Pictogramme und dergleichen

     
 

Pictogramme und ähnliche Bildzeichen

Inhaltsübersicht

Einleitung (1) – (3)

Fallstudien

Schreibsysteme

Beschauzeichen

Gradabzeichen

Elektrotechnik

Verkehrssignale

Lexika

Chemie

Signaletik

Emoticons

 

 
     
 

Einleitung (1)

Funktionen: Für die Kenntlichmachung von interessanten Lokalitäten auf kleinem Raum (z.B. auf Landkarten die sog. ›Signaturen‹) oder zur vereinfachenden Abkürzung (z.B. in der Chemie, um Verbindungen von Elementen zu Molekülen darzustellen), zur schnellen Kommunikation (z.B. bei Verkehrssignalen), zur von einer einzelnen Sprache unabhängigen Kommunikation (z.B. auf internationalen Flughäfen) werden kleine und sofort verständliche Visualisierungen benötigt.

Techniken: Teils werden diese aus der primären Anschauung hergeleitet (mimetische Visualisierungen; Peirce: icon); zur Verdeutlichung sind sie systematisch vereinfacht (stilisiert) worden — teils verwendet man konventionelle Zeichen (diagrammatische Visualisierungen; Peirce: symbol), die mit dem Visualisierten keine visuelle Ähnlichkeit haben.

Oft beruhen die als reine Konvention wahrgenommenen Zeichen auf älterer, nicht mehr durchschauter konkreter Anschauung, d.h. sie haben auf Konvention beruhende Bedeutungszuordnung (dazu gleich mehr). Ferner werden in ein und demselben Set solcher Zeichen beide Arten nebeneinander verwendet. Das legitimiert uns, hier beide Arten im gleichen Kapitel zu behandeln.

Beispiel für zunehmende Stilisierung:

    

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Einleitung (2)

Manche Pictogramme halten sich, obwohl es die im Bild stilisiert dargestellte Sache gar nicht mehr gibt.

Das Logo der deutschen wie der österreichischen Post zeigt (2015) ein Posthorn; dieses Gerät ist doch wohl schon länger außer Gebrauch.

Das Diskettensymbol auf der klicksensitiven Bildschirmregion für das Abspeichern – Apple baut seit 1998 Computer ohne Diskettenlaufwerk; Sony stellt seit 2011 keine Disketten mehr her; junge an USB-Sticks als Speichermedium gewohnte Benutzer wissen nicht mehr, was eine Diskette war. Dennoch ist das Pictogramm in den Menüleisten für die Funktion speichern allgegenwärtig.

(Beim Papierkorb handelt es sich um eine Metapher aus dem Feld des Schreibtisches; hierzu gehören auch die Folders mit dem Aussehen älterer Registrierkarten in Karteikästen und vielleicht die Sanduhr.)

Die Wagenrücklauftaste (carriage return, kurz CR, U+23CE = ⏎) war bei den elektrischen Schreibmaschinen die Taste, deren Betätigung den Wagen mit dem eingespannten Papier oder den IBM-Kugelkopf mechanisch zurückbewegte; das gibt es bei Computern nicht mehr, aber das Pictogramm ist geblieben, obwohl die Taste auch andere Funktionen (ENTER) hat.

Eine Frauengestalt mit einem Rock – obwohl in unseren Breiten die meisten Damen Hosen tragen – zeigt, wo die Damentoilette ist. Andere Pictogramme sind wohl für junge Leute heutzutage kaum mehr verständlich (eine Wählscheibe für Telefon).

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Einleitung (3)

Pictogramme wollen keine Aussage über das Dargestellte machen, sondern sie evozieren das Dargestellte, um beispielsweise – in einem aktuellen Kontext – zu sagen: ›Dort findest du es!‹

Das Verständnis der Pictogramme setzt benutzerseitig Sachkenntnis voraus. Man muss wissen, dass in der Kultur, in der man sich gerade bewegt, das Essen mit Gabel und Messer eingenommen wird, um ein Restaurant zu finden; wie die Zollabfertigung gegenüber dem Beamten (der eine Schirm-Mütze trägt) vonstatten geht usw.

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Fallstudien

Geordnet nach Sachgebieten

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Schreibsysteme

Pictogramme im engeren Sinn verweisen sprach-unabhängig auf eine Klasse von Objekten; Ideogramme dagegen verweisen auf ein Wort in einem sprachspezifischen System. (Insofern unterlagen die Gelehrten der Renaissance einem Irrtum, die meinten, die Hieroglyphen seien Pictogramme, die aufgrund allegorischer Brücken auf gedankliche Konzepte verweisen.)

Hieroglyphen: Die ägyptische Schrift enthält drei Arten von Zeichen: Wortzeichen, Lautzeichen und stumme Deutezeichen. Die Wortzeichen (Ideogramme) geben den Begriff des sichtbaren Gegenstandes oder einer sinnlich wahrnehmbaren Handlung wieder, ohne Rücksicht auf die Aussprache. Man schrieb also das Wort ›Pflug‹, indem man einen Pflug zeichnete; das Wort ›gehen‹, indem man ein Zeichen schrieb, das schreitende Beine zeigt (hier liegt ein assoziativer, metonymischer Zusammenhang vor); das Wort ›schädigen‹, indem man ein Bein zeichnete, das von einem Messer durchbohrt ist. Diese Zeichen sind stilisierte Umrisszeichnungen des Sichtbaren, gerade so naturgetreu, dass man das Gemeinte erkennt:

Die Nummern sind die von Gardiners Liste: http://en.wikipedia.org/wiki/Gardiner's_sign_list

In unserem Zusammenhang nicht relevant: Es gibt selbstverständlich viele Wörter, die sich nicht mit Ideogrammen schreiben lassen, z.B. ›Sohn‹, ›groß‹, Schönheit‹ usw. Dafür verwendeten die Ägypter Homonyme, ähnlich wie wir es in einem Rebus tun. Für ›Sohn‹ verwendet sie das Zeichen einer Ente, weil das Wort s’ gleich lautete; für ›groß‹ das einer Schwalbe (beide: wr). Zur Vereindeutigung dienten die Determinative (Deutezeichen).

Wiederum anders funktionieren die kleinen Bildchen in einem Rebus. Beim Rebus (rebus ist der lat. Ablativ Plural von res = ›Ding‹, also: ›mittels Dingen‹ sprechen / schreiben) verweisen die Bilder nicht auf das normalerweise mit ihnen gemeinte Ding (also das Bild eines Wagens nicht auf einen Wagen), sondern auf die phonetische oder graphematische Repräsentation des gemeinten Dinges. (Deshalb funktionieren diese Rätsel auch nur in einer bestimmten Sprache.) Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Rebus

Nochmals ganz anders funktionieren Flaggenzeichen und Signalcodes von Schiffen. Sie sind rein konventionell. Wichtig ist hier einzig, dass die Flaggen eindeutig unterscheidbar sind.

Die Welt von A bis Z. Ein Lexikon für die Jugend, für Schule und Haus, hg. von Richard Bamberger, Fritz Brunner; Heinrich Lades, Wien: Verlag für Jugend und Volk 1953, s.v. Flaggenzeichen, S. 177.

Vgl. auch Gaunerzinken (https://derhonigmannsagt.wordpress.com/2014/06/22/gaunerzinken-und-mauscheln/)

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Beschauzeichen

Beschauzeichen im spätmittelalterlichen Tuchhandel, die den Hersteller benennen und ein Gütesiegel der Zunft darstellen, scheinen rein auf Konvention zu beruhen. Denkbar sind freilich gelegentliche Motivierungen der Zeichen wie z.B. dass der Weber namens Krum eine Kurve in sein Beschauzeichen setzt oder der namens Lengihager einen langen Zaun (schweizerdeutsch ›Hag‹).

Hans Conrad Peyer, Leinwandgewerbe und Fernhandel der Stadt St.Gallen von den Anfängen bis 1520, St.Gallen 1959/1960; Band II, S. 37.

Vgl. ferner: Steinmetzzeichen (http://www.steinmetzzeichen.de/start.html)

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Gradabzeichen

Truppengattungen sowie Funktionen sind mit ›sprechenden‹ Pictogrammen bezeichnet, zum Beispiel eine explodierende Kugel für die Artillerie; der Äskulapstab für Sanitätstruppen; ein Schneekristall für Wetterspezialisten.

Die Abzeichen der Dienstgrade dienen der schnellen Information über die Hierarchiestufe des Armee- oder Polizei- usw.-Angehörigen.

Die Dienstgrade der Offiziere (beispielsweise in der Schweizer Armee vor 2003) sind durch die Dicke und die Anzahl der Streifen bezeichnet: Leutnant – ein dünner (goldener) Streifen am Hut; Major – ein dicker Streifen; Oberst – drei dicke Streifen. Bei höheren Offizieren (Brigadier entsprechend einem Einsterne-General) kommen Kränzchen zur Anwendung, wiederum in entsprechender Anzahl. Hier also ist ein mimetischer Rest bewahrt, die Erinnerung an den Siegerkranz.

Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen und Leben. 4. Auflage von Herders Konversationslexikon. Band 10, Spalte 1362; Freiburg/Br. 1935: Dienstgradabzeichen im Bundesheer der Schweiz. [Ausschnitt]

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Elektrotechnik

Anhand der Funktionsschaltbilder in der Elektrotechnik lässt sich gut verfolgen, wie nachbildende Visualisierungen vereinfacht werden und auch alte Motivierungen vergessen gehen; vom ›icon‹ zum ›symbol‹.

1935 wurden gewisse Elemente im Schaltschema eines Radiogeräts noch mimetisch abgebildet; einzig die Batterie ist schon stilisiert (rechts: kurze dicke Striche wechseln mit längern dünnen ab):

Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen und Leben. 4. Auflage von Herders Konversationslexikon. Band 10, Spalte 377; Freiburg/Br. 1935: Rückkopplung.

1938 sind zusätzlich die Röhre und der Kondensator stilisiert:

Der Volks-Brockhaus. Deutsches Sach- und Sprachwörterbuch für Schule und Haus. 9., verbesserte Auflage, Leipzig 1941 [© 1938, in 1 Bd.]; Tafel Rundfunk (gegenüber S.529): Schema einer einfachen Audionschaltung mit induktiver Kopplung

Das Pictogramm für die Batterie geht zurück auf den Aufbau der Volta’schen Säule:

                                                                                                            

Otto Spamer’s Illustrirtes Konversations-Lexikon für das Volk, Band 8, Leipzig: Spamer 1880, s.v. Volta’sche Säule (S.794). Ein von Volta im J. 1800 konstruirter Apparat […] Sie besteht aus einer säulenförmigen Übereinanderschichtung von galvanischen Elementen, welche in der Form von Plattenpaaren (Kupfer u. Zink) durch angesäuerte Tuch- od. Pappscheiben von einander getrennt sind. […]

Das Bild des Transformators im Schaltschema 1935 wie 1938 links zeigt schematisch die beiden verschieden gewickelten Spulen, die durch einen Eisenkern verbunden sind. (Der Pfeil bedeutet, dass es sich um einen veränderbaren Trafo handelt. Er kann seine Herkunft vom Drehknopf, wo er aufgemalt ist, kaum verleugnen.)

Kleine Enzyklopädie Natur, (Hauptredaktion Gerhard Niese), Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1961, S. 223.

Mit dem Aufkommen der integrierten Schaltkreise ändert sich das: Der TAA 151 wird nur noch als dreieckiges Kästchen mit numerierten Anschlüssen wiedergegeben (konventionelles Zeichen):

Pestalozzikalender 1978; Schatzkästlein S.39: Niederfrequenzverstärker mit integriertem Schaltkreis TAA 151

… sein Äußeres sieht in Wirklichkeit anders aus (und das Innenleben ist auf diesem Bild nicht einmal sichtbar):

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Verkehrssignale

Bei den Verkehrssignalen erkennt man gut den Mix aus Pictogrammen und konventionellen Zeichen:

Der Große Herder, 4. Auflage, 12. Band (1935).
Oben: Abbildung Verkehrsregelung S.223/224.
Unten: Farbtafel Verkehrsregelung (gegenüber S.223/224) = Die Schilder gemäß der im Deutschen Reich am 28. Mai 1934 eingeführten »Reichs-Straßen-Verkehrs-Ordnung«.

Die älteren Schilder waren aufgrund der Anzahl Punkte unterschieden; in den Tafeln zuoberst standen Texte.

Die 1934 eingeführten Schilder haben folgende Eigenschaften: Mittels der geometrischen Grundfigur und Farben wird die ›illokutive Funktion*‹ unterschieden. (Das System wird allerdings nicht exakt durchgehalten.)

  • II: Warnzeichen: dreieckig, dicker roter Rand
  • III: Gebots- und Verbotszeichen: kreisförmig, roter Rand – die Durchstreichung des P für Parkverbot ist redundant
  • IV: Hinweiszeichen: viereckig, blaues Feld.

Der ›propositionale Gehalt*‹ wird auf verschiedene Weise kenntlich gemacht:

  • durch Schrift (z.B. Sperrzeichen für Fahrzeuge über 5.5t Gesamtgewicht; P für Parkplatz)
  • mittels Pictogrammen (z.B. Kreuzung, unbeschrankter Bahnübergang; Sperrzeichen für Krafträder; die Querrinne wird als Schnittbild wiedergegeben)
  • es werden auch Konventionen verwendet (z.B. der senkrechte Balken für II,6: allgemeine Gefahrstelle; das als Umriss wiedergegebene Auto und Motorrad III,5 und 6 bedeutet Sperrzeichen an Sonn- und Feiertagen).

* nach John L. Austin, Zur Theorie der Sprechakte, dt. Bearbeitung von Eike von Savigny, (RUB 9396–98), Stuttgart 1972 (engl. How to Do Things with Words, Cambridge/Mass. 1962).

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Lexika

Pictogramme in Lexika dienen der Orientierungserleichterung (vgl. Signaletik).

In der »Encyclopédie« ist nach den Stichwörtern der Artikel in Kursivschrift jeweils die Disziplin angegeben, in welcher das Wissenselement einzuordnen ist. Die Methode dient zur Trennung von Homonymen, und man weiß sofort, ob man weiterlesen will und in welchem Feld man sich bewegen wird. Dazu kommt, dass die Herausgeber der »Encyclopédie« beweisen wollten, dass jeder Artikel seinen Ort im System der Wissenschaften hat, das Jean LeRond D’ALEMBERT im »Système figuré des Connoissances Humaines« (Band 1, 1751) dargelegt hatte.

Beispiele:

  • QUADRILLON, s. m. (Arithmét.) ou mille fois mille trillions
  • UHEBEHASON, s. m. (Hist. nat. Botan. exot.) c’est un arbre d’Amérique
  • FEZ, (Géog.) royaume considérable de l’Afrique

Spätere Enzyklopädien (im deutschen Sprachbereich: Hübner, Krünitz, Brockhaus, Meyer, Pierer, Herder, Spamer) kennen das nicht. Ein Beleg für erneute Verwendung findet sich im einbändigen Brockhaus 1926, wo das Verfahren trivialisiert und mit Pictogrammen realisiert erscheint.

Der kleine Brockhaus. Handbuch des Wissens in einem Band, Leipzig 1926, S. 803 Bemerkungen zur Benutzung.

Eine Technik für die Bezeichnung der Wissensgebiete mittels solcher Pictogramme ist Synekdoche + Stilisierung, d.h. es wird ein typisches Element herausgepickt und dieses vereinfacht gezeichnet:

  • Ein Komet steht für Astronomie;
  • eine Retorte (Instrument ⚗) steht für Chemie;
  • ein Funke steht für Elektrizität;
  • ein Galgen steht für Gaunersprache;
  • ein Hirschgeweih für Jägersprache;
  • ein Anker für Schiffahrt usw.

Auch hier lässt sich beobachten, dass die Pictogramme aus imitativen Bildern entwickelt wurden, z.B bei der Retorte, die im 18. Jahrhundert so aussah:

Cyclopaedia or, an Universal Dictionary of Arts and Sciences, By E. Chambers, F.R.S. With the supplement, and modern improvements, incorporated in one alphabet. By Abraham Rees, D.D., London 1778–1788.

Eine andere Technik ist die Übernahme von Attributen mythologischer Wesen oder Personifikationen. (Zuerst steht der Gott / die Personifikation metonymisch für die Disziplin, für die er/sie zuständig ist; dann wird er/sie metonymisch auf ein typisches Attribut reduziert.)

  • Äskulapstab für Medizin;
  • Flügel-Helm Merkurs für Volkswirtschaft;
  • Waage (Attribut der Justitia) für Rechtswissenschaft.

Merkur mit Flügelhelm, aus: Emblemata D. A. Alciati, denuo ab ipso Autore recognita […] Lugduni Batavorum: Rovilius 1551.

Genau gleich funktionieren die Signaturen auf Landkarten.

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Chemie

In der Alchemie wurden die Sterne den Metallen zugeordnet. Für die Planeten war in der Astronomie / Astrologie ein Pictogramm gebräuchlich, das in der Alchemie dann auch für die Metalle verwendet wurde. (Die Zuordnung der sieben Planeten zu den sieben Metallen kennt schon Kelsos, 2. Jh. u. Z.; vgl. Origenes c.Cels VI,22).

  • Gold (aurum) – Sonne ☉
  • Silber (argentum) – Mond ☽
  • Blei (plumbum) – Saturn ♄
  • Kupfer (cuprum) – Venus ♀
  • Zinn (stagnum, stannum) – Jupiter ♃
  • Eisen (ferrum) – Mars ♂
  • Quecksilber (mercurium) – Merkur ☿ (wegen der Beweglichkeit: argentum vivum).

Es sind aber weitaus mehr solcher Zeichen für Stoffe und Prozesse verwendet worden, wie Figura zeigt:

Deliciæ Physico-Mathematicæ. Der Mathematischen und philosophischen Erquickstunden Zweyter Theil/ […] zusammen getragen durch Georg Philip Harsdörffern … Nürnberg: Dümler 1661. S. 566f.
Vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Elementsymbol#mediaviewer/File:Alchemytable.jpg

Es kann hier nicht darum gehen, wie John Dalton (1766–1844) das erste wissenschaftlich fundierte Atommodell konstruierte.

Im Gegensatz zu den Zeichen der Alchemisten, die eine offene Liste von Stoffen bezeichneten, beziehen sich Daltons Zeichen auf das Atom; es handelt sich nicht um einfache Abkürzungen, sondern die Zeichen haben einen theoretischen Hintergrund. Dalton unterschied erstmals zwischen Elementen und Verbindungen. Für jedes damals bekannte Element führte er ein bestimmtes Kreissymbol ein, die Verbindungen beschrieb er durch eine Aneinanderreihung der entsprechenden Elementsymbole. Das war eine völlig neue chemische Zeichensprache: ein Set von wenigen, syntaktisch nach Regeln kombinierbaren Zeichen.

John Dalton, A New System of Chemical Philosophy, Manchester 1808 – plate 4 and page 218

http://www.archive.org/details/newsystemofchemi01daltuoft

http://books.google.de/books?id=Wp7QAAAAMAAJ&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

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Signaletik

Seit sich die Arbeiten von Otto Neurath und Gerd Arntz durchgesetzt hatten, entwickelte sich die Praxis, Leute in unübersichtlichen Umgebungen (öffentliche Gebäude, insbes. Bahnhöfe und Flugplätze; aber auch in didaktischen Büchern) mittels Pictogrammen zu orientieren. Vgl ISOTYPE.

Angestrebt wird eine schnelle und eindeutige Verständlichkeit. Die Graphiker müssen bei der Vereinfachung (Stilisierung) die Gesetze der Sinneswahrnehmung, aber auch die kulturelle Einübung der Benutzer bedenken.

Dabei sind folgende Teil-Techniken am Werk:

  • Es wird ein charakteristischer Gegenstand für einen Ort gewählt (Metonymie), z.B. Messer und Gabel für Restaurant; Wasserhahn und Hand für Lavabo;
  • Dieser wird als Silhouette ohne Binnenzeichnung gezeichnet;
  • Ungünstig sind Schrägansichten, besser ist eine Frontal- oder eine reine Seitenansicht; je nachdem, was für das abgebildete Objekt typischer ist (Lastwagen, Radfahrer, Hund, Treppe in Seitenansicht; Flugzeug von oben);
  • Figuren werden in einer typischen Stellung dargestellt (wichtig bei Sportarten);
  • Die Abstraktion darf nicht zu weit gehen.

Graphisch hervorragend (durch ihre Schlichtheit, Eindeutigkeit und Ästhetik) sind die Pictogramme von Otl Aicher (1922–1991) zur Münchener Olympiade 1972:

http://design20.eu/design20-blog/2012/08/design-olympia-72-otl-aicher/ <27.03.2015> (Die Bitte um ©opyright bei info@design20.eu blieb leider unbeantwortet. Qui tacet, consentire videtur.)

Literaturhinweise:

Rudolf Modley, Handbook of Pictorial Symbols, 1976.

Otl Aicher / Martin Krampen (1977): Zeichensysteme der visuellen Kommunikation, [Berlin]: Ernst 1996.

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Emoticons

Die älteren Emoticons (von engl. emotion + icon) kamen so zustande:

(a) Am Anfang steht die Stilisierung eines Gesichtsausdrucks, der eine Emotion spiegelt (vgl. die Seite zu den Temperamenten und Emotionen);

(b) Der besondere Einfall besteht darin, diese Visualisierung mit dem Set der auf einer herkömmlichen Schreibmaschinentastatur verfügbaren Schrifttypen zu evozieren.

Beispiele

;-) für ›darüber muss ich lachen‹ oder ›das, was ich da eben geschrieben habe, ist nicht so ernst gemeint‹ = Ironiesignal. <3 für ›Herz, herzlich‹. (Man muss zum Verständnis das Blatt in Gedanken um 90° drehen.)

In Japan ist die Drehung nicht nötig, dort schreibt man zB (^_^) für das Lachen.

(c) Eine Erweiterung über die Evokation der Mimik hinaus kann durch die Vorstellung geschehen, dass eine Vermehrung der typographischen Zeichen eine Verstärkung der Emotion bedeute.

Beispiel: die Vermehrung der Klammer ) ergibt ;-)) ›very happy!‹

Mit der SMS-Technik waren diese Emoticons sehr beliebt, weil sie auf dem Bildschirm, der nur Buchstaben zeigen konnte, darstellbar waren. Seit (ab etwa 2007) die Smartphones aufkamen mit Bildschirmen, auf denen man wirkliche Bilder darstellen kann, kommen Pictogramme aller Art für Gesichter (auch von Tieren!), Gegenstände, Aktivitäten u.a.m. in Umlauf.

Literaturhinweis:

Martin Städeli: Freispruch auf Bewährung. Der Fall der Emoticons, in: Unmitte(i)lbarkeit. Gestaltungen und Lesbarkeit von Emotionen, Zürich: Pano-Verlag 2005, S. 491–502; vgl. http://www.symbolforschung.ch/node/28#staedeli

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online seit März 2015, überarbeitet im Juli 2015 --- pm