Bild – Sprache

     
 

Unterschiede zwischen den Medien Bild und Sprache

Natura vergleicht die Fähigkeiten von Ohr und Auge. Aus: Ulrichs von Pottenstein Übersetzung der sog. Cyrillusfabeln (»Speculum sapientiae«). Handschrift der British Library, Egerton 1121 ca. 1430 (mehr dazu unten)

Wissen kann im ›Medium‹ der Sprache oder des Bildes (und auch über andere Sinne, das lassen wir hier weg) vermittelt werden.

Medium‹ ist ein in der Kommunikationstheorie nur vage gefasster Begriff. Hier möge eine (zugegeben etwas prekäre) Analogie aus dem Gebiet der Chemie weiterhelfen: Als ›Medium‹ wird in der Chemie ein Stoff bezeichnet, der andere Stoffe aufnehmen kann, ohne sich mit ihnen zu verbinden (im Gegensatz zu Lösungsmitteln wie z.B. Wasser, wenn es Salze in Ionen auflöst). Ein bestimmtes Medium kann nur bestimmte Stoffe aufnehmen, beispielsweise entweder wasserlösliche (hydrophile) oder fettlösliche (lipophile). So ist Alkohol ein Medium für den Transport von eher wasserlöslichen, Petrol von fettlöslichen Stoffen. In Form von Schlamm lassen sich zerriebene Stoffe (z.B. Bauxit) in fast allen Flüssigkeiten transportieren. (Königswasser ist als Medium nicht geeignet, weil es außer Silber alle Metalle auflöst …) Mittels eines Mediums lassen sich Stoffe aus einem Gemenge heraussondern und einzeln transportieren. Durch geeignete Techniken (z.B. Destillation, Filtrierung) muss der transportierte Stoff wieder aus dem Medium herausgelöst werden.

Vgl. auch Brockhaus, Kleines Konversations-Lexikon, Leipzig 1911: »Medium: Mitte, Mittel, etwas Vermittelndes; im sog. Tierischen Magnetismus die mit dem Magnetiseur in Rapport stehende, im Spiritismus die die Geistermanifestationen vermittelnde Person …«

Vgl. zur Differenzierung des Begriffs ›Medium‹ Stefan Haas: http://www.geschichtstheorie.de/3_11_3.html

Außer Betracht fällt die künstlerische Dimension von Zeichner\innen und Maler\innen. Solche Bilder wollen ›Assoziationsräume eröffnen‹. Das wollen wissensvermittelnde Bilder gerade vermeiden. Die Wirkung von Bildern auf unsere Psyche, die ›Anmutungsqualität‹ oder ›Auratizität‹ ist in wissensvermittelnden Quellen (im Gegensatz zur ›hohen Kunst‹ oder Werbung) nicht von Belang. Diese Dimension wird hier mithin vernachlässigt.

nach oben

 
     
 

Hinweise zu dieser Seite

Zur Information über die verwendeten linguistischen Begriffe vgl. Hadumod Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart: Kröner (KröTa 452) 2002.

Einen Eindruck von der Komplexität der Sprache gibt die vorzügliche Homepage von Christian Lehmann (Universität Erfurt) > http://www.christianlehmann.eu/ling/lg_system/index.html {3.10.2016}

Öfters zitiert wird hier: Gotthold Ephraim Lessing: Laokoon. Oder: Über die Grenzen der Mahlerei und Poesie. Mit beyläufigen Erläuterungen verschiedner Punkte der alten Kunstgeschichte, Berlin: bey Christian Friedrich Voss, 1766. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00074585/image_3
(Vgl. die Ausgabe: Lessing, Werke, mit Anmerkungen von Otto Mann, Band II, München: Winkler 1969 [in moderner Orthographie].)

Mit solchen Zitaten wird die Paragone-Diskussion berührt, aber hier nicht vertieft; vgl. > https://de.wikipedia.org/wiki/Paragone_(Kunsttheorie)

Weitere Literatur zum Thema: Word & Image. A Journal of Verbal/Visual Enquiry > http://www.tandfonline.com/toc/twim20/current

Das Gebiet ist schwer zu systematisieren, Wiederholungen und Verschachtelungen sind unvermeidbar, und so ist die Anordnung der Unterkapitel etwas ›rhapsodisch‹. – Unter der Regierung der Vernunft dürfen unsere Erkenntnisse überhaupt keine Rhapsodie, sondern sie müssen ein System ausmachen […]. Immanuel KANT, »Die Architektonik der reinen Vernunft« > http://www.zeno.org/nid/20009189289

Überblick:

Einleitung: Extreme und Grade

I. Basis-Elemente und Grund-Struktur der beiden Medien

II. Einschränkungen / Potentiale

III. Welche Inhalte können in welchem Medium besser repräsentiert werden?

IV. Welche logischen Operationen können in welchem Medium besser repräsentiert werden?

V. Rezeptions-Psychologie / Wahrnehmungs-Logik

VI. Rhetorische Mittel

VII. Barrierefreie Kommunikation mittels Bildern ?

nach oben

 
     
 

Einleitung: Extreme und Grade

••• Es gibt Wissensbestände, wo nur das eine der beiden Medien zur Repräsentation wirklich taugt.

• Nur im Medium der Sprache lassen sich Wissensbestände fassen wie:

Definition eines abstrakten Begriffs:

Der pH-Wert ist der negative Zehnerlogarithmus der Wasserstoffionenkonzentration.

Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl größer als 1, die nur durch 1 und sich selbst teilbar ist.

Definition eines abstrakten Verfahrens:

Die Subsumtion ist die Anwendung einer Rechtsnorm auf einen Lebenssachverhalt, so dass sich eine gültige Rechtsfolge ergibt.

Wissen von historischen Ereignissen:

Die Schlacht am Morgarten fand 1315 statt.

Und andere mehr.

• Komplexe natürliche Strukturen lassen sich brauchbar nur im Medium des Bildes darstellen.

Wilson A Bentley (1865–1931) fotografierte tausende von Schneeflocken. > http://en.wikipedia.org/wiki/Wilson_Bentley

••• Es gibt Wissensbestände, wo das eine der beiden Medien einen Mehrwert bringt, weil es das Wissen weniger umständlich, schneller, einleuchtender, eindringlicher repräsentiert. Das sind die für unser Thema besonders interessanten Fälle.

• Erstes Beispiel: Die Beschreibung des Kardangelenks in Pierers »Universal-Lexicon« 1864 ist so präzis, dass man es nachbauen kann.

Pierers Universal-Lexicon der Vergangenheit und Gegenwart oder neuestes encyclopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe. Vierte, umgearbeitete und stark vermehrte Ausgabe, Altenburg 1857–1865; 18. Band (1864), Artikel Universalgelenk > OCR-Text hier http://www.zeno.org/nid/20011177179

Die Zeichnung erklärt das Kardangelenk – für einen Betrachter mit gewissen mechanischen Kenntnissen – auf einen Schlag.

Die Welt von A bis Z. Ein Lexikon für die Jugend, für Schule und Haus, hg. von Richard Bamberger u.a., 1953.

• Zweites Beispiel: Im Text kann man die Fahrzeiten angeben; im Bild (topological diagram) ist dafür die räumliche Lage der Destinationen erkenntlich. (Das baucht nicht zwingend der Fall zu sein, vgl. die Londoner U-Tube Map.)

Pestalozzikalender 1933, S.184.

• Drittes Beispiel: Deontische Aussagen (vgl. unten; z.Bsp. ein Verbot) kann man im Medium Sprache wie im Medium Bild ausdrücken. Für das Verständnis beider Medien braucht es entsprechene Vorkenntnisse:

 

Die Überlegenheit des einen der Medien ist auch abhängig vom Menschentyp. Es gibt Leute, die finden sich in einer Stadt besser zurecht mit einer Wegbeschreibung, andere mit einem geographischen Plan.

nach oben

 
     
 

I. Basis-Elemente und Grund-Struktur der beiden Medien

I. 1 Zweifache Gliederung

I. 2 Lexikon

I. 3 Motivé — arbitraire

I. 4 Abstrakta

I. 5 Obligatorischer Ausdruck von Partner-Beziehungen (›Valenz‹)

I. 6 Thema—Rhema innerhalb des / z.T. im Text

I. 7 Anordnung der Teile

I. 8 Kontext-Abhängigkeit (semantische Ebene / pragmatische Ebene)

I. 9 Einige Bau-Elemente des Bilds

nach oben

 
     
 

I. 1 Zweifache Gliederung

Jede natürliche Sprache ist auf zwei Ebenen gegliedert. Vgl. André Martinet, Éléments de linguistique générale, Paris, Armand Colin, 1960. Sie kennt

• kleinste bedeutungs-unterscheidende Einheiten (Phoneme; umgangssprachlich und vereinfacht: Laute); das Deutsche hat etwa 40 Phoneme;

• kleinste bedeutungs-tragende Einheiten (umgangssprachlich und vereinfacht: Wörter); der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75’000 Wörter.

Auf den Lauten beruhen die Wörter; auf den Wörtern beruhen die Sätze; auf den Sätzen beruhen dann die Texte.

Das Medium Bild kennt keine zwei solchen Ebenen. (Die Analogie: Laute ≈ Linien, Flächen, Farben // Wörter ≈ abgebildete Gegenstände ist unsinnig.)

Allenfalls gibt es so etwas in der Biologie: Aus Atomen sind Aminosäuren gebaut, wovon es 20 gibt // aus Aminosäuren ist die große Anzahl von Peptiden gebaut. > http://www.seilnacht.com/Lexikon/amino.html {Februar 2017}

nach oben

 
     
 

I. 2 Lexikon

Im Medium Sprache gibt es ein endliches Inventar semantisch abgegrenzter Wörter. (Ein etwa 15-jähriger Muttersprachiger kennt ca. 12’000 Wörter.) Der Wortschatz ist komplex, geschichtet (verschiedene Wortarten mit ihren besonderen Leistungen; Synonyme, Homonyme, Hyponyme, Hyperonyme, Antonyme usw.).

Im Medium Bild gibt es kein exaktes Analogon zum Wortschatz.

In unserem optischen Wahrnehmungsapparat haben wir ein riesiges Arsenal von mehr oder weniger schematischen Bildern, anhand derer wir konkrete Dinge (wieder-)erkennen. Bei Gesichtern ist die Präzision maximal präzis – bei anderen Dingen, z.B. beim Konzept ›Hund‹ ist die Bildidee so offen, dass wir alle Rassen darunter subsumieren können. Je nach Vorbildung sind die Konzepte differenzierter (ein Gärtner kann Sträucher genauer unterscheiden als ein Laie). Die Bildideen sind außerdem in lebensweltliche Konfigurationen eingebettet. – Das alles gilt nur für mimetische Bilder, und die Analogie zum Wortschatz ist oberflächlich.

Immer wieder ist versucht worden, eine Art Bild-Lexikon zu etablieren.

So wurden – vor allem von den Ikonologen des 16. bis frühen 18. Jahrhunderts– Sammlungen von abgegrenzten bedeutungstragenden Bildelementen erstellt, etwa antike Gottheiten (Beispiel: Vincenzo Cartari, Imagini De Gli Dei Delli Antichi, 1556) oder Allegorien, die als Ausdrucksmittel in der bildenden Kunst verwendet wurden (Beispiel: Cesare Ripa, Iconologia, 1593 u.ö.). – Die moderne Weiterentwicklung ist ICONCLASS, ein Klassifikationssystem für die ikonographische Beschreibung von Bildern mit ca. 14’000 Keywords > http://www.iconclass.org/help/outlineHier ein Beispiel:

1: Die böse Lust. Ein nackendes auf einem Crocodil sitzendes Weib/ welches ein Rebhuhn/ das es in der Hand hat/ liebkoset/ und mit selbigem spielt. – 2: Das Gewissen – 3. Conversation oder Gesellschaft – 4. Das Vertrauen – 5. Die Neugierigkeit / Curiosité – 6. Die Erkänntnus – 7. Die Einigkeit – 8. Die Beständigkeit – 9. Das Mitleiden – 10 Die Welt-Beschreibung [Cosmographia] – 11. Kriegs-Einigkeit – 12. Eheliche Einigkeit

Viel nutzende und erfindungen reichende Sinnbild-Kunst, oder Hieroglÿphische Bildervorstellung der Tugenden, Laster, Gemüts-bewegungen, Künste und Wissenschafften, wodurch Rednern, Poeten, Mahlern, Bauverständigen, Bildhauern, durch Zeichnungen, und einer kurtzen beschreibung Anlasz jhre Gedancken aus zu üben gegeben oder beij gäh vorfallenden Gelegenheiten ihnen gnugsame Materi vor Augen gelegt wird damit Sie sich nicht lang besinnen dörffen, Nürnberg verlegt und zu finden beij Johann Christoph Weigel Kunsthändlern [s.d.]. > http://diglib.hab.de/drucke/uk-51/start.htm?image=00021

Erwähnt werden sollen die umfangreichen Werke von Filippo Picinelli, »Mundus Symbolicus« (1653) und Jacobus Boschius, »Symbolographia« (1701).

Moderne Nachfolger sind Tafeln von allerhand Pictogrammen, Emoticons, Verkehrssignalen u.ä.

nach oben

 
     
 

I. 3 Motivé / arbitraire

Die Unterscheidung hat für die Linguistik prominent herausgestellt Ferdinand de Saussure (1916). Es lässt sich parallelisieren

motivé im Medium Sprache ≈ mimetisch im Medium Bild

arbitraire im Medium Sprache ≈ diagrammatisch im Medium Bild

••• Im Medium Bild ist die Beziehung zwischen dem Dargestellten und dem Gemeinten entweder ›mimetisch‹ (in der trivialisierten Theorie von Charles Sanders Peirce: »icon«):

Ein Hirte erfand die Kunst des Malens, indem er den Schattenumriss eines seiner Schafe in den Sand zeichnete. Aus: [Laurentius van Goidtsenhoven], Mikrokosmos = Parvus Mundus. Frankfurt a.M.: Jennis, 1618 [Nr. 72; Kupfer von Jacob de Zetter]. > https://www.uni-mannheim.de/mateo/desbillons/mikro/seite77.html

Eine ähnliche, bekanntere Geschichte ist die von Butades.

Auch veristische / mimetische / wirklichkeitsgetreue Abbildungen beruhen auf einer Transformation zwischen der Wirklichkeit und dem Bild; d.h. sie beruhen auf einem modellartigen Verhältnis.

Oder die Beziehung zwischen dem Dargestellten und dem Gemeinten ist beruht auf Konvention; wir sprechen von diagrammatischen Visualisierungen (Peirce: »symbol«):

Das Signal «Kein Vortritt» 3.02 gemäß (schweizerischer) Signalisationverordnung Artikel 36

Zur Abstraktionsreihe von mimetisch bis arbiträr vgl. das im Kapitel Pictogramme Gesagte.

••• Im Medium Sprache: Zwischen der »image acoustique« und dem »concept« (Ferdinand de Saussure 1916) besteht in der Regel keine naturnotwendige Beziehung, die Lautgestalt eines Wortes bildet das damit Gemeinte nicht ab; man sagt: das Verhältnis ist ›arbiträr‹. (Eine seltene Ausnahme bilden die onomatopoetischen Wörter wie kikeriki.) > https://fr.wikipedia.org/wiki/Signe_linguistique

Bei wissensvermittelnden Visualisierungen begegnet oft ein Konglomerat von mimetischen Elementen und diagrammatischen. Die folgenden Graphiken enthalten sowohl am wirklichen Aussehen von Dingen orientierte Abbildungen als auch (arbiträre) diagrammatische Zeichnungen in Kombination.

• Das Flugzeug und die Erdoberfläche ist – naturalistisch – photographiert; darübergelegt sind die diagrammatische Zeichnungen der Lichtstrahlen, der lichtempfindlichen Medien und der Gebiete, die sie abbilden.

Eduard Imhof, Gelände und Karte. Dritte, umgearbeitete Auflage, Erlenbach/Zürich und Stuttgart: E.Rentsch 1968; Bild 228.

• Schema zur Wirkungsweise eines Mikrophons:

Knaurs Jugendlexikon, München 1953; S. 405 s.v. Mikrophon

Die Glocke ist naturalistisch gezeichnet; das Mikrophon stilisiert und im Querschnitt mit der Membran, den Kohle-Kügelchen und den Kontakten; der Transformator noch stärker stilisiert, vgl. Pitogramme; die elektrischen Wellen metaphorisch als ›Wellen‹.

nach oben

 
     
 

I. 4 Abstrakta

In den indoeuropäischen (und anderen) Sprachen gibt es Abstrakta, salopp gesagt: Wörter, mit denen etwas Ungegenständliches bezeichnet wird. Das ist linguistisch/ontologisch ein weites Feld. Wir müssen uns beschränken. Hier nur éin Typ der Bildung von Abstraka im Deutschen:

Die Katze schläft — der Schlaf ist tief. Der Knabe warf einen Stein — der Wurf ging daneben. Wir aßen Entenbraten mit Mais und Gemüse — das Essen schmeckte fein ...

Im Bild können einige Abstrakta mit bestimmten Tricks auch ausgedrückt werden.

• Ein in Bildwörterbüchern oft anzutreffender Fall ist die Bildung von Hyperonymen durch eine Bildvielheit von Hyponymen, die der Betrachter verallgemeinern muss. Beispiel der Sprung:

Petit Larousse Illustré. Nouveau Dictionnaire Encyclopédique, publié sous la direction de Claude Augé; cent trente-sixième édition, Paris 1917; s.v. Sauts

• Eine andere Technik ist die Personifikation. (Vgl. das Unterkapitel zu den rhetorischen Mitteln.)

Was mit einer Personifikation gemeint ist, geht aus ihrem Bild kaum hervor. Es ist ein (sprachlich notiertes) Vorwissen nötig. Lessing schreibt im »Laokoon« (1766; Kapitel X):

»Wenn der Dichter Abstrakta personifieret, so sind sie durch den Namen, und durch das, was er sie tun läßt, genugsam charakterisieret.

Dem [bildenden] Künstler fehlen diese Mittel. Er muß also seinen personifierten Abstraktis Sinnbilder zugeben, durch welche sie kenntlich werden. […].

Eine Frauensperson mit einem Zaum in der Hand; eine andere an eine Säule gelehnet, sind in der Kunst allegorische Wesen. Allein die Mäßigung, die Standhaftigkeit bei dem Dichter, sind keine allegorische Wesen, sondern bloß personifierte Abstrakta.

Die Sinnbilder dieser Wesen bei dem Künstler hat die Not erfunden. Denn er kann sich durch nichts anders verständlich machen, was diese oder jene Figur bedeuten soll.«

Beispiel: Cesare Ripa (* um 1555; † 1622) personifiziert die Unbeständigkeit:

Incostanza

Donna che passi co' piedi sopra un Granchio grande, […] et in mano tenga la luna.

Il Granchio è animale che camina inanzi et in dietro con eguale dispositione, come fanno quelli che, essendo irresoluti […]

La Luna medesimamente è mutabilissima, per quanto ne giudicano gl'occhi nostri, però si dice che lo stolto si cangia come la Luna, che non sta mai un'hora nel medesimo modo.

Iconologia Overo Descrittione Di Diverse Imagini cavate dall'antichità, & di propria inuentione, trouate, & dichiriate da Cesare Ripa …, Roma 1603. > http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1603
Text > http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1603/0246

nach oben

 
     
 

I. 5 Obligatorischer Ausdruck von Partner-Beziehungen

Mindestens in den idoeuropäischen Sprachen gibt es das Phänomen der Kookkurrenz und der Valenz. Wörter fordern Ergänzungen verschiedener Art:

• semantisch: Das deutsche Verb gießen verlangt als Gegenstand etwas Flüssiges / streuen etwas Fest-Körniges (Obwohl der Vorgang sehr ähnlich aussieht, ist *Sand gießen falsch; ebenso *Wasser streuen. Im englischen geht to pour für beides.) — Im Englischen kann man für deutsch ›groß‹ sagen a large man; a huge man; a great quantity – aber nicht *a large fear; *a huge pain; *a great income.

Spezialfall: Nicht zusammenpassende Kombinationen können ggf. als Metapher verstanden werden: Die Garage beherbergt einen Rolls Royce.

• morphologisch: Jeder Satz enthält ein Verb. Verben müssen konjugiert werden, d.h. mit dem Subjekt übereinstimmen, ein Tempus und evtl. einen Aspekt ausdrücken u.a.m.

• syntaktisch: Verben verlangen Objekte in gewissen Kasûs; beispielsweise Caesar [Nominativ] Cleopatram [Akkusativ] amat. (Wenn die Personen-Bezeichnungen mit anderen Kasus versehen sind, ändert sich der Sinn oder der Satz wird ungrammatisch.)

Auf dem System beruhende obligatorische Partner-Beziehungen gibt es im Medium Bild nicht; indessen Kombinationen von Bildteilen, die in der Wirklichkeit nicht zusammengehören. In solchen Fällen nimmt der Betrachter an, es handle sich um eine Metapher (siehe dann unten):

Das Auto als mit Liebe gepflegtes Lebewesen. Anzeigenwerbung (vor 2005)

... oder um eine absichtlich vom Bildgestalter herbeigeführte Irritation, einen Scherz:

Randzeichnung im Luttrell-Psalter (British Library, Additional Manuscript 42130) > http://www.bl.uk/onlinegallery/ttp/luttrell/accessible/introduction.html

Mehr zur Metaphorik unten

nach oben

 
     
 

I. 6 Thema-Rhema

Sprachliche Äußerungen folgen dem Topic-Comment-Prozess, was von der linguistischen Textanalyse beschrieben wird. »Thema« ist die bereits bekannte (z.B. durch den eben gelesenen Text vorgegebene) Information; »Rhema« ist die neue Information; Thema und Rhema zusammen bilden die Aussage. Das gilt sowohl in der Mikrostruktur (auf Satzebene: Subjekt – Prädikat) als auch in der Makrostruktur (auf Textebene*).

Der Forscher sah einen Löwen.
Der Löwe fraß eine Antilope,

die sich von der Herde abgesondert hatte.

Dieses Erlebnis blieb ihm in Erinnerung …

*) In einem impressionistischen Gedicht kann die Anordnung der Elemente andern Prinzipien folgen: Es ist belanglos, wann der böse rote Löwe und wann der Hirsch und wann der weiße Elefant im Karussell vorbeizieht.

Die Thema-Rhema-Struktur ist nicht eine ›wahrnehmungsmechanistische‹ Kategorie, sondern eine logische.

Bei einem Bild gibt es keine solche durch das Medium auferlegte Progression.

Man könnte einwenden, es gebe doch trickfilm-artige Bildreihen. Die Reihe hat hier indessen die Struktur ›A und dann B und dann C usw.‹ und nicht die Struktur von Thema und Rhema.

nach oben

 
     
 

I. 7 Anordnung der Elemente

Wort-Abfolge-Regeln sind grammatisch bestimmt. (Hier als Beispiel die deutsche Sprache; schon im Lateinischen ist das bekanntlich anders …) Man kann auch bei vehementem Aussage-Willen aus diesem Korsett nicht herauskommen.

Durch die bloße Umstellung eines Wortes kann sich die Bedeutung des Satzes vollkommen ändern:

Gestern haben nur die Kinder gesungen.

Gestern haben die Kinder nur gesungen.

Nur gestern haben die Kinder gesungen.

Weitere Beispiele

  • Er liest das Buch heute.
  • Liest er das Buch heute?
  • Schafft auch Samsung den Kopfhörer-Anschluss ab? – Nachdem das beim neuesten i-Phone der Fall ist.
  • Schafft Samsung auch den Kopfhörer-Anschluss ab? – wenn die Firma bereits andere Anschlüsse abgeschafft hat.

Auch stilistisch kann die Wortabfolge eingesetzt werden. Wegen der zwingenden Diskursivität kann auf diese Weise die Aufmerksamkeit gelenkt werden. So schreibt Thomas Mann zu Beginn des Josephsromans:

  • Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.
  • Und nicht (was grammatisch richtig wäre und dasselbe bedeuten würde): Der Brunnen der Vergangenheit ist tief.

Der Leser hat sozuerst den Eindruck von Tiefe, und denkt nicht wie im trivialen Fall an irgend einen Brunnen in einem Garten oder zur Viehtränke

Die Regeln sind im einzelnen sehr kompliziert, vgl. etwa Ulrich Engel, Deutsche Grammatik, Heidelberg: Groos 1988, S. 303–355. Sehr interessant ist das Buch von Judith Macheiner, Das grammatische Varieté oder Die Kunst und das Vergnügen, deutsche Sätze zu bilden, Frankfurt am Main: Eichborn 1991 (Die andere Bibliothek).

Im Medium Bild (wir sprechen von wissensvermittelnden Bildern) ist die Anordnung der Elemente durch folgende Kriterien bedingt:

••• durch die Logik der Sache:

Die Schlachtordnung muss genau in der Anordnung aufgestellt werden, die das Bild angibt: (p) die gravem armaturam pedestrem in fronte gestellet (die schwer bewaffneten Fußsoldaten zuvorderst) usw.

Wilhelmi Dilichii [1572–1655] Hochvernünfftig gegründet- und auffgerichtete/ in gewisse Classen eingetheilte/ bißher verschlossen gelegen/ numehr aber Eröffnete Krieges-Schule. Worinnen/ nach genau und zuwissen genugsamer/ Der alten Römer und Griechen zu Wasser und Land geführten/ mit so viel als lebendigen Farben dargestellten Streit-Methode/ zusamt deren vorgezeigten/ damal üblichen/ Waffen und Rüstungen […], Franckfurt am Mayn: Zunner 1689. Ander Theil, S. 140 > http://digital.slub-dresden.de/id276708601

••• durch anthropologische Vorgaben. Bei der Visualisierung von hierarchischen Strukturen empfinden wir im allgemeinen oben mit ›wertvoller‹, ›mächtiger‹. So sind bei Organigrammen die leitenden Stellen/Personen oben lokalisiert, die gehorchenden, ausführenden ›unter‹-geordnet.

Organisation einer Armee: http://www.bundesheer.at/karriere/offizier/info/images/pdf/hierarchie_n.jpg

Als Karikatur: https://en.wikipedia.org/wiki/Pyramid_of_Capitalist_System

Die Symbolik von oben und unten leitet auch das Bild der Lebenstreppe: Der ›Zenit‹ des Menschen ist oben, dann folgt der ›decline‹ (von lat. declinare = sich neigen). (Dass der Ablauf der Lebensphasen von links nach rechts erfolgt, ist kein anthroplog. Unviersale, sondern beruht auf der kulturellen Praxis der Leserichtung. Im hebräischen Kulturraum sind die Säuglinge rechts.)

Neuer Orbis Pictus für die Jugend, oder Schauplatz der Natur, der Kunst und des Menschenlebens ... in deutscher, lateinischer, französischer und englischer Sprache nach der früheren Anlage des Comenius bearbeitet und dem jetzigen Zeitbedürfnisse gemäß eingerichtet von J. E. Gailer, Reutlingen: Mäcken 1832, Tafel XXXVI: Septem ætates hominis / Die sieben Alter des Menschen

••• durch ästhetische Vorstellungen. Bei gewissen Inhalten lassen sich die Teile beliebig (Beispiel die Tiere bei Zahn) oder ornamental (die Muscheln bei Seba) anordnen.

Johannes Zahn [1641-1707], Specula physico-mathematico-historica notabilium ac mirabilium sciendorum, in qua mundi mirabilis oeconomia […] proponitur, Norimbergae: sumptibus Joannis Christophori Lochner 1696. > http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-15584

Albertus Seba, Cabinet of Natural Curiosities [Locupletissimi Rerum Naturalium Thesauri], (1734-1765), Tafel LI

••• Im Zusammenhang mit dem Thema der Anordnung der Elemente muss darauf hingewiesen werden, dass es eine konventionalisierte Richtung der Blickfolge gibt; in den europäischen Schriftsystemen – also auf dem sprachlichen Medium beruhend – von links nach rechts.

nach oben

 
     
 

I. 8 Kontext-Abhängigkeit

(1) Semantisch: Sprache. Das Wort Absatz hat je nach Kontext eine andere Bedeutung:

Die Firma verzeichnete letztes Jahr eine Steigerung des Absatzes.

Es gibt weitere Beispielsätze im nächsten Absatz.

Der Schuhmacher hat den Absatz geflickt.

Das Phänomen gibt es auch im Medium Bild. Im Bild links verhüllen Wolken den Horizont; die Bergspitze links hinten erscheint höher zu sein. Im Bild rechts zeigt der ferne Horizont, dass der Betrachter über den beiden nahen Spitzen steht und auf diese hinabblickt, so dass der nähere Gipfel höher erscheint als der fernere.

 

Eduard Imhof, Gelände und Karte. Dritte, umgearbeitete Auflage, Erlenbach/Zürich und Stuttgart: E.Rentsch 1968; Bilder 55 und 57.

(2) Sprechaktmäßig: Ludwig Wittgenstein (1889–1951) schreibt in den »Philosophischen Untersuchungen« (erste, zweisprachige Publikation 1953):

»Denken wir uns ein Bild, einen Boxer in bestimmter Kampfstellung darstellend. Dieses Bild kann nun dazu gebraucht werden, um jemand mitzuteilen, wie er stehen, sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten soll; oder, wie ein bestimmter Mann dort und dort gestanden hat; oder etc. etc. […]« (Fußnote zu § 22)

War dieser Artikel im Brockhaus seine Inspirationsquelle?

Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 3 (1929); Ausschnitt aus der Tafel Boxen I.3. Linker gerader Hochstoß, Vorducken und linker Tiefhaken. – 4. Linker gerader Hochstoß; Unterarmabwehr nach innen. [usw.]

A.a.O.; Ausschnitt aus der Tafel Boxen II. – 1. Kampf Jacj Sharkeys gegen Christner am 20. Jan. 1929 in New York (Sieger Sharkey). – 2. Kampf Felix Friedmanns gegen Harry Stein am 8. Mai 1927 in Frankfurf a.M. (Sieger Friedmann) – [usw.]

Ebenso wie ein Bild erst in seinem Kontext (linguistisch exakter: ›Kotext‹, als Einbettung in eine Redesituation) seine »illocutive force«* erhält, ist es in der Sprache. Derselbe Satz

Dieser Hund ist scharf.

meint im Kotext

  • eines Gesprächs des Hundehalters mit dem Briefträger, diesen vor dem Tier zu warnen;
  • eines Verkaufsgesprächs zwischen dem Tierhändler und einem Nachtwächter, eine Empfehlung, dieses Tier zu erwerben;
  • des Hundehalters mit dem Abdecker, die Aufforderung, dieses Tier abzutun.

*) John L. Austin, Zur Theorie der Sprechakte, dt. Bearbeitung von Eike von Savigny, (RUB 9396–98), Stuttgart 1972 (engl. How to Do Things with Words, Cambridge/Mass. 1962)

nach oben

 
     
 

I. 9 Einige Bau-Elemente von Bildern

 

Freundliche Grüße von Piet Mondrian
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37636478

Die Basiselemente sind

• Linien (die verschieden dick und auch als Pfeile ausgebildet sein können, die zu Netzen o.ä. ausgebildet sein können); vgl. das Unterkapitel Linien

• (geformte, gegenseitig voneinander abgegrenzet) Flächen

• Farben (oder funktionsadäquate Mittel wie Rasterung)

• der Ort des Elements auf der Zeichenebene bzw. die relative Position von Elementen zueinander.

• Weitere Elemente dienen der Raumillusion. Die aus mehreren Geraden gezeichnete Figur soll als Darstellung eines Würfels verstanden werden. Zwei Figuren sollen als hintereinander sich befindend verstanden werden, nicht als aus zwei in derselben Ebene liegende Flächen:

       

Im Gegensatz zu den natürlichen Sprachen kennt das Bild keine Regeln für obligatorische Partner; keine Thema-Rhema-Beziehung; keine Regeln für die Anordnung der Teile. (Seltene Ausnahme: In der Heraldik darf nie Metall neben Metall [Silber, Gold], nie Farbe neben Farbe stehen.)

In Wissen visualisierenden Graphiken haben diese Basiselemente oft andere Funktionen als beispielweise in der Landschaftsmalerei. (Hier gibt es beispielsweise die Technik, mittels Farbe Ferne darzustellen, weil blaustichige Farben, wie wir sie am Horizont wahrnehmen, als ›fern‹ erscheinen.) Oder in der Ikonographie, wo z.B. purpur als imperiale Farbe gilt.

• Auf einer geologischen Karte entsprechen die Farben nicht den wirklichen Farben der Gesteine. (Bei einer Klimakarte dagegen wird man die ariden Gebiete braun und die fruchtbaren Wiesen grün darstellen.)

Ed. Imhof, Schweizer Mittelschulatlas, XVI. Auflage 1972, S. 17.

• Die Schraffur kann bei einem mimetischen Bild zur Darstellung der Plastizität einer runden Form und des Schattens eingesetzt werden. Beispiel:

Physica Sacra Johannis Jacobi Scheuchzeri, Medicinae Doctoris, & Math. in Lyceo Tigurino Prof. ... Iconibvs Aeneis illustrata […] , Augustae Vindelicorum & Ulmae: Pfeffel, 1731–1735; Band I, Tab. X.

• Die Schraffur kann aber auch diagrammatische Funktion haben. Im Beispiel: Die Schlange ›sieht‹ mit speziellen Organen am Kopf Infrarot-Strahlung, und zwar stereoskopisch. In der Zeichnung ist das Gesichtsfeld des linken und rechten Organs verschieden gerastert, so dass die Überschneidungszone deutlich wird.

Dietrich Burkhardt, Wolfgang Schleidt und Helmut Altner: Signale in der Tierwelt. Vom Vorsprung der Natur. Moos & Partner, Gräfelfing 1966; S.24.

Literaturhinweise zum Thema Bild-Elemente in wissensvermittelnder Literatur:

Jacques Bertin (1918–2010), Sémiologie Graphique. Les diagrammes, les réseaux, les cartes, Paris: Mouton 1967 und Neuauflagen und Übersetzungen.

Robert L. Harris, Information Graphics. A Comprehensive Illustrated Reference, New York: Oxford University Press 1999. > http://books.google.ch/books?id=LT1RXREvkGIC

nach oben

 
     
 

II. Einschränkungen / Potentiale

Aus den Bauelementen und Strukturprinzipien ergeben sich in jedem der beiden Medien gewissen Einschränkungen; bzw. das jeweilige Medium auferlegt Regeln.

Umgekehrt eröffnet jedes der beiden Medien Freiräume, hat ein besonderes Potential.

Zwei Felder sind besonders wichtig:

II. 1 Schematisierung – Zwang zum Konkreten

II. 2 Diskursiv – simultan

nach oben

 
     
 

II. 1 Schematisierung – Zwang zum Konkreten

Die Sprache (die Eigennamen ausgenommen) schematisiert: Bereits simple Wörter wie Hund, Gabel, essen, kurz fassen etwas Allgemeines, erst recht die sogenannten ›Abstrakta‹ wie Geist, Nation usw.

Im Gegensatz zum Medium Sprache tut sich das Medium Bild mit dieser Schematisierung schwer. In einem Text kann man einfach schreiben »Ein Junge trat ins Zimmer.« Bei der bildlichen Darstellung muss der Graphiker entscheiden, ob er ihn barhäuptig oder mit einer Kopfbedeckung zeigt.

Es stellt sich die Frage: Was kann man in welchem Medium unausgedrückt lassen / was muss man darstellen?

• Erstes Beispiel: Die Definition von Klammer mittels Sprache lässt sich abstrakt fassen als eine Vorrichtung zur jederzeit lösbaren Verbindung zweier Teile. Das Bild erlaubt das nicht: es müssen die verschiedenen Ausprägungen gezeigt werden, und der Betrachter hat eine Abstraktionsleistung zu erbringen. — Im Abschnitt über die Klammer in der Arithmethik ist aber das Medium Bild praktischer, um die Typen (), [], {} zu unterscheiden!

Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 10 (1931), s.v. Klammer

• Zweites Beispiel: Im Medium Sprache kann man sagen: Ich habe einen Aurora-Falter gesehen. Im Medium Bild muss man wegen des Geschlechtsdimorphismus des Tiers ein Weibchen und ein Männchen (nur bei ihm ist die äußere Hälfte der Vorderflügel orange gefärbt) zeigen, d.h. auch hier die Technik der Bildvielheit wählen.

Das Medium Bild zwingt den Graphiker, gewisse Dinge darzustellen, die für das Visualisierungsinteresse nicht von Belang sind.

• Drittes Beispiel: Zur Darstellung des Tonfilmateliers muss der Graphiker irgendeine Szene, die hier gedreht wird, zeichnen; dass es gerade ein Ritter-Film ist, trägt zur Information nichts bei. Der Graphiker rechnet damit, dass der Betrachter solche Züge ausser Acht lässt – in unserem Beispiel kann er davon absehen, dass statt der Szene mit dem die Dame anflehenden Ritter auch eine beim Abendbrot sitzende Familie gefilmt werden könnte.

Der Große Duden. Bildwörterbuch der deutschen Sprache … hg. Otto Basler, Leipzig: Bibliographisches Institut 1935; Tafel 118: Das Tonfilmatelier

Übrigens wird 1966 in der 4. Auflage des in der DDR erschienenen Bildwörterbuchs deutsch/russisch (Tafel 93) immer noch eine Ritter-Szene abgebildet.

Kulturelles (Essen, Kleidung, Wohnen, Verkehr usw.) muss kulturspezifisch dargestellt werden. Das wird deutlich beim Vergleich von Bildwörterbüchern aus Europa und China.

Mit der Zeit wurden graphische Techniken entwickelt, um eine gewisse Schematisierung zu erreichen.

• Silhouette. Der Schattenriss abstrahiert das vollplastische Objekt auf das (den Graphiker interessierende) Wesentliche. Berühmt sind die Portraits von Lavater. (Mehr dazu im Kapitel über Linien.)

Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntnisze und Menschenliebe / von Johann Caspar Lavater (1775/78) > http://www.e-rara.ch/zut/content/pageview/295621

• Umrissliniendarstellungen (die den Vorteil haben, weniger zu konkretisieren und Teile im Vagen zu belassen) wurden entwickelt, namentlich von John Flaxman (1755–1826; Illustrationen zur Ilias, Odyssee, Divina Commedia).

Beispiel: Der Graphiker hat die Gesichter und die Umgebung weggelassen, weil man ihnen keine Aufmerksamkeit schenken und den Blick auf die Kleidung lenken soll. Die Betrachterin soll nicht sagen können: ›Schau mal diese prächtige Landschaft, in der diese Leute wandern!‹ oder ›Der Lautenschläger schaut aber etwas missmutig drein.‹

Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen und Leben, 12. Band, Freiburg/Br. 1935, s.v. Wanderkleidung

• Eine andere Technik ist das graphische ›Freistellen‹ (engl. ›cropping‹), das heisst die Befreiung eines Motivs von einem störenden Hintergrund; damit soll sichergestellt werden, dass der Betrachter vom Umfeld und anderem Beiwerk nicht abgelenkt wird.

Beispiel: Bei den Rachenmustern von Vögeln wird der Kopf des Vogels selbst weggelassen, weil sein Aussehen (den Leser des Buchs ebenso wie den Jungvogel) nicht interessiert:

Adolf Portmann, Die Tiergestalt. Studien über die Bedeutung der tierischen Erscheinung, Basel: F.Reinhardt 1948; Abb. 88.

nach oben

 
     
 

II. 2 Diskursiv – simultan

Diskursiv (von lat. discurro ›durchlaufen‹); simultan (von lat. simul ›zugleich‹) – Vgl. ähnlich Susanne K. Langer (1942)

Der Text ist an die Linearität gebunden und gängelt den Leser zwangsläufig beim Lesen von Wort zu Wort. Erst nach dem Aufarbeiten der Details lässt sich der Inhalt verstehen. Man denke an den alten Witz der französischen Simultandolmetscher aus dem Deutschen (beim Nebensatz): »Attendez le verbe!«

In einem Bild kann man den Blick willkürlich gleiten lassen, beispielsweise bei der Darstellung der Anordnung der Speisen auf dem Tisch beim »Service à la Française« (im Ggs. zu ›à la Russe‹). (Die Nummern schreiben nicht vor, in welcher Reihenfolge man das Bild anschauen soll; sie dienen nur dem Verweis auf die Legende. Nicht nur der Betrachter des Bilds lässt den Blick schweifen, auch der Betrachter der wirklichen Speisen auf dem Tisch …)

Amaranthes [Gottlieb Siegmund Corvinus], Frauenzimmer-Lexikon, Leipzig: Gleditsch 1715; hinten eingebunden.

Vgl. dazu den Artikel Tafel: Heisset unter dem Hauß-Geräͤthe ein langer oder auch zusammen geschobener Tisch, woran bey denen Hochzeiten, Gastereyen und andern Ausrichtungen, viel Personen sitzen und speisen köͤnnen, es werden mit selbigen öͤffters, absonderlich bey Höͤfen, allerhand Figuren formiret, als halbe Monden, Nahmen u. d. g. – und die Legende:

1. Gedämpfftes Kalbs-Viertel. 2. Türckische Hüner mit Krebsen, Carfiol und Klösen. 3. Uberschlagene Pastete. 4. Ragout in Papier mit schöpsfüssen. 5. Grillade von Tauben. 6. Farcirte Cotoletten. 7. Hirsch-Keule. 8. Capaunen und Gans gebraten. 9. A la daube von schöps-Keulen. 10. Blaue Forellen in serviet. 11. Aepffel-strauben. 12. Gitter-Torte von Citronat.

Die Blickbewegungsabfolge beim Betrachten eines Bildes ist nicht durch die Struktur des Bildes bestimmt wie bei der Sprache (hier eben zwingend linear), sondern durch die Psyche des Betrachters und sein Interesse, sie ist auch gender-spezifisch.

Der russische Psychologe Alfred Lukyanovich Yarbus (1914–1986) hat Blickbewegungen untersucht:

Quelle: A. L. Yarbus, Eye Movements and Vision. New York: Plenum Press, 1967. (Übersetzung des Buchs Moskau 1965.) > https://en.wikipedia.org/wiki/Eye_tracking

Die Analyse der Blickbewegungsabfolgen beim Betrachten eines Bilds ist für die Werbe-Industrie von Bedeutung; vgl. dazu die Stichwörter eye tracking und Blickverlaufsanalyse und die interessante Homepage http://eyetracking.ch/wahr-oder-falsch {28.08.2016}

Es gibt auch Bildtypen, wo dem Betrachter eine ›Leserichtung‹ nahegelegt wird, zB. Prozessdiagramme und ähnliche.

Die Pfeile zeigen den Produktionsverlauf an. 1) Zerkleinerung des Holzes, 2) Holzschleifer, 3) Verdünnung, 4) Sortierung, 5) Entwässerung, 6) Holzschliff, 7) Zellstoff, 8) Ganzzeugholländer, 9) Papiermaschine, 10) Siebpartie, 11) Langsieb, 12) Gautschpresse, 13) Preßpartie, 14) Filzband, 15) Trockenpartie, 16) Trockenzylinder, 17) Kalander, 18) Schnitt, 19) Papierrollen.

Die Welt von A – Z, (1953), Seite 423

Lessing (»Laokoon«, 1766, Kapitel XVI bis XVIII) schreibt:

»Gegenstände, die nebeneinander oder deren Teile nebeneinander existieren, heißen Körper. Folglich sind Körper mit ihren sichtbaren Eigenschaften die eigentlichen Gegenstände der Malerei.

Gegenstände, die aufeinander, oder deren Teile aufeinander folgen, heißen überhaupt Handlungen. Folglich sind Handlungen der eigentliche Gegenstand der Poesie.« (XVI)

Er nennt den »Kunstgriff«, mit dem der Dichter es fertigbringt, Gegenstände mediengerecht zu präsentieren: »Was das Auge mit einmal übersiehet, zählt er uns merklich langsam nach und nach zu, […]« (XVII), d.h. er transformiert den Gegenstand in Handlung.

Das prägnanteste Beispiel ist der [Lessing: das] Schild des Achill im 18. Gesang von Homers »Ilias« (Verse 478–603).

»Ein Schild, wird man sagen, ist doch wohl ein einzelner körperlicher Gegenstand, dessen Beschreibung nach seinen Teilen nebeneinander dem Dichter nicht vergönnet sein soll? Und dieses Schild hat Homer, in mehr als hundert prächtigen Versen, nach seiner Materie, nach seiner Form, nach allen Figuren, welche die ungeheure Fläche desselben füllten, so umständlich, so genau beschrieben, daß es neuern Künstlern nicht schwer gefallen, eine in allen Stücken übereinstimmende Zeichnung darnach zu machen.

Homer malet nämlich das Schild nicht als ein fertiges vollendetes, sondern als ein werdendes Schild. Er hat also auch hier sich des gepriesenen Kunstgriffes bedienet, das Koexistierende seines Vorwurfs in ein Konsekutives zu verwandeln, und dadurch aus der langweiligen Malerei eines Körpers das lebendige Gemälde einer Handlung zu machen. Wir sehen nicht das Schild, sondern den göttlichen Meister [Hephaistos], wie er das Schild verfertiget.« (XVIII)

Ein kurzer Ausschnitt aus Homer (in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß 1793 )

Erst nun formt’ er den Schild, den ungeheuren und starken,
Ganz ausschmückend mit Kunst. Ihn umzog er mit schimmerndem Rande,
Dreifach und blank, und fügte das silberne schöne Gehenk an.
Aus fünf Schichten gedrängt war der Schild selbst; oben darauf nun
Bildet' er mancherlei Kunst mit erfindungsreichem Verstande.
Drauf nun schuf er die Erd', und das wogende Meer, und den Himmel,
Auch den vollen Mond, und die rastlos laufende Sonne;
Drauf auch alle Gestirne, die rings den Himmel umleuchten,
Drauf Plejad' und Hyad', und die große Kraft des Orion, Auch die Bärin, die sonst der Himmelwagen genannt wird, Welche sich dort umdreht, und stets den Orion bemerket,
Und allein niemals in Okeanos' Bad sich hinabtaucht.

[…]
Drauf zwo Städt’ auch schuf er der vielfach redenden Menschen,
Blühende: voll war die ein' hochzeitlicher Fest' und Gelage.
Junge Bräut’ aus den Kammern, geführt beim Scheine der Fackeln,
Gingen einher durch die Stadt; und hell erhub sich das Brautlied:
Tanzende Jünglinge drehten behende sich unter dem Klange, 495
Der von Flöten und Harfen ertönete;
[…] > http://gutenberg.spiegel.de/buch/ilias-1821/59

Es ist immer wieder versucht worden, das Aussehen des Schilds zu rekonstruieren; Lessing zitiert (Kap. XIX) Jean Boivin de Villeneuve (1663–1726), Apologie d'Homère, et Bouclier d'Achille (Paris 1715), p. 236: > http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN647534053

1809 zeichnet Quatremère de Quincy (1755–1849) den Schild nochmals.
> http://www.quatremere.org/Pages/bouclier_Achille.aspx
Dieses Bild wird bald populär, vgl. die erste Nummer des »Magasin pittoresque« (1833), pag. 17
> http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k314169/f21.item

nach oben

 
     
 

III. Welche Inhalte können in welchem Medium besser repräsentiert werden?

III. 1 Komplexe räumliche Strukturen

III. 2 Bewegung, Abläufe, vorher – nachher

III. 3 Tempus

III. 4 Vergleich ähnlicher / analoger Objekte

III. 5 Typisierungen

III. 6 Schlüsselreize

III. 7 Semantik

nach oben

 
     
 

III. 1 Komplexe Strukturen

Insbesondere wenn eine räumliche Stuktur gezeigt werden soll, ist das Medium Bild eindeutig überlegen.

Jean Marc Bourgery (1797–1849), Traité complet de l’anatomie de l’homme, 1832–1844. Vgl. das Digitalisat > http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bourgery1831ga

Moderne technische Geräte sind so kompliziert, dass sie das Medium Bild verlangen:

Schaltschema; engl. Circuit diagram

nach oben

 
     
 

III. 2 Bewegung, Abläufe, vorher – nachher

Das Medium Bild scheint hier – mit technischen Tricks verwendet – in gewisser Hinsicht dem Medium Sprache überlegen zu sein.

••• Man kann das sich vor einem Hintergrund bewegende Objekt in einer Art Stroboskop-Fotografie oder Langzeit-Fotografie abbilden.

Frank Bunker Gilbreth (1868–1924) wollte – im Sinne der Unternehmensphilosophie des Taylorismus – diejenigen Bewegungsabläufe, die nicht einem optimalen Arbeitsablauf dienen, eliminieren. Dazu befestigte er Lämpchen an Armen und Händen von Arbeiter(inne)n, ließ sie ihre Arbeit verrichten und machte photographische Langzeitaufnahmen. — Durch die Technik von Gilbreth ist das Bild der Bewegung eines Dirigenten inspiriert:

Pestalozzikalender 1952; S. 251–253: Die Hände des Musikers

••• Man kann die aufeinanderfolgenden Phasen in einer Reihe von Einzelbildern eines Films wie einen Comic Strip chronologisch aneinanderreihen.

Battement développé aus: Gerhard Zacharias, Ballett – Gestalt und Wesen. Die Symbolsprache im europäischen Schautanz der Neuzeit, Köln: DuMont Schauberg 1962, Abb. 14 (Zeichnung von Tamara Mertens).

Zu erinnern ist an die Reihenfotografien von Eadweard Muybridge (1830–1904) und Étienne-Jules Marey (1830–1904).

nach oben

 
     
 

III. 3 Tempus

Test: Die beiden folgenden Bilder beschreiben Flugzeuge. Welches beschreibt ein vergangenes Ereignis, welches ein zukünftiges?

A:

B:

Ergebnis: Einem Bild sieht man nicht an, ob ein vergangenes oder zukünftiges Ereignis gemeint ist. Dazu sind Hintergrundsinformationen oder ein begleitender Text nötig.

A beschreibt Alexanders Luftfahrt, die keineswegs als Utopie aufgefasst wurde, sondern als sich ereignete Begebenheit. Alexander der Große ließ sich ein Gefährt konstruieren, an das er hungrige Greifen band, die er mit einem Aas köderte, so dass sie ihn in die Luft trugen.

Holzschnitt von Hans Schäufelein († um 1538 / 1540), in: Max Geisberg, Der deutsche Einblattholzschnitt in der 1. H. 16. Jh. München 1930, Nr. 1063.

Dazu der Text aus dem »Großen Alexander« (14. Jahrhundert; hg. G. Guth, DTM 13, Berlin 1908, S. 80; Verse 5585ff.): Auf den wagen er do sazz. | Da die greiffen daz azz | Sahen in den lüften, | Sie begunden güften [sich freuen] | Zu stund noch der speiß | Und flugent auf vil leiß | In dem luft vil verr. – Man beachte die Präteritums-Formen des Verbs.

Literatur: Wolfgang Stammler, Aritkel »Alexander der Große«, in: RDK I (1934), Sp. 332–344 > http://www.rdklabor.de/wiki/Alexander_d._Gr.

B beschreibt das Projekt für ein künftig zu bauendes Flugzeug »La Passarola« von Bartolomeu Lourenço de Gusmão (1685–1724).

Dieses Kunst-Stück ist von einem Geistlichen aus Brasilien erfunden/ und Ihro Königlichen Majestät von Portugall übergeben worden/ Und soll damit den 24. Juni dieses 1709. Jahres die Probe zu Lissabon geschehen. — Man beachte die Futur-Form des Verbs.

Zum Prinzip des Höhenflugs vgl. die Legende zu F. Weiset an ein von Eisen-Drat gemachtes Dach/ in Form eines Netzes verfertiget/ in dessen Drat-Fäden eine Menge grosser Agtsteiner Corallen sollen angefasset werden/ so mit einer grossen Würckung wird helffen das Schiff in der Höhe zu halten/ und dieses durch die Hitze der Sonnen-Strahlen/ durch welche obgemelte Agtsteine die Binsene Decken werden gegen sich ziehen. – So muss das ja funktionieren.

Abbildung bei Michael Bernhard Valentini, Museum Museorum Theil 3: Neu-auffgerichtetes Rüst- und Zeughauß der Natur/ Worinnen Die so wundersame/ curiöse/ auch sehr nützlich Machinen und Instrumenten / deren sich die heutige Naturkündiger in Erforschung der natürlichen Ursachen bedienen / zu sehen und zu finden sind. […], Frankfurt a.M.: Zunner 1714; Kapitel IX, S. 35. > http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00040506 —
Dessen Quelle a.d.J. 1709 > https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41015616

Im Medium Sprache (in den indeoeuropäischen und semitischen Sprachen, andere kennt der Verf. nicht) gibt es die Möglichkeit, das Tempus auszudrücken.

nach oben

 
     
 

III. 4 Vergleich ähnlicher / analoger Objekte

Das Nebeneinanderstellen von Bildern ähnlicher Objekte ist der sprachlichen Ausformulierung der Unterschiede überlegen, weil wir mit dem Gesichtssinn feinste Unterschiede schnell wahrnehmen können, während eben die Sprache generalisiert, typisiert. (Vgl. hierzu das Kapitel Bildvielheit)

Die antiken Säulenordnungen aus: Vitruvius, Des aller namhafftigisten unnd hocherfahrnesten/ Römischen Architecti/ unnd kunstreichen Werck oder Bawmeisters/ Marci Vitruvij Pollionis/ Zehen Bücher von der Architectur und künstlichem Bawen. […] Erstmals verteutscht/ unnd in Truck verordnet Durch D. Gualtherum H. Rivium .... Basel: Henricpetri [1614].

Pierre Belon (1517–1564) beobachtete als erster Ähnlichkeiten im Grundbauplan des Skeletts der Wirbeltiere. Er stellt das Skelett eines Menschen demjenigen eines Vogels gegenüber, um die Homologien* zu zeigen: L’anatomie des ossements des oyseaux, conferee auec celle des animaux terrestres, & de l’homme (Livre I, Chap. XII). *In der modernen Biologie nennt man die einander entsprechenden Skelettteile ›homolog‹.

Pierre Belon, L’histoire de la nature des oyseaux, avec leurs descriptions, & naïfs portraicts retirez du naturel: escrite en sept livres, Paris 1555 > http://www.e-rara.ch/nev_r/content/pageview/1893505 (und die nächste Seite)

Die Objekte können zwecks Vergleich statt nebeneinander auch übereinander dargestellt sein.

Vergleich zwischen den vier Großflugzeugen Hughes H-4 (gelb), Antonow An-225 (grün), Boeing 747 (blau) und Airbus A380 (rot). > https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Giant_planes_comparison.svg

Vgl. hierzu speziell das Kapitel Bildvielheit.

nach oben

 
     
 

III. 5 Typisierung

Francis Galton (1822–1911) wollte physiognomische Typen darstellen. Er verwendete dazu das Verfahren der »composite photography«: Die Negative mehrerer Portraits einer Personengruppe belichtete er übereinander auf dasselbe Papier. So entstanden leicht verschwommene Bilder, die gerade kein individuelles Abbild darstellten, sondern einen Typ. Composite portraits made by combining those of many different persons into a single figure, 1878.

Der typische Kriminelle; von F.Galton hergestellte Komposit-Photographie als Titelbild von Henry Havelock Ellis, The Criminal, New York, Scribner & Welford 1890 > https://archive.org/details/criminal00elli

Eine andere Technik der Typisierung ist die Karikatur:

George Grosz (1893–1959): ’s riecht hier nach Pöbel

Im Medium der Sprache lassen sich ebenso typische Figuren schildern, vgl. Thomas Manns Portrait der Romanfigur Bendix Grünlich (»Buddenbrooks«, 3.Teil):

Durch den Garten kam, Hut und Stock in derselben Hand, mit ziemlich kurzen Schritten und etwas vorgestrecktem Kopf, ein mittelgroßer Mann von etwa 32 Jahren in einem grüngelben, wolligen und langschößigen Anzug und grauen Zwirnhandschuhen. Sein Gesicht, unter dem hellblonden, spärlichen Haupthaar war rosig und lächelte; neben dem einen Nasenflügel aber befand sich eine auffällige Warze. Er trug Kinn und Oberlippe glattrasiert und ließ den Backenbart nach englischer Mode lang hinunterhängen; diese Favoris waren von ausgesprochen goldgelber Farbe. – Schon von weitem vollführte er mit seinem großen, hellgrauen Hut eine Gebärde der Ergebenheit.

nach oben

 
     
 

III. 6 Schlüsselreize

Dem Medium Sprache sind deutlich überlegen bildliche Gestalten, die als »Schlüsselreiz« eine bestimmte Emotion auslösen. Man stelle sich vor, das La Colère äußernde Gesicht von Charles Le Brun (1619–1690) würde sprachlich geschildert: Könnten wir dann sofort den Affekt erkennen, der darin aufscheint?

Les expressions des passions de l'âme, représentées en plusieurs testes gravées d'après les dessins de feu M. Le Brun; Paris: J. Audran 1727. > http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k1352510/f49
∆ Hier handelt es sich nicht um ein in erster Linie Wissen vermittelndes Bild, sondern um ein Bild, mit dem Le Brun zeigen will, wie der Ausdruck einer Emotion (das ist das Wissenselement) visualisiert werden kann.

Die – umständliche, schwerfällige – sprachliche Variante findet sich etwa in der Enzyklopädie von Krünitz:

Daher sagt le Brun: „Wenn der Zorn sich der Seele bemächtiget, so hat derjenige, der diese Leidenschaft empfindet, rothe Augen” (nicht allemahl!) „der Augapfel sieht verwirrt und blitzend aus; die Augenbraunen gehen bald nieder, und bald wieder in die Höhe; die Stirn hat zwischen den Augen starke Runzeln und Falten; die Nasenlöcher stehen weit offen; die Lefzen drücken sich aneinander; insonderheit aber geht die untere Lefze über die obere hervor**; die Winkel des Mundes öffnen sich ein wenig, und verursachen mithin ein grausames und verächtliches Lächeln. Im Uebrigen scheints auch, als ob ein solcher Mensch die Zähne auf einander beiße, und ihm der Mund voll Wasser stehe; so ist nicht minder das Gesicht an einem Orte bleich, hingegen an einem andern erhitzt und ganz aufgeblasen; die Adern an der Stirne, den Schläfen und dem Halse blähen sich auf, und, statt Athem zu holen, pflegt der Zornige zu schnauben.”

** [Anmerkung] Dieses Hervorgehen der Unterlefze kann füglich nur bey denen Gesichtern Statt finden, die eine Anlage dazu haben, daß der untere Kinnbacken vor dem obern hervorgehen kann. Bey denen, die einen nicht so gebaueten Mund haben, würde solches manches Mahl mit vieler Schwierigkeit nur geschehen.

Camper [Peter Campers Vorlesungen etc. über den Ausdruck der verschiedenen Leidenschaften durch Gesichtszüge. Aus dem Holländischen übers. von Schatz, Berlin, 1793, S. 10] sagt hierüber bloß: „Ein geringer, wüthender Mensch schlägt mit Händen und Füßen um sich; er stampft den Boden, daß es dröhnt, indeß sein Gesicht in tausend Falten verzogen wird.” Wahrscheinlich fand er beym Zorne sowohl, als bey allen übrigen Leidenschaften die große Schwierigkeit, eine allgemeine Regel zu geben, die den Ausdruck einer Leidenschaft für alle und jede, auch ganz verschieden gebauete Gesichter, darthut. Le Brun, der doch noch immer ein Meister in seiner Kunst ist, und denen unsere Künstler so häufig nacharbeiten, hat uns fünf Gesichter zurückgelassen, in denen er uns den Zorn vorstellet.

Krünitz, Oekonomisch-technologische Enzyklopädie oder allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung, Artikel »Leidenschaft« (Fünf und siebzigster Theil; Berlin 1798, hg. Friedrich Jacob Floerken), S. 207.

Literaturhinweise zum Begriff ›Schlüsselreiz‹:

Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Der vorprogrammierte Mensch. Das Ererbte als bestimmender Faktor im menschlichen Verhalten, Wien: Molden 1973.

Irenäus Eibl-Eibesfeldt / Christa Sütterlin, Im Banne der Angst. Zur Natur- und Kunstgeschichte menschlicher Abwehrsymbolik, München: Piper 1992.

nach oben

 
     
 

III. 7 Semantik

Bedeutungen von Wörtern, die Realia bezeichnen, können mittels Ostensivdefinition anhand eines Bilds schnell erklärt werden.

Der Volks-Brockhaus. Deutsches Sach- und Sprachwörterbuch für Schule und Haus. 9., verbesserte Auflage, Leipzig 1941.

Das Bild der Takelung eines Segelschiffs zeigt einerseits (dem Binnenländer), wie ein solches Schiff aussieht, anderseits benennt es die an den verschiedenen Orten angebrachten Segel.

nach oben

 
     
 

IV. Welche logischen Operationen können in welchem Medium besser repräsentiert werden?

IV.1 Deixis

IV. 2 Logische Verhältnisse

IV. 3 Deontische Aussagen

IV. 4 Negation

IV. 5 Meta-Aussagen

IV. 6 Ungewissheit, Näherungen

nach oben

 
     
 

IV. 1 Deixis

Die Sprache kennt ›deiktische‹ Ausdrücke. Damit (von griech. deíknymi = ich zeige) verweisen wir als Sprecher auf eine Person / einen Ort / ein Objekt. Ausdrücke hierfür sind etwa: dieses, jenes, hier, dort, das folgende, …

Deixis kann bildlich umgesetzt werden, indem man in einem unübersichtlichen Ensemble mit einem Pfeil (vgl. das Kapitel zu Linien und Pfeilen) auf das gemeinte Objekt zeigt. Wir kennen das neuerdings von den seltsamen Pictogrammen, die auf Google Maps (und Abkömmlingen) zeigen: »Hier ist das Gesuchte«!

Screen shot von Google Map.

Die Frage der Deixis hat indessen noch einen interessanteren Aspekt: Mit einem deiktischen Ausdruck kann man nur auf ein Individuum, ein Einzelexemplar verweisen, nicht auf eine Klasse von Objekten. Wie zeigt ein Bild, welche der beiden Aussagen aktuell der Fall ist?

Es gibt beispielsweise Elefanten-Individuen, die als solche hervortraten: der Elefant Hanno (gest. 1516); der 1629 in verschiedenen deutschen Städten gezeigte Elefant; der Elefant Soliman (gest. 1553); der Elefant Hansken (gest. 1655); der Zirkuselefant, der am 29. Juni 1866 in Murten ausrastete und durch eine Kanonenkugel erlegt wurde.

Im Bild ist nicht erkennbar, ob ein deiktisch hervorgehobenes Individuum oder die Klasse gemeint ist; das muss durch Beischriften oder durch den Kontext (z.B. Flugblatt zu einem datierten Ereignis) geleistet werden.

Wahre Contrafactur des Elephanten, welcher inn Fastenmeß allhier zu Franckfuhrt ist zu sehen gewesen, dieses 1629. Jahrs.

Diser Elephant so zehen Jahr alt ist 8 1/4 Schu hoch, und 9 Schuch lang, abgericht zu unterschiedlichen Künsten, daß, was man in Frantzösischer sprach ihme zu geredt, wohl verstehn und als baldt thun und leichtlich verrichten können.

Ingrid Faust u.a., Zoologische Einblattdrucke und Flugschriften vor 1800, Stuttgart: Hiersemann, 1998-2010; Band 4: Wale, Sirenen, Elefanten; Nr. 651 (dort Nr. 645–685 weitere Beispiele)

Stephan Oettermann, Die Schaulust am Elefanten. Eine Elephantographia Curiosa, Frankfurt/M.: Syndikat 1982.

Das Auftreten des Bilds in der Textsorte ›Biologiebuch‹ (Buffon, Brehms) macht deutlich, dass das Generische gemeint ist.

Elefant (der) ist das größte der auf dem Lande lebenden Säugethiere, wird 12–16 F. hoch, mißt noch mehr in der Länge und lebt heerdenweise in den sumpfigen Wäldern und an den Flüssen des südl. Asien und Afrika. Seinen plumpen Körper bedeckt meist eine schwarzgraue, dicke, mit einzelnen Borstenhaaren besetzte Haut […]

Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk, Ein Handbuch zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und zur Unterhaltung in 4 Bänden, Leipzig: Brockhaus 1837; Band I, S. 648. > http://www.zeno.org/nid/20000824097

nach oben

 
     
 

IV. 2 Logische Verhältnisse

Der Wortschatz der Sprache enthält Autosemantika (damit werden Einheiten des Wortschatzes bezeichnet, welche eine vom Kontext unabhängige und selbständige lexikalische Bedeutung aufweisen, sich landläufig gesagt auf Dinge in der Welt beziehen), ferner Hilfswörter mit grammatischer Funktion (z.B. die Artikel im deutschen), schließlich logische Operatoren wie (prädikatenlogisch) alle, einige; (aussagenlogisch) wenn — dann, weil usw.

Im Medium Bild sind logische Verhältnisse nur über Umwege darstellbar.

Eine Technik ist die Umsetzung in ein Narrativ, das dann visualisiert werden kann. Der Betracher muss aber die Logik selbst aus seinem Sachwissen beisteuern (ggf. nach dem Prinzip ›post hoc, ergo propter hoc‹).

Beispiel Kaufkraft. Als Kaufkraft bezeichnet man den Wert des Geldes einer Währung in Bezug auf die Menge der Waren, die man dafür kaufen kann. Die damit zusammenhängenden Begriffe Steigen / Fallen / Gleichbleiben der Kaufkraft sind in den drei für sich stehenden Bildern jeweils als ein Narrativ umgesetzt worden. Dabei geht es auch um die Darstellung eines Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs.

Kaiser’s Schatzkästlein (Pestalozzi-Kalender II. Teil), Bern 1914; S. 176.

Dabei wirken zwei Bild-Komponenten zusammen.

• Die erste bildet die Ursachen ab, wie sie im beigefügten Text beschrieben sind, d.h. eine große oder geringe Menge an Gütern sowie eine hohe oder niedrige Geldmenge (ausgedrückt durch die Zahlen auf den hochgehaltenen Panneaus).

• Die zweite Bild-Komponente, die Wirkung auf Anbieter und Käuferschaft, ist dagegen in den Bilderklärungen nicht enthalten, sondern allein durch deren Gestik und Mimik ersichtlich. So wird in der Zeichnung zum Fallen der Kaufkraft ein hochnäsiger Verkäufer mit verschränkten Armen dargestellt, die zahlreichen Kunden dagegen kommen begierig, mit ausgestreckten Armen, angerannt.

nach oben

 
     
 

IV. 3 Deontische Aussagen

In der Sprache kann man mit einfachen Mitteln deontische Aussagen (es ist erlaubt, du darfst nicht) formulieren.

Es gibt einige Tricks, wie man im Medium Bild solche Aussagen machen kann. Sie beruhen auf vorausgehender (sprachlich bewerkstelligter) Instruktion, sind dem Bild selbst nicht zu entnehmen.

••• Eine verwerfliche mythologische Gestalt rät einer Person zu einer Handlung, die verboten ist. Hier rät ein Teufelchen zu töten (wider das fünfte Gebot).

Seelentrost, Augsburg: Anton Sorg 1478. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00032037/image_223

••• Es wird ein Zusammenhang zwischen dem moralisch verwerflichen Tun und einer noch schlimmeren Folge beschrieben, was visualisiert werden kann.

(J.D.) Der ›Feiertagschristus‹ ist ein Bildmotiv, das im späten 14. und 15. Jahrhundert an Kirchenwänden angebracht wurde. Das Bild weist auf das Verbot der Feiertagsarbeit hin (Ex 20, 8–11; Deut 5, 12–15), indem es zeigt, dass die sonntägliche Arbeit Christus ebenso grausam verwunden würde wie die Geisselung und Kreuzesnägel während der Passion. Dargestellt wird dazu der nur von einem Lendentuch bekleidete Christus, umgeben von bäuerlichen und handwerklichen Arbeitsgeräten und Alltagsgegenständen, welche ihm andeutungsweise oder konkret Verletzungen beibringen.

Kirche Sogn Gieri in Rhäzüns; Aufnahme von P.M.

In der Darstellung der Kirche Sogn Gieri finden sich (im Uhrzeigersinn, oben rechts beginnend): Kamm, Schere, Webkamm, Drehbank, runder Tisch mit drei Würfeln, Flöten, Sense, Mühlstein, Rechen, Pflug mit Eisenschar, Holzbeil, Hammer und Amboss, Werkbank mit Breitbeil, Backofenschaufel zum Broteinschiessen, Maurerhammer und Stein, Sichel, Halbfigur mit Apfel (offenbar entstanden aus anderen Darstellungen mit zwei sich küssenden Köpfen), Tisch mit Krummmessern, Maurerkelle, zwei Münzen, Lanze, Langmesser und Spitzhacke.

Die Gegenstände stehen dabei metonymisch für die mit ihnen ausgeübten Tätigkeiten. Es wird eine kausale Beziehung zwischen der sonntäglichen Handwerkerei, Feld- und Hausarbeit – hier auch dem Glücksspiel – und dem versehrten Leib Christi dargestellt. Verdeutlicht wird dies durch die roten Hilfslinien, welche die Werkzeuge mit den blutenden Wundmalen verbinden. Die Negation wird also durch die Darstellung der Folgen augenscheinlich gemacht.

Literaturhinweis: Robert Wildhaber, Artikel »Feiertagschristus«, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. VII (1979), Sp. 1002–1010. > http://www.rdklabor.de/w/?oldid=89165

••• Dass David sündigte, als er Bathseba begehrte (2.Samuel = II. Reg, Kapitel 11), wird von Tobias Stimmer (1539–1584) dadurch herausgestellt, dass er einen Affen bei der Szene zuschauen lässt, wie David die Badende betrachtet. (Der Affe kommt in der Bibel in dieser Szene nicht vor. Der Betrachter muss die Einschätzung dieses Tiers als töricht kennen; vgl. hierzu Horst W. Janson, Apes and ape lore in the Middle Ages and Renaissance, (Studies of the Warburg Institute 20), London 1952.)

Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien, Basel 1576.

••• Der deontische Begriff – zum Beispiel Mitleid – kann zunächst in eine exemplarische Geschichte umgesetzt werden; dieses Narrativ kann dann gezeichnet werden. Kleine Nuancen (wie ein Gesichtsausdruck) verstärken das deontische Moment.

J[ulius] Staub’s Bilderwerk zum Anschauungsunterricht für jüngere Kinder, Zürich: Hindermann & Siebenmann, 1875–79. > http://www.e-rara.ch/sikjm/content/pageview/4269755

Zum Bild gehört ein Text unter II. Kleine Erzählungen und Märchen, eine Reihe von Geschichten über moralisch richtiges Handeln. Dort wird berichtet, wie das Mädchen einen blinden Knaben am Straßenrand sieht, Mitleid fühlt und die Eltern um eine Gabe für ihn bittet.

Das Bild stellt das moralisch geforderte Mitleid mittels der dadurch motivierten Tat der Almosenspende dar (Metonymie: Wirkung für Ursache) und diese Tat im prägnanten Moment der Spendenübergabe. Die Eltern im Hintergrund stimmen fröhlich zu – das ergibt die positive Wertung und damit die deontische Aussage.

••• Pictogramme sind eine junge Erscheinung.

Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen und Leben, 12. Band, Freiburg/Br. 1935

Die Pictogramme von Auto, Bodenwelle, Bahnschranke u.a. beruhen auf einer Ähnlichkeitsrelation — die Dreiecks- und Kreisgestalt beruht auf Konvention, ebenso das Durchstreichen. Vgl. das Kapitel zu den Pictogrammen.

nach oben

 
     
 

IV. 4 Negation

Dass etwas nicht der Fall ist, lässt sich sprachlich leicht sagen – die philosophischen Probleme in diesem Zusammenhang sind allerdings beträchtlich.*

Lässt sich in einem Bild darstellen, was es (noch) nicht gibt?

Das erste Bild stellt dar Den Spanischen Successions-Krieg A.C. 1701 — Das zweite Bild: Die Schlacht bey Belgrad 1717 — Die folgenden Bilder sind für künftige Ereignisse freigelassen. Dass die Rahmen danach streben, gefüllt zu werden, wird durch den Kontext der bereits gefüllten ersichtlich.

Orbis terrarvm in nuce, sive Compendium Historiae Civilis Chronologicum in sculptura memoriali = Die Welt in einer Nuß oder kurtzer Begriff der merckwürdigsten Welt-Geschichte in einer Gedächtnis-hülfflichen Bilder-Lust / ausgefertigt Durch Christoph Weigeln ... Kupfferstechern und Kunsthändlern in Nürnberg / der Kais. Reichs-Post über wohnhafft. Anno 1722.

———

*) Vgl. Peter Schulthess: Die Realität der Finsternis im dunkelsten Mittelalter. Viel Lärm und nichts oder viel Lärm um das Nichts? in: Gestalt und Gestaltungen eines Gestalters (Neujahrsblatt der Gelehrten Gesellschaft in Zürich auf das Jahr 2014), hg. von Kurt R. Spillmann, Zürich: Verlag episteme.ch 2014; S. 83–104.

nach oben

 
     
 

IV. 5 Meta-Aussagen

Im Medium Text sind Meta-Aussagen leicht möglich: Ein Text(-Stück) kann selbst wieder Thema des Redens sein (zum Beispiel: Diese Aussage ist folgendermaßen zu verstehen: ...).

In Titelbildern von wissenvermittelnden Publikationen werden gelegentlich Objekt- und Meta-Ebene simultan dargestellt oder kontaminiert, wie hier, wo Gelehrte über verschiedene Arten von Vögeln (Objekt-Ebene) diskutieren (Meta-Ebene). Der Betrachter kann aber dem Bild nicht einfach entnehmen, dass all diese Vögel sich in einer anderen Bildebene befinden als die beiden Gelehrten.

Ortus Sanitatis, Mainz: Jacob Meydenbach 1491. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00027846/image_601

Aussagen über Aussagen kommen in narrativen Bildern vor. Beispielsweise, wenn in einer Darstellung einer träumenden Person deren Traum gezeigt wird.

Im Nibelungenlied (Fassung A: Strophen 13–14 und 18/4–18; B: Strophe 11; C: Strophe 12; siehe die Parallel-Ausgabe von M. Batts > https://books.google.ch/books?id=NxnW6pZzRIEC&pg=PA4) wird erzählt:

Es träumte einst Kriemhild, sie zöge einen starken, prächtigen, wilden Falken auf; den packten ihr zwei Adler mit den Klauen […] Den Traum erzählte sie ihrer Mutter Uote. (Die beiden Adler bedeuten Gunther und Hagen; der Falke bedeutet ihren Gatten Siegfried.)

Der Betrachter muss die Bildschichten trennen: (1) die Gekrönte, im Bett Schlafende = Kriemhild; (2) die Vögel, die Kriemhild im Traum erscheinen; (3) die vor dem Bett stehende Uote, der dann dieser Traum erzählt wird. – (2) und (3) stehen auf einer Meta-Ebene.

Seite aus dem Hundeshagener Codex (Berlin, Staatsbibl., mgf 855), aus Wikimedia

Weitere Hinweise zum Thema Traum hier

nach oben

 
     
 

IV.6 Ungewissheit, Näherungen

Die Sprache kennt zur Beurteilung der Realität der Aussage durch den Sprecher / zur Stellungnahme des Sprechers zur Geltung des Sachverhalts verschiedene Mittel:

  • Die Wurst wurde vielleicht / mutmaßlich / womöglich von der Katze gefressen.
  • Die Wurst könnte von der Katze gefressen worden sein.
  • Bestimmt / unstreitig hat die Katze die Wurst gefressen.
  • Die Wurst muss die Katze gefressen haben.
  • Keinesfalls hat die Katze die Wurst gefressen.

Der Sprecher kann die Genauigkeit von Maßen einschränken: ungefähr, annäherungsweise, beinahe, circa, etwa, schätzungsweise, approximately, roughly, nearly, usw.

Darwin schrieb über die erste Skizze der korallenartigen Verzweigungen, die die Entstehung der Arten visualisiwerten: I think.

Das linguistische Problem ist sehr komplex, vgl. etwa
> https://de.wikipedia.org/wiki/Modalität_(Sprachwissenschaft)
> http://www.glottopedia.org/index.php/Modalität

Bei gewissen Bildtypen ist möglich, Ungewissheit zu markieren. Bei (ehrlichen) Messungen wird der (engl.) range (dt. die Spanne) angegeben:

Quelle: Michael Correll / Michael Gleicher http://www.visualisingdata.com/2015/02/references-visualising-uncertainty

Das Schweizerische Bundesamt für Statistik hat im Oktober 2016 eine »Enquête sur la langue, la religion et la culture« publiziert. Das Balkendiagramm zeigt, in welcher der drei großen Sprachregionen welche Fremdsprachen regelmäßig gesprochen werden. Es steht hier als Beispiel für sorgfältigen Umgang mit Daten:

Der schraffierte Balken (Albanais in der Suisse italienne) besagt, dass die Umfragebasis wenig vertrauenswürdig ist, weil sie weniger als 30 befragte Personen beträgt. Oben an den Balken ist das sog. Konfidenzintervall angegeben; hier: mindestens 95% der erhobenen Daten enthalten den wahren (in Form des Balkens dargestellten) Wert.

Mimetische Bilder insinuieren, dass es das abgebildete Objekt gibt, und dass es so aussieht, wie das Bild zeigt. Mit welcher Technik kann der Graphiker seine Ungewissheit klarmachen?

Nicht gefüllte Flächen oder farbig hervorgehobene Materialien zeigen bei Rekonstruktionen von Baudenkmälern oder paläozoologischen Skeletten, welche Ergänzungen sich der Autor bloß vorstellt; leer gelassene Flächen zeigen, wo der Kartogaph das Gebiet nicht kennt.

• Rekonstruktion eines Stufenturms durch Sir Robert Ker Porter (1777–1842), basierend auf einer Zeichnung der Ruinen in Bis Nimrud. Aus: C. W. Ceram, Götter, Gräber und Gelehrte im Bild, Reinbek: Rowohlt 1957, Abb. S. 215.

• Fragmentarisch erhaltener Schädel von Australopithecus garhi; die rekonstruierten Teile farbig > https://fr.wikipedia.org/wiki/Australopithecus_garhi

• Willem Janszoon Blaeu (1571–1638), Nova totius terrarum orbis geographica ac hydrographica tabula, Amsterdam 1635: Das Landesinnere von Nord-Amerika ist leergelassen. (Als Raumfüller dient die Kartusche.)

nach oben

 
     
 

V. Rezeptions-Psychologie / Wahrnehmungs-Logik

Wir kennen Ausdrücke wie: Eye catcher — etwas ist augenfällig — cela saut aux yeux — Anschaulichkeit — evident (von lat. video = ich sehe), die die psychische Wirkmächtigkeit des Bildes thematisieren. Worauf beruht diese?

Das Kapitel überschneidet sich zwangsläufig mit II. 2 diskursiv – simultan und III. 6 Schlüsselreize.

V. 1 Orientierung auf der Fläche

V. 2 Schnelles Wahrnehmen komplexer Situationen

V. 3 Mnemotechnische Hilfe

Auf die Blickbewegungen wurde oben schon eingegangen.

nach oben

 
     
 

V.1 Orientierung auf der Fläche

Bilder können die anthropologische Grundfähigkeit der Orientierung im Raum ausnützen. Dazu gehört, dass wir z.B. Winkel und Flächen gut abschätzen können, während wir dasselbe Verhältnis, wenn es in Zahlen angegeben wird, nicht schnell durchschauen. (Das Abschätzen von Winkeln wird möglicherweise durch das Ablesen der Uhr eingeübt; ob junge Leute, die an Digitaluhren gewöhnt sind, das auch so gut können?)

Hier die Handelsbilanz von Belgisch-Kongo 1927:

Diese Fähigkeit nützt die Pie Chart aus; vgl. dazu das Kapitel zu den Tabellen.

Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden, 15. Auflage, Band 7 (1930), Tafel 94a; nach S. 752.

nach oben

 
     
 

V. 2 Schnelles Wahrnehmen komplexer Situationen

In einem Bild kann eine ganze Situation schlagartig (eben ›augenblicklich‹) erkennbar gemacht werden, indem ein »prägnanter Moment« (Schiller an Goethe, 15. September 1797) gezeigt wird.

Beispiel: Security Warnung

Auf dieser Warntafel wird eine Situation gezeigt, das Konzentrat einer kleinen Geschichte, die zu erzählen umständlich wäre. Die Fahrgäste im Bahnhof sollen die Warnung unverzüglich verstehen.

Fotografiert am Bahnhof Milano (P.M., 2016)

Beispiel: Gefahren des Kleinkinds

Dr. Hoppelers Hausarzt, Luzern / Meiringen / Leipzig: W.Loepthien 1927.

Was genau in der Szene geschieht, wenn man ein Bild mit einem prägnanten Moment sieht, ist nicht immer eindeutig. Was tut der Erzengel Michael hier?

Erzengel Michael, Fresko in der Engelsburg in Rom; Foto von PM

Nein: Der Engel zieht das Schwert nicht! Papst Gregor der Große soll die Erscheinung des Erzengels Michael gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete, indem er das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide steckte.

Lessing sprach vom fruchtbaren Augenblick (»Laokoon«, 1766, Kapitel III. [nicht genau in diesem Wortlaut]) und sagte dazu: »Je mehr wir sehen, desto mehr müssen wir hinzu denken können. Je mehr wir darzu denken, desto mehr müssen wir zu sehen glauben.«

nach oben

 
     
 

V. 3 Mnemotechnische Hilfe

Je nach Veranlagung können Menschen sich sprachliche oder bildliche Gefüge besser einprägen. In früheren Zeiten, als man viele Texte auswendig lernte, war die sprachliche Fähigkeit besser geschult; heute wird das optische Gedächtnis forciert.

Die Namen der Planeten kann man sich mit den Anfangsbuchstaben des Merkverses einprägen: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten.My Very Eager Mother Just Served Us Nothing (in USA hat man auch im Merkvers den Planeten Pluto bereits von der Liste gestrichen.)

Für Tonarten, die # (das ist kein Hashtag!) enthalten: Geh, Du Alter Esel, hole Fische.

Die Leistungen der beiden Medien kann man abschätzen, wenn beide parallel dargeboten werden. Hier ein Beispiel aus einem bebilderten »Sachsenspiegel« des Eike von Repgow, entstanden zwischen 1220 und 1235:

Dem nächtlichen Korndieb ist – wegen der Heimlichkeit seiner Tat – die schändlichere Todesart bestimmt; der Dieb, der am Tag ein größeres Risiko eingeht, wird mit der ehrenvolleren Strafe, der Enthauptung, bestraft.

Bild: (rechts) Über dem nächtlichen Dieb Mond und drei Sterne; hinter ihm der bereite Galgen. (links) Über dem Dieb bei Tage die Sonne, vor ihm schwebend das Richtschwert. Der Buchstabe W verweist auf den Text:

Wer des nachtis korn stilt, der vorschult den galgen; stilt hes* des tagis, is get im an den hals.

*) hes evtl. aufzulösen als he ez = er es

Sachsenspiegel, Wolfenbütteler Hs., fol. 35r > http://diglib.hab.de/mss/3-1-aug-2f/start.htm?image=00099

Das Bild allein kann den logischen Zusammenhang ›wenn – dann‹ nicht darstellen. W.Koschorrek glaubt den Bildern eine mnemotechnische Funktion zuschreiben zu können. Anders R.Schmidt-Wiegand: Sie meint, die Bilder funktionierten wie ein Index, der auf den Text hinführt.

Spezial-Literatur:

Brigitte Janz, Rechtssprichwörter im Sachsenspiegel. Eine Untersuchung zur Text-Bild-Relation in den Codices picturati, Frankfurt am Main: Lang 1989 (Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte Band 13), S. 384–387.

Der Sachsenspiegel. Die Heidelberger Bilderhandschrift Cod. Pal. Germ. 164. Kommentar und Übers. von Walter Koschorreck, neu eingeleitet von Wilfried Werner, Frankfurt am Main: Insel Verlag 1989.

Ruth Schmidt-Wiegand, Text-Bild-lnterpretationen. Untersuchungen zu den Bilderhandschriften des Sachsenspiegels. München 1986 (Münstersche Mittelalterschriften. 55/l und II).

Die Wolfenbütteler Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. Kommentarband zur Faksimile-Ausgabe, hg. von Ruth Schmidt-Wiegand, Berlin: Akademie-Verlag 1993.

Als Erfinder der Mnemotechnik gilt Simonides von Keos, aufgrund folgender Anekdote. Man kann sich Dinge einprägen mittels ihrer räumlichen Situation, d.h. einer bildlichen Vorstellung:

Als der Griechische Poet Simonides bey einem reichen Mann Scopa zu Cranene, einer Stadt in Thessalia, zu Abend aß/ und das Carmen daher sagte/ welches er auf denselben gemacht hatte/ darinn nach der Poeten Manier Zierde halben viel Dinges zu Lob des Castoris und Pollucis geschrieben war: Da hat solches Scopam so sehr verdrossen/ daß er zu Simonide sagte/ er wolte ihm nur die Helffte des Werthes/ darum er mit ihm eins worden wäre/ für solch Carmen bezahlen/ das übrige solte er von den Tyndarischen Gesellen (Castore und Polluce) welche er gleiche viel gelobt hätte/ fordern. Aber was geschicht? Kurtz darnach wird Simonidi verkündiget/ daß er geschwind zu ihnen hinaus käme. Simonides stund auf/ und gieng hinaus/ fand aber niemand. Unterdessen fiel das Gemach ein/ in welchem Scopas aß/ und erdruckte ihn sammt seinen Gästen: Welche als sie die Ihrige begraben wolten/ und der allzusehr verwundeten Leiber nicht unterscheiden/ und von einander erkennen konnten/ hat Simonides, welcher noch eingedenck war/ an welchem Ort ein jeder unter ihnen gelegen hatte/ angezeigt / wie ein jeder solte begraben werden.

Peter Lauremberg, Neue und vermehrte Acerra philologica, Das ist: Sieben Hundert auserlesene, nützliche, lustige und denckwürdige Historien und Discursen, aus den berühmtesten griechischen und lateinischen Scribenten zusammengetragen [...], Frankfurt am Main, Leipzig, 1717. Das siebende Hundert nützlicher und denckwürdiger Historien; 97. Simonides wunderlich in Gefahr erhalten.

Überliefert bei Quintilian, inst. or. XI, ii, 11ff: tum Simonides dicitur memor ordinis quo quisque discubuerat corpora suis reddidisse. English translation by H. E. Butler, 1920/1922 > http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Quintilian/Institutio_Oratoria/home.html

Cicero, de oratore II, lxxxvii, 357 bringt die Anekdote ebenfalls und schreibt dazu:

Wir können uns dasjenige am deutlichsten vorstellen, was sich uns durch die Wahrnehmung unserer Sinne mitgeteilt und eingeprägt hat; der schärfste unter allen unseren Sinnen ist aber der Gesichtssinn (acerrimum autem ex omnibus nostris sensibus esse sensum videndi) . Deshalb kann man etwas am leichtesten behalten, wenn das, was man durch das Gehör oder Überlegung aufnimmt, auch noch durch die Vermittlung der Augen ins Bewusstsein dringt. So kommt es, dass durch eine bildhafte und plastische Vorstellung Dinge, die nicht sichtbar und dem Urteil des Gesichts entzogen sind, auf eine solche Art bezeichnet werden, dass wir etwas, was wir durch Denken kaum erfassen können, gleichsam durch Anschauung behalten. Marcus Tullius Cicero, De oratore / Über den Redner, lat./dt., übersetzt, kommentiert und mit einer Einleitung herausgegeben von Harald Merklin, (Reclam’s Universalbibliothek 6884), Stuttgart 1976. Lat. Text > http://www.thelatinlibrary.com/cicero/oratore2.shtml#357

Polydorus Vergilius behandelt die Gedächtniskunst in seinem Werk »de inventoribus rerum« (2.Buch, 9.Kapitel). Der Petrarcameister, der den Druck der deutschen Übersetzung illustriert, stellt zwei Figuren einander gegenüber: Die Frau rechts wird belastet durch ein Buch auf dem Kopf und macht eine betrübte Miene; der Herr rechts zeigt souverän mit der Hand auf 14 Medaillons mit Bildern, anhand derer er sich offenbar einen Sachverhalt eingeprägt hat.

Polydorus Vergilius Urbinas, Von den erfyndern der dingen. […] mit schönen figuren durchauß gezyeret/ jedem Menschen nutzlich und kurtzweylig zuo lesen. Augspurg: Heynrich Steyner MDXXXVII. > http://diglib.hab.de/drucke/q-49-2f-helmst/start.htm

∆ Hier handelt es sich nicht um ein in erster Linie Wissen vermittelndes Bild, sondern um ein Bild, das zeigt, wie Wissen memoriert werden kann.

Die Medaillons ähneln denjenigen in Jacobus Publicius, Ars oratoria. Ars conficiendi epistolas. Ars memoriae, Venetijs: Erhardus Ratdolt 1482; fol. 58v – 61v > http://mdc.cbuc.cat/cdm/ref/collection/incunableBC/id/22882

Seit dem 15. Jahrhundert entstehen Traktate, die aufzeigen möchten, wie man sich anhand von Bildern Sachverhalte einprägen kann.

Thomas Murner, Logica memorativa, Argentoratum, 1509. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00009762/image_59

Bräuchte noch Erläuterungen

Literaturhinweis: Jörg Jochen Berns / Wolfgang Neuber u.a., Ars memorativa. Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Gedächtniskunst 1400–1700, (Frühe Neuzeit 15), Tübingen: Niemeyer 1993.

nach oben

 
     
 

VI. Rhetorische Mittel

VI. 1 Metapher

VI. 2 Insinuation

VI. 3 Bild-Text-Verbund, ›Bimedialität‹

nach oben

 
     
 

VI. 1 Metapher

Das Phänomen Metapher kurz erklärt (anhand des Mediums Sprache):

Ein Wort, das gewohnheitsmäßig in einen bestimmten Weltausschnitt gehört, wird aktuell in einem anderen gebraucht, so, dass das dort zu erwartende in einem neuen Licht gesehen wird. Mit dem metaphorisch verwendeten Wort und dem zu erwartenden Wort kann ein Satz gebildet werden von der logischen Struktur ›A ähnelt B.‹ (Solche Hilfen werden von mittelmäßigen oder allzuvorsichtigen Verfassern auch in den Text gesetzt.)

Beispiel: In einem Bericht über Universitäts-Ereignisse steht: Nach der Vorlesung verließ Prof. M. den Tempel. Eigentlich zu erwarten wäre: den Hörsaal. Zum aktuell schräg verwendeten Wort Tempel assoziieren wir: priesterliches Gehabe; weihevolle Zeremonien, elitäre Sprache; diese Vorstellungen werden auf die Welt der Hochschule, insbesondere auf Prof. M. projiziert.

In wissensvermittelnden Publikationen kommen visualisierte Modelle vor (die logisch dasselbe sind wie die Metaphern in der Sprache). Seriöserweise wird angegeben, dass es sich beim Bild um ein Modell handelt. — In rhetorisch orientierten Medien (Embleme, Cartoons, Karikaturen, Werbung u.a.m.) sind Bildmetaphern beliebt.

Erstes Beispiel: Es ist offenkundig, dass niemand eine Mitra und einen Kardinalshut in die eine Waagschale legt, und ein Sanduhr und eine Sense in die andere. Das muss metaphorisch gemeint sein: Die Ehrenämter werden gewogen und (gegenüber der Vergänglichkeit) als ›zu leicht befunden‹ (vgl. Buch Daniel, Kap.5).

P. Abraham à S. Clara, Augustiner-Barfüsser-Ordens, weyland Kayserl. Predigers und Definitoris Provinciæ, Besonders meublirt- und gezierte Todten-Capelle, Oder Allgemeiner Todten-Spiegel: Darinnen Alle Menschen, wes Standes sie sind, sich beschauen, an denen mannigfältigen Sinn-reichen Gemählden das Memento Mori zu studiren, und die Nichtigkeit und Eitelkeit dieses Lebens Democriticè oder Heracliticè, Das ist: Mit lachendem Mund, oder thränenden Augen, wie es beliebt, können betrachten und verachten lernen, Nürnberg, 1711; Emblem 27 > http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/abraham1711

Zweites Beispiel: Die Aussage ›ist gut zu verteidigen‹ wird metaphorisch als Festung umgesetzt und diese in eine Landkarte der Schweiz (= der nicht-metaphorische Kontext) integriert.

Werner Kuhn, Unsere Heimat und ihre Nachbarn. Sammlung »Lebendiges Wissen«: Ein modernes ABC der Anschauung als reichillustriertes Hilfswerk für Elternhaus und Schule und Haus, Heft 16: Das Gesicht unserer Heimat, Bern: Bubenberg-Verlag 1956; S. 37.

Weitere Beispiele sind die von Paolo Garretto in den 30er Jahren für das »Vanity Fair Magazine« gezeichneten Cartoons, z.B. das Capitol, das eine Brille und Doktorhut (mortarboard) trägt, um den Einfluss der intellektuellen Berater auf die Politik und Präsident Roosevelt 1934 zu visualisieren.

nach oben

 
     
 

VI. 2. Insinuation

Insinuation von ›in sinu habere‹, d.h. im Busen versteckt halten: geheime listige Mitteilung einer Nachricht, Einflüsterung einer Meinung; insinuieren: jemandem etwas auf eine feine Art beibringen.

Erstes Beispiel:

Für den Stärkenvergleich der Marinen Englands und Deutschlands sind die Tonnagen der Flotten in Bilder von Schiffen umgesetzt und diese so voreinander gestellt, dass das die Stärke der englischen Marine darstellende Schiff das kleinere deutsche ›verdrängt‹. Würden nur die Zahlen wiedergegeben, so käme dieser Eindruck kaum zustande.

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage; Band 22 = Supplementband 1909/1910 s.v. Statistische Darstellungsmethoden II.

Zweites Beispiel:

David Herrliberger (1697–1777) stellt eine Hochzeitstafel vornehmer Bürger in Zürich dar: Nôces de Personnes de Condition

David Herrliberger, Kurze Beschreibung der Gottesdienstlichen Gebräuche, wie solche in der Reformirten Kirche der Stadt und Landschaft ZÜRICH begangen werden, Zürich: D.Herrliberger / Basel: D.Eckenstein 1751 (Planche II, No.2). > http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/5733411

Die Brautleute tafeln, artig zugeknöpft. Oben an der Wand über der Uhr ist ein Bild angebracht, das zeigt, wie der bockfüßige, gehörnte, geile Pan einen Vorhang zurückzieht und eine schlafende Nymphe überfällt (vgl. Ovid, Metamorphosen I, 689ff.). Das Bild gleicht der Darstellung der Szene in der »Hypnerotomachia Poliphili« (rechts, aus der Ausgabe Hypnerotomachie, ou Discours du songe de Poliphile, Paris 1546); es würden sich viele Vorlagen finden lassen.

  

Dieselbe Idee hatte bereits Philipp von Zesen (1619–1689) in seiner »Adriatischen Rosemund« 1645: Er hängt unkommentiert Bilder an die Wand:

Im Zimmer der Adelmund – einer Freundin der Hauptheldin – wo die beiden Verliebten (Rosemund und Markhold) sich sehen, und er vom Coup de foudre getroffen wird, befinden sich allerlei Kunstgegenstände: Ein bildlich verzierter Leuchter, ein Decken-Gemälde mit dem Motiv der beiden von Vulcan ertappten Venus und Mars, und über dem Kaminsims ›Sinnenbilder‹, wovon das eine so beschrieben wird:

… ein häl-strahlendes windlücht, üm dässen flammen di mükken härüm flohen, derer etliche di flügel verbrandt hatten, und härab auf den boden filen; etlich gahr in der flammen verzähret wahrden. Oben stund diser Sünnen=spruch: Cosi de ben amar porto tormento; unten aber: lust bringt verlust, mit disen zweien ticht-glidern.
Di mükke fleugt so lang' üm dise gluht,
bis si ihr selbst den bittern tohd antuht.

Es handelt sich um das bekannte Emblem der Mücke, die ins Licht fliegt und sich dabei versengt:

Gabriel Rollenhagen / Crispin de Passe, Nucleus Emblematum, Arnheim/Utrecht 1611; I, 40

Ph. von Zesen, Adriatische Rosemund. Amsterdam, 1645. > http://www.zeno.org/nid/2000592894X

Im Medium des Textes ist es schwieriger, auf diese Weise Unterstellungen zu machen, weil man hier nichts ungesagt sagen kann. Am ehesten verwandt sind stillschweigende Übernahmen von Bauformen, Textmustern.

Ein weiteres Beispiel für eine moderne bedeutungsvolle Anspielung im Bild: ein Parkhaus oder ein Kühlturm wird als Turm von Babel gezeichnet (so der Graphiker Pierre Brauchli 1979).

nach oben

 
     
 

VI. 3 Bild-Text-Verbund, ›Bimedialität‹

Mittels Bild-Text-Verbund wird erreicht, die Vorteile der beiden Medien zu nutzen. Vgl. hierzu besonders die Seite zu Labels/Captions/Sprechblasen.

Beispiel: Gebrauchsanleitung

Hier wirken zusammen: mimetisches Bild + Pictogramm (Pfeil für die Bewegungsrichtung) + Beschreibung des auf dem Bild Sichtbaren + Anweisung in Textform.

In den Sprechblasen werden die Texte beigegeben, die die Figuren sprechen oder denken, was im Medium Bild nicht realisiert werden kann. Die Figuren ihrerseits haben eine Mimik, die das Medium Sprache nur schwer wiedergeben kann. Das kennen wir aus der Lektüre in unserer Jugend. Die Technik ist älter:

Triumpff Im 1523. Jare. Holzschnitt von Leonhard Beck († 1542) > http://www.zeno.org/nid/20003883914

Der Vater klagt an: Münch du hat mich betrogen | vnd mir mein dochter ab erlogen

Der Mönch am Tisch beschwichtigt: b..??? dein dochter wil ich verdingen [in Kost und Pflege / Dienst nehmen] | vnd dein sach zum gutten bringen

Die Tochter sagt: Vatter dÿ sach hab ich nit recht vernommen | sunst wer ich nit zuo dem münch komen

Die Mutter heult: Ach můß ich leyden disen grosen spott | an meinem kindt das klag ich gott

Die Figur im Hintergrund links denkt: Der sach můß ich swigen still | doch ist eß nit meinen will.

nach oben

 
     
 

VII. Barrierefreie Kommunikation mittels Bildern ?

Pictogramme – so werden sie angepriesen – kommen ohne Sprache aus. (Die Toiletten am Flughafen Keflavík waren anno 1975 angeschrieben mit Karlar | Konur. Durch welche Türe wären Sie eingetreten? Heute sind dort Pictogramme von Mann und Frau angebracht, so dass man kein Isländisch mehr können muss. – Aber man muss doch wissen, das einst Frauen Röcke trugen....)

••• Für Touristen werden Reisebegleiter angeboten, damit sie sich in Ländern verständigen können, deren Sprache sie nicht gelernt haben.

Langenscheidt: Picture Talk. Global Communication at Your Fingertips, 2008. Foto P.M.

Allerdings: Wenn ich für meinen Gesprächspartner im Büchlein auf die Schwimmflossen zeige: Merkt er dann, ob ich sie ausleihen oder kaufen oder reparieren lassen oder verkaufen möchte?

Oder: Ich möchte grüne Badehosen kaufen. Auch hier ergibt sich ein Problem: In einigen Sprachen (z.B. chinesisch, japanisch) wird ein Kontinuum von grün—blau mit einem einzigen Wort bezeichnet.

> https://de.wikibooks.org/wiki/Japanisch/_Farben
> https://de.wikipedia.org/wiki/Grün_und_Blau_in_verschiedenen_Sprachen

••• Um außerirdischen intelligenten Wesen mitzuteilen, wer wir Menschen auf der Erde sind, wurden 1972 auf Raumsonden Plaketten angebracht.

Genaueres bei https://de.wikipedia.org/wiki/Pioneer-Plakette

••• Unsere Nachkommen in 5'500 Jahren (wenn es solche geben wird) werden keine unserer Sprachen mehr verstehen. Wenn wir ihnen mitteilen möchten: »Achtung, hier befindet sich ein Endlager mit extrem giftigen atomaren Abfällen« – wie visualisieren wir das?

Die International Atomic Energy Agency hat sich bereits 1984 Gedanken dazu gemacht > https://inis.iaea.org/search/search.aspx?orig_q=RN:16010246. Aber ob die Menschen dannzumal einen Comic strip verstehen oder die Zeichnung eines aufgeschnittenen Bergs? Oder dieses Warnschild:

 

Solche Versuche rechnen nicht damit, dass wir zum Verständnis von Bildern viel Vorwissen mitbringen müssen. Das ist nicht anders als bei Texten. (Hans-Georg Gadamer sprach von der »Vorurteilshaftigkeit alles Verstehens«, Wahrheit und Methode, 2.Aufl. 1972, S. 254ff.)

Dabei handelt es sich teils um anthropologisches Basiswissen (dass die Dimension oben als wertvoller gilt), teils um Alltagserfahrung (dass Bälle rund sind, auch wenn sie im Bild als kreisförmige Fläche erscheinen), teils um gelerntes Wissen (wie man eine Tabelle liest), teils um kulturspezifisches Wissen.

Zu letzterem nur ein einziges Beispiel: Der Stifter auf dem Bild von Stefan Lochner († 1451) vor dem hl. Antonius Eremita, dem h. Cornelius und Maria Magdalena ist kein Zwerg, sondern er wird so klein dargestellt, weil er im Verhältnis zu diesen Heiligen als demütig-geringwertig erscheinen möchte.

> http://www.wga.hu/frames-e.html?/html/l/lochner/catherin.html

Man muss für das Verständnis von Bildern ein Archiv von schematischen Bildern im Kopf haben und Techniken der Visualisierung kennen. Wie das wahrnehmungspsychologisch funktioniert?

nach oben

 
     
 

Postscript

Und deshalb hat Gott, der so sehr den Menschen liebt, dass er für ihn sorgen will, soweit er dessen bedarf, dem Menschen eine besondere Art von Seelenkraft gegeben, die Gedächtnis (memoire) heisst.

Dieses Gedächtnis hat zwei Türen: sehen und hören; und zu jeder dieser beiden Türen führt ein Weg, auf dem man dorthin gelangen kann, nämlich Bild und Wort (ceste memoire si a .ij. portes, veir [veoir] et oir [oïr] , et a cascune de ces .ij. portes si a un chemin par ou i puet aler, che sont painture et parole).

Richard de Fournival, 1201– ca. 1260; Le Bestiaire d’Amour et la Response du Bestiaire, éd. et trad. Gabriel Bianciotto, Paris, Champion [CCMA 27], 2009.

Initiale T (zum Satz Toutes gens désirent par nature à savoir) mit den beiden Türen Auge und Ohr; aus: Richard (de Fournival), Le bestiaire d’amour, éd. C. Hippeau, Paris: A. Aubry, 1809.

∆ Hier und beim folgenden handelt es sich nicht um ein in erster Linie Wissen vermittelndes Bild, sondern um ein Bild, das die Medien der Vermittlung thematisiert.

Im »Speculum sapientiæ« eines Autors des 14. Jahrhunderts (›Cyrillus‹) beklagt sich das Ohr bei der Natura, dass es im Gegensatz zum Auge nicht mit Lidern ausgestattet ist, die es beschützen. – Hier geht es um den moralischen Aspekt der beiden Medien: die Frage, welches Organ durch Unziemliches eher zur Sünde gereizt wird...

• Ulrich von Pottenstein hat das Buch zu Beginn des 15. Jahrhunderts ins Deutsche übersetzt (erster Druck Augsburg: A.Sorg 1490)

• Sebastian Münster (1488–1552) hat den Text ins Deutsche übersetzt: Spiegel der wyßheit, durch kurtzwylige fabeln vil schöner sittlicher und Christlicher lere angebende [Basel: Petri 1520] > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00086964/image_1

• Das Speculum wurde dann vom Meistersinger Daniel Holtzmann (ca. 1546 – ca. 1613) in deutsche Knittelverse übersetzt und 1571 bebildert gedruckt: Spiegel der Natürlichen Weyßhait. Augsburg: Philipp Vlhart 1573 > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00022848/image_1

Ainem Or kam für auff ain zeit/
   Wie daß das Aug in sonderheit
Mit dem Augglid beschirmet was/
   Derhalb das Or auß grossem haß
Redet grimmig der natur zuo/
   Vnd sprach/ »Sag mir warumb hast du
Das Aug verwart so wol und eben/
   Vnd mit dem Augglidern vmbgeben
Wölliche fein beweglich seynd/
   Vnd hat mich hie an disem end
Gantz bloß vnd vnuerdeckt gelassen/
   Fürwar du sollest mich dermassen
Nit minder geacht haben gar/
   Weder
[als] das Aug sag ich fürwar.
Dann entlich also angesehen/
   Das wort wölliches thuot geschehen
Das bringet mer lust allezeit/
   Weder das Aug vnd sein klarheit.
Das Gehör gibt mer vnderricht/
   Weder das Aug vnd sein Gesicht.«
[…]
Die Natur antwortet:
»Sag an bist du nit hüpsch vnd fein/
   Gesetzt tieff in das Haupt hinein
Vnd bist allenthalben bewart/
   Mit dem Gebain verschlossen hart
Datzuo mit Flaisch vnd Adern frey/
   Des dir nutzet vnd staht der bey
[…]«
Das Auge hat Lider, damit ihm nichts Unziemliches schädlich wird. Das Ohr klagt der Natur weiter:
   »Sag warumb hast du mir nit auch
Ain sollichs Thürlin angemacht/
   Wöllichs mir auch bey tag vnd nacht
Das vngebürlich möcht abtragen
   So hett ich mich nichts zuo beklagen.«

[Beispiel: Eva hat den Rat der Schlange durch das Ohr empfangen. – Es folgen moralische Ratschläge der Natur; zum Schluss mit Bezug auf Jakobusbrief 1,9 jeglicher Mensch sei schnell zum Hören:]
   »Weyl dann der Mensch soll hören schnell
So hab ich wie du hörst von mir/
   Dir darumb angehenkt kain Thür«

[Aber wenn es nötig ist, soll die Vernunft das Gehör zuschließen.]

Wer das lieber lateinisch lesen möchte:

Lib. I., cap. 25. De aure, natura, oculo.
Audiens auris, quod oculus palpebra tueretur, acuto puncta invidentiae aculeo naturae dixit: ut quid oculum tam volatilium palpebrarum munitione vallasti, me autem sic nudam undique dimisisti? Certe nec eo me minus pretio habere debuisti, quoniam si delectat lux, peramplius tamen verbum, et si visus instruit, plus auditus. Cui illa utriusque arte sapientia fabricatrix patienter respondit: si videres quippe et situm membrorum luce rationis attenderes, nunc me magis gratiarum actione quam causarum querula quaestione pulsares. Nonne locata es in profundis et osse et cartilagine circumquaque munita? Foris tamen lucerna corporis est oculus et ob hoc providenter pellicula velocitatis armatur, sed et propter hoc digne is ostiolo clauditur, ut volenti quidem nihil indecens spargente radio praesentetur. Ad haec auris adjunxit: cur et mihi repudiationis januam non dedisti? aut forte minus putasti nocivam corruptionem auriculae quam pupillae? Non audisti, quod primum aditum morti percepto venenoso serpentis eloquio effrenatus mulieris auditus exhibuit? Directe siquidem usque ad cor penetrat verbum, quoniam aperta semita stillat auri pectoris rivus. Tunc natura subjunxit: sicut non est intuendum, nisi quod licet, sic nec audiendum est, nisi quod decet. Nonne te ob hoc in medio capitis situavi? Omnis enim sapientis actus debet esse decenti regularitate compositus et quemadmodum in coelestibus sapientia gubernantis nullus sine regula cernitur motus, ita et in membris animae prudenti subjectis inordinatus apparere nullatenus debet actus. Unde sapientis incessus gravis, adspectus pudicus, auditus honestus, status collectus, habitus est aptus. Maxime tamen decor prudentiae debet relucescere in facie, quoniam cornu sapientiae luminosum glorificavit tantum Mosaicum vultum. Igitur quia velox debet esse homo ad audiendum, tibi non addidi januam, nec tamen, cum necesse fuerit, opportuna quidem auditui non deest arte rationis clausura. Quibus auditis mox pacata auris quievit.

J. G. Th.Graesse (Ed.), Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters. Des Bischofs Cyrillus Speculum sapientiæ und des Nicolaus Pergamenus Dialogus creaturarum, Tübingen 1880 (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 148).

Literaturhinweis: Romy Günthart, Sebastian Münster. Spiegel der wyßheit. Einführung, Edition und Kommentar, München: Fink (2 Bde.) 1996. (Text: I,68; Kommentar II,48f.)

nach oben

 
     
 

Online gestellt im August 2016 von PM; Totalrevision Mitte Februar 2017.

nach oben