Martianus Capella, »De nuptiis Philologiae et Mercurii«

     
 

Martianus Capella, »De nuptiis Philologiae et Mercurii«

Der Autor bindet in seinem Werk die Kenntnisse der Septem Artes auf lockere Weise an ein allegorisches Szenario an, das etwa folgendermaßen knapp zusammenzufassen ist:

Der Gott Merkur entschließt sich, eine Ehe einzugehen. Die Brautsuche gestaltet sich schwierig, weil Sophia schon mit der Ewigkeit verheiratet ist, und Mantica dem Apollo versprochen. Psyche, seine nächste Wahl – Martianus benutzt die Gelegenheit, die reichen Begabungen der menschlichen Seele zu entfalten – ist eben durch Cupido verführt worden. Merkur wendet sich in Begleitung von Virtus an Apollo, und dieser empfiehlt die gelehrte Jungfrau Philologia. Zuerst muss aber noch Jupiter seinen Segen geben. Ein Götterrat wird einberufen, der beschließt, Philologia unsterblich zu machen. Ihre Mutter Phronesis schmückt sie zur Hochzeit. Die Musen reichen ihr ’das richtige Verständnis’ gemäß den von ihnen repräsentierten Spezialitäten. Dann erscheinen die Kardinaltugenden, die Philosophie und die Grazien, zuletzt die Unsterblichkeit. Sie bringen die Philologie dazu, die einst verschlungenen Bücher des nutzlosen irdischen Wissens hervorzuwürgen. Unsterblichkeit flößt ihr einen unsterblich machenden Trank ein. Dann steigt sie auf in himmlische Sphären, kniet nieder zum Gebet und schaut die ewige Wahrheit. Am Hofe Jupiters erhält Philologia als Brautgabe von Merkur die Artes als sieben Dienerinnen, die nacheinander weitschweifig und handbuchartig ihr Wissen offenbaren. Diese Rahmenhandlung – die den Aufstieg des menschlichen Geistes zu Gott beschreibt – erlaubt es dem Autor, sehr viel Wissen über Mythologisches, Kosmologisches und andere Dinge der intellektuellen Welt einzubringen.

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Die Allegorie umfasst nur die ersten beiden Bücher, die auch separat handschriftlich tradiert wurden. Die Bücher III bis IX sind dann den einzelnen Disziplinen gewidmet und enthalten nur einleitende allegorische Intermezzi: Grammatik – Dialektik – Rhetorik – Geometrie – Arithmetik – Astronomie – Harmonia.

Eine detaillioerte Inhaltsübersicht bietet dankenswerterweise Hans Günter Zekl in seiner Übersetzung: Die Hochzeit der Philologia mit Merkur …, Würzburg 2005, S. 23–43.

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