Bildwörterbücher

     
 

Einleitung

Unser Wissen ist immer auch ein Wissen von der Sprache (Wortschatz, Grammatik, situationale Anwendungsregeln).

Seit dem 17. Jahrhundert gibt es ein eigenes ›Format‹ (in der medienwissenschaftlichen Terminologie) von Büchern, in denen der Wortschatz mit bildlich darstellbaren Dingen in Bezug gebracht wird: das Bildwörterbuch / the pictorial dictionary / le dictionnaire en images / el diccionario visual.

Wie diese Bücher organisiert sind und was sie leisten, soll – mit einem historischen Ausblick – hier beleuchtet werden.

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Zwei Fragerichtungen

• Man kann fragen, wie ein bestimmtes Ding heißt, d.h. welche sprachliche Benennung es hat. (Beispiel: Der Mundartforscher zeigt dem Gewährsmann ein ›Rückentraggefäß für Milch‹ und fragt »Wie sagen Sie dem Ding?« Der Zürcher Bauer nennt das Tausǝ; der Berner Bräntǝ.) In der Linguistik nennt man das eine onomasiologische Frage. Mehr dazu hier.

• Man kann fragen, was für ein Ding oder geistiges Konzept mit einem bestimmten Wort gemeint ist und ggf. wie es aussieht. (Beispiel: Ein Fremdsprachiger fragt nach der Bedeutung des Worts Kiefer. Ein Arzt wird auf den Knochen an der Wange zeigen; ein Förster auf einen Nadelbaum [Pinus sylvestris].) In der Linguistik nennt man das eine semasiologische Frage.

Bildwörterbücher kann man in beiden Richtungen befragen, und sie geben Antwort:

• Onomasiologische Frage: »Ich habe einen Straßenmusikanten gesehen, der blies in ein seltsames eierförmiges Instrument; wie heißt das?« Im Duden Bildwörterbuch (1935) blättert man zur Tafel 175 Volkstümliche Musikinstrumente; hier ist es unter Nummer 6 abgebildet, und die Legende sagt: Okarina.

• Semasiologische Frage: »Bitte, was bezeichnet man mit Mitra?« Duden Bildwörterbuch (1935) verweist im Wörterverzeichnis unter dem Wort Mitra auf Tafel 197 8 e; hier ist sie gezeichnet:

... und man kann sofort die Fragerichtung umdrehen und nach den Wörtern für die verschiedenen liturgischen Kopfbedeckungen fragen.

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Johann Amos Comenius (1592–1670)

Comenius verfasste 1631 ein systematisch organisiertes Sprachlehrbuch: »Janua linguarum reserata: sive seminarium linguarum, et scientiarum omnium, hoc est compendiosa latinam linguam perdiscendi methodus« (»Die eröffnete Sprachenthüre«). Das Buch enthält 100 Kapitel bzw. 1000 Sätze. Es ist nicht nach Art eines Wörterbuchs angelegt, sondern enthält einfache Sätze. Der Aufbau ist ähnlich wie in mittelalterlichen Enzyklopädien (etwa Thomas a Cantimpré, Bartholomäus Anglicus): Es beginnt mit De ortu mundi (Gott erschuf alles aus nichts.), geht dann durch die ganze Welt und endet bei der Providenz und den Engeln. > Inhaltsübersicht.

Das Werk erschien bald in mehrsprachigen, mit Registern versehenen Ausgaben; lateinisch/deutsch bereits 1633: Aureae J.A. Comenii januae linguarum reseratae sive seminarii linguarum, scientiarum et artium omnium […] Editio nova prioribus multo locupletior, addita versione Germanica et indice tum Latino tum Germanico […] / procurata a J.Docemio = Der Güldenen auffgeschlossenen Thür J. A. Comenii Oder Des Pflantz=Garten aller Sprachen/ Wissenschafften/ vnd Künsten […] Newe Außfertigunge/ Vber die vorigen vielvermehret mit hinzu gethaner Deutschen Vbersetzunge […] Befordert durch J. Docemium Hamburg: M. Hering, 1633 > http://www.bibliotekacyfrowa.pl/Content/73745 — 1000 Paragraphen; lat.| dt. parallel; mit alphabetischen lat.>dt. und dt.>lat. Wortregistern. Die deutsche Übersetzung stammt von Johann Mochinger (1603–1652).

Dann kürzte er dieses Buch und benannte diese Fassung »Vestibulum« (Vorhalle). Eine frühe Ausgabe erschien (seltsamerweise) in Zürich: Januae linguarum reseratae vestibulum Germanico-Latinum / a Joh. Amoso Comenio primo adornatum; Georgii Vechneri, D. opera deinde ac recensione ita perpolitum, amplificatumque & in novum modum digestum, ut cum vestibuli, tum liminis loco esse scholis possit, Editio nova, prioribus accuratior & emendatior, perpetua vocum grammatica analysi aucta, Tiguri: typis Joh. Jacobi Bodmeri 1655 > http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-14372 — 30 Kapitel; lat.| dt. parallel; Worterklärungen gleich auf der gegenüberliegenden Seite; mit alphabetischen lat.>dt. und dt.>lat. Wortregistern hinten im Buch.

Dann versah er das Buch mit Bildern. Der »Orbis Sensualium Pictus« erschien 1658 im bekannten Nürnberger Verlag Endter. (Die Ausgabe Nürnberg: Endter 1689 ist hier digitalisiert > http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/comenius1698/0001)

Bereits in der »Didactica magna« (erst 1657 erschienen; hat aber vor 1638 schon vorgelegen) plante er so ein Buch (28. Kapitel, ¶ 25f.), das mehrfachen Nutzen bringt:

Weil in diesem [dem Kindes-]Alter hauptsächlich die Sinne zur Aufnahme aller auf sie wirkenden Eindrücke geübet werden müssen, der Gesichtssinn aber unter ihnen der wichtigste ist, wäre es gut, man würde die Hauptgegenstände aus Naturkunde, Optik, Astronomie, Geometrie usw. […] darbieten. […] Es soll immer daüber geschrieben werden, was die Abbildung jeweils darstellt: Pferd, Rind, Hund, Baum usw. […] Da über jeder Abbildung der Name des Gegenstands geschrieben steht, kann man dort beginnen das Buchstabieren zu lehren. – J. A. Comenius, Große Didaktik, übers. von Andreas Flitner, Stuttgart: Cotta 1954.

Aus der lesenswerten Vorrede des »Orbis Sensualium Pictus« einige Textstücke:

Comenius bezeichnet das Buch einmal als nostram Sensualium Encyclopædiolam. (Diese Tradition steht im Hintergrund.)

Er möchte, dass die Sinnbare Sachen den Sinnen recht vorgestellet werden/ damit man sie mit dem Verstand ergreiffen könne. […]  Es ist aber nichts in dem Verstand/ wo es nicht zuvor im Sinn gewesen.*

*) Man sollte dabei nicht an den berühmten Satz von John Locke denken (dessen »Essay Concerning Humane Understanding« erschien erst 1690): Nihil est in intellectu, quod non prius fuerit in sensu; das Theorem findet sich bereits bei Cicero: quicquid porro animo cernimus, id omne oritur a sensibus (Alles, was wir mit dem Geiste schauen, geht hervor aus sinnlichen Wahrnehmungen; de finibus bonorum et malorum I, 64)

Es ist/ wie ihr sehet/ ein kleines Büchlein: aber gleichwol ein kurzer Begriff der ganzen Welt und der ganzen Sprache/ voller Figuren oder Bildungen/ Benahmungen und der Dinge Beschreibungen.

Die Beigabe von Bildern dient dazu, die Gemüter herbey zu locken/ daß sie ihnen in der Schul keine Marter/ sondern eitel Wollust/ einbilden. Dann/ bekandt ist/ daß die Knaben (straks von ihrer Jugend an) sich an Gemälden belüstigen/ und die Augen gerne an solchen Schauwerken weiden.

Und dazu wird es eine Erfindung seyn/ viel leichter/ als bißher geschehen/ die Knaben lesen zu lehren.

Der »Orbis pictus« ist aufgebaut nach ebenderselben Ordnung/ nach welcher sie in der Sprachen-Thür beschrieben werden. Der Text wird lateinisch und deutsch parallel dargeboten. Entstehet hieraus noch ein neuer Nutzgebrauch/ daß nemlich/ durch die Teutsche Ubersetzung/ auch die Lateinische Sprach desto leicht-erlerniger gemacht wird. Die Bilder zeigen die Dinge in ihrem lebensweltlichen Zusammenhang. Die sprachliche Seite wird in ganzen Sätzen präsentiert. Ein Wortregister fehlt.

Johann Amos Comenius, Orbis Sensualium Pictus […] Die sichtbare Welt / Das ist Aller vornemsten Welt-Dinge und Lebens-Verrichtungen Vorbildung und Benahmung, Nürnberg, Endter 1658. – Reprint: Die bibliophilen Taschenbücher Nr. 30, Dortmund: Harenberg 1978. Tafel LXIII. Faber lignarius. Der Zimmermann.

Comenius geht über eine Eins-zu-eins-Zuordnung von Bildteilen und Wörtern hinaus. Er stellt die Bezeichnungen der Dinge und ihrer Teile in einen (hier sogar historischen) Zusammenhang. Und er formuliert ganze Sätze:
Erstlich wohnete man in Hölen 1
danach in Laubhütten oder Strohhütten 2
dann auch in Gezelten 3
Endlich in Häusern.
Der Holzhacker mit der Holzaxt 4
fället und behauet die Bäume 5
davon dann überbleibt das Reisich 6
Das knottichte Holz spältet er mit dem Keil 7 –
welchen er hineintriebt mit dem Schlege
l […]
Dadurch lernen die Educandi mehr als nur die Bezeichnungen einzelner Dinge oder Ding-Teile, sondern auch die einschlägigen Verben, und dies sogar dekliniert und konjugiert: Lignator Securi sternit & truncat Arbores; remanentibus Sarmentis.

Das Kapitel geht zurück auf »Janua linguarum reserata« (1631) XLVIII. De fabrilibus artificiis (522–539).

Hinweis:

Die Vorrede (Vortrag) ist in der lat. und dt. Fassung dankbarerweise maschinenlesbar (OCR) gemacht von Wolfgang Näser > http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/orbispic.htm {19.02.2107}

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Comenius-Nachfolge

Vom »Orbis Pictus« gibt es ca. 250 Nachdrucke, Übersetzungen, Bearbeitungen. — Selbstverständlich können hier nur wenige exemplarische Bücher aufgeführt werden.

Vgl. hierzu Kurt Pilz, Johann Amos Comenius. Die Ausgaben des Orbis sensualium pictus. Eine Bibliographie, Nürnberg 1967 (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg 14). – K.Pilz ist den Titeln »Orbis …« gefolgt, und so erfasst er (kaum sinnvoll) z.B Spamers Lexikon aus den Jahren 1870ff. – andere, mit Comenius näher verwandte Werke kommen nicht in sein Blickfeld.

Die Ausgabe von Josef Chmela (1793–1847) bleibt relativ nahe am Original. Der Text ist vierspaltig tschechisch | deutsch | lateinisch | französisch.

Joan. Amos. Comenii Orbis pictus. Swĕt w obrazích. Die Welt in Bildern. Le monde en tableaux, Prag: Jar. Pospišil 1845.

Das Johann Georg Seybold (etwa 1620–1690) zugeschriebene (ebenfalls systematisch geordnete) »Wörter-Büchlein« (1683 und öfters) zeigt für jedes dt. | lat. Wort (auch Sammelbegriffe und Verben) nur éin Bild mit dem entsprechenden Detail:

Teutsch-Lateinisches Wörter-Büchlein Zum Nutz und Ergötzung der Schul-Jugend zusammen getragen/ Und mit etlich 1000. darzu dienlichen Bildern gezieret. Deme noch überdas eine kurtz-gefaßte Lateinische Sprach-Ubung und Ziemliche Anzahl Auserlesener Sprüche beygefüget, Nürnberg: Hoffmann 1683 > http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001021800000000

Ausgabe 1722 > ttps://books.google.ch/books?id=p5dEAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

Zur Biographie > https://www.deutsche-biographie.de/gnd128598727.html#adbcontent

Der »Neue Orbis …« von Jacob Eberhard Gailer (1792–1850) folgt eher dem Comenius; er enthält 316 Tafeln; die Texte sind dreispaltig lateinisch | deutsch | französisch. Das Prinzip, einen erklärenden oder erzählenden Text darzubieten, überwiegt, so dass keine Referenzen zwischen Einzelteilen im Bild und Wörtern mehr gezeigt werden. Auch beschreibt der Text oft weniger oder mehr, als was das Bild zeigt.

Hier Tafel 273: Schauspiele. Spectacula seu ludi scenici. Textausschnitte: Man giebt auch Opern, in welchen der Gesang und die Musik die Hauptsache ist, und die mit einer Ouverture eröffnet werden. […] Das Orchester, wo die Musiker sind, ist in der Nähe der Bühne, und die Kronleuchter und viele Lampen geben die nötige Helle. — Die Zuschauer sitzen im Parterre, oder auf den Gallerien, oder in den ersten Logen.— Jedes Stück hat mehrere Akte und Auftritte. — Wenn etwas besonders gefällt, so wird Beifall geklatscht.

Neuer Orbis pictus für die Jugend, oder Schauplatz der Natur, der Kunst und des Menschenlebens in 316 lithographirten Abbildungen mit genauer Erklärung in deutscher, lateinischer und französischer Sprache nach der früheren Anlage des Comenius bearbeitet und dem jetzigen Zeitbedürfnisse gemäss eingerichtet von J. E. Gailer, Lehrer an dem Lyceum in Tübingen, Reutlingen: J. C. Mäcken junior 1832 [und weitere Auflagen bis 1842]
> https://archive.org/stream/bub_gb_MAITAAAAIAAJ#page/n0/mode/2up

In diesem Zusammenhang ist das »Elementarwerk« (1774) von Johann Bernhard Basedow (1724–1790) zu erwähnen, obwohl es sich hier nicht mehr um ein Bildwörterbuch im strengen Sinne handelt. – Basedow erwähnt im Vorwort Comenius seltsamerweise mit keinem Wort! – Text und Bild sind in verschiedenen Bänden abgedruckt und die Bildteile nicht mittels Verweiszeichen auf Textteile bezogen.

Tab. LII; Text im Tafelband:
Einige Tugenden des männlichen und weiblichen Geschlechtes.
a) Der geschäftige Mann in seinem Laden.
b) Derselbe auf der Reise in der Verteidigung gegen zwei Straßenräuber.
c) Die fleißige Hausfrau unter ihren wohlerzogenen und beschäftigten Kindern, die dem Nachbar (der sich gesetzt hat) abschlägt, in Abwesenheit ihres Mannes, mit ihm in die Komödie zu gehen.
d) Die Frau, welche durch ihre Freundlichkeit die verdrießliche Laune ihres Ehefreundes überwindet.

Verwiesen wird auf 2.Buch — VI. Von natürlichen Unterschieden der Menschen – c) Von den Geschlechtern. Zu a) steht dort:

Seht den weltklugen, geschäftigen und mutigen Sophron […]. Er ist arbeitsam und läßt sich keine nöthige Mühe verdrießen, mit Recht etwas zu erwerben, um seiner Familie aufzuhelfen und anderen Menschen Gutes zu tun. Mit dem Koffer, den ihr seht, ist er erst am vorigen Tage im Winter von einer beschwerlichen Reise gekommen. [usw.]

Elementarwerk. Ein geordneter Vorrath aller nöthigen Erkenntniß. Zum Unterrichte der Jugend, von Anfang, bis ins academische Alter. Zur Belehrung der Eltern, Schullehrer und Hofmeister. Zum Nutzen eines jeden Lesers, die Erkenntniß zu vervollkommnen. In Verbindung mit einer Sammlung von Kupferstichen […], Dessau 1774.
Kupfersammlung zu J. B. Basedows Elementarwerke für die Jugend und ihre Freunde, Berlin und Dessau 1774.

> https://commons.wikimedia.org/wiki/Elementarwerk,_Kupfersammlung

Otto Friedrich Bollnow stellt den Wandel heraus von der objektiven Ordnung (Comenius) zu einer vom Kind aus gesehenen Welt (Basedow):

»Während Comenius mit Gott beginnt und von da aus die Welt in der großen objektiven Ordnung entfaltet, in die auch der Mensch an seiner Stelle eingeordnet ist, und im Jüngsten Gericht einen letzten Abschluß erreicht, setzt Basedow mit der kindlichen Lebensumgebung ein: der Familie am Essenstisch, den Nahrungsmitteln, der Kleidung und der Wohnung, und erweitert von hier aus langsam den Umkreis in immer weitere Bereiche. Es ist also die Verlagerung des Bezugssystems von der objektiven Ordnung der Welt in die subjektive Ordnung vom Menschen aus.«
Otto Friedrich Bollnow, »Comenius und Basedow«, in: Die Sammlung, 5. Jahrgang (1950), S. 141–153 sowie eine Vorlesung »Johann Bernhard Basedow«
> http://www.otto-friedrich-bollnow.de/getmedia.php/_media/ofbg/201504/353v0-orig.pdf
> http://www.wernerloch.de/doc/BasedowV.pdf

Betrachtet man beispielsweise Tafel XXII Die Vernunft, und dazu den Text zu a): Die dadurch gewirkte Herrschaft der Menschen über die Tiere. Exempel an einem gefangenen Löwen, an einer Kuppel Pferde, an einer Herde Ochsen mit ihrem Treiber, an dem erschossenen Bären und an dem Wallfischfange,

so versteht man Goethes Kritik: »… mir mißfiel, daß die Zeichnungen seines ›Elementarwerks‹ noch mehr als die Gegenstände selbst zerstreuten, da in der wirklichen Welt doch immer nur das Mögliche beisammensteht und sie deshalb, ungeachtet aller Mannigfaltigkeit und scheinbarer Verwirrung, immer noch in allen ihren Teilen etwas Geregeltes hat. Jenes Elementarwerk hingegen zersplittert sie ganz und gar, indem das, was in der Weltanschauung keineswegs zusammentrifft, um der Verwandtschaft der Begriffe willen neben einander steht; weswegen es auch jener sinnlich-methodischen Vorzüge ermangelt, die wir ähnlichen Arbeiten des Amos Comenius zuerkennen müssen.« (Dichtung und Wahrheit)

In der (anonymen) Ausgabe »Neuester Orbis pictus oder die Welt in Bildern für fromme Kinder«, Neuhaldensleben bei C. A. Eyraud o. J. [1838] (Reprint als insel taschenbuch 9, Ff/M. 1972) sind die einzelnen Bilder zu den Wörtern in eine Collage zusammengeklebt. Die Didaxe (Wie heißt das Ding? bzw. Wie sieht das so Benannte aus?) ist so in spielerische Unterhaltung umgekippt: Wo erkennst du was? (Vielleicht hat das den Illustrator des Petit Larousse angeregt, vgl. unten)

Aal — eel — anguille — anguilla

Adler — eagle — aigle — aquila

Apfel — apple — pomme — pomo

Affe — ape — singe — scimia

Ambos — anvil — enclume — incudine

usw: Angel — Anker — Armbrust — Arznei — Ast — Axt …

Carl Friedrich Lauckhard (1813–1876), »Die Welt in Bildern« (EA 1857): Hier sind die Texte weitschweifig, gelegentlich poetisch angehaucht, auch mit Geschichten und Gedichten durchsetzt.

Die Welt in Bildern. Orbis pictus. Bilderbuch zur Anschauung und Belehrung, bearbeitet von Dr. Lauckhard, Leipzig: Ernst Julius Günther; Dritte Auflage 1872. [1. Teil], Vierte Tafel, Das Essen.
Vgl. > http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN746212909&LOGID=LOG_0004

Der Gymnasiallehrer und Privatdozent für Klassische Philologie Hermann Koller hat die Tradition 1976 für den elementaren Lateinunterricht wieder aufleben lassen. Das Bildmaterial seines »Orbis Pictus Latinus« ist aus etwa 40 Bildquellen kompiliert, worunter Comenius, Gregor Reisch, Olaus Magnus sowie verschiedene Antikenlexika.

Allocutio imperatoris Romani in opere caelato. — 1 imperator — 2 lictores — 3 signiferi — 4 signa — 5 vexillum — 6 suggestum

Hermann Koller, Orbis Pictus Latinus. Vocabularius imaginibus illustraturs, Turici: Artemis MCMLXXVI.

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Ähnliche Traditionen

Bebilderte Enzyklopädien gibt es seit langer Zeit; hervorgehoben sei die 1728 zuerst erschienene »Cyclopaedia« von Ephraim Chambers (1680–1740), wo die Bilder freilich nicht in den Text eingebunden, sondern separat beigegeben sind, was durch die Technik erklärt werden kann (Kupferstich erfordert im Gegensatz zum Holzschnitt im Verbund mit Bleisatz der Typen zwei Druckdurchgänge).

In der französischen Lexikographie werden seit dem Ende des 19.Jhs. Bilder gezeigt: 1889 erscheint der »Dictionnaire Complet Illustré« von Claude Augé (1854–1924); daraus erwächst 1897–1904 der sieben Bände und ein Supplément umfassende »Nouveau Illustré«.
> https://archive.org/details/nouveaularoussei01laro

Die Erstausgabe des »Petit Larousse Illustré« von 1905 enthält 5’800 Holzstiche.

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Der ›Bilder-Duden‹ und Verwandtes

Im Vorwort der von Dr. Otto Basler 1935 herausgegebenen Erst-Ausgabe des »Bilder-Duden« wird Comenius nicht erwähnt. (Die Erwähnung von Comenius war vielleicht in einer Zeit der autoritären Pädagogik nicht erwünscht. Allerdings enthält auch das Vorwort der Dudenredaktion anno 2000 keinen Hinweis auf den Begründer dieser Tradition.)

Das Bildwörterbuch der deutschen Sprache enthält 342 Tafeln in Strichätzung und 6 Farbentafeln. Mehrere am Stil erkennbare, nicht namentlich genannte Graphiker waren am Werk. Der Aufbau folgt einem System:

  • Mensch, Familie, Heim (darin auch: Krankenpflege, Unterkleidung, Haustypen, Badezimmer, Gemüsepflanzen)
  • Arbeit und Beruf (darin auch: Bauernhof, Pelzitiere, Jagd, Gaswerk, Büglerin, Photographie, Bergwerk)
  • Freizeit (darin auch: Körperliche Ertüchtigung)
  • Wissen, Forschen, künstlerisches Schaffen (darin auch: Geometrie, Ägyptische Kunst, Volksbelustigungen)
  • Glaube (darin auch: Fabelwesen, Mythologie, Bestattung, Ordenstrachten)
  • Staat (darin auch: Kasernenleben, Schießausbildung, Stellungskrieg, Kriegsmarine, Schule)
  • Gemeinwesen (darin auch Kinderspielplatz, Im Tiergarten, Gaststätten)
  • Wirtschaft und Verkehr (darin auch Münzen, Fernsprecher, Pferdewagen, Bahnhof, Hafen)
  • Vergangenes (darin auch: Mittelalter, Kostüme)
  • Land und Leute (darin auch: Völker- unhd Volkskunde, Aberglaube, Familienfeste, Sonnwendfeier, Märchen)
  • Tier und Pflanze (darin auch: ausgestorbene Tiere, Schmarotzer des Menschen)
  • Erde und Weltall (darin auch: Landkarten, Erdbeben, Wolken)

Das Wörterbuch ist einsprachig. Bei den Bezeichnungen der Dinge sind Synonyme angegeben (vgl. hier: der Abort – das Klosett).

Am Schluss steht ein alphabetisch geordnetes Wörterverzeichnis, von wo auf die Tafeln verweisen wird (S. 663–795).

Tafel 32 Das Badezimmer.   Aus der Legende: 2 das Bidet (eine Sitzbadeschüssel) — 4 der Abort (das Klosett, ein Spül-, Wasserklosett); b das (aufklappbare) Sitzbrett (der Sitz, die Brille) — 13 die Tube mit der Zahnpasta — 16 der Rasierkrem — 23 die Badende — 25 der Schwammhalter mit dem Schwamm — 31 die Badematte.

Der Große Duden. Bildwörterbuch der deutschen Sprache, hg. Otto Basler, Leipzig: Bibliographisches Institut 1935.

Bald gibt es mehrsprachige Ausgaben, und 1959 eine Ausgabe für Kinder:

Kinderduden, hg. vom Jugendbuchlektorat des Bibliographischen Instituts, Mannheim 1959; Bildtafeln von Susanne Ehmke

1955 nimmt der Verlag Brockhaus in die 30. Auflage des Pfohlschen dt./frz. Wörterbuchs kleinere Bilder auf, nach der Devise Ein Wörterbuch ohne Bilder ist ein Skelett. (Vorwort). Der Aufbau ist alphabetisch.

Brockhaus-Bildwörterbuch deutsch-französisch von Ernst Pfohl, 30., neubearbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden: Brockhaus 1955. Abb. F 11: Frühstückstisch, table à déjeuner

Das Bildwörterbuch als ein Genre erfreute sich in der Volksrepublik China seit jeher grosser Beliebtheit, da es einen wenig elitären Zugang zu Wissen verheisst und weil es von allen lexikographischen Formen wohl am meisten zum Stöbern und Entdecken anregt. Aus diesem Grund sind sog. tujie cidian 图解辞典 (wörtlich: mit Bildern erklärende Lexika) auch in der Fremdsprachenvermittlung sehr beliebt und finden und fanden in China zu allen Zeiten reissenden Absatz. (Marc Winter)

Heutzutage findet man solche tools im WorldWideWeb, sogar auf dem Smartphone. Dabei funktioniert sogar das nach Kategorien geordnete Inhaltsverzeichnis über Bilder:

französisch: http://www.ikonet.com/fr/ledictionnairevisuel

spanisch: http://www.ikonet.com/es/diccionariovisual

englisch: http://www.pdictionary.comhttp://visual.merriam-webster.com

chinesisch: http://www.opdome.com/chinese

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Verschiedene Bildtypen

••• Einzelteile eines geschlossenen, systemhaften Dings in ihrem Zusammenhang, z.B. die Fleischteile beim Schlachtvieh:

Knaurs Konversationslexikon A–Z, hg. Richard Friedenthal, Berlin 1932; vgl. Duden Bildwörterbuch 1935, Tafel 85.

… oder das Motorrad:

The English Duden. A Pictorial Dictionary with English and German Indexes, 2nd revised edition Mannheim/Wien/Zürich: Bibliographisches Institut 1960; # 182 The Motorcycle [frühere Auflagen: Leipzig 1937; New York 1943]

••• Einzelteile eines geschlossenen, systemhaften Dings in Einzelteile zerlegt:

Aus: http://www.opdome.com/chinese (Angeklickt ist hier das Bild für die Nase 鼻子 bízi.)

••• Einzelteile zu einem virtuellen Ganzen zusammengesetzt:

Der Große Duden. Bildwörterbuch der deutschen Sprache … hg. Otto Basler, Leipzig: Bibliographisches Institut 1935, Tafel 165A. Hier werden Lage und Richtung visualisiert: Das Dampfschiff 25 fährt aufwärts; durch den Brückenbogen 22a fährt das Boot 24 hindurch; das Floß 29 treibt abwärts. usw. Es ist im Grunde genommen belanglos, was das Bild darstellt, nur diew Lage der Dinge zueinander muss sinnvoll sein.

••• Ensemble eines lebensweltlichen Zusammenhangs, z.B. die Zahnarztpraxis, die Tischlerwerkstatt:

Der Große Duden. Bildwörterbuch der deutschen Sprache … hg. Otto Basler, Leipzig: Bibliographisches Institut 1935. Tafel 118 Die Tischlerwerkstatt

••• Einzelteile eines lebensweltlichen Zusammenhangs nebeneinander gelegt und freigestellt:

Brockhaus-Bildwörterbuch deutsch-französisch von Ernst Pfohl, 30., neubearbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden: Brockhaus 1955, s.v. Tischlerwerkzeug

••• Verschiedene Ausprägungen eines Hyperonyms (Oberbegriffs), z.B. Hunderassen, Haartrachten oder Bartformen, Hüte, Brücken:

The English Duden. A Pictorial Dictionary, 1960; # 210 (= S. 378/79): Bridges12 the arched bridge; 17 the pontoon bridge; 22 the suspension bridge; 36 the bow string girder bridge; 37 the cable braced bridge; 47 the lattice bridge ...

••• Diagrammatische Stuktur, vgl. unten zu den Verwandtschafts-Relationen.

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Verweis-Techniken zwischen Sprache und Bild

Hierzu mehr im Kapitel Bild-Text-Verknüpfung. Es gibt grundsätzlich die Technik der Bezugnahme

• mittels im Bild angebrachter Hilfszeichen (Zahlen, Buchstaben), die auf eine Legende verweisen;

• mittels ins Bild eingeschriebner Wörter oder Kurztexte;

• mittels Linien oder Pfeilen, die von einem Bildteil auf die Legende verweisen;

• Kombinationen davon.

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Welche Kategorien des Lexikons werden visualisiert ?

Konkreta:

Le harnais (das Pferdegeschirr) aus: Petit Larousse Illustré. Nouveau Dictionnaire Encyclopédique, publié sous la direction de Claude Augé; cent trente-sixième édition, Paris 1917.

Abstrakta: Bereits Comenius’ »Orbis pictus« enthält Tafeln zur Sittenlehre; hier erscheinen (Tafeln CX sqq.) Prudentia — Sedulitas. Die Aemsigkeit — Temperantia — Fortitudo — Patientia — Humanitas. Die Leutseligkeit. — Justitia — Liberalitas. Im Abschnitt über den Menschen gibt es eine Tafel Anima Hominis. Die Seele des Menschen (XLII).

Beispiel Temperantia: Die Mässigkeit. Comenius braucht mehrere rhetorische Mittel˚: Er stellt sie – wohl inspiriert durch Cesare Ripa – als Personifikation dar, die ein kleines Glas behutsam einschenkt (˚Synekdoche). Am Arm hängt ein Zaumzeug, °Metapher für das Sich-zurück-Nehmen. Als Gegenstück sind °exemplarisch Schlemmer und Unzucht Treibende dargestellt.

Die Mässigkeit 1
schreibt Masse für [modum præscribit] dem Essen und Trincken 2
und hält an die Begierde als mit einem Zaum: 3
[…]
Die Schlämmer (Säuffer) sauffen sich voll und toll 4
taumeln 5
speyen (kotzen) 6
und hadern 7.
Aus der Schlemmerey entstehet Geilheit;
aus dieser ein Unzucht-Leben […]
mit Küssen/ Betasten/ Umarmen (herzen) und Dantzen (hüpfen) 10

Verben für Bewegungen: Die Bewegung selbst kann natürlich im statischen Bild eines Buchs nicht gezeigt werden, nur die sie Ausführenden; also statt schwimmen eine schwimmende Person usw.

LASDE = Longman Active Study Dictionary in English, 1983

Zusammenstellung bildlicher Darstellungen der wichtigsten Bewegungsverben (Verbs of movement). Um die Semantik der Wörter zu verdeutlichen, wurden die Handlungsabläufe im Stile von Momentaufnahmen nachgezeichnet – die Figuren befinden sich jeweils mitten im Vollzug der zu erläuternden Bewegung.

Die genaue Bedeutung der Verben wird sowohl aus der Haltung der Figuren als auch aus ihrer Umgebung erschlossen, wobei die für das Verständnis notwendige Umwelt nur minimal – durch horizontale und vertikale Linien – angedeutet wird. Um die etwas kompliziertere Dynamik der transitiven Verben darzustellen, werden prototypische Objekte eingesetzt. So wird ein Ball für ›kicken‹ bzw. in einer Interaktionssituation für ›werfen‹ und ›fangen‹ verwendet, ein Punching Ball bei dem Verb ›boxen‹ abgebildet und als Beispiel für das Wort ›sitzen‹ eine Figur auf einem Stuhl gezeigt.

Präpositionen wie vor, neben, zwischen, unter können mittels Bildern erklärt werden. Auf diesem Bild wird sogar noch gezeigt, dass die Präpositionen, wenn die Bewegung eines Gegenstands (siehe die Hände und Pfeile) gemeint ist, den Akkusativ erfordern, die bloße Lage dagegen den Dativ.

Volks-Brockhaus 1935 s.v. Verhältniswörter

Hier werden die Raum- / Lage-Bezeichnungen in weniger abstrakter Weise dargeboten:

Aus der Legende: 1/2: vorne/hinten — 1/2 – 3/4: hintereinander — 7 gegen den Baum gefahren — 8 fliegt über — 12 springt in das Wasser — 13 kriecht durch den Zaun — 16 kommt aus dem Haus — 24 steigt hinauf — 27 geht zwischen 25 und 26 — 32 liegt unter dem Auto (32 auch beim Schwimmer links unten)

Bildwörterbuch deutsch und russisch, mit 194 Text- und Bildtafeln, davon 8 mehrfarbig, sowie Ergänzungen und einem deutschen und russischen Register = Illjustrirovannyj slovarʹ na nemeckom i russkom jazykach / [Bearb. d. russ. Fassung: Nikolai Gamaleja], 4., neu bearb. und erw. Aufl., Leipzig: Verlag Enzyklopädie 1966; Tafel 193 Lage und Richtung.

Adjektive für optische Erscheinungen

Aus der Legende: 17: geblümt – 18: gepunktet – 19: getupft – 20: gefleckt – 21 gesprenkelt – – 24: gemasert – – 29: schraffiert – 31: schottisch – – 32: das Fischgrätenmuster – 33: das Hahnentrittmuster.

Bildwörterbuch deutsch und russisch, [wie oben], Leipzig: Verlag Enzyklopädie 1966; Tafel 192

Adjektive für sinnliche Qualitäten wie Töne, Gerüche, usw.

Das Medium Bild kann Adjektive für akustische, olfaktorische, thermische, taktile Sinneseindrücke mit der Technik der Metonymie evozieren: Es wird eine Situation oder eine Szene visualisiert, in der der gemeinte Sinneseindruck prominent vorkommt.

Beispiel: Entsprechend dem Wort nass wird eine Badestube gezeigt, in der Wasser verspritzt wird; entsprechend dem Wort fest wird eine Burg dargestellt usw. (Diese Publikation von 1480 ist kein Bildwörterbuch im exakten Sinne: die Bilder sollen der Mnemotechnik dienen.)

Ars memorativa, Augsburg: Sorg [1480]; Nachdruck: Augsburg: B.Finsler 1925; > http://daten.digitale-sammlungen.de/0002/bsb00025098/images/

Dass Eigenschaften dargestellt sind, ist aus dem Bild allein nicht ersichtlich, sondern nur aus den Beischriften:

beweglich – nass
      trucken
vest – gefärbt.

Relationen

Verwandtschaftsbezeichnungen beruhen auf Relationen (vgl. das engl. Wor dafür: relation, relationship, relatives). Wer sie bildlich darstellen will, muss einen idealen Stammbaum entwerfen.

Die Bezeichnungen sind in einzelnen Sprachen unterschiedlich, vgl. das ältere deutsche Muhme = Schwester der Mutter; Schnur (mhd. snuor) = Sohnesfrau = Schwiegertochter; Base = Vatersschwester. Das Schwedische differenziert für dt. Onkel zwischen farbror und morbror. Es besteht also Klärungsbedarf.

Die Darstellung der arbor consanguinitatis hat eine lange Tradition, seit Isidor von Sevilla, Etymologiæ IX,vi,28; vgl. den Codex Sangallensis 231.

Das Bild bei Comenius scheint etwas misslungen: (1) = das Ich, von dem aus die Benennungen erfolgen, sollte genau genommen aus (2) und (3) gezeugt sein, die aber als abstehende Blätter gezeichnet sind. Besser ist diese Graphik (Ausschnitt):

Viereckige Rahmen stehen für Männer; runde für Frauen. Aus der Legende: 1 wŏ / me — 2 qizi / wife — 3 fùqin / father — 4 mŭqin / mother — 5 yuèfù / wife’s father, father-in-law — 17 zhàngfu / fathers’s sister, aunt — 31 mèimei / younger sister — 30 mèifu / younger sister’s husband — 43 wàishengnǚ / sister’s daughter, niece …

Quelle

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ABC-Fibeln

Weggelassen wurden hier Alphabet-Lehrbücher, wo das Bild eine mnemotechnische Hilfe ist, um sich den Anfangsbuchstaben des Wortes des Gezeigten einzuprägen. (Man beachte, dass ein Schüler damals vier Alphabete lernen musste!)

J. E. Friedberg, Erstes Buch für Kinder, Berlin: Amelang 1825. Aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/Abécédaire

Vgl. dazu den Artikel von Helmut Müller, Karl-August Wirth, Fibel (ABC-Buch), in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. VIII (1984), Sp. 665–719 > http://www.rdklabor.de/w/?oldid=88712

In solchen Publikationen können aber durchaus auch Sach-Anmerkungen beigegeben werden:

ABC-Buch mit kurzen Lese-Uebungen für die Stadt- und Dorf-Schulen von Frankfurt am Mayn: Jäger 1799. > https://books.google.ch/books?id=nu5ZAAAAcAAJ&hl=de&source=gbs_navlinks_s

Wilhelm Busch hat sich in seinem »Naturgeschichtlichen Alphabet« über diese Fibeln lustig gemacht (> http://www.zeno.org/nid/20004613554)

Die Unke schreit im Sumpfe kläglich,
Der Uhu schläft zwölf Stunden täglich.

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Abspann

Es wäre interessant, anhand der lange Zeit tradierten Bilder kulturhistorischen Wandel zu erforschen, beispielsweise die Ausstattung eines Schulzimmers (in den jüngeren Auflagen tragen die Lehrer Pullover statt Anzug und Krawatte). Das wäre aber ein andres Projekt.

Auf einen witzigen Einfall des »Petit Larousse Illustré« soll noch hingeweisen werden. Wo ein neuer Buchstabe im Wörterbuch beginnt, enthält die Initiale Bilder von Dingen, die mit dem entsprechenden Buchstaben beginnen:

Man übe seinen Französisch-Wortschatz: soleil, seize, saturne, sac, saxophone, sapin, sanglier, sculpteur –– aber wie heißt der Taucher, die Weide, der Zählrahmen, der Blasbalg?

Petit Larousse Illustré. Nouveau Dictionnaire Encyclopédique, publié sous la direction de Claude Augé; cent trente-sixième édition, Paris 1917.

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Online gestellt Ende Februar 2017, plus Ergänzungen April 2017 — PM

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