Gregor REISCH, »Margarita Philosophica«

     
 

Gregor Reisch

Geboren ca. 1470 — 1487 an der Universität Freiburg/Br. immatrikuliert — 1489 Magister artium — 1494 an der Universität Ingolstadt — die »Margarita Philosophica « widmet er Ende 1495 dem Grafen Franz Wolfgang von Zollern — Einritt in den Kartäuserorden, wo er in Freiburg 1502 Prior wird — 1503 erster Druck der »Margarita« — seit 1509 Beichtvater von Kaiser Maximilian I. — gestorben am 9. Mai 1525.

»Margarita Philosophica«

Die »Margarita« ist ein systematisch geordnetes Kompendium des Grundwissens für Studenten. Es ist eine der frühen gedruckten Enzyklopädien Europas. (Vgl. die chronologísche Übersicht enzyklopädischer Werke hier.)

Gespiesen ist sie aus der Wissensliteratur der klassischen Antike (Aristoteles, Cicero), der Spätantike (Boethius, Cassiodor), der Kirchenväter und des Mittelalters (Thomas von Aquin, Albertus Magnus u.a.) sowie aus Spezialliteratur. Zweck ist indessen nicht einfach die Gelehrsamkeit; auf dem Titel der Ausgabe 1504 steht der Satz: Initium Sapientiae Timor Domini (Psalm 111 [Vg.], 10).

Anhand der Margarita ersehen wir, was man an einer Universität am Ende des Spätmittelalters wissen konnte und sollte.

Den Titel (margarita = Perle, Schatz, vgl. Matthäus-Evg. 7,6 und 13,46) hat Reisch nicht erfunden. Albrecht von Eyb (1420–1475) nannte sein Florilegium aus antiken Texten und Petrarca bereits »Margarita poetica«. (Autograph, 1459 in Italien abgeschlossen, ist erhalten; das Werk wurde zwischen 1472 und 1503 zwölfmal gedruckt.)

 
     
 

Die Ausgaben:

Erstausgabe: MARGARITA PHILOSOPHICA totius Philosophiæ Rationalis / Naturalis & Moralis principia dialogice duedecim libris complectens, Freiburg/Br.: Joh. Schott 1503.
(Der Verfassernamen erscheint bloß im Widmungsgedicht von Adam Werner [Wenherus, ca.1470–1537])

Titel des (Raub-)Drucks bei Grüninger 1504: Aepitoma omnis phylosophiae. alias Margarita Phylosophica tractans de omni genere scibili. Cum additionibus: Quę in alijs non habentur.
(griech./lat. epitome = Kurzfassung)

Umfang (1517er-Ausgabe): 292 Fol. = 583 Seiten im Oktav-Format. – Auflage (1517er-Ausgabe): 480 Exemplare

Weitere Ausgaben : Straßburg: Grüninger 1504 — Straßburg: J.Schott 1504 — Basel: Michael Furter 1508 — Straßburg: Grüninger 1508Straßburg: Grüninger 1512Straßburg: Grüninger 1515 — Basel: M. Furter 1517 — Basel: Petri 1535 — Paris: Morelius 1549 — Basel: Sebastian Henricpetri 1583.

Mehr zu den Grüninger-Drucken hier unten

Die Holzschnitte werden von Auflage zu Auflage übernommen. (Mehr dazu hier unten )

Digitalisate:

1503 Freiburg: Schott > http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/reisch1503
                                  > http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00012346/images/

1504 Straßburg: Grüninger > https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/reisch1504

1504 o.O.: Schott > https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00013401/images/

1508 Basel: Furter/Schott > http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00012215/images/

1508 Straßburg: Grüninger > https://www.e-rara.ch/sbs/doi/10.3931/e-rara-79801

1512 Straßburg: Grüninger > https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN895419335

1515 Straßburg: Grüninger > https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00006315/images/

1517 Basel: M. Furter > http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/reisch1517 (= Ausgabe letzter Hand)

1523 Basel: H.Petri >

1535 Basel: H.Petri > https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0002/bsb00025153/images/
Diese Ausgabe hat den Vorteil, dass der lat. Satz kaum typographische Abbreviaturen hat und so leichter lesbar ist.

Reprint der Ausgabe Basel 1517, mit einem Vorwort, einer Einleitung und einem neu gesetzten Inhaltsverzeichnis von Lutz Geldsetzer, Düsseldorf: Stern-Verlag Janssen & Co. 1973.

Englische Teil-Übersetzung mit Einleitung: Sachiko Kusukawa / Andrew R. Cunningham, Natural philosophy epitomised: Books 8-11 of Gregor Reisch’s Philosophical Pearl (1503). Aldershot: Ashgate 2010.

deutsche [Gesamt-]Übersetzung von Otto und Eva Schönberger: Margarita Philosophica (Basel 1517), Würzburg: Königshausen & Neumann 2016. [Diese Übersetzung ist höchst verdienstvoll; einige kleine Fehler kann man hinnehmen.]

Forschungsliteratur hier unten

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Aufbau der Texte

Die Enzyklopädie ist als Dialog zwischen Discipulus und Magister disponiert.

Beginn des 1. Buchs in der Ausgabe Straßburg: Grüninger 1504.

Das hat eine lange Tradition:

  • Platons Texte sind dialogisch strukturiert.
  • Augustinus († 430) »De magistro« ist ein Dialog zwischen Augustin und Adeodat; »Soliloquia« ist ein Dialog zwischen Augustinus und der Ratio.
  • Boethius († 524), »Consolatio Philosophiae« ist ein Dialog zwischen dem Autor und der personifizierten Philosophie.
  • Anselms von Canterbury († 1109) »Cur Deus homo« ist ein Dialog zwischen Anselm und dem zweifelnden Boso.
  • Hugo von Sankt Viktor († 1141), »de arrha animae« : Interlocutores sunt homo et anima.
  • Honorius Augustodunensis (1.Hälfte 12.Jh.), »Elucidarium« ist als Dialog zwischen Magister und Discipulus organisiert (PL 172, 1109–1176); daraus die deutsche Übersetzung (um 1190) »Lucidarius« als Dialog zwischen Meyster und Junger (frühe Drucke, z.B. A.Sorg: Augsburg 1482)
  • Petrarca (1304–1374): »De secreto conflictu curarum mearum« ist ein vehementer Dialog zwischen Franciscus und Augustinus – In »De remediis utriusque fortunae« bringen die Emotionen vor, wie gut/schlecht sie sich fühlen; und Ratio entgegnet.
  • u.a.m.

Die Dialoge bei Reisch dienen nicht nur der Textgliederung (wie im Lucidarius, wo die die Fragen des Schülers die Funktion von Zwischentiteln haben), sondern tönen mitunter recht lebendig. Wäre ein interessantes Thema...

Literaturhinweise:

Hannes Kästner, Mittelalterliche Lehrgespräche. Textlinguistische Analysen, Studien zur poetischen Funktion und pädagogischen Intention, (Philologische Studien und Quellen 94), Berlin: Schmidt, 1978.

Carmen Cardelle de Hartmann, Lateinische Dialoge 1200–1400, (Mittellateinische Studien und Texte 37), Brill 2007.

Inhaltsverzeichnis der »Margarita«

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Bilder

Diese Website ist auf eine Auswahl der Bilder in der »Margarita« focussiert. Besprochen wird nur das Ikonographische; stilistische Betrachtungen werden nicht angestellt.

Reischs Werk – Figuris quoque artificiosissime effigiatis & pene innumeris totum opus illustratur – gehört zu den frühesten bebilderten Enzyklopädien (im europäischen Raum).

  • Aus dem Mittelalter wären zu nennen die Handschriften:

    • Lambert von St.-Omer, »Liber floridus« (um 1120); mit sehr reichhaltigen Illustrationen verschiedener Art
    • Herrad von [Landsberg, Äbtissin von] Hohenburg (vor 1178 – 1196), »Hortus deliciarum«

  • Im Buchdruck erschienen vor 1503:

    • »[H]Ortus Sanitatis«, Mainz 1491 (Pflanzen, Tiere, Mineralien)
    • Die Schedelsche Weltchronik 1493 (v.a. Stadtansichten, Genealogien)

Überblick bei Albert Schramm, Der Bilderschmuck der Frühdrucke, 23 Bände, Leipzig 1931–1935. (Leider werden die Textzusammenhänge nicht berücksichtigt.)
> https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schramm1920ga

(i) In der »Margarita« lassen sich hinsichtlich der Visualisierungstechnik verschiedene Bild-Typen und deren Kombinationen ausmachen:

  • Mimetische Bilder
  • Allegorische Bilder
  • Personifikationen
  • Diagramme
  • Icons (Pictogramme; Hilfslinien und dergl.)
  • Narrative Bilder (aus der Bibel)
  • Graphische Tricks (verzerren, aufschneiden, …)
  • Typographische Mittel (Schrift; Verweispfeile)
  • ....

(ii) Die Bilder haben verschiedene Funktionen; ggf. mehrere gleichzeitig.

Die Vorstellung, sie seien für Analphabeten verfertigt, so wie es Sebastian Brant im Vorwort zu seinem »Narrenschiff « 1494 schreibt: Der bildniß ich hab har gemacht/ Wer yeman der die schrifft veracht/ Oder villicht die nit künd lesen/ Der sicht jm molen [im Bild] wol syn wesen/ Vnd fyndet dar jnn/ wer er ist/ Wem er glich sy/ was jm gebrist … (Fol. aii v), greift für dieses Buch nicht.

  • Textgliedernde bzw. leser-orientierende Funktion, z.B. im Vorspann zu einem Abschnitt
  • ein real existierendes Objekt / eine Erscheinung abbildend; ostensive Funktion
  • zeigen, wie man ein Gerät handhabt
  • die Struktur des Wissens-Objekts erklären
  • durch Veranschaulichung etwas beweisen
  • ein abstraktes Konzept veranschaulichen
  • Zusammenhänge zwischen Konzepten darstellen
  • ....
  • ....
  • ....

Hier Hinweise zu Funktionen von Visualisierunngen.

Die Funktionsbegriffe sollten terminologisch genau bestimmt und mit einem typischen Beispiel veranschaulicht werden.

Zu bedenken ist, dass andere Textsorten andere Bildfunktionen generieren: Illustration eines Epos oder Romans – Ovids Metamorphosen – ein Rechtsbuch (Sachsenspiegel) – ein Geschichtsbuch (ohne embedded reporter) – …

(iii) Je länger man sich in zeitgenössischen Drucken umsieht, desto wahrscheinlicher wird die Vermutung, die Bilder basierten gelegentlich auf Vorlagen. Auch wenn dies im Einzelfall nicht so ist, erhellt doch aus dem Vergleich mit einem sehr ähnlichen Bild die Eigenart desjenigen bei Reisch.

Am originellsten sind einige Graphiken, die am Beginn der einzelnen Traktate stehen ( Typus Grammatice;  Typus Locicae; Rethorica; Typus Arithmeticæ; Typus geometriae; Typus Musice; Astronomia). Vgl. hierzu Kusukawa / Cunningham, p. xxxvi –xlvi.

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Die hier besprochenen Bilder

(Auf den Pfeil klicken!)

Frontispizien

Einteilung der Philosophie (Baumdiagramm)

Organisation des Wissens in Gestalt eines Turms (A, S)

Personifikation der Logik und Allegorie ihrer Leistungen (P, A)

Die drei Dimensionen des Raums (M, I, T, K)

Anatomie (M, T, O)

Die drei Hirnventrikel (M)

Das Auge (G)

Melothesie (Aderlassmännchen) (M, I, T, Z)

Volatilia

Monstruosa Homines (M)

Der Ursprung der natürlichen Dinge (N, T)

Der Salamander (M)

Badefreuden (M, O)

Das logische Quadrat (D, T, K)

Die alte und die neue Arithmetik (P, M, T, T)

Der (falsch gezeichnete) Jakobsstab (M, I h)

Die Erdkrümmung (M, G, O)

Mappa Mundi (M, T, O)

Musik (D, T)

Astronomie (D, T)

zu den Drucken von Grüninger in Straßburg

Die Drucke der »Margarita« enthalten keine Seitenzahlen. Deshalb muss man mit Angabe von Buch / Traktat / Kapitel auf die gemeinte Stelle verweisen.

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Die Frontispizien

(1503)

(Basel 1508)

Ausführlich hier > ➔ http://www.enzyklopaedie.ch/fronti/frontispizien_hauptseite.html#Reisch

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Einteilung der Philosophie

Im Erstdruck 1503 steht vorn eine Philosophiae partitio in Form eines taxonomischen Diagramms. (Die geschweiften Klammern sind nicht typographisch, sondern nachträglich von Hand gezeichnet.)

Man sage nicht, das sei ja kein Bild! Die leitende Idee der Anordnung ist der sich verzweigende Baum:

Solche taxonomische Einteilungen des Wissens haben eine lange Tradition und sind in der Zeit üblich.

Alcuin, Dialektik (Hs. des 9. Jahrhunderts), Zürich, Zentralbibliothek [Standort St. Gallen, Stiftsbibliothek] Handschrift C 80, fol. 109r.

Seltsamerweise folgt der Aufbau des Buchs nicht diesem Schema, vgl. das Inhaltsverzeichnis.

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Organisation des Wissens

TYPUS GRAMMATICĘ — (lat. typus = die Figur, das Bild) — Das Bild ist von unten nach oben aufsteigend zu lesen. (Noch heute sprechen wir von "Basiskenntnissen" und "Aufbau" des Studiums.)

Lib. I, Cap. 1

Nicostrata (die Nymphe, die den Römern die Schrift gebracht hat) führt den ABC-Schützen ins mehrere Stockwerke umfassende Haus der Lehre, das sie mit dem Schlüssel congruitas (Kongruenzlehre in der Grammatik!) öffnet.

Die Architektur-Bildichkeit beruht auf Proverbia (Sprüche Salomons) 9,1: Sapientia aedificavit sibi donum – Die Wesiheit hat sich ein Haus gebaut.

Nicostrata, auch Carmentis genannt: Isidor, Etymologiae I,iv,1 : Latinas litteras Carmentis nympha prima Italis tradidit. Carmentis autem dicta, quia carminibus futura canebat. Ceterum proprie vocata [est] Nicostrate.

Unten: Triclinium (im antiken Sinn: Speisesofa, Tafelzimmer; was ist hier gemeint?) Philosophiae.

Donatus unterrrichtet die jungen Schüler (mit der Rute in der Hand!) Latein. Aelius Donatus (Mitte des 4. Jhs.) verfasste eine weit verbreitete lat. Grammatik.
Übersicht > https://www.hs-augsburg.de/~harsch/don_intr.html

Stockwerk darüber: Priscian verfeinert die Lateinkenntnisse. Priscian war ein spätantiker Grammatiker (um 500).

Darüber schauen aus den Fenstern als die Vertreter des Triviums: Aristoteles : LogicaTullius [Cicero] : Rethorica, Poesia — [hierhin gehört Priscian für die Grammatik] — Boethius : Arithmetica [ist bereits Vertreter des Quadriviums]

Darüber als Vertreter des Quadriviums: [Boethius : Arithmetik gehört hierhin] — Pythagoras : Musica — Euclides : Geometria — Ptolomaeus : Astronomie.

Im Turm schauen aus dem Fenster: Philosophus [bei Thomas von Aquin der übliche Ausdruck für Aristoteles] : Phisica [Naturkunde] — Seneca : Morali#.

Zuoberst: Petrus Lombardus : Theologia seu Metaphys. [zu diesen Themen enthält die »Margarita« allerdings nichts.]

Das Bild vereinigt pagane und christliche Autoren einträchtig nebeneinander.

Visualisierung mttels Personifikation (Nicostrata) – Allegorie (Stockwerke im Haus) – (Pseudo–)Mimetische Portraits der Leher – Graphischer Trick: Haus ist unten aufgeschnitten zwecks Innenansicht – Funktion: T

Die »Margarita« geht über die Septem Artes hinaus, das 9. bis 12. Buch.

Zu den Septem Artes: Isidor von Sevilla (um 570-636) definiert in den »Etymologiae« I,ii,1–3: De septem liberalibvs disciplinis. Disciplinae liberalium artium septem sunt.

    • Prima grammatica, id est loquendi peritia.
    • Secunda rhetorica, quae propter nitorem et copiam eloquentiae suae maxime in civilibus quaestionibus necessaria existimatur.
    • Tertia dialectica cognomento logica, quae disputationibus subtilissimis vera secernit a falsis.
    • Quarta arithmetica, quae continet numerorum causas et divisiones.
    • Quinta musica, quae in carmininbus cantibusque consistit.
    • Sexta geometrica, quae mensuras terrae dimensionesque conplectitur.
    • Septima astronomia, quae continet legem astrorum.

Eine ähnliche Darstellung: Der Turm der Grammatik von Heinrich Vogtherr d.Ä. auf einem Einblattdruck des Zürcher Verlags Eustachius Forschauer 1548:

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Vogtherr_Turm_der_Grammatik.jpg

http://www.zeno.org/nid/20004356365

Literaturhinweis:

Steffen Siegel: Architektur des Wissens. Die figurative Ordnung der artes in Gregor Reischs »Margarita Philosophica«, in: Frank Büttner / Gabriele Wimböck (Hgg.): Das Bild als Autorität. Die normierende Kraft des Bildes, Münster: LIT 2004, S. ##–##

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Personifikation der Logik und Allegorie ihrer Leistungen

TYPVS LOGICĘ

(1503)

Vor Lib. II. Visualisierung mittels Personifikation und Allegorien. Parmenides ist eine (pseudo-)mimetische Darstellung.

Um die Allegorie genauer zu verstehen, müsste man sich – evtl. in der »M.« selbst – kundig machen, was in der frühneuzeitlichen Logik praedicabilia & praedicamenta und insolubilia & obligatoria bedeuteten.

Die als Bäume dargestellten Occamistæ, Scotistæ, Thomistæ, Albertistæ verweisen auf den damals virulenten Universalienstreit zwischen Nominalisten (J. Duns Scotus; W.Ockham) und Realisten. Vgl. dazu Münzel (1938) S.42ff. Reisch selbst ist Realist.

Hinter der Jägerin guckt in nachdenklicher Haltung ein Mann hervor; vor ihm liegt ein großer Stein. Es ist der griechische Philosoph Parmenides (angeschrieben Permenides), von dem das Mittelalter wusste, dass er die Städte und Gesellschaft der Menschen floh und sich lange Zeit auf einem Felsen aufhielt, wo er die Dialektik ersann (Hugo von Sankt Viktor; Didascalicon II, 3) – mitten unter den allegorischen Jagdgeräten, Hunden und Hasen eine reale Gestalt.

Er betrachtet vier Berge: omnis / nullus / quidam / quidam non; das sind die vier Begriffe, die das sog. logische Quadrat (siehe unten) bilden.

Dass eine Frau auf der Jagd ist, mag man der Technik der Personifikationen zuschreiben: Logica ist halt ein Femininum. — Auffällig sind indessen der kurze Rock und die Schnabelschuhe in Holzsandalen (Trippen; calopedes). Geeignet für die Jagd? Das High-End der adligen Mode! — Dürer zeichnete ein junges Paar, bei dem die Frau sehr ähnliche Schuhe trägt:

Friedrich Winkler, Die Zeichnungen Albrecht Dürers, Bd. 1 (Berlin 1936), 1484–1502, Nr. 56
> https://www.dbc.wroc.pl/dlibra/publication/1864/edition/2009/content

Handelt es sich bei der LOGICA um eine Karikatur?

Die Jagdszene könnte angeregt sein durch »Die mystische Jagd«, Werkstatt des Martin Schongauer um 1475/80; aus dem Zyklus der 24 Bildtafeln vom Hochaltar der Dominikanerkirche in Colmar:

(Ausschnitt) Die vier Jagdhunde des das Einhorn in den Schoß Marias jagenden Engels haben die Namen der Tugenden von Ps. 84 (85),11: misericordia et veritas, iustitia et pax.

Vgl. dazu: Leopold Kretzenbacher, Mystische Einhornjagd. Deutsche und slawische Bild- und Wortzeugnisse zu einem geistlichen Sinnbild-Gefüge. (= Bayerische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Sitzungsberichte, Jg. 1978, Heft 6). München 1978; 2. Aufl. München 1998, S. 294.
> https://www.zobodat.at/pdf/Sitz-Ber-Akad-Muenchen-phil-hist-Kl_1978_0001-0104.pdf

> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00022493/image_26

Vgl. das Wandgemälde in Memmingen und andere solche Bilder.

Thomas Murner hat das Bild in seine »Logica memorativa« [aufgrund der Druckermarke Johannes Grüninger in Straßburg zuzuweisen; im Kolophon 1509] übernommen, aber ohne einen inhaltlichen Zusammenhang herzustellen. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00009762/image_16

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Die drei Dimensionen des Raums

Das Kapitel im Lib. VI, tract. I befasst sich mit dem (geometrischen) Körper und seinen Eigenschaften (De corpore et eius speciebus).

Der Magister definiert einen Körper über die drei Dimensionen des Raums, wörtlich als ›eine Länge mit einer Breite und Tiefe‹ (Corpus – Est longitudo cum latitudine et profunditate), und verweist darauf, dass sich in einem Körper drei Linien in einem Punkt orthogonal schneiden.

Um diese Definition in ihrer Dreidimensionalität zu veranschaulichen, werden die in der rein wörtlichen Erklärung diffus erscheinenden Eigenschaften auf den menschlichen Körper übertragen.

(Das Wort corpus bezeichnet ja den abstrakten geometrischen Körper wie den menschlichen Leib.)

Der Magister wählt hierzu das Gedankenspiel einen Menschen, der von Lanzen durchbohrt wird. Je nach Ein- und Austrittsstelle würde entweder die Länge (Scheitel und After), Tiefe (Brust und Rücken) oder Breite (die eine und die andere Körperseite) gemessen. Vt si lancea una per verticem capitis humani intraret et per anum exiret: metiretur longitudinem. et alia intrans per pectus et exiens in dorso metiretur profunditatem. et tertia intrans per latus unum et exiens per aliud metiretur latitudinem.

(Insofern als wir sensorisch oben/unten – vorn/hinten – links/rechts empfinden, wird plausibel, dass die drei Dimensionen orthogonal zu einander stehen.)

(1517)

Der Holzschneider visualisiert das theoretische Gedankenspiel des Durchstoßens, wie es im Text angelegt ist. Die drei Lanzen sind entsprechend ihrer Funktion als Länge (longitudo), Breite (latitudo) und Tiefe (profunditas) beschriftet. Zusätzlich sind im Raum die Bezeichnungen für die Grenzen des Körpers aufgeführt, wofür der Blickwinkel der Figur eingenommen wurde (!): oben (sursum), unten (deorsum), vor (ante), hinter (retro), auf der rechten Seite (dextrorsum) und auf der linken Seite (sinistrorsum).

Visualisierungsmittel: Icons (die Pfeile sind keine wirklichen!) – Mimetisches Bild – Typographie

Bild hier aus: Georg Reisch, Margarita Phylosophica tractans de omni genere scibili, Straßburg: Schott 1504. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00013401/image_256

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Anatomie

Liber IX De origine rerum naturalium; zu Cap. xxxviii (Ausgabe 1503)

Visualisierungstechnik: Mimetische Abbildung — Typographische Benennung der Glieder und Eingeweide, z.B.: diaphragma (Zwerchfell) — [h]epar (Leber) — stomachus (Magen) — splen (Milz) — ren (Niere).

Der Text ist summarisch und hilft beim Verständis des Bilds nicht. Das Kapitel bricht ab mit der Bemerkung: Nunc quod coepimus sub brevitate percurramus.

Das Bild ist falsch: Der Darm mündet hier in die Blase (vesica)! Beruht es auf Augenschein oder ist es durch unhinterfragtes Buchwissen vermittelt?

Sektionen gab es damals; vgl. die anatomischen Zeichnungen von Leonardo da Vinci (1452–1519) oder hier:

Barthélémy l’Anglais, Livre des propriétés des choses, traduit du latin par Jean Corbechon, ca. 1484 (Bibliothèque nationale de France. Département des Manuscrits. Français 218; Fol. 56recto):
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b9058921f

Oder: Mondino de’ Luzzi doziert Anatomie in: Johannes de Ketham, Fasiculo di Medicina, Venedig 1495

> http://www.nlm.nih.gov/exhibition/historicalanatomies/Images/1200_pixels/ketham_p64.jpg

> https://de.wikipedia.org/wiki/Fasciculus_Medicinae#/media/Datei:Ketham_p64a.jpg

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Die Hirnventrikel

Grundlage ist die Lokalisationstheorie:

Physiologie Psychologie
Anatomen haben seit der Antike drei (bis vier) Ventrikel (Gehirnhöhlen) bei Sektionen beobachtet, ja sogar mit Wachs ausgegossen.

Seit der Antike postuliert man drei (bis vier) Seelenvermögen:
• Einbildungskraft (Verarbeitung der Sinneseindrücke)
• Verstand
• Gedächtnis

Die psychischen Fähigkeiten und Prozesse wurden (seit wann?) in den Gehirnhöhlen lokalisiert.

Reisch: Die als feinstoffliche Substanzen (SPIRITUS) vorgestellten Empfindungen z.B. GUSTUS werden zunächst zum

  • vordersten Teil des Hirnventrikels SENSUS COMMUNIS geleitet, wo auch FANTASIA, YMAGINATIO sitzen;
  • dann duch einen Kanal (VERMIS) geleitet zu COGITATIVA, ESTIMATIVA;
  • und zuletzt abgespeichert im Ventrikel MEMORATIVA.

Liber X, Tractatus ii, Cap. XXII

Das ganze Arrangement erweckt den Eindruck, der Schädel sei an der interessierenden Stelle offengelegt (Graphischer Trick). Das Bild enthält ferner Verbindungslinen (I) zwischen den sensitiven Organen (Lippen, Nase, Auge, Ohr) und den Hirn; Typographsiche Mittel.

Discipulus: Welche Funktionen des Sensus communis gibt es?

Magister: Deren gibt es drei. Als erstes erkennt er die Reize und erkennbaren Dinge durch alle äusseren Sinne*, auch wenn die Gegenstände nicht vorhanden sind. Darum wird er communis genannt.

*) gustus, visus, olfactus, auditus, tactus

Zweitens unterscheidet er erstmals, ob es sich eine Uebereinstimmungen oder um Unterschiede zwischen den Objekten und dem Wahrgenommenen handelt. Wenn er anfangs einen Gegenstand durch einen Sinn erkennt, danach als zweites den Gegenstand durch einen anderen [Sinn] erfasst und zuletzt formt er [aus beiden] die Vorstellung (Tätigkeit), die virtuell die Kenntnisse über die beiden Gegenstände beinhaltet. In dieser Vorstellung legt er sowohl die Uebereinstimmungen als auch die Unterschiede derselben [der beiden Objekte] hinein. Wie z.B. weiss zugleich süss ist [Bsp. für Übereinstimmung] und ein Klang nicht kalt ist [Bsp. für Unterschiede] usw.

Drittens: Er urteilt [sensus communis] über das Nichtvorhandensein (die Abwesenheit) der Gegenstände. Wie [z.B.] das, was das Sehvermögen nicht sieht und das Gehör nicht hört. So urteilt er über die Dunkelheit, die Stille und die Abwesenheit der übrigen Gegenstände.

Discipulus: Ist dies jener Sinn, aus dessen Organinneren die Nerven zu den Organen der äusseren [Sinne] führen?

Magister: Ja, so ist es. Daher nimmt er [sensus communis] die Gestalt von allen sichtbaren Dingen durch diese Nerven wahr und jedenfalls leicht wegen der Feuchtigkeit und der Wärme des Organs, [Geschwindigkeit der Wahrnehmung des Auges, weil die Feuchtigkeit warm ist = schnell; alles was kalt ist, ist starr und reagiert langsam], länger aber kann er [sensus communis] es nicht behalten.

Darum überträgt er nach der Wahrnehmung durch die Nervenbahnen (zum Organ) der Immaginativa (Vorstellungsfähigkeit). Deren Funktion ist es, die empfangenen Erscheinungsformen (species) und Vorstellungen zu bewahren. Daher erhielt sie auch ihren Namen. Und darum wird deren Organ als trockener und kälter beschrieben (hier geht es nicht mehr so schnell, nicht warm genug).

Damit aber das, was folgt, nicht im Müßiggang verbleibt (verharrt), gehen die Erscheinungsformen (species) von der Imaginativa zu der Estimativa über. Aus diesen soll diese Fähigkeit (Vermögen) die noch nicht verspürten Absichten hervorrufen.

Wie ein Schaf aus den Erscheinungsformen (speciebus) des Wolfs, nämlich aus der Farbe, dem Aussehen (figura) und anderen [Sachen], die eine noch gar nie verspürte Feindschaft entwickelt und vor demselben flieht, nach Avicennas 6. Buch "De naturalis". Und dies entweder aus natürlichem Instinkt, wenn es möglicherweise die Tücke des Wolfes vorher nicht erfahren hat oder aus Erfahrung. Wie z.B. ein Esel, wenn er sich einer Grube nähert, in die er neulich gefallen ist, einen Sturz befürchtet und ausweicht. Oder aufgrund der Verbindung wie wenn wir die roten Kirschen als süss einschätzen.

Discipulus: Was sind Intentionen?

Magister: Sie sind Erscheinungsformen (species) der Empfindungen und demnach sind sie viel einfacher als die Erscheinungsformen der wahrnehmbaren Dinge. Und sie können wegen der Unfähigkeit (Ungeeignetheit) der Organe von den äusseren Sinnen nicht wahrgenommen werden. Im Verhältnis entsprechen sie aber dieser Fähigkeit und wenn die Vernunft diese schmückt, wie dies bei den Menschen der Fall ist, pflegen wir sie nun nicht mehr Estimativa, sondern Cogitativa oder Partikularvernunft zu nennen.

(Übersetzung von B. Braune-Krickau und D. Senekovic; vgl. die englische Übersetzung von Kusukawa / Cunningham p. 205)

Mögliche Vor-Bilder:

(1) Aus einem Albertus Magnus zugeschriebenen Werk, 1490 (vgl. W.Sudhoff):

  • I. Ventriculus: Imaginatio, Sensus communis
  • II. Ventriculus: Extimatio [vgl. lat. extimare "meinen, glauben"] Imaginativa
  • III. Ventriculus: Membrorum motiva, Memorativa
  • am Hinterkopf zum Hals hinunterziehend steht: ab hic ramificant nervi per nucam et spondilia dorsi ad totum corpus

(2) Johannes de Ketham zugeschrieben, Fasciculus Medicinae, Venedig 1491.
>https://de.wikipedia.org/wiki/Fasciculus_Medicinae#/media/Datei:Mann_1491.jpg

(3) Ludovicus Pruthenus, Trilogium anime non solum religiosis verumetiam secularibus predicatoribus confessoribus contemplantibus et studentibus lumen intellectus et ardorem affectus amministans, Nürnberg: Koberger 1498 ; Cap. XXIII
> http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/inc-iii-96/0153/image

(4) Aus: Magnus Hundt, Anthropologium de hominis dignitate, natura et proprietatibus, Leipzig: Wolfgang Stöckel, 1501. (vgl. K.Sudhoff)

Literaturhinweise:

Karl Sudhoff, Tradition und Naturbeobachtung in den Illustrationen medizinischer Handschriften und Frühdrucke, vornehmlich des 15. Jahrs. Studien zur Geschichte der Medizin, Heft 1, Leipzig: J.A. Barth 1908.
> https://archive.org/details/traditionundnatu00sudhuoft

Walther Sudhoff, Die Lehre von den Hirnventrikeln in textlicher und graphischer Tradition des Altertums und Mittelalters, Leipzig 1913. (Download via jstor.org)

Edwin Clarke / Kenneth Dewhurst, Die Funktionen des Gehirns: Lokalisationstheorien von der Antike bis zur Gegenwart, München: Moos, 1973.

Anhang:

Die Theorie und das Bild haben eine lange Tradition; hier nur einige Hinweise:

Robert Fludd, Utriusque cosmi maioris scilicet et minoris […] historia, tomus II (1619), tractatus I, sectio I, liber X, De triplici animae in corpore visione
> https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Fludd#/media/Datei:RobertFuddBewusstsein17Jh.png

Eine Lokalisationstheorie hat Franz Joseph Gall (1758–1828) in seiner ›Schädellehre‹ entworfen; mehr dazu hier

Fritz Kahn (Das Leben des Menschen, 1929) visualisierte Sehen – Denken – Sich-Erinnern in Gehirn-Regionen, als hätte er Gregor Reisch gekannt:

(von rechts nach links) a Die Filmkamera nimmt Bilder auf — b Der Film wird entwickelt — c Bilder werden begutachtet — d archiviert.

Wilder G. Penfield (1891–1976) konnte corticale Regionen im Gehirn mittels (seriöser) Experimente in Relation setzen zu den sensorischen und motorischen Fähigkeiten der davon innervierten Körperteile.

Andere Modelle der Seelenkräfte

••• Nach Augustinus gibt es eine Korrelation der Trinität mit den drei basalen Seelenvermögen des Menschen: memoria – intelligentia/intellectus –voluntas/amor (»De Trinitate«, bes. Buch X, Kap. 11: Gedächtnis – Erkenntnisvermögen – Wille bzw. Liebe). — Dieses Modell kennt Reisch in Buch XI, Kapitel 14.

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Das Auge

Einen kleinen Eindruck der mittelalterlichen Lehre vom Auge und seinen Häutchen (septem tunicae aut pelliculae sive telae) vermag der Passus bei Konrad von Megenberg (Mitte 14.Jh.) zu geben (Buch de Natur I, Kap.5): Daz aug ist gesetzt in siben röcke, daz sint siben häutel, dâ mit ist die cristallisch fäucht verhüllt, dar an des gesichtes kraft ligt.

Reisch: Das Auge besteht aus vier Häuten und drei Flüssigkeiten.

  • Die erste Hülle heißt vereinende (im Bild bezeichnet: Coniunctiva Septi | ma tunica) …;
  • den hinteren Teil davon nennt man die harte Hülle (sclerotica) …;
  • als nächstes folgt die Hornhaut (cornea | sexta), sie ist durchsichtig, um die Bilder durchzulassen …;
  • nach dieser kommt die traubige Haut (uvea perfora | ta quinta tu.) …;
  • ihren äußersten Teil nennt man secundina;
  • usw.

Buch X; Tract. II, Cap. 9

http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00012346/images/
Kusukawa / Cunningham, p. 179.
Otto und Eva Schönberger, S. 416f.

Die Visualisierung erweckt den Anschein einer Mimetischen Abbildung — G: Querschnitt — Typographische Mittel (Schrift ins Bild hineingeschrieben)

Literaturhinweis:

Gudrun Schleusener-Eichholz, Das Auge im Mittelalter, (MMS 35), München 1976; Band 1, S. 34–44.

David Charles Lindberg, Theories of Vision from Al-kindi to Kepler, University of Chicago Press 1976 |nichts Einschlägiges zu Reisch].

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Melothesie

Im Kapitel zur Astrologie (Liber VII, Tractatus 2) ist ein Aderlassmännchen abgebildet.

Je nachdem, in welchem Tierkreiszeichen der Mond stand, war eine Körperregion mehr oder weniger zum Aderlass geeignet. Entsprechend wurden die zwölf Phasen des Tierkreises einzelnen Gliedern und Organen des menschlichen Körpers zugeordnet und festgelegt, an welchen Stellen und in welchem Zeitraum Blut entnommen werden konnte, ohne dabei den Patienten zu gefährden.

Auf diesem sogenannten Melothesie-Schema basierend wurde die Figur des Tierkreiszeichenmannes kreiert, von welchem seit dem 13. Jahrhundert Darstellungen überliefert sind. Zunächst wurden die zodiakalen Namen oder Tierkreiszeichen direkt auf die korrespondierenden Körperteile geschrieben, später auch in einem Kreis außerhalb der Figur, um von dort mit Linien auf die Körperregionen zu verweisen (Widder – Kopf, Stier – Hals, etc.).

Mit dem Entfernen der Bezeichnungen vom Körper kam es zugleich zu einer Abbildung des offenen Körpers und der inneren Organe und so zu einer Art Vorläufer der anatomischen Illustration.

(1503)

In dieser Illustration werden zusätzlich jeweils drei Tierzeichen mit den vier Qualitäten (trocken, nass, warm, kalt), Elementen (Feuer, Erde, Wasser, Luft) und Temperamenten in Verbindung gesetzt. So werden beispielsweise dem Stier (Taurus), Steinbock (Capricornus) und der Jungfrau (Virgo) die Qualitäten kalt und trocken (frigidus et siccus), sowie das Element Erde (terra) und das Temperament des Melancholikers (melancholicus) zugeschrieben.

Visualisierungstechnik: Mimetische Abbildung des Körpers — Icons (Pictogramme der Sternzeichen) — Typographische Mittel (Schrift; Verweispfeile)

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Volatilia

Thema des ersten Kapitels über die fliegenden Tiere ist die Fortpflanzung der Vögel, insbesondere das Entstehen des Eis und die Herausbildung des Kükens im Ei. Beiläufig wird erwähnt, wieviel Mal im Jahr Raubvögel / Tauben / Hühner Eier legen. Im dritten Kapitel (xxxi) wird der verschiedene Bau der Organe bei Raubvögeln und Wasservögeln erwähnt. Aber eine Übersicht über die Gattungen wird nicht gegeben: Sunt enim (ut ait Ambrosius [Hexaemeron]) avium genera diversa: quae memoria aut cognitione comprehendere quis possit? — Funktion: T

Ausgabe Basel 1508, Lib. IX, Cap. xxix — (Die Feldermaus / vespertilio gehört in der alten Naturkunde zu den Vögeln, vgl. z.B, Konrad von Megenberg, III, B, 69. — Der Adler scheint der Heraldik entflogen zu sein …)

Solche Wimmelbilder kommen vor in Frühdrucken zur Naturkunde, hier beispielsweise: Konrad von Megenberg, Buch der Natur, Augsburg: Johann Bämler, 1481.

> https://www.loc.gov/resource/rbc0001.2008rosen0080/?sp=151
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00031026/image_133

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Monstruosa Homines

In der Ausgabe Straßburg 1504 und dann Basel 1508 erscheint in Lib. VIII, Cap. xix De monstruosis & miraculosis effectibus a quibus fieri possint ein Bild mit monstruösen Menschen (dasselbe Bild in Liber IX, Cap xl: De gemellis, monstris et abortivis fetibus).

Der Text nennt Monstren, die nur ein Auge mitten auf der Stirn haben, solche bei den die Füße verkehrt stehen, solche, die Augen an den Schultern haben, und Hundsköpfige. Zitiert wird Augustinus, Civitas dei XVI,8.

Von links nach rechts: ein Skiapode (Schattenfüßler) – ein Einäugiger – ein Blemmyer (kopflos; Gesicht auf der Brust (vgl. Plinius, Nat. hist. V, viii, 46) – ein Kynokephale (Hundsköpfiger) – ›Siamesische Zwillinge‹.

Die Darstellungen muss man als mimetisch bezeichnen, auch wenn sie nicht natürlicher Anschauung entommen sind. — Funktion? "Alternative Fakten" (ein Begriff, den Präsident Trumps kongeniale Kommunikations­Chefin Kellyanne Conway prägte) glauben wir eher, wenn sie als Bild präsentiert werden, als wenn sie in einem Text erwähnt werden. Vielleicht ist die Funktion eine Beglaubigungsstrategie.

Einige Gestalten ähneln (links) denjenigen in der Schedelschen Weltchronik (1493) Fol. XII recto und (rechts) einem Bild in Esopi appologi sive mythologi: cum quibusdam carminum et fabularum additionibus Sebastiani Brant. Basel: Jacob Wolff von Pfortzheim 1501.

   

Die zusammengewachsenen Zwillinge erscheinen in beiden Kapiteln von Reisch nicht. Ein Flugblatt von Sebastian Brant von 1495 (Paul Heitz, Flugblätter, 1915, Nr. 7) zeigt eine ähnliche Missgeburt, allerdings sind diese Zwillinge am Kopf zusammengewachsen.

Exkurs. Das Bild in der »Margarita« macht dann Karriere; der Holzschnitt zirkuliert in den Verlagen in Basel und am Oberrhein. Er erscheint in:

Seb. Münster, Cosmographia. Beschreibung aller Lender durch Sebastianum Munsterum in wölcher begriffen. Aller völcker Herrschafften, Stetten vnnd namhafftiger flecken / härkom(m)en …. Allenthalben fast seer gemeret und gebessert / auch mit einem zuogelegten Register vil breüchlicher gemacht. Basel, Heinrich Petri 1546; 5. Buch, pag. dcclij. Von den lendern Asie; India so über dem wasser Gange ligt. Der Text zitiert Solinus, wo diese Wesen geschildert werden.

Johannes Herold, Diodori des Siciliers / vnd berümptesten Geschicht schreybers/ vonn angfang der Weldt biß zuo jrer bewonung/ vnd rhuomreichen herrschunge fürgefallener geschichten, in: Heydenweldt vnd irer Götter anfängklicher vrsprung […], Basel: H. Petri 1554; S. cxxxvij = 4. Buch, Cap. ix Von etlichen seltzamen thiern – ohne genauen Bezug zum Text.

Vgl. hierzu das Kapitel zu den Bildwanderungen.

Eine spätere Ausgabe der »Margarita« geht phanstasievoll mit dem Bild um:

Straßburg: Grüninger 1508

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Der Ursprung der natürlichen Dinge

(1503)

Titelblatt zum 8. und 9. Buch: De origine rerum naturalium (Elementenlehre, meteorologische Erscheinungen, Kometen, Metalle, Pflanzen, Tiere, Fortpflanzung des Menschen, u.a.m.)

Das zum Titel (origo = der Ursprung) passende Bild ist von einer Bibelillustration inspiriert: Im Paradies erschafft Gottvater das Weib aus der Rippe, die er Adam entnommen hat. (Genesis 2,21: Immisit ergo Dominus Deus soporem in Adam: cumque obdormisset, tulit unam de costis ejus, et replevit carnem pro ea.)

Vgl. das Bild in der Schedelschen Weltchronik (1493), Fol. VI verso:

Visualisierungstechnik: Narrativ. — Weitere biblisch inspirierte Bilder in der »Margarita«: Hölle und Fegefeuer — das Paradies.

Solche T-Bilder haben eine Tradition in den handschriftlichen Enzyklopädien. Dort gibt es figurierte Initialen, die als Dispositionsmerkmal oder Findehilfe für die Leser dienen. (Vgl. den unten zitierten Aufsatz von Ch. Meier-Staubach, FrühMiSt 31). Beispiele:

Aus Isidor von Sevilla, Beginn der Kapitel zu Mundus und Medicina:

   

Württembergische Landesbibliothek, Cod. poet. et philol. fol.33 (2. Hälfte des 13.Jhs.)
> http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz352950846

Aus Bartholomaeus Anglicus († 1272). Livre des proprietés des choses de Bathélemy l'Anglais , traduit du latin par Jean Corbichon; Beginn des Kapitels des maladies:

Bibliothèque nationale de France. Département des Manuscrits. Français 22532
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10464108z/f192.item#

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Der Salamander

Der Salamander entsteht aus dem Wasser, kann aber auch im Feuer leben (Augustin, Civitas Dei 21,4). Plinius sage von ihm (nat. hist. X, lxxxvi, 188), das Tier habe die Gestalt einer Eidechse und lösche Feuer, das es berührt, wie Eis:

Lib. IX (De origine rerum naturalium), Cap. v
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00012346/image_401

Das Tierlein hat der Illustrator aber in vivo nicht gesehen; es ist ausgebüxt (‘AWOL’) aus dem Buch von Bernhard von Breydenbach (1440–1497):

Hec animalia sunt veraciter depicta sicut vidimus in terra sancta. — Und wenn das so ist, dann darf man das Bild ja wohl kopieren, oder?

Peregrinatio in terram sanctam, Mainz : Erhard Reuwich 1486.
Das ganze Bild hier > https://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/18835061

Mehr zu den Wanderungen des Salamanders hier.

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Badefreuden

Man würde glauben, dass die Illustratoren in Freiburg die warmen Quellen und Bäder aus eigener Anschauung kannten und deshalb solche mimetische Bilder zeichneten, wie dasjenige zu Lib. IX, Cap. xv: de fontium:

(1504)

Die Anregung dürfte wohl von diesem Bild kommen, man beachte die Zweiteilung des Wasserbeckens (für Damen und Herren?) und das Schankzeichen am Wirtshaus: "es ist ausg’steckt", d.h. man bekommt heurigen Wein...

Hans Folz, Dises puchlein saget vns von allen paden die von natur heiß sein, [Nürnberg, ca. 1491] http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00027049/image_5

Hinweis bei Alfred Martin, Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen, nebst einem Beitrage zur Geschichte der deutschen Wasserheilkunde, Jena: Diederichs 1906.

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Das logische Quadrat

Das logische Quadrat dient der Veranschaulichung elementarer logischer Beziehungen von Aussagen mit jeweils demselben Subjekt und Prädikat. Der Ursprung dieser Aussagen findet sich in Aristoteles’ Werk »De Interpretatione« 6–7, welche im zweiten Jahrhundert n. Chr. von Apuleius von Madaura vervollständigt und graphisch in die quadrata formula, das logische Quadrat, umgesetzt wurden. Die bis heute gebräuchliche Terminologie der einzelnen Bestandteile geht auf Boethius und dessen Aristoteles-Kommentare zurück.

Die 4 verschiedenen logischen Beziehungen (konträr – kontradiktorisch – subaltern – subkonträr usw.) zwischen den 4 verschiedenen Urteilstypen (allgemein bejahend – allgemein verneinend – partikulär bejahend – partikulär verneinend) werden seit der von Michael Psellos im 11. Jh. ersonnenen Graphik kompakt und einprägsam so visualisiert:

Lib. II, tract. iii, Cap. V: de oppositione propositionum

Die Darstellung in der »Margarita« verwendet als Subjekt bos (›Rind‹) und als Prädikat est animal (›ist ein Tier‹). Die beiden oberen Kreise enthalten die allgemeinen (omnis/nullus bos est animal – ›jedes/kein Rind ist ein Tier‹), die beiden unteren die partikulären Aussagen (quidam bos est est animal / quidam bos est non est animal – ›ein gewisses Rind ist (nicht) ein Tier‹).

Die Kreise auf der linken Seite enthalten die bejahenden, die auf der rechten die verneinenden Aussagen. Sätze, welche kontradiktorisch sind, d.h. sich gegenseitig ausschliessen, stehen sich diagonal gegenüber. Aussagen mit entgegengesetzten Prädikaten sind zueinander horizontal angeordnet. Die Relationen zwischen diesen wird als konträr (allgemeine Aussagen) bzw. subkonträr (partikuläre Aussagen) bezeichnet. Die partikulären Aussagen sind jeweils logisch in den allgemeinen enthalten und werden daher als subaltern zu diesen bezeichnet.

Visualisierungsmittel: Diagramm – Typographie

Literaturhinweise:

Moderne Darstellung> Wikipedia

Carl von Prantl, Geschichte der Logik im Abendlande, Leipzig: Hirzel 1855.

›Quadrat, logisches‹ in: Historisches Wörterbuch der Philosophie; Band 7 (1989), Sp. 1733–1736.

Terence Parsons, ›The Traditional Square of Opposition‹, in: The Stanford Encyclopedia of Philosophy, Edward N. Zalta (ed.) > http://plato.stanford.edu/archives/fall2008/entries/square/

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Die alte und die neue Arithmetik

TYPVS ARITHMETICAE

Das Bild zeigt den Vorzug der neuen Rechenmethode (mit Ziffern) vor der alten (mit dem Abakus) durch eine Gegenüberstellung von zwei historischen Figuren aus verschiedenen Zeiten (Tituli BOETIVS und PYTAGORAS).

1503 zu Liber IV (Arithmetica speculativa)

Durch die symmetrische Bildgestaltung sowie die Plazierung der personifizierten Arithmetik auf einem Podest in der Mitte wird ein Wettkampf mit Schiedsrichterin inszeniert.

Die Wertung des Wettkampfs wird durch Bildeigenschaften zugunsten der neuen Methode ausgedrückt:

Boethius (der historisch Jüngere) sitzt zur Rechten der Arithmetik, diese schaut auf ihn, Boethius hat den gelösteren Gesichtsausdruck, seine Seite ist im Licht;

die Seite von Pythagoras (dem historisch Älteren) ist im Schatten.

(In der Ausgabe Straßburg 1508 ist im Fenster von Boethius eine Rose / im Fenster von Pythagoras ein spitzer Berg sichtbar.)

Visualisierungsmittel: Personifikation — pseudo-mimetische Portraits – echt-mimetische technische Werkzeuge (Abakus, Ziffern-Tafel) — Typopgraphische Verdeutlichung

Die fälschlich Boethius zugeschriebene, heute als "Geometrie II" bezeichnete Schrift »scheint […] das früheste lateinische Werk zu sein, in dem arabische Ziffern dargestellt sind.« Menso Folkerts, "Boethius" Geometrie II. Ein mathematisches Lehrbuch des Mittelalters; Wiesbaden: Steiner 1970.

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Der Jakobsstab

Mit dem Jakobsstab (baculus iacob) lässt sich der Abstandswinkel zwischen zwei Punkten messen. Man hält das Instrument ans Auge und visiert über die am Querstab zuäußerst angebrachten Nägel. Den Querstab verschiebt man, bis Auge – Nägel – anvisiertes Objekt auf einer Geraden liegen. Auf dem Längsstab ist eine Skala angebracht, die dort, wo der Querstab zu stehen kommt, den Winkel angibt.

Misst man den Winkel von zwei Standorten aus, so lässt sich mit dem Strahlensatz in der Geometrie beispielsweise die Höhe eines Gebäudes oder Bergs bestimmen.

1503 zu Liber VI, Tract. ii

Visualisierungstechnik: Mimetische Abbildung des Instruments; der das Gerät verwendenden Person; des zu messenden Objekts — I: Hilfslinien, die den Sehstrahl Auge – Nägel – Objekt verdeutlichen.

Allein: So funktioniert das Gerät nicht! Dem Illustrator ist bei der Einzeichnung der Hilfslinien ein Fehler unterlaufen. Aber das Bild wird ohne Korrektur so von Auflage zu Auflage tradiert!

Richtig gezeichnet sind die optischen Hilfslinien hier:

Jacob Koebel, Den Stab Jacob kunlich und gerecht zemachen und gebrauchen, Franckfurt am Meyn/ Bei Christian Egenolph. MDXXXI
> https://daten.digitale-sammlungen.de/0002/bsb00025204/images

Jnstrument Buch/ durch Petrum Apianum erst von new beschriben, Ingolstadii 1533.
> http://digital.slub-dresden.de/ppn288355148

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Die Erdkrümmung

In Lib. VII, Tract. i wird die Gestalt der Erde abgehandelt: De figuratione et natura terrę. Die Kugelgestalt werde gut einsichtig durch das Phänomen, dass der Seemann ein entferntes Gebilde (hier das Fundament eines Turms am Ufer: figura in litore) nicht sieht, wenn er über die Reling schaut (oculus inferior), hingegen vom Mastkorb (oculus superior) aus sieht.

(1517)

Das Bild ist im Kern mimetisch mit optischen Hilfslinien (I) angelegt. Weil das Verhältnis der Distanzen "Reling : Mastkorb" und "Schiff : Turm" extrem ist, muss die Visualisierung zum graphischen Trick einer Verzerrung greifen: Die krumme Wasseroberfläche, über die der Seemann von der Reling aus nichts sieht, wird im Bild nach oben gebogen. Das Bild scheint das im Text Gesagte beweisen zu wollen.

Die Anregung stammt wohl aus Johannes de Sacrobosco ( um 1195 bis 1256), »Tractatus de Sphaera«:

Quod aqua sit rotunda – hier aus dem Druck [Venedig]: Erhard Ratdolt 1485
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00036841/image_1

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Mappa Mundi

Bereits in der Erstausgabe 1503 gibt es eine Weltkarte im Stil des Ptolemaeus, ähnlich wie sie auch in der Schedelschen Weltchronik erschien. (300 x 411 mm)

Die 12 Winde sind Pictogramme (I); allein warum trägt der Vulturnus (rechts oben) eine Brille? Im Bild (M) ist der mit Aphrica verbundene Südkontinent zwar dargestellt, der darauf geschriebene Text (T) besagt indessen: Hic non terra sed mare est: in quo mire magnitudines insulę / sed Ptolemeo fuerunt incognitę

Für die Ausgabe Straßburg: Grüniger 1513 hat Reischs Kommilitone Martin Waldseemüller († 1520) eine modernere Weltkarte beigesteuert: Typus universalis terrae, iuxta modernorum distinctionem and extensionem per regna et provincias:

Hier ist der neu entdeckte Kontinent bereits skizziert. Man beachte für Südamerika: Paria seu prisilia

Amerigo Vespucci sagt in seinem auf Italienisch erschienenen Reisebericht »Mundus novus«, er sei (in Südamerika) an einem Ort namens Lariab gelandet. Die lateinische Übersetzung schreibt Parias. — Stefan Zweig hat zu diesem Poblem 1944 ein kleines Buch verfasst. — Nach Plinius, Hist. Nat. V, xxxiv, 128 gibt es die Insel Paria im phönizischen Meer, auf welcher Andromeda dem Seeungeheuer vorgeworfen sein soll ...

Für die Ausgabe Straßburg: Grüniger 1515 gibt es ein Update, dazu eine schiftliche Noua terrę descriptio:

(Bei Nordamerika ist angeschrieben: Zoana mela, ein Lesefehler; vgl. Franz von Wieser, Zoana Mela, Ein Beitrag zur Geschichte der Erdkunde in den ersten Dezennien des 16. Jahrhunderts, in: Zeitschr. für wissenschaftl. Geographie V (1885), 1–6.)

Literaturhinweis:

https://www.press.uchicago.edu/books/HOC/index.html hier der Artikel Vol. 3 / Part 1 / Chapter 9: Patrick Gautier Dalché, The Reception of Ptolemy’s Geography (End of the Fourteenth to Beginning of the Sixteenth Century)

Vgl. auch hier das Kapitel zur Geographie

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Musik

In Liber V, Tract. ii gibt es Diagramme, die ohne Kennntisse der historischen Musikwissenschaft nicht zu deuten sind:

(Bei der Interpretation ließen sich ECTS-Punkte generieren!)

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Astronomie

In Liber VII, Tract. i erscheinen seit der Erstausgabe mehrere Diagramme, die ohne genaue Textkenntnisse nicht zu deuten sind. Ein Beispiel:

(Bei der Interpretation ließen sich ECTS-Punkte generieren!)

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Zu den Drucken von Grüninger in Staßburg

Der Drucker/Verleger Johannes Grüninger (ca. 1455–1532) hatte Erfolg mit bebilderten Büchern: Boethius (1501); Vergils Aeneis (1502), Murner, Sebastian Brant. Bereits ein Jahr nach der Erstausgabe der »Margarita« druckt er auch dieses Buch – ein©opyright gab es damals noch nicht, aber offensichtlich einen Markt für Bücher enzyklopädischen Inhalts. Parallel zu den "rechtmäßigen" Ausgaben erscheinen bis 1515 weitere "Raubdrucke".

Den Text kann er einfach wieder setzen lassen; die Bilder lässt er neu als Holzschnitte verfertigen. Einige sind nicht präzis, andere verbessert er; zudem fügt er neue Bilder ein.

Der Verleger Schott reagiert sauer und warnt seine Käufer vor dem Nachdruck, vgl. hier.

Erstes Beispiel: Das Titelblatt zum 8.Buch über den Ursprung der natürlichen Dinge, wo Schott und dann Furter in allen Ausgaben bis 1517 das biblische Bild der Erschaffung Evas eingefügt hatten (vgl. hier oben), braucht Grüninger nicht kopieren zu lassen, sondern er greift auf ein Buch aus der eigenen Werkstatt zurück:

Margarita, Straßburg: Grüninger 1504; zu Liber octavus: De principiis rerum naturalium

Der rechte Teil des Bilds erschien 1501 hier:

Boetius de Philosophico consolatu siue de consolatione philosophiae: cum figuris ornatissimis nouiter expolitus, Argentinae: Grüninger 1501. Wie in diesem Buch üblich, ist das Bild aus einzelnen Holzschnitten zusammengesetzt. Zu Lib. V., metr. 2 (Phoebus und conditor orbi) und nachmals metr. 3 (Fol. CXIII verso und CIIII recto).

Zweites Beispiel: In allen Ausgaben von Schott und dann Furter erscheint als Vorspann zu Lib. V, tract. i: Musica speculativa (Musiktheorie) dieses Bild:

Schott: Freiburg 1503

Die Figur vorne rechts ist Phythagoras (im Text in Kapitel 4 genannt): Der Sage nach ging Pythagoras an einer Schmiede vorbei und hörte das Fallen von Hämmern in harmonischen Tonhöhen. Um herauszufinden, wie die Unterschiede der Intervalle zustande kommen, misst er das Gewicht der Hämmer, welche die Tonhöhen erzeugten. Reisch: (Quelle ist Boethius, de instituione musica I,10f., was Reisch nicht erwähnt.)

Aus der Wendung malleorum pondus examinat hat der Illustrator das Bild des mittels einer Waage arbeitenden Pythagoras entwickelt.

Grüninger lässt das Bild 1504 neu zeichnen:

Straßburg: Grüninger 1504

In der Erstausgabe stand TYPVS MVSICĘ (V bei Großbuchstaben üblich für unser U; -Ę für -AE, lateinischer Genitiv); hier steht TYPVS MVSICES – der Illustrator bzw. sein gebildeter Instruktor verwendet den griechischen Genitiv (von mousikḗ = Femininum auf -η); freilich verwendet er lateinische Buchstaben und schreibt lat. V statt griech. ou – ein seltsamer Zwitter.

Neu dazu gekommen ist (hinten rechts) TVBAL. Tubal galt ebenfalls als ein Erfinder der Musik, er erscheint ebenfalls im Text (Kapitel 4, wo als Quelle Petrus Comestor, Historia Scholastica zitiert wird).

Tubal wurde immer wieder mit Jubal (Genesis 4,21f) vermengt: Iubal … fuit pater omnium canentium cithara et organo. … Tubalcain, qui fuit malleator et faber in cuncta opera aeris et ferri. (Vulgata; übers: "Von Jubal sind hergekommen die Geiger und Pfeifer; Tubalkain ist Meister in Erz- und Eisenwerk.") Deshalb ist er als Schmied dargestellt: Das Schlagen des Eisens erzeugt verschiedene Töne, das soll ihn auf die Idee der Musik gebracht haben.

Entsprechend dem Text Liber V, Tract i, Cap. 3 Vom Ursprung des Namens und was ein Musikus sei. werden drei Arten von Musikern unterschieden:

DIScipulus: Woher hat diese Wissenschaft diese Bezeichnung erhalten? MAGister: Es gibt einige, die glauben, die Musik sei von "moys", was die Ägypter für Wasser sagen, abgeleitet, da sie beim Wasser erfunden worden sei, oder von "musa", wie sie das beste Instrument in der Musik nennen. Andern aber scheint die Musik vom griechischen Wort μουσα benannt. Von da <kommt> μουσικοσ, lateinisch musicus, wie auch vor allem die Wissenschaft des Singens: Nicht weil sie einen Dienst leistet, sondern weil sie die Führung hat, beansprucht sie <den Namen Musik>. Es gibt aber drei Arten von Musikern.

Die ersten, die mit den Musikinstrumenten zu tun haben, die auch gut spielen und die Saiten schlagen. Aber warum diese gezupften Saiten und nicht andere den Wohlklang liefern, verstehen sie nicht, noch kennen sie die Theorie dieser Kunst. So sind offensichtlich fast alle unsere Harfenspieler.

Die Zweiten sind die, welche Lieder schaffen, wozu sie eher durch natürlichen Antrieb als durch Theorie und Überlegung gebracht werden, und diese nennt man "Poeten". Viele von ihnen schaffen Lieder, aber deren Harmonien und Proportionen können sie überhaupt nicht erklären.

Die Dritten sind solche, die, auch wenn sie weder auf Instrumenten und Saiten spielen noch Lieder schaffen können, davon dennoch ein erfahrenes Urteil haben (de his tamen iudicandi peritiam habent).

• Die ausübenden Musikanten tagen keine Bezeichnung im Bild.

•Der Komponist mit Lorbeerkranz ist mit Poeta angeschrieben.

• Der Theoretiker hält einen Stab, mit dem er auf die Noten zeigen kann. Die Banderole enthält evtl. die Bezeichnung pars mant – mit dem (wie bei MVSICES) lateinisch geschriebenen Wort griech. mant[hanonton] (Gen.Pl. zu pars ≈ Gruppe, auch Obliegenheit; manthanontes ≈ Forschende, zu μανθάνω forschen). Dank für die Hilfe bei der Deutung und Übersetzung an T.G. Winterthur.

Die wägende Pythagoras und die vier pythagoreischen Hämmer mit sampt jhren proportion werden 1545 so abgebildet:

    

Musica Jnstrumentalis Deudsch/ […] kürtzlich begriffen/ vnd für vnser Schulkinder vnd andere gmeine Senger/ auffs verstendlichst vnd einfeltigst/ jtzund newlich zugericht/ Durch Martinum Agricolam, Wittenberg: Georg Rhau 1545.
> http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB000209E900000000

Literaturhinweise zu Pythagoras und Tubal (mit Hinweisen zu und Zitaten aus Quellen):

Barbara Münxelhaus, Pythagoras musicus. Zur Rezeption der pythagoreischen Musiktheorie als quadrivialer Wissenschaft im lateinischen Mittelalter, Bonn / Bad Godesberg: Verlag für systemat. Musikwissenschaft 1976 (Orpheus-Schriftenreihe zu Grundfragen der Musik Band 19); S. 36–55.

Gene H. Anderson, Pythagoras and the Origin of Music Theory, in: Indiana Theory Review, Vol. 6, No. 3 (1983), pp. 35–61. > https://www.jstor.org/stable/24045969

Kees Verduin (Universiteit Leiden; 2003) > https://www.leidenuniv.nl/fsw/verduin/ghio/sourchro.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras_in_der_Schmiede

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Anhang: Inhaltsübersicht (»Margarita«, Ausgabe 1517)

Liber I: De rudimentis grammatices

Tractatus I: De notitia partium orationis (35 Kap.)
Wortarten, Deklinationen,
II: De modo debito combinandi partes orationis (16 Kap.)
u.a. Adjectivus adiunctus
III: De quantitate syllabarum in generali (13 Kap.)

Liber II: De principiis logices

Tractatus I: De praedicabilibus (9 Kap.)
de genere, de specie, de differentia, de proprio, de accitende u.a.m.
II: De praedicamentis (19 Kap.)
de substantia, de quantitate, de qualitate, de relatione, de actione, de passione, de ubi, de motu ……
III: De propositione (14 Kap.)
hier auch das logische Quadrat
IV: De argumentatione et syllogismo simpliciter dicto (25 Kap.)
Quid argumentatio, de syllogisatione, de exemplo, de enthomemate
V: Die syllogismo dialectico (11 Kap.)
de locis
VI: De syllogismo demonstrativo (4 Kap.)
VII: De syllogismo sophistico (17 Kap.)
de fallaciis et earundem divisione
VIII: De passionibus terminorum quas parva logicalia dicunt (15 Kap.)

Liber III: De rhetorica

Tractatus I: De partibus orationis rhetoricae (23 Kap.)
quid rhetoris officium, de oratione demonstrativa – deliberativa – iudicali, inventio, exordium, argumentatio, conclusio, colores, pronunciatio, memoria
II: De epistolis condendis (7 Kap.)

Liber IV: De quadrivii rudimentis

Tractatus I: De quadrivii laudibus et divisione (37 Kap.)
arithmeticae definitio, Zahlenlehre
II: De divisione numeri contracti (11 Kap.)
Rechenoperationen
III: Algorithmus de minutis vulgaribus (8 Kap.)
Bruchrechnen
IV: Algorithmus de minutis physicalibus (7 Kap.)
Rechnen mit dem Abacus
V: Algorithmus cum denariis, pictilibus, seu calculis (6 Kap.)

Liber V: De principiis musicae

Tractatus I: De musicae laudibus et utilitate (19 Kap.)
II: De praxi musicae (13 Kap.)

Liber VI: De geometria speculativa

Tractatus I: De elementis geometriae (22 Kap.)
Punkt, Linie, Dreiecke, Kreis
II: In praxim geometriae (30 Kap.)
Messen mit dem Jakobsstab, Vielecke, Volumen

Liber VII: De principiis astronomiae

Tractatus I: De enumeratione et ordine dicendorum (52 Kap.)
definitio sphaerae – ab Kap. 5: de machinae mundi partitione (Himmels-Sphären), Zodiakus, – Kap.28ff: 7 Planeten – ab Kap. 40: vier Elemente – anschließend an terra: Klimazonen (46ff), Erdteile (49–52)
II: De astrologia (29 Kap.)
Einflüsse der Planeten, Aderlassmännchen, Ablehnung durch die Kirchenväter, Aberglauben, Prognostik, Necromantie

Liber VIII: De principiis rerum naturalium (41 Kap.)
de rerum principiis et origine, si materia prima fuerit, de generibus causarum (Kap. 12–14), de casu et fortuna; ab Kap. 19: de monstruosis effectibus, Kap.23ff: de movente immobili, Kap. 29ff: Bewegung; Kap. 36ff. Zeit, Ort.

Liber IX: De origine rerum naturalium (42 Kap.)

Elementenlehre, Kap. 6ff: Mixta der ersten und zweiten Zusammensetzung: Regen, Hagel, Tau, Winde, Gewitter, Regenbogen, Kometen, Kap. 24ff: dritte Zusammensetzung: Metalle, –– 26f: Pflanzen, 28ff. Tiere, 37ff. Fortpflanzung der Tiere – Fortpflanzung des Menschen, Kap. 42: sechs Lebensalter

Liber X: De anima et potentiis eiusdem

Tractatus I: De potentiis animae vegetativae (5 Kap.)
II: De anima sensitiva et obiecto eius (31 Kap.)
Einleitendes – Kap. 6: de visu, de colore – Spiegel – Kap. 16ff.: de modo audiendi, olfactus, gustus, tactus – Kap.21ff: innere Sinne. Phantasie, Träume, Erinnerung,

Liber XI: De natura, origine ac immortalitate animae intellectivae

(49 Kap., in 8 campus gegliedert)
Intellectus, substantiae immateriales, tabula-rasa-Theorie (7), synderesis (11), liberum arbitrium (13), Pflanzen-, Tier und Menschenseele (15), weiteres über die Menschenseele und ihre Vereinigung mit dem Körper, Verfassung der Seelen der Abgeschiedenen, Auferstehungshoffnung, Kap.42ff.: De locis infernalibus.

Liber XII: De principiis philosophiae moralis (56 Kap.)

Dreiteilung (ethica, oeconomia, monastica); quid virtus, quomodo sit medium; Kap.4–6: de passionibus: Kap. 8ff. Tugenden aufgeteilt in intellectuales (prudentia), morales (zwölf, vier Kardinaltugenden, worunter wieder prudentia, v.a. iustitia behandelt), Einschub Kap. 26–48: de religione et vitiis oppositis (nicht das 7er-Schema, Sammelsurium), und theologicae (fides, spes, charitas Kap. 49ff.)

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Forschungsliteratur

Karl Hartfelder, Der Karthäuserprior Gregor Reisch, Verfasser der Margarita philosophica. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 44 / NF 5 (1890), S. 170–200.
> http://www.archive.org/stream/Zgo44-5#page/n181/mode/2up

Robert Ritter von Srbik, Die Margarita philosophica des Gregor Reisch, in: Denkschriften der Akademie der Wissenschaften in Wien, Math.-nat.-wiss. Klasse 104 (Wien 1941), S. 85–205.
> https://www.zobodat.at/pdf/DAKW_104_0083-0205.pdf

Gustav Münzel, Der Kartäuserprior Gregor Reisch und die Margarita philosophica, in: Zeitschrift des Freiburger Geschichtsvereins 48 (1938), S. 1–87.
> http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1938/0007?sid=562209e1ad2d8e615fb72a1342638e7c

Udo Becker, Die erste Enzyklopaedie aus Freiburg um 1495. Die Bilder der Margarita Philosophica des Gregorius Reisch, Freiburg: Herder 1970.

Lucia Andreini, Gregor Reisch e la sua Margarita Philosophica, Salzburg 1997 (Analecta Cartusiana 138). [Noch nicht eingesehen]

Frank Büttner, Die Illustrationen der Margarita Philosophica des Gregor Reisch. In: Frank Büttner / Markus Friedrich / Helmut Zedelmaier (Hgg.): Sammeln – Ordnen – Veranschaulichen. Zur Wissenskompilatorik in der Frühen Neuzeit. Münster 2003, S. 269–300.

Gilbert Heß, "Reisch, Gregor" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 384–386. > https://www.deutsche-biographie.de/pnd118744364.html#ndbcontent

Ilona Pichler, Margarita philosophica: Der Makel der Lüge, Universität Salzburg 2015 (befasst sich mit der Frage der Raubdrucke)
> https://www.researchgate.net/publication/293815930_Margarita_philosophica_Der_Makel_der_Luge

 

Nicht direkt zu Reisch, hingegen für das Thema der Illustration von mittelalterlicher Wissensliteratur wichtig:

Christel Meier, Illustration und Textcorpus. Zu kommunikations- und ordnungsfunktionalen Aspekten der Bilder in den mittelalterlichen Enzyklopädiehandschriften, in: Frühmittelalterliche Studien, Band 31 (1997), S. 1–31 und 28 Bildtafeln.

Christel Meier, Bilder der Wissenschaft. Die Illustration des ›Speculum maius‹ von Vinzenz von Beauvais im enzyklopädischen Kontext, in: Frühmittelalterliche Studien, Band 33 (1999), S. 252–286 und 25 Bildtafeln.

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Zusammengestellt von P. Michel, seit März 2021 ....

Es gilt, was der Magister einmal sagt: plurima praeterire necesse est; non enim praesentis disceptacionis est omnia limate excoquere. (Man muss viele Dinge übergehen; es ist für unsere derzeitige Erörterung nicht sachdienlich, alles präzis auszusinnen.)

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