Persistente Bilder

     
 

Zählebige Bildtraditionen

Ist ein Bild einmal präsent, so ist es meist persistent, zählebig; es hält sich im kulturellen Gedächtnis, oft auch gegen die Empirie.

Segnius inritant animos demissa per aurem quam quae sunt oculis subiecta fidelibus (Horaz, Ars poetica 180f.) (Ch. M. Wieland übersetzt so: Was durch die Ohren in die Seele geht, rührt immer schwächer, langsamer, als was die Augen sehen.)

Wenn zum Bild eine einprägsame Geschichte dazukommt, hält sich die Tradition noch stärker.

SalamanderLawinenTellenschussNashorn und Elefant

Weitere Materialien dazu im Kapitel zu den von Buch zu Buch wandernden Bildern.

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Der Salamander

Der Salamander hat abenteuerliche Wanderungen durch die Literatur hinter sich: vom Reisebericht ins naturwissenschaftliche Werk und dann ins Emblembuch.

Bernhard von Breydenbach (1440–1497) erwähnt das Tier in seinem Reisebericht; lässt es abbilden und sagt dazu: Hec animalia sunt veraciter depicta sicut vidimus in terra sancta (Diese Tiere sind wahrhaftig so gezeichnet, wie wir sie im heiligen Land gesehen haben).

   und vergrößert:

Peregrinatio in terram sanctam, Mainz : Erhard Reuwich 1486.
> https://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/18835061
> http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz488893046

sicut vidimus – Das Tier scheint indessen eher eine Visualisierung der Beschreibung zu sein, wie sie zu finden ist in Albertus Magnus († 1280), De animalibus, XXV, xxxv (hg. Hermann Stadler, Münster 1916–1920, Band 2, S.1570): habens faciem compositam ex facie porci et simiae […] ungues hamatos subtili aduncitate (der Kopf halb Affe, halb Schwein; mit einwärts gekrümmten Haken versehene Krallen); die sternartige Zeichnung (stellatum) dürfte von Plinius (nat. hist. X,lxxxvi 188) inspiriert sein.

Gregor Reisch († 1525) lässt sich das Tier in seiner Enzyklopaedie 1503 nicht entgehen. Der Salamander entsteht aus dem Wasser, kann aber auch im Feuer leben (Augustin, Civitas Dei 21,4). Plinius sage von ihm (nat. hist. X, lxxxvi, 188), das Tier habe die Gestalt einer Eidechse und lösche Feuer, das es berührt, wie Eis:

Margarita philosophica, Freiburg: johannes Schott 1503; Lib. IX (De origine rerum naturalium), Cap. v
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00012346/image_401
Deutsche Übersetzung von Otto und Eva Schönberger, Würzburg: Königshausen & Neumann 2016, S.372.

1545 wandert der Salamander in die gedruckte zoologische Fachliteratur. Salamandra, ein gifftiger wurm – von ihm findet man gar mancherlei Opiniones oder viler handt widerwertige meinungen bei den alten erkundigern natürlicher ding … – Der Text ist übersetzt aus Albertus Magnus (wie oben).

Thierbuch Alberti Magni. Von Art Natur vnd Eygenschafft der Thierer/ als nemlich von vier füssigen/ Vögeln/ Fyschen/ Schlangen oder kriechenden Thieren/ vnd von den kleinen gewürmen die man Insecta nennet/ durch Waltherum Ryff verteutscht, Frankfurt am Main: Jacob 1545.
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00073687/image_299

Conrad Gessner übernimmt das Bild mit zweifelnden Bemerkungen in die auf Bilder konzentrierte Zoologie »Icones animalium« (1553), merkt dann aber in der zweiten Auflage (1560) deutlich an: Salamandrae figura falsa. Es sei ein Fake von Unwissenden oder gar Unverschämten:

Icones animalium quadrupedum viviparorum et oviparorum, quae in historiae animalium Conradi Gesneri libro I et II describuntur : cum nomenclaturis singulorum Latinis, Graecis, Italicis, Gallicis, et Germanicis plerunque, et aliarum quoque linguarum, certis ordinibus digestae = le figure de gl' animali quadrupedi d'ogni sorte = les figures & pourtraictz des bestes a quatre piedz de toute sorte, Tiguri: excudebat C. Froschoverus, 1560; pag. 119
> https://doi.org/10.3931/e-rara-10550

Das Tier überlebt indessen, nur wenig mutiert, in der Emblematik und in der Alchemie.

Salomon Neugebauer, Selectorum Symbolorum Heroicorum Centuria Gemina …, Francofurti: Iennis 1619.
> http://diglib.hab.de/drucke/405-quod-2s/start.htm?image=00135

Michaelis Majeri Chymisches Cabinet, Derer grossen Geheimnussen der Natur/ Durch wohl ersonnene sinnreiche Kupfferstiche Und Emblemata, Auch Zu mehrerer Erleuchterung und Verstand derselben/ mit ... Sententien und Poëtischen Uberschrifften/ dargestellet und ausgezieret. [………], Franckfurt: Oehrling 1708.
> http://diglib.hab.de/drucke/nd-773/start.htm?image=00093

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Lawinen

Die Vorstellung, eine Lawine sei eine riesige Schneekugel, die bergabwärts rollt und alles in sich hineinwickelt, ist falsch.

Zum »Theuerdank« (1517) vgl. oben. Hier bringt Unfalo Tewerdannckh in Gefahr, indem er ihn mit der Aussicht auf gute Jagdbeute in die Berge lockt und heimlich einen Diener ausschickt, der mit Schneebällen eine Lawine auslöst. Er befiehlt ihm: So mach von schnee einen pallen | Unnd lass den gmach herab fallen | Das daraus werd eine leenen [Lawine] gross | Dieselb den Helden zuotodt stoss. – Dann: Als der knecht ersach den Tewrn man| macht Er pald ein pallen von schnee | derselbig lieff hinab vnnd ee | Er halben weg geloffen was | wurd der pall von schne so gross/ das | Er het mögen mit der grös sein | Bedecken ein gemeins stetlein …

Quelle: Kaiser Maximilian I, »Theuerdank«, 1517; Bild 36 (Hans Burgkmair) > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00013106/image_174

Johannes Stumpf beschreibt 1547, dass der weiche Schnee im Frühling oft von einem warmen Wind oder durch einen Vogel oder einen Ton bewegt wird, das er anfacht ein wenig rysen/ vnd zestund meeret er sich zuo einem sölichen hauffen/ das er gegen tal laufft/ vnd stoßt vor jm hin grund/ boden/ böum/ erdtrich/ velsen/ vnd alles das er begreyfft/ also das sölicher schneebruch einen gantzen fläcken oder dorff … hinstiesse vnd verdecke. […] Und söliche Schneebruch werdend vom landvolck genennt ein Lowin. — Von einer Kugelgestalt ist im Text nicht die Rede; hingegen zeigt das Bild sie:

Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten / Landen vnd Völckeren Chronik wirdiger thaaten beschreybung […] durch Johann Stumpffen beschriben […] Zürich bey Christoffel Froschouer M.D.XLVII. Band 2, fol. 285recto > http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/1527238

Wenn Johann Jacob Wick (1522–1588) über ein Lawinenunglück 1563 berichtet, zeichnet er dieses Bild ab:

[15]63 Was schadens ein schnee löuwin am Gotthart gethon. Am 13 Decemb. ist ein löuwin dahar gefaren, hatt XXVI ross und VII mans personen dahin genommen und verfelt [verschüttet]. Under denen ist xin ein kauffherr von Meyland, sol mer dan 2000 kronen by im gefürt haben.

Wickiana Ms F 15 - Blatt 454 recto > http://www.e-manuscripta.ch/zuz/content/pageview/4674

Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733) kennt die Lawinen sehr genau aus Berichten von Einwohnern der Dörfer, die er auf seinen Bergreisen getroffen hat. (Am bequemsten einsehbar in der postumen Ausgabe: Johann Jacob Scheuchzers, Weyland Profess. der Natur-Lehre und Mathematic / Canonici in Zürich […] , Natur-Geschichte des Schweitzerlandes, Samt seinen Reisen über die Schweitzerische Gebürge. Aufs neue herausgegeben, und mit einigen Anmerkungen versehen von. Joh. Georg Sulzern, Zürich: David Gessner 1746. Erster Theil S. 294–307; Zweyter Theil S. 343-350.) – Ein Text besagt beispielsweise: So fienge sogleich der Himmel an dunckel zu werden, und hat sich gleichsam in einem Augenblick der Schnee von dem Berg gelößt, und nachdem er die Bäume mit den Wurtzeln, Felsen und alles was ihm in den Weg stunde, mit Ungestüme und Gewalt mit sich fortgerissen, […] Die Vorstellung des Schneeballs gebraucht er nicht. Bilder hat er nicht beigegeben.

David Herrliberger (1697–1777) exzerpiert Scheuchzer in seinem Buch über die Eidgenossenschaft. Bemerkenswert ist eine kleine Änderung, die er an einem Text von Scheuchzer vornimmt:

  • Scheuchzer berichtet (a.a.O. I, S.303), dass anno 1499 400 Soldaten eines Heeres von einer Lawine eingewickelt worden seien, dass dann aber bald die unter dem Schnee begrabenen Männer einer nach dem andern gleich aus dem Grabe hervorgekrochen …
  • Herrliberger ändert (S.79): nachdeme die durch die Schneeballen verschlungene Männer aus selbiger [Lawine] einer nach dem andern, […] alle wiederum lebendig hervor gekrochen …

Diese Textvariante fördert die bzw. stammt von der Bild-Idee:

David Herrliberger, Neue und vollständige Topographie der Eydgenossschaft, in welcher die in den Dreyzehen und zugewandten auch verbündeten Orten und Landen dermal befindliche Städte, Bischtümer, Stifte, Klöster, Schlösser, Amts-Häuser, Edelsitze, und Burgställe: Dessgleichen die zerstörte Schlösser, seltsame Natur-Prospecte, Gebirge, Bäder, Bruggen, Wasser-Fälle beschrieben, und nach der Natur oder bewährten Originalien perspectivisch und kunstmässig in Kupfer gestochen. Zürich 1754–1773 – Erster Theil, Dritte Ausgabe; Stiche 41 und 42. > http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/5749776

Herrlibergers Vorlage, eine Zeichnung von Daniel Süringer, ist abgebildet bei Hermann Spiess-Schaad, David Herrliberger, Zürich: Verlag Hans Rohr 1983; S. 78.

Die ›Kenntnisse› werden auch in eine Enzyklopädie übernommen. Aus dem langen Artikel in Krünitz dies: Eine Schnee= oder Berg=Lauwine, ein Klumpen Schnee, welcher von den steilen Bergen rollt, sich im Herabfallen vergrößert, und oft ganze Häuser und Dörfer bedeckt. Und S. 462: Zu der Zeit, da das ganze Gebirge mit frischem Schnee bedeckt ist, werden zuweilen kleine Schnee=Schollen von dem Winde über den Rand der Firne und Schnee=Bänke hingetrieben, rollen sich dann über den Abhang des Gebirges hernieder, und nehmen im Fortwälzen immer zu. Mit ihrer Vergrößerung wächst auch die Macht des Druckes, den sie auf alles, was ihnen in Wege ist, äussern; sie reissen es mit sich fort, oder treiben es vor sich her, bis sie endlich auf einer Ebene stille stehen.

Quelle: Johann Georg Krünitz (1728–1796), Oekonomisch-technologische Enzyklopädie oder allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung, LXVI Theil (1795) Fig. 3962 ist eine Kopie aus Herrliberger, inkl. der Legende: A bezeichnet den Ort, wo sie ihren Anfang nehmen. > http://www.kruenitz1.uni-trier.de/

1813 dann ein realistisches Bild:

Alpenrosen. Ein Schweizer-Almanach auf das Jahr 1813. Hg. [Gottlieb Jakob] Kuhn, [Friedrich] Meisner, [Johann Rudolf] Wyss u.a., Bern / Leipzig: J. J. Burgdorfer / C. Gottl. Schmid

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Der Forstteufel

1531 erscheint ein Flugblatt, das ein in der Nähe von Salzburg gefundenes Tier (Beste) zeigt und (auf französisch) beschreibt — Abbildung bei Ingrid Faust, unter Mitarbeit von Klaus Barthelmess u.a., Zoologische Einblattdrucke und Flugschriften vor 1800, Stuttgart: Hiersemann 1998–2010; Band V, Nr. 760.

Conrad Gessner bringt im Tierbuch (1551) im Kapitel De Satyro die Geschichte vom Forstteüfel, der dannzumal im Bisthuomb zuo Saltzburg/ im Hanßberger Forst beobachtet worden sei. Wiewol dises thier von niemants mer gesehen worden/ dann eben zuo vnsern zeyten/ vnd gefangen im jar nach Christi geburt M.D.XXXI. [… ist es] on zweyfel ein erschrockenliche bedeütliche wundergeburt gewesen. (Forrers Übersetzung 1563) – Er hat es auf dem Flugblatt kennengelernt, das ihm Georg Fabricius samt einer Beschreibung zugesandt hat (Hist. Anim. I, S. 979: Satyrorum historiæ subijciendum duxi monstrum illud, cuius effigiem apposui, quem eximiæ eruditionis & humanitatis uir Georgius Fabricius ex Misnia Germaniæ ad nos misit & simul descriptionem).

Conradi Gesneri medici Tigurini historiae animalium lib. I. de quadrupedibus viviparis. Opus philosophis, medicis, grammaticis, philologis, poëtis & omnibus rerum linguarumque variarum studiosis, utilissimum simul iucundissimumque futurum. Tiguri: apud Christ. Froschoverum, anno 1551, pag. 978 > http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/627431

Thierbuoch Das ist ein kurtze bschreybung aller vierfüssigen Thieren/ so auff der Erden und in wassern wonend, sampt jrer waren Conterfactur […] durch D. Cuonrat Forer zuo mererem nutz aller mengklichem in das Teütsch gebracht/ vnd in ein kurtze komliche ordnung gezogen. Getruckt zuo Zürych bey Christoffel Froschower im Jar als man zalt M.D.LXIII. fol. XIr > http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-5027

Das Lebewesen macht sodann Furore: Conrad Lycosthenes nimmt es selbstverständlich gerne in seine Prodigiensammlung 1557 auf:

Conrad Lycosthenes, Wunderwerck, 1557 (wie oben), zum Jahr 1531, pag. cccclxxxiij.

Johann Jacob Wick (1522–1588) lässt es für seine Prodigiensammlung zum Jahr 1531 aus Gessners Buch abzeichnen, wiewol dises thier von niemands mer gesähen worden, dan eben zuo unseren zyten, und gefangen im iar nach Christi geburt 1531. Er schreibt dem Wesen auf den Leib: o du käzer.

Wickiana F 12 [1560/1561, mit älteren Stücken], fol. 84 > http://www.e-manuscripta.ch/zuz/content/pageview/2604

Transkription des Texts in: Die Wickiana. Johann Jakob Wicks Nachrichtensammlung aus dem 16.Jh., Texte und Bilder zu den Jahren 1560–1571, hg. Matthias Senn, Küsnacht-Zürich: Raggi-Verlag 1975, S. 52.

Pierre Boaistuau übernimmt es in seinen »Histoires Prodigievses« (1568).

Das Wesen wandert auch wieder zurück in die zoologische Fachliteratur: Die Plinius-Übersetzung (1565) bringt das Bild im Kapitel Von etlichen wunderbarlichen Thieren/ die im Mohrenland vnd in India jhr wohnung haben (entsprechend Plinius nat hist VIII,xxx,72ff) als Jungkfrauwaff. Und er zitiert dazu das Emblembuch von Andrea Alciato, wo jener die Sphinx allegorisch auslegt!

Caij Plinij Secundi / Des furtrefflichen Hochgelehrten Alten Philosophi / Bücher und schrifften / von der Natur / art vnd eigentschafft der Creaturen oder Geschöpffe Gottes […] Frankfurt: Sigmund Feyerabend 1565; Seite 128f. > https://books.google.ch/books?id=m3NCAAAAcAAJ

(Noch nicht eingesehen: die Lizentiatsarbeit zum Forstteufel von Philipp Stähli, Universität Zürich 2014.)

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Der Tellenschuss

• Die Szene mit dem Apfelschuss von Wilhelm Tell wird in der Bilderchronik von Petermann Etterlin (1507) – der frühesten gedruckten Fassung des Stoffs – erstmals visualisiert.

Petermann Etterlin, Kronica von der loblichen Eydtgnoschaft Jr harkõmen vnd sust seltzam strittenn vnd geschichten, Basel: Michael Furter 1507. Reprint: Olms-Verlag 2011 (Helvetica Rara); Digitalisat
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00005062/image_1

(Was bedeutet der prominent ins Bild gestellte abgesägte Baum vorne links?)

• Denselben Druckstock verwendet der Basler Drucker Heinrich Petri in der »Cosmographie« von Sebastian Münster (evtl. schon vorher?) im Kapitel Von den vögten in den ländern Vry/ Schweytz/ vnd wie etliche auß denselbigen vertriben worden: Cosmographia. Beschreibung aller Lender durch Sebastianum Munsterum in wölcher begriffen. Aller völcker Herrschafften, Stetten vnnd namhafftiger flecken / härkom(m)en…. Allenthalben fast seer gemeret und gebessert / auch mit einem zuogelegten Register vil breüchlicher gemacht. Basel, Heinrich Petri, 1546, pag. ccxciij.

Christoffel Froschauer kennt das Motiv und verwendet es in einer Initiale bereits 1523 (nach Paul Leemann van Elck, Die Offizin Froschauer, Zürich 1940, S. 174) und dann seltsamerweise in den deutschen Bibeln 1525 und 1531:

Größe der Initiale: 5 x 5 cm. Man beachte den zweiten Pfeil im Köcher und das Boot auf dem Vierwaldtättersee im Hintergrund.

• Im »Büchle, genannt Memorial der Tugend« soll dargelegt werden, dass der Hochmut des Amptman bewirkte, dass der schweitzer bund erweckt wurde; woraus die Sentenz gezogen wird: Darumb wer herrscht durch forcht on lieb/ Der luog das er kain kurzen schieb [aus dem Kegelspiel: das Ziel nicht erreichen].

Der Verleger des »Teütsch Cicero« (von dem das Memorial der Tugend ein Bestandteil ist) – Heinrich Steiner in Augsburg – lässt 1534 das Bild von Hans Leonhard Schäuffelein nachahmen (unten rechts signiert):

Der teutsch Cicero ..., Augspurg, 1534; fol. CXVIII recto > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00029340/image_235 — Hier aus einer Ausgabe a.d.J. 1540; fol. CXVI.

Das vnschuld waint/ vnd hochmuot lacht/
Hat als man schreibet/ Schweitz gemacht.
Not vnversehlich weg erfint/
Das zaigt die that mit diesem kindt.
Von dem der vatter schiessen solt/
Ein apfel als der Amptman wolt.
Bedrang der Vögt/ die leüt erschreckt/
Vnd ward der Schweitzerbund erweckt
Darumb wer herscht durch forcht on lieb/
Der luog das er kein kurtzen schieb.

• Die Szene darf selbstverständlich in der Stumpffschen Chronik (erste Exemplare erscheinen 1547) nicht fehlen. Im 4. Buch, 53. Kapitel wird der Anfang der Eydgnoschafft behandelt. Jetzt ist der Hut auf der Stange sichtbar, und im Hintergrund erkennt man (im Stil der narrativen Simultanbilder), wie Tell vom Boot springt und dann in der Hohlen Gasse mit der Armbrust den reitenden Landvogt erschießt.

Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten / Landen vnd Völckeren Chronik wirdiger thaaten beschreybung […] durch Johann Stumpffen beschriben […] Zürich bey Christoffel Froschouer M.D.XLVII. I, fol. 328 verso

• Selbstverständlich erscheint das Bild im Tellenspiel von Jacob Ruf (1505–1558) 1545:

Ein hüpsch vnd lustig Spyl vorzyten gehalten zu Vry in dem loblichen Ort der Eydgnoschafft, von dem frommen vnd ersten Eydgnossen Wilhelm Thellen jrem Landtmann: Yetz nüwlich gebessert, corrigiert, gemacht vnd gespilt am nüwen Jars tag von einer loblichen vnd jungen burgerschafft zu Zürich, im Jar als man zalt M.D.XLV., Getruckt zuo Zürich by Augustin Frrieß
> https://books.google.ch/books?id=LCZnUY2qEeEC&hl=de&source=gbs_navlinks_s

In der Ausgabe 1563 erscheint die Szene schon auf dem Titelblatt und dann im Inneren:

Ein hübsch Spyl gehalten zuo Ury in der Eidgnossschafft, von dem Wilhelm Thellen, jhrem Landsmann unnd ersten Eydtgnossen … [o.O.] 1563.
> https://doi.org/10.3931/e-rara-4722

• In späteren Auflagen der Münsterschen Cosmographie (1567; schon früher?) ist das Bild von Hans Rudolf Manuel Deutsch (1525–1571) gestaltet; vgl. die Signatur HRMD. Auch hier im Hintergrund die Szene, wo Tell auf Gessler zielt.

(Hier aus der Ausgabe Cosmographey, Basel: Sebastian Henricpetri 1588, pag. dxxiiij. Reprint im Verlag Konrad Kölbl, München 1977.)

• Detail von der Tür eines bemalten Bauernschranks, Ostschweiz, 1782 (Schweizerisches Landesmuseum, Zürich)

Vors Landvogts aufgestecktem Hutt/
Buckt sich kein Mann voll helden Muth.

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schranktür_1782_Tell.jpg

• Das Siegel des Kleinen Rates der Helvetischen Republik (1798 – 1803):

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Helvetische_Republik

Literatur:

Franz Heinemann, Tell-Iconographie: Wilhelm Tell und sein Apfelschuss im Lichte der bildenden Kunst eines halben Jahrtausends (15.–20. Jahrhundert) mit Berücksichtigung der Wechselwirkung der Tell-Poesie, Luzern: Doleschal / Leipzig: Avenarius [1902]. > http://archive.org/details/bub_gb_N6xMAAAAYAAJ

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Nashorn und Elefant

Dazu das Kapitel auf der Website hier (Universität Zürich)

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