder verknüpft werden, sind dabei von den Wahrheitswerten der Teilaussagen abhängig. So ist eine Aussage a und b dann wahr, wenn beide Teilaussagen a und b wahr sind. Der Wahrheitswert für die Gesamtaussage kann entsprechend in einer weiteren Spalte angegeben werden.

a b a * b
w
w
w
w
f
w
f
w
w
f
f
f

Eine solche Wahrheitstafel zur *nicht ausschliessenden Disjunktion liegt dieser Illustration zugrunde:

Walter R. Fuchs, Knaurs Buch der Denkmaschinen. Informationstheorie und Kybernetik, München / Zürich: Droemersche Verlagsantalt 1968. [Illustrator: Klaus Bürgle]

Die logischen Verhältnisse wurden hierbei in einen leicht verständlichen technischen Ablauf übertragen. Zwei parallel geschaltete Wasserhähne repräsentieren die Wahrheitswerte der Teilaussagen, ein Kontrollrädchen den Wahrheitswert der Gesamtaussage. Ist eine Teilaussage wahr, so ist der Wasserhahn offen und das Wasser kann fliessen, bei geschlossenem Wasserhahn ist eine Teilaussage falsch. Um die Gesamtaussage wahr werden zu lassen, ist lediglich eine wahre Teilaussage notwendig. Für die Darstellung bedeutet dies, dass nur ein offener Wasserhahn notwendig ist, um das Wasser fliessen zu lassen und dadurch das Kontrollrädchen in Bewegung zu versetzen.

Eine Visualisierung logischer Verhältnisse an Hand von Wasserhähnen ist jedoch nur für die nicht ausschliessende Disjunktion möglich. Bei der Konjunktion und führt bereits eine falsche Teilaussage zu einer falschen Gesamtaussage, bei der ausschliessenden Disjunktion oder (a oder b, aber nicht beides) ist die Gesamtaussage falsch, wenn beide Teilaussagen wahr sind. In einer technischen Übertragung wie dieser würde in beiden Fällen jedoch Wasser fliessen und fälschlicherweise das Kontrollrädchen angetrieben werden.

Spezialliteratur

Frege, Friedrich Ludwig Gottlob (1879), Begriffsschrift, eine der arithmetischen nachgebildete Formelsprache des reinen Denkens (Halle: Nebert).

Massey, Gerald J. (1970), Understanding symbolic logic (New York [u.a.]: Harper & Row).

›Aussagenlogik‹ in: Historisches Wörterbuch der Philosophie; Band 1. A-C (1971). Ritter, Joachim, Karlfried Gründer und Gottfried Gabriel (Hrsg.), (Basel: Schwabe), Sp. 672-678.

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Objekttyp: Aussage mit Quantor

Aussagen wie "Alle P sind q" oder "Einige P sind q" oder "Es gibt mindestens ein P" oder "Kein P ist q" oder "P ist nicht Q" können als Venn-Diagramm visualisiert werden.

Hier theoretisch:

Artikel »Venn-Diagramme« in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, hg. Jürgen Mittelstraß, Mannheim: Bibliographisches Institut, Band 4 (1996), Sp. 497.

Hier in einer naturwissenschaftlichen Anwendung (stammesgeschichtliche Systematik des Tierreichs):

Adolf Naef (1883–1949), Phylogenie der Tiere, in: E. Baur / M.Hartmann , Handbuch der Vererbungswissenschaft; Bd. 3,I, Lieferung 13 (Berlin: Gebrüder Borntraeger 1931), S. 1—200.

Vgl. dazu: Olaf Breidbach, Post-Haeckelian comparative biology — Adolf Naef’s idealistic morphology, in: Theory in Biosciences, May 2003, Volume 122, Issue 2–3, pp. 174–193.

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Objekttyp: Aussagenverbindung, logischer Schluss

Beispiel: Syllogismus

  • Obersatz: Kein P ist M.
  • Untersatz: Einige S sind M.
  • Schluss: Einige S sind nicht P.

Brockhaus, 15. Auflage, Band 16 (1933), s.v. Schluß

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Objekttyp: Zuordnung von Elementen aus verschiedenen Sphären

••• Wann an welcher Stelle am Körper zur Ader lassen? Auf dem Melothesie-Schema basierend die Figur des Tierkreiszeichenmannes (homo signorum):

Gregor Reisch († 1525), Aepitoma omnis phylosophiae. Alias Margarita Phylosophica tractans de omni genere scibili, Freiburg: Joh. Schott 1503. [und weitere Ausgaben]
> http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/reisch1503 (Lib. VII., Tract. secundus, Cap. ij – genau hier).
Vgl. die Übersetzung von Otto und Eva Schönberger, Würzburg: Königshausen & Neumann 2016.

Je nachdem, in welchem Tierkreiszeichen der Mond steht, ist eine Körperregion mehr oder weniger zum Aderlass geeignet. Entsprechend werden die zwölf Phasen des Tierkreises einzelnen Gliedern und Organen des menschlichen Körpers zugeordnet und festgelegt, an welchen Stellen und in welchem Zeitraum Blut entnommen werden kann, ohne den Patienten zu gefährden.

••• Beispiel für die Visualisierung einer Relation, nämlich zwischen Zeit und Ort: Die Bewegung der Planeten durch die Tierkreiszeichen im Lauf der Zeit. Die Planeten sind oben mit Pictogrammen angegeben: v.l.n.r.: Luna – Mercurius – Mars – Iupiter – SOL usw. Die Spaltenangaben (Abszisse) benennen die Zeichen des Zodiak: v.r.n.l.: A Pisces – B Aries – C – Taurus – usw. bis M – Aquarius. (Darunter sind die Monate angegeben). Die Ordinate bezeichnet die Anzahl Jahre, die es dauert, bis ein Planet seinen Lauf vollendet hat.

Lambert von St.-Omer, »Liber floridus« (um 1120), fol 227r.

+ Mehr dazu im Kapitel zu den Raum-Ort-Relationen

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Objekttyp: Bauplan

Damit die Desoxyribonukleinsäure funktionsfähig ist, hat sie eine genaue Struktur; eine Summenformel genügt zum Verständnis nicht, man muss die Struktur zeigen:

Eberhard Harbers, Nucleinsäuren, Stuttgart: Thieme / dtv (WR 4049) 1969, Abb. 11.

Spezialliteratur:

Christoph Lüthy, The Invention of Atomistic Iconography, in: Wolfgang Lefèvre / Jürgen Renn / Urs Schoepflin (Hgg.), The power of images in early modern science, Basel/Boston/Berlin: Birkhauser 2003, pp. 117–138.

Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Desoxyribonukleinsäure

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Objekttyp: Phasen eines zeitlichen Ablaufs

Beispiel: Allometrisches Wachstum

Das Bild zeigt drei Stadien in der Entwicklung des menschlichen Embryos bis zum Säugling. Die Veränderungen der relativen Größen der Körperteile nennt man allometrisches Wachstum. Das Bild zeigt keine Verzerrung, sondern die Größenverhältnisse werden genau abgebildet. Durch die Nebeneinanderstellung wird die Veränderung der Proportionen ersichtlich.

Elizabeth B. Hurlock, Developmental Psychology, New York: McGraw-Hill 1955; in: G. Toepfer, Histor. WB der Biologie Band 3 (2011), S. 713; Abb. 564.

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Objekttyp: Prozess-Ablauf, Wirkungsgefüge, Funktionszusammenhang

Viele Objekte sind nur als Ablauf sinnvoll zu beschreiben: z.B. der Blutkreislauf im Körper — ein Fabrikationsablauf — der Instanzenweg beim Gericht usw. Das Objekt ist überschreitet hier die Satzgrenze; die einzelnen beschreibenden Sätze werden mit dann oder sonst u.ä. verbunden

Der Visualisierer kann entweder den Betrachter dem Vorgang folgen lassen (Pfeile im Bild) oder eine Art Trick-Film herstellen, dessen Bilder nebeneinander gelegt werden.

Beispiel: Die Bierfabrikation

Schweizer Lexikon in sieben Bänden [hg. Gustav Keckeis u.a.] Encyclicos-Verlag Zürich 1945–1948; s.v.

Beispiel: Rückkoppelungsschleifen für Bevölkerung, Kapital, Landwirtschaft und Umweltverschmutzung

Dennis Meadows / Donella Meadows / Erich Zahn / Peter Milling, Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart: DVA 1972 / Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1973 (rororo Sachbuch 6825); Abb. 24.

In rechteckigen Kästchen stehen Bestände / Vorräte (engl. stocks). Die Pfeile stellen regulierende Einflüsse dar; es handelt sich um Wenn-dann-Beziehungen; sie verlaufen immer von der Ursache zur Wirkung; ob die Rückkoppelung positiv oder negativ ist, wird nicht immer angegeben. Nur als Schrift dargestellt sind verschiedene ›beeinflussende Faktoren‹: Statistische Größen (Sterbeziffer, Nahrungsmittelmenge); aber auch Sollwerte wie z.B. erwünschte Nahrungsmittelmenge pro Kopf. Es handelt sich um einen Teil eines größeren Systems (›das Weltmodell‹), weshalb zuführende Größen (Investitionsrate) aus dem Nichts zu kommen scheinen.

+ Mehr dazu im Kapitel zu den Prozessdiagrammen

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Objekttyp: Mathematische Funktion

In der darstellenden Geometrie werden mathematische Funktionen visualisisert.

Beispiel: Parabel

Bilde alle Punkte in einem Koordinatenstem (x/y) ab, welche diese Bedingung erfüllen:

y = a • x 2 + b • x + c

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Objekttyp: Quantitäten in Relationen

Zahlenmaterialien, Relationen von Zahlenmengen können bildlich umgesetzt werden in Tabellen und Graphiken (Balkengraphiken, Pie Charts).

Beispiel für reine Mengenangaben, Proportionen: Verteilung der Berufsgruppen in verschiedenen Ländern als ›Pie Chart‹ aus: Knaurs Konversations-Lexikon [in 1 Band; © 1933], Berlin 1934.

Immer wieder wurden solche statistischen Graphiken mit Pictogrammen angereichert, wobei die Verständlichkeit nicht zunimmt:

Willard Cope Brinton, Graphic methods for presenting facts, New York, The Engineering Magazine Company (© 1914); published 1919.

Bereits W. Cope Brinton und dann Otto Neurath haben diese Darstellungstechnik verworfen: such cards are misleading, weil die wirklichen Größenverhältnisse den Figuren nicht entnommen werden können.

Willard Cope Brinton (wie oben) Proportion of College Graduates in different professions in 1696–1799 and in 1896–1900. Von links nach rechts: Theologen – Juristen - Ärzte – usw.

+ Vgl. dazu das ausführliche Kapitel zu Tabellen

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Objekttyp: Intelligibilia

Als Intelligibilia gelten Abstrakta, die nur über den Verstand oder die Vernunft erfasst werden können. Zur Visualiserung muss der Begriff konkretisiert und ein Spezialfall davon dargestellt werden.

Beispiel: Der Raum

Das Kapitel im 6.Buch / 1. Traktakt in der »Margarita Philosophica« von Gregor Reisch (1503) befasst sich mit dem (geometrischen) Körper und seinen Eigenschaften (De corpore et eius speciebus). (Die Kapitel im Buch sind als Dialog zwischen einem Schüler und einem Magister gestaltet.)

Der Magister definiert einen Körper über die drei Dimensionen des Raums, wörtlich als ›eine Länge mit einer Breite und Tiefe‹ (Corpus – Est longitudo cum latitudine et profunditate), und verweist darauf, dass sich in einem Körper drei Linien in einem Punkt orthogonal schneiden.

Um diese Definition in ihrer Dreidimensionalität zu veranschaulichen, werden die in der rein wörtlichen Erklärung diffus erscheinenden Eigenschaften auf den menschlichen Körper übertragen.

(Das Wort corpus bezeichnet ja den abstrakten geometrischen Körper wie den menschlichen Leib.)

Der Magister wählt hierzu das Gedankenspieö einen Menschen, der von Lanzen durchbohrt wird. Je nach Ein- und Austrittsstelle würde entweder die Länge (Scheitel und After), Tiefe (Brust und Rücken) oder Breite (die eine und die andere Körperseite) gemessen. Vt si lancea una per verticem capitis humani intraret et per anum exiret: metiretur longitudinem. et alia intrans per pectus et exiens in dorso metiretur profunditatem. et tertia intrans per latus unum et exiens per aliud metiretur latitudinem.

(Insofern als wir sensorisch oben/unten – vorn/hinten – links/rechts empfinden, wird plausibel, dass die drei Dimensionen orthogonal zu einander stehen.)

Der Holzschneider visualisiert das theoretische Gedankenspiel des Durchstoßens, wie es im Text angelegt ist. Die drei Lanzen sind entsprechend ihrer Funktion als Länge (longitudo), Breite (latitudo) und Tiefe (profunditas) beschriftet. Zusätzlich sind im Raum die Bezeichnungen für die Grenzen des Körpers aufgeführt, wofür der Blickwinkel der Figur eingenommen wurde (!): oben (sursum), unten (deorsum), vor (ante), hinter (retro), auf der rechten Seite (dextrorsum) und auf der linken Seite (sinistrorsum).

Bild hier aus: Georg Reisch, Margarita Phylosophica tractans de omni genere scibili, Straßburg: Schott 1504. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00013401/image_256

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Objekttyp: Psychologischer / moralischer Begriff

Beispiel: Der Zorn

Der Begriff wird hier visualisiert, indem der physiognomische Ausdruck eines Zornigen gezeigt wird.

Friedrich Jakob Floerken, Artikel »Leidenschaft« in: J. G. Krünitz, Oekonomisch-technologische Enzyklopädie oder allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft […], 75. Theil (1798), S.206 beginnt der Abschnitt über den Zorn; dazu die Abbildungen 4371 und 4372ff.
> http://www.kruenitz1.uni-trier.de

Floerken zitiert hier Charles Le Brun [(1619–1690), Conference de Monsieur LeBrun Sur Expression generale et particuliere, Enrichie fig. gravées par B. Picart, Amsterdam / Paris 1698.]:

Wenn der Zorn sich der Seele bemächtiget, so hat derjenige, der diese Leidenschaft empfindet, rothe Augen, der Augapfel sieht verwirrt und blitzend aus; die Augenbraunen gehen bald nieder, und bald wieder in die Höhe; die Stirn hat zwischen den Augen starke Runzeln und Falten; die Nasenlöcher stehen weit offen; die Lefzen drücken sich aneinander; insonderheit aber geht die untere Lefze über die obere hervor; die Winkel des Mundes öffnen sich ein wenig, und verursachen mithin ein grausames und verächtliches Lächeln. Im Uebrigen scheints auch, als ob ein solcher Mensch die Zähne auf einander beiße, und ihm der Mund voll Wasser stehe; so ist nicht minder das Gesicht an einem Orte bleich, hingegen an einem andern erhitzt und ganz aufgeblasen; die Adern an der Stirne, den Schläfen und dem Halse blähen sich auf, und, statt Athem zu holen, pflegt der Zornige zu schnauben. […]

Man sehe dieserhalb die Figur 4372, und man wird in der Physiognomie den ersten Grad des Zorns, nähmlich einen sehr starken Unwillen finden. Die Figur 4373 giebt uns schon nähere Aufklärung, indem der Blick und die verzognen Muskeln schon dasjenige an den Tag legen, was man wahren Zorn nennen kann. Siehet man aber die Figur 4374 an, so findet man ein Gesicht, welches den äußersten Zorn, Grimm, Wuth und Raserey ausdrücket, welches auch die Figur 4375 vorstellen soll; die Figur 4376 aber zeigt diese Leidenschaft mit der Furcht vermischt.

Spezialliteratur: Jennifer Montagu, The expression of the passions. The origin and influence of Charles Le Brun's Conférence sur l'expression générale et particulière, New Haven: Yale Univ. Press 1994.

Beispiel: Der Mut (Courage)

Der Begriff wird hier in eine exemplarische Geschichte umgesetzt; dieses Narrativ kann dann gezeichnet werden: Mut ist, wenn einer beispielsweise …

J[ulius] Staub’s Bilderwerk zum Anschauungsunterricht für jüngere Kinder, Zürich: Hindermann & Siebenmann, 1875–79, Erstes Heft, Tafel 12

Beispiel: Die Gefræßigkeit

Das Laster (im lateinischen Katalog der 7 Laster: gula) wird hier allegorisch umgesetzt in Tiere, die für ihre Fresssucht berühmt sind:

Christian Sambach (1761–1797) del.; Iconologie oder Ideen aus dem Gebiete der Leidenschaften und Allegorien. Wien: Anton Doll 1801.

Der Strauß ist (weil er nach Meinung der alten Zoologie sogar schadlos Eisen frisst) das Sinnbild von der Unmäßigkeit im Fressen. […] da aber die Gefräßigkeit eine grössere Freßbegiederde anzeigt, so giebt man ihr einen magern und ausgehungerten Wolf zum Attribut. Das Gewand von dieser Figur ist von der Farbe des Eisenrosts, der die Zerstöhrung andeutet.

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Objekttyp: Deontischer Satz

Gemeint sind Sätze, die Warnungen, Verbote, Erlaubnisse, Auffoderungen, Gebote usw. ausdrücken. Mit dem deontischen Operator wird bereits eine Funktion der Aussage / ihrer Visualisierung angestrebt; + mehr dazu im Kapitel zu den Funktionen.

Beispiel: Das Gebot Non occidasDu sollst nicht töten:

Heidelberger Bilderkatechismus http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg438 Fol. 165a

Zwei Pilger (erkennbar an den mit Muscheln versehenen Hüten) werden von einem halb verkappten Räuber angegriffen. – Ein Teufel packt dessen Schwert, verstärkt den Stoß und flüstert ihm ein: Den vnd alle seynen gleich Der [Den?] stich so wirstu schyre reich. [schiere = bald] – Ein Engel schwebt vom Himmel herab, mit Spruchband in der Hand: du solt nich morden noch stechen. Got uil is selbir rechen

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Objekttyp: Historisches Ereignis

Geschichtsbücher sind oft illustriert. Dabei entspringt die Darstellung – wenn es sich nicht um den Augenzeugenbericht eines "embedded journalist" handelt – der Phantasie der Graphiker.

Der Illustrator stellt eine »sich ereignete unerhörte Begebenheit« dar (Goethe im Gespräche mit Eckermann am 29.1.1827).

Verschiedene Visualisierungs-Techniken sind möglich:

  • Darstellung eines prägnanten Augenblicks (siehe auch oben zu »Störe meine Kreise nicht«)
  • Simultanbild — Mehr dazu hier
  • Bildreihe (Bande dessinée)

Beispiel: Am 7.11.1492 schlug in der Nähe von Ensisheim ein ca. 127 kg. schwerer Meteorit ein. Conrad Lycosthenes notiert zu diesem Jahr:

Jm Suntgaw oder obern Elsaß bey dem stättlin Ensißheym do dz Osterreichischen Landgrichts hof läger ist / fiel mit grossem sausen vnnd knastlen des gwulcks / vnnd in einem plitz / ein stein vom himmel der zwen Centner schwer / er ward uß graben / vnd an einer kättin im stättlin in der pfarrkirchen im Chor vffgehenckt do er noch hangt vnd gesechen wirdt. Es geschach vff den sibend Herpstmonats.
Wunderwerck oder Gottes unergründtliches vorbilden, das er inn seinen gschöpffen allen, so Geystlichen, so leyblichen ... von anbegin der weldt, biß zu unserer diser zeit, erscheynen ... lassen: Alles mit schönen Abbildungen gezierdt ..., Auß Herrn Conrad Lycostehnis Latinisch zusammen getragner beschreybung / mit grossem fleiß / durch Johann Herold / vffs treüwlichst inn vier Buecher gezogen vnnd Verteütscht,, Basel: Petri 1557; pag. cccclvij.

Bild aus: Prodigiorum ac ostentorum chronicon, Quae praeter naturae ordinem, motum, et operationem, et in superioribus et his inferioribus mundi regionibus, ab exordio mundi usque ad haec nostra tempora, acciderunt ..., conscriptum per Conradum Lycosthenem; Basileae, per Henricum Petri 1557.

Beispiel: Hannibals Zug über die Alpen (anno 218 v.u.Z.) wird von Livius so spektakulär geschildert, dass er immer wieder zu Visualisierungen angeregt hat. Livius, »ab urbe condita« (Buch 21, ¶ 31–39. Erwähnt werden die Elefanten in ¶ 34,5 und 35,1).

Holzschnitt von Jost Amman (1539–1591) in: Von Ankunfft vnd Ursprung deß Römischen Reichs / der alten Römer herkommen /Sitten/Weyßheit/Ehrbarkeit / löblichem Regiment / Ritterlichen Thaten. Jetzund auffs neuw auß dem Latein verteutscht/ und mit ordentlicher verzeichnuß der fünemsten Historien/ Jarrechnung/ kurtzer Liuischen Chronica/ und Register/ in den Truck verfertiget Durch Zachariam Müntzer. Mit schönen Figuren geziert/ … Frankfurt/Main: Raab / Feyrabend / Han 1568. Jahr der Stadt 5236; ¶ 46.

Holzschnitt vermutlich von Tobias Stimmer (1539–1584) in: Titus Livius/ Vnd Lucius Florus/ Von Ankunfft und Ursprung des Römischen Reichs/ der alten Römer herkommen/ Sitten/ Weißheit/ Ehrbarkeit/ löblichem Regiment/ Ritterlichen Thaten/ Victori vnnd Sieg/ gegen jhren Feinden: Auch von allerley Händeln vnd Geschichten/ so sich so sich in Fried und Krieg, zu Rom, in Italia, vnd bey andern Nationen, damit die Römer jeder zeit zu thun gehabt/ fast innerhalb achthundert jaren/ von erbawung der Statt an ... biß auff der ersten Römischen Keyser Regierung/ verloffen und zugetragen. Jetzund auff das newe auß dem Latein verteutscht ... Straßburg, Th. Rihel, 1590. Pag. 246.

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Objekttyp: Mythische Gestalt

Die Darstellung kann beruhen entweder auf Visionen von Anhängern der entsprechenden Religion oder auf Zeugenaussagen von Menschen, die das Wesen beschreiben.

Beispiel: Vishnu als eine göttliche Gestalt im Hinduismus

Systematische Bilder-Gallerie zur allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie. Conversations-Lexicon in lithographirten Blättern, Carlsruhe und Freiburg in der Herder'schen Kunst und Buchhandlung, 1825–27; Vierte Abtheilung; A. Kultus der Indier …; Tafel II, 8: Wischnu als Eber

Beispiel: Der apokalyptische Drache

In der Apokalypse wird (12,3f.) geschildert, dass ein siebenköpfiger Drache das Kind der kreißenden Frau auf der Mondsichel verschlingen will:

Vnd es erscheyn eyn ander zeichen ym hymel, vnnd sihe eyn grosser rotter drach, der hatte sieben hewbter vnnd zehen horner, vnnd auff seynen hewbten sieben kronen, vnd seyn schwantz zoch den dritten teyl der sternen, vnd warff sie auff die erden. Vnd der drach tratt fur das weyb, die geperen solt, auff das, wenn sie geporn hette, er yhr kind fresse. (Text der Luther-Bibel »Das Newe Testament Deützsch«, Wittenberg 1522)

Eine weitere Szene beschreibt, wie die Erdenbewohner dem siebenköpfigen Tier huldigen (Apk. 13, 1–8):

Vnd ich sahe eyn thier aus dem meer steygen, das hatte sieben hewbter vnd zehen horner, vnd auff seynen hornern sieben kronen vnd auff seynen hewbten namen der lesterung, vnd das thier das ich sahe war gleych eynem Pardel, vnd seyne fusß als Beren fuesß, vnd seyn mund eyns lewen mund, vnd der drach gab yhm seyne krafft vnd seynen stuel vnd eyn grosse macht, Vnd ich sahe seyner hewbt eynes als were es todlich wund, vnd seyne todlich wunde ward heyl, Vnd der gantz erdboden verwundert sich des thiers, vnd betten den trachen an, […].

Biblia germanica. Das ander teyl der Bibel, Augsburg: Johann Schönsperger, 9. November 1490

Aus religiöser Scheu wird die visuelle Darstellung göttlicher Wesen in vielen Kulten untersagt.
+ Vgl. hierzu die Visionalisierungen von JHWH hier.

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Objekttyp: Vision

Das Wort Vision stammt ab von lat. video "ich sehe"; es bedeutet: Was sich den Augen (ggf. in der Phantasie) darstellt.

Hl. Hildegard von Bingen († 1179), »Liber Scivias«, dt. Übersetzung von Maura Böckeler [mit Reproduktionen des im 2.WK zerstörten Rupertsberger Kodex], Salzburg 1954.

Der Anfang des (10 moderne Druckseiten umfassenden) Texts:

Danach sah ich ein riesenhaftes Gebilde, und schattenhaft. Wie ein Ei spitzte es sich oben zu, wurde in der Mitte breiter und nach unten zu wieder schmäler. Seine äußerste Schicht ringsum war lichtes Feuer. Darunter lagerte eine finstere Haut. In dem lichten Feuer schwebte ein rötlich funkelnder Feuerball, so groß, dass das ganze Gebilde von ihm sein Licht empfing. Drei Leuchten brannten der Reihe nach über ihm. Sie gaben ihm Halt durch ihre Glut, damit er nicht versinke. Zuweilen hob sich der Feuerball empor, und viel Feuer sprühte ihm entgegen, so dass seine Flammen weiter hinausloderten. Zuweilen neigte er sich nach unten. Doch kam ihm von daher viel Kälte entgegen, und rasch zog er seine Flammen wieder zurück. Von der lichten Feuerzone, die rings das Gebilde umgab, ging ein Wind mit seinen Wirbeln aus. […]

Spezialliteratur

Lieselotte E. Saurma-Jeltsch, Die Miniaturen im »Liber scivias« der Hildegard von Bingen. Die Wucht der Vision und die Ordnung der Bilder. Wiesbaden 1998.

Christel Meier, Zum Verhältnis von Text und Bild bei Hildegard von Bingen, in: Hildegard von Bingen 1179 – 1979, Festschrift zum 800. Todestag, hg. A. Brück, Mainz 1979, S. 159–169.

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Objekttyp: Nicht bildlich Darstellbares

Gewisse religiöse Größen dürfen nicht als Bild realisiert werden. (Vgl. Exodus = 2.Mos 20,4–5). Wie verhält sich ein Graphiker, der eine biblische Szene illustrieren soll, wie diese:

Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn. (Genesis = 1. Mos 1,27)

Matthäus Merian zeigt das Vor-Bild von Adam in Gestalt des Gottesnamens JHWH:

Icones biblicæ præcipuas sacræ scripturæ historias eleganter & graphice repræsentantes. Biblische Figuren/ darinnen die Fürnembsten Historien/ in Heiliger und Göttlicher Schrifft begriffen/ Gründtlich und Geschichtsmessig entworffen/ zu Nutz und Belustigung Gottsförchtiger und Kunstverständiger Personen artig vorgebilget / an Tag gegeben durch Matthaeum Merian von Basel. … Straßburg/ In verlegung Lazari Zetzners Seligen Erben [1625].

+ Mehr zu diesem Thema in diesem Kapitel.

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Objekttyp: Fiktionales Narrativ

••• Ovid erzählt (Metamorphosen II, 569–588), Coronis, die Tochter des Königs Coroneus, als sie am Gestade des Meeres gewandelt sei, habe Neptun sie wegen ihrer Schönheit verfolgt, und nur durch Minervas Hilfe, die die Fliehende in eine Krähe verwandelt habe, sei sie gerettet worden.

Ovid lässt Coronis selbst berichten:
Ich erhob die Arme zum Himmel;
Und an den Armen entlang erdunkelte leichtes Geflügel.
Werfen wollt' ich zurück das Gewand von der Schulter; doch Feder
War das Gewand; und hatt' in die Haut tief Wurzel getrieben.
Schmerzvoll regt' ich die Händ', um die nackenden Brüste zu schlagen;
Aber ich sah nicht Hände, noch nackende Brüste mir übrig.
Zwar ich lief; doch hemmte nicht Sand mir die Füße, wie vormals;
Nein, ich schwebt' an dem Boden daher, in die Luft dann gehoben
Flog ich
[…]
Übersetzung von Voß > https://www.textlog.de/35331.html

Illustratoren seit dem 16. Jh. haben die Momente visualisiert, wo ein Mensch in ein Tier verwandelt wird, und halb noch Mnesch, halb bereits Tier ist.

Holzschnitt von Virgil Solis (1514–1562) nach Bernard Salomon, in: PVB. OVIDII NASONIS Metamorphoseon libri XV. In singulas quasque fabulas argumenta, Francofurti ad Moenum MDLXVII.

Hans Martin von Erffa, Artikel »Coronis«, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. III (1953), Sp. 862–866. > http://www.rdklabor.de/w/?oldid=88747

••• Die »Divina Commedia« von Dante wurde oft illustriert. Hier der zweite Kreis des Inferno (Canto 5):

La comedia con la nova espositione di Alessandro Vellutello. Venedig, F. Marcolini für A. Vellutello, 1544.
> https://archive.org/details/ita-bnc-pos-0000012-001/page/n11

Zu den Dante-Illustrationen > http://www.dantecollection.com/
Im Menübalken zuunterst auf »Iconography« klicken

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Objekttyp: Imaginiertes (zu realisierendes) Gebilde

Solche Bilder haben – abgesehen davon, dass die belustigend wirken – auch die Funktion, die Phantasie anzuregen.

Das in der Lufft seeglende Schiff wird von Eberhard Werner Happel (1647–1690) selbst als Project bezeichnet, das indessen nicht bloß erdichtet / sondern auff einem guten Grund beruhe:

E. G. Happelii Vierter Theil. Grösseste Denkwürdigkeiten der Welt Oder so genannte Relationes Curiosæ. In welchen eingeführt, erwogen und abgehandelt werden, allerhand Historische, Physicalische, Mathematische auch andere Merckwürdige Seltzamkeiten, Welche in der Menschen Lebens-Lauff, am Himmel, in der Lufft, im Meer und hin und wieder auff Erden sich jemahlen begeben und eräugnet haben … Hamburg: von Wiering, 1689; S. 309.
> https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10059072_00365.html
> https://archive.org/stream/bub_gb_Gpg_AAAAcAAJ#page/n353/mode/2up

+ Details und Hintergründe zu diesem Bild > hier

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Objekttyp: (Von einer Figur im Bild) Gesagtes / Gedachtes

Das Gesagte oder Gedachte kann vom Restbild klar abgegrenzt dargestellt werden, indem es textlich ausgedrückt wird und/oder indem es von einem Rahmen / einer Banderole / einer Wolke umgeben gezeigt und der sprechenden oder denkenden Figur zugeordnet wird.

+ Mehr dazu im Kapitel zu den Bild-Text-Verknüpfungen

Beispiel, in dem der Unterschied deutlich wird zwischen dem außerhalb des Bilds angebrachten Rede-Text und dem ins Bild integrierten. Die Szene ist das Urteil Salomons (1. Könige 3,16–28), wo die Aussagen der beiden Frauen wörtlich wiedergegeben werden. Hier sind die zentralen Redeteile so verdeutscht:

[Salomo] Zerschneyd das kindlein das noch lebt | Vnd yedem weyb ain halb tail gebt.

[Die wirkliche Mutter] O Herr dem kindle thuet kain pein/ | Vnd laßt es diser frawen sein

[Die andere Frau] Als ist erkennt da bleyb es bey/ | Solchs kindle vnser kainer sey.

Das Buochle Memorial/ das ist ain angedänckung der Tugend / von herren Johannsen vonn Schwartzenberg […] etwa mit Figuren vnd reümen gemacht, ... Augsburg Steiner [1535]

Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 13; Fol. 17r
> http://www.e-codices.unifr.ch/en/cea/0013/17r
Das Buch steht auch online auf > wikimedia (hier ……017r.jpg anklicken)

Welche der beiden Darstellungen älter ist, lässt sich derzeit nicht feststellen.

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erste, noch zu überarbeitende Fassung: Januar 2021 PM

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