Bildverstehenskompetenz

     
 

Bildverstehenskompetenz — Einleitung

Dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, ist ein einfältiger Spruch. Vgl. dazu den kleinen Test unten auf der Empfangsseite des Projekts.

W\Richtiger ist: Bilder sind ›Eye Catcher‹. Sie nehmen den Blick gefangen.

Die ganze Wirklichkeit lässt sich nicht ins Bild (auch nicht in einen Text) bringen, sie ist immer zu komplex. Dafür hat die Visualisierung andere, kognitive, Vorteile.

»Keine Gestalt ohne Gestalter« (William Stern). Das gilt für die Bilder-Macher wie für die Bild-Interpreten. Oder mit Christian Doelker (1997): »Grundsätzlich gibt es keine nicht-gemachten Blder.«

Ein Bild macht ein Referenz-Angebot (oder hat sogar einen Referenz-Anspruch). – Der Betrachter bringt Wahrnehmungs-Schemata ein, Hintergrundswissen, auch Bild-Schablonen, cognitive patterns.

Es gilt das Wort Goethes: »Was man weiß, sieht man erst!« (Propyläen, Einleitung, 1798)
> http://www.zeno.org/nid/20004855868

Der Satz meint bei Goethe im Zusammenhang: Der bildende Künstler solle sich nicht damit begnügen, ein natürliches Objekt einfach oberflächlich nachzuahmen, sondern das Werk aufgrund eines vertieften Studiums (z.B. der Anatomie des menschl. Leibes und der Funktionen der Organe) gestalten. — In unserem Zusammenhang wenden wir den Satz an auf die Rezeption einer Visualisierung: Das bloße Betrachten allein führt nicht zum Verständnis; man muss auch Kenntnisse mitbringen.

Die Graphiker verlassen sich darauf, dass die Betrachter geübt sind, die Visualisierungs-Prozesse zu durchschauen. Gelegentlich geben sie auch Hilfestellungen (mehr dazu hier).

Grundlegend vor aller Interpretation ist, dass man überhaupt ein Bild als Bild wahrnimmt. Eine Lehrerin von Immigranten erzählt: Sie habe in einem Alphabetisierungskurs – um den Frauen beim Einkaufen behilflich zu sein – neben das Wort ›Salat‹ einen solchen gezeichnet. Aber ihre Schülerinnen hätten gesagt, das sei doch gar kein Salat! (Nicht weil das Bild schlecht gezeichnet war, sondern weil sie nicht geübt sind, Bilder zu verwenden.)

 

 
     
 

Vom Objekt zum Bild und wieder zurück

Um zu verstehen, wie man Bilder versteht, kann man sich überlegen, wie sie gemacht werden. Die Interpretation ist grundsätzlich zur Produktion invers, rück-läufig. Allerdings kommen dabei zusätzliche Faktoren in den Prozess.

Mimetische Visualisierungen

Plinius berichtet (Historia naturalis XXXV, 151) von einer Frau (die Tochter des Butades), die aus Liebe zu einem jungen Mann, der in die Fremde zog, bei Lampenlicht an der Wand den Schatten seines Gesichts mit Linien umzog: umbram ex facie eius ad lucernam in pariete lineis circumscripsit. Sie gilt als Erfinderin der Malerei. Die Anekdote enthält alles Entscheidende.

Joachim von Sandrart, »Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste« 1675, II, Vorrede, Tafel B
> http://ta.sandrart.net/-facs-200 (Vorzüglich erschlossenes Digitalisat des ganzen Werks)

Zum Erstellen eines mimetischen Bildes braucht der Zeichner / die Zeichnerin • ein Objekt (das ist hier: der geliebte Mann) sowie • Transformationsregeln und eine Abbildungstechnik (hier: Projektions-Lampe, Wand und einen Zeichenstift). Das mimetische Bild ist ein Modell des Objekts (zweidimensional und hier: einfarbig und ohne Binnenzeichnung; die Silhouette indessen stimmt). • Der Mehrwert des Abbilds liegt darin, dass es verfügbar ist, auch wenn das Objekt abwesend ist (der junge Mann in der Fremde).

Die Betrachterin des Bilds wendet die Transformationsregeln rückgängig wieder an, wenn sie sich anhand des Bildes an ihren Geliebten erinnern will: Er hat ein mehrdimensionales farbiges Gesicht usw. — So müssen alle Bildbetrachter die Transformationsregeln kennen und retrograd anwenden.

Diagrammatische Visualisierungen

siehe hier unten.

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Differenzierungen

Was muss der Betrachter einer Visualisierung wissen/können, um aus dem Bild das Objekt zu erschließen?

Thema sind hier über die generelle Bild-Verstehens-Kompetenz hinaus anzuwendende spezielle Fertigkeiten.

Für die in diesem Kapitel zusammengestellten Teilbereiche können wir immer wieder auf die in den anderen Kapiteln dargestellten Transformationstechniken verweisen.

Übersicht

Typisierungen als solche erkennen

Aus der zweidimensionalen Darstellung die dritte Dimension rekonstruieren

Perspektive erkennen

Die Größe des Dargestellten richtig einschätzen

Visualisierungs-Behelf als solchen erkennen

Vom Besonderen auf das Allgemeine schließen

Vom Allgemeinen auf das Besondere schließen

Nonvaleurs ignorieren

Synoptische Darstellung von Objekten deuten

Den Realitäts- / Fiktionalitätsgrad einer Visualisierung erkennen

Glaubwürdigkeit einschätzen

Didaktische Mittel als solche erkennen

Rhetorische Techniken durchschauen

Was ist bloß Ornament?

Den Kontext beachten

Kulturspezifisches Wissen berücksichtigen

Konventionen von arbiträren Zeichen kennen

Das Lesen von Tabellen beherrschen

Diagramme lesen können (1)

Diagramme lesen können (2)

Diagramme lesen können (3)

Hervorhebungen mittels Farben verstehen

Die Regeln der Modellierung einer Abbildung kennen

Ermitteln der wirklichen der Größe

Erkennen, wie wichtig die Detailtreue ist

Ein kompliziertes Beispiel: das Differentialgetriebe

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Typisierungen als solche erkennen

••• Hier der Idealplan eines Zisterzienser-Klosters. (Die Frage: "Wo befindet sich dieses Gebäude?" ist sinnlos.)

Wolfgang Braunfels, Abendländische Klosterbaukunst, Köln: duMont 1965, S. 124.

••• Der hier abgebildete Bahnhof – so naturalistisch er abgebildet ist – steht nirgends auf der Welt, nur im Lexikon, wo er dazu dient, die Einzelelemente zu veranschaulichen:

Otto Spamer’s Illustrirtes Konversations-Lexikon für das Volk. Zugleich ein Orbis pictus für die Jugend, Leipzig: Spamer 1870–80; Band 3 (1874), Spalte 1318, s.v. Eisenbahnen

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Aus der zweidimensionalen Darstellung die dritte Dimension rekonstruieren

••• Der französische Künstler Jehan Cousin (ca. 1522 – ca. 1593) lehrt in seiner »Vraye science de la Pourtraicture« (hier der Druck 1656), u.a., wie man einen perspektivisch verkürzten Arm zeichnet – genau so rekonstruieren wir aus der Zeichnung eines bras racourci den wirklichen Arm (und nehmen normalerweise nicht an, es sei hier ein Mensch mit einer Missbildung gezeichnet).

> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b8454702x/f41.item

> https://archive.org/details/lavrayesciencede00cous (Druck 1671)

Bei der Einschätzung der Größe von Gliedmaßen des menschlichen Körpers je nach ihrer Lage im Raum sind wir sicher, weil wir den Normalfall aus der alltäglichen Anschauung kennen; aber dies lässt sich nicht zwingend auf andere Objekte übertragen.

••• Der Kartographie-Spezialist Erwin Raisz (1893–1968) zeigt in seiner »General cartography« (2nd ed. 1948) sehr schön, wie man aus einer mit Höhenkurven versehenen Karte das Gelände rekonstruieren kann. (Die Bilderfolge hier ist für unsere Absichten von unten nach oben zu lesen.)

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Perspektive erkennen

Auf dem Bild mit den beiden auf dem Weg liegenden Baustämmen erscheint der vordere kürzer als der hintere – mit dem Maßtab auf der Zeichnung gemessen, sind beide genau gleich lang. (Zeigt man man die Zeichnung auf den Kopf gestellt einer Person, der man vorgaukelt, es handle sich um die Zeichnung eines biologischen Präparats, so meint diese Person, beide Stäbchen seien etwa gleich lang.)

    

Erich von Holst, Aktive Leistungen der menschlichen Gesichtswahrnehmung, in: Studium Generale, Jahrgang 10 / Heft 4 (1957), S. 239.

Unsere Wahrnehmung vollzieht also bei einem Bild, das wir als perspektivische Darstellung erkennen, eine Korrektur.

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Die Größe des Dargestellten richtig einschätzen

••• Die Größenunterschiede der (in typischen Nationaltrachten dargestellten) Männer spiegeln den Verbrauch an elektrischer Energie der Nationen, die sie repräsentieren – und nicht die Durchschnittsgröße der Einwohner dieser Länder. (Vgl. dazu das im Kapitel über Tabellen Gesagte.)

Aus: Electrical World, January 6, 1923.

••• Ganz anders sind die Größenunterschiede bei diesem Andachtsbild zu taxieren. Die betende – im Verhältnis zu Maria mit dem Jesuskind kleiner dargestellte – Figur ist der Autor oder der Verfasser des einleitenden Briefs Jacob Locher ›Philomusus‹. Der Größenunterschied ist Kundgabe der Bescheidenheit.

Albrecht von Bonstetten, Septem horae canonicae virgineae matris Mariae. [Freiburg 1493]
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00025674/image_6

••• Olaus Magnus (1490–1557) beschreibt in seiner »Historia De Gentibus Septentrionalibus« (1555) im 5.Buch, Kapitel viii die sagenhafte Schlacht von Brávellir / Bråvalla der Schweden gegen die Dänen: De maximo, ac terribili bello Suecorum, ac Gothorum: cui Starchaterus præsuit contra Danos.

Auf zwei Bildern werden die an Land Kämpfenden gezeigt; davor im Meer Schiffe:

Historia de gentibus septentrionalibus, earumque diversis statibus, conditionibus, moribus, ritibus ... necnon universis pene animalibus in Septentrione degentibus, eorumque natura … Autore Olao Magno, Romae apud Ioannem Mariam M.D.LV
> http://runeberg.org/olmagnus/0254.html

Die Schiffe spielen eine wichtige Rolle (Numerus navium Ringonis pro Suecis & Gothis, duo millia quingentæ repertæ: sed Danorum non impar erat.) Sie werden hier quasi als Pictogramme gezeichnet. Der Zeichner des Holzschnitts versteht die Darstellungstechnik der Perspektive durchaus, wie die Truppenteile auf dem Land zeigen.

Aeneas erzählt, wie die Trojaner nach der Zerstörung der Stadt eine Flotte bauten und die Heimat verließen (Vergil, Aeneis, III.Gesang, Verse 1ff.). In der von Sebastian Brant betreuten Ausgabe 1502 wird diese Szene so illustriert. (Auch auf anderen Bildern mit Meeresschiffen stimmen die Größenverhältnisse nicht.)

Publij Virgilij maronis opera […], expolitissimisque figuris atque imaginibus nuper per Sebastianum Brant superadditis, Straßburg: Grüninger 1502, fol.CLXXXIII verso.

Ähnlich auf diesem Flugblatt: Amerigo Vespucci, Das sind die new gefunden menschen oder volcker Jn form vnd gestalt Als sie hie stend durch den Cristenlichen Künig von Portugall/ gar wunnderbarlich erfunden [Nürnberg ca. 1505] > http://diglib.hab.de/drucke/quh-26-5s/start.htm?image=00002

Seltsamerweise verwendet Theodor de Bry diese Darstellungstechnik ebenfalls in einer Zeichnung des Kampfs von Kolumbus (auf dessen vierter Amerika-Reise 1502–04) gegen die Meuterer unter Diego und Francisco Poraz / Porras / Poresius am 19.Mai 1504:

Johann Ludwig Gottfried, Newe Welt Vnd Americanische Historien. Frankfurt (Main), 1631.
> https://archive.org/details/neweweltvndameri00gott
> http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/gottfried_historia_1631
Erstausgabe des Kupfers 1594.

Zuvorderst, perspektivisch richtig wiedergegeben: Boote der indigenen Bevölkerung; rechts im Meer liegen die drei Karavellen, wovon die größte 70 Tonnen schwer ist. – Irritierend ist, dass der Graphiker auf anderen Bildern, auf denen Schiffe und Flotten gezeigt sind, die perspektivische Darstellung perfekt beherrscht, während sie hier verletzt ist. Soll damit eine Aussage evoziert werden?

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Visualisierungs-Behelf als solchen erkennen

Hier ist eine Kirche aufgeschnitten gezeigt. Es handelt sich nicht um eine Ruine, sondern um einen visualisierungstechnischen Kunstgriff, um die Konstruktion zu zeigen, hier das Gewölbesystem der Kirche von Lippoldsberg.

Anton Springer / Joseph Neuwirth, Handbuch der Kunstgeschichte. II. Frühchristliche Kunst und Mittelalter, 10. Auflage, Leipzig: Kröner 1919, Abb. 170.

So ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer mimetischen Ansicht einer Ruine:

(Jacques Androuet, gen. Du Cerceau), Fragmenta Structurae Veteris commentata Monumentis a Leonardo Theodorico, 1550.
> http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10197996-1

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Vom Besonderen auf das Allgemeine schließen

Die Kathedrale Saint-Front von Perigueux als Beispiel für eine Pendentifkuppel:

Günther Binding, Architektonische Formenlehre, Darmstadt: wbg 1980, Abb.454.

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Vom Allgemeinen auf das Besondere schließen

Anders ausgedrückt: Man muss einsehen, dass eine schematische Darstellung nicht etwas real Existierendes wiedergibt, sondern einen Typus repräsentiert.

Bei der Darstellung von Typen muss bezüglich Vorkommen, Aussehen und Anordnung der Elemente bei einzelnen Exemplaren des Typs mit Variation gerechnet werden, wobei aus dem Bild selbst nicht ersichtlich ist, wie weit diese geht.

Hier verschiedene Gewölbetypen:

Schweizer Lexikon in sieben Bänden [hg. Gustav Keckeis u.a.] Encyclios-Verlag Zürich 1945–1948; Band III, Sp. 1059.

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Erkennen, wie wichtig die Detailtreue ist

••• Auf dem Bild zum Erkennen von giftigen und essbaren Pilzen kommt es auf kleinste Unterschiede an:

E. Habersaat, Schweizer Pilzbuch, Bern: Hallwag 1941.

••• Hingegen geht es bei diesem Bild einfach darum, verschiedene Ausprägungen der Bekleidung zu zeigen, ohne dass diese eine besondere Bedeutung hätten:

Bruno Köhler [1825–1876], Allgemeine Trachtenkunde, Leipzig: Reclam [o.J.]. — Tafel 73: Zeit der Karolinger … Vornehme Frauen (Ausschnitt).

••• Bei der Darstellung von Individuen muss abgeschätzt werden, wie genau die Darstellung gemeint ist: Handelt es sich um eine reine Referenz (es gibt ein Erkennungszeichen, aber darüber hinaus keine Ähnlichkeit), eine Karikatur, eine (z.B. zu Repräsentationszwecken) beschönigende Darstellung, eine Inszenierung, eine möglichst neutrale Darstellung? Mehr zu Personendarstellungen hier.

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Nonvaleurs ignorieren

Gelegentlich kontextualisieren Graphiker das ›eigentlich‹ zu Zeigende; und der Betrachter muss von diesem Kontext absehen.

••• Um die Technik des Krebs-Fangs mittels Köder (in Honig geröstetes Fisch-Gedärm) und Reusen zu illustrieren, braucht es die lustige Landpartie am Ufer des Seeleins nicht:

Francisci Philippi Florini Oeconomvs prvdens et legalis. Oder allgemeiner Klug- und Rechts-verständiger Haus-Vatter/ bestehend in Neun Büchern/ ... mit Rechtlichen Anmerckungen auf allerhand vorfallende Begebenheiten/ versehen/ Durch Johann Christoph Donauern Nürnberg, Franckfurt und Leipzig. In Verlegung Christoph Riegels. Gedruckt bey Johann Leonhard Knorzen 1705; Sechstes Buch, LIII. Capitel Von Krebesn/ und wie dieselben zu fangen. (S. 1180)

••• Während Conrad Gessner (1516–1565) in seinen Tierbüchern die Tiere jeweils ›freigestellt‹ hat, präsentieren andere Zoologen die Tiere in ihrer Umwelt. (Am deutlichsten Sibylle Merian). Hier ist also die Umgebung nicht ein zu ignorierendes Kolorit, sondern gehört zur Bildaussage.

   

Links: Conrad Gessner, Thierbuoch Das ist ein kurtze bschreybung aller vierfüssigen Thieren/ so auff der Erden und in wassern wonend, sampt jrer waren Conterfactur: Zürych: Froschower M.D.LXIII.

Rechts: Brehms Tierleben. Allgemeine Kunde des Tierreichs. Die Säugetiere. Zweiter Band: Raubtiere, Robben oder Flossenfüßer, Kerfjäger, Nager, Zahnarme; Leipzig/Wien: Bibliographisches Institut 1900 > http://biolib.mpipz.mpg.de/brehm/band2/high/IMG_7374.html

••• Gelegentlich ist es zweifelhaft, ob ein Bildelement zum Wissens-Inhalt gehört oder bedeutungslos und zu vernachlässigen ist. Beispiel:

Ist die eine Maschine bedienende Person nur Dekoration oder wird gezeigt, dass die Maschine eine Bedienung durch Menschen braucht, oder wird etwas über die Bedienungsweise ausgesagt?

Der sog. Vermittlungsschrank in einer Telephoncentrale ist in Meyers Lexikon als solcher dargestellt; im Bilderduden sitzt eine ihn bedienende Frau davor. Sie ist kein Nonvaleur, denn ohne das ›Fräulein vom Amt‹ kam damals keine Verbindung zustande:

  

Links: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. 6., gänzlich neubearbeitete u. vermehrte Auflage, Band 6 (1907); Tafel Fernsprecher II.

Rechts: Der Große Duden. Bildwörterbuch der deutschen Sprache … hg. Otto Basler, Leipzig: Bibliographisches Institut 1935; Tafel 253.

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Synoptische Darstellung von Objekten deuten

Bei Formen von Bildvielheit stellt sich gelegentlich die Frage, ob verschiedene Elemente dargestellt sind oder eines in verschiedenen Ausprägungen oder eines in verschiedenen zeitlichen Phasen.

••• Hier werden verschiedene Typen von Flugzeugen nebeneinander ungeordnet gezeigt. Die fliegen nicht alle gleichzeitig so in der Luft:

Kaisers Schatzkästlein 1921, S. 110/111: Aus der Geschichte der Aeroplane

••• Hier fliegen nicht Flugzeuge einander nach, sondern es ist jeweils dasselbe Flugzeug, aber in verschiedenen Positionen gleichsam stroboskopisch dargestellt:

Großer Brockhaus, 15. Auflage, Ergänzungsband 1935, Tafel Kunstflug.

••• Oft werden aufeinander folgende Phasen einer Erzählung in ein und demselben Bild simultan dargestellt, vgl. das Kapitel hier.

Im folgenden Beispiel ist nicht eine Szene in einem Garten und eine Szene vor dem Gartentor gezeichnet, sondern der Sündenfall von Adam und Eva und die anschließende Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies:

Biblia germanica, Nürnberg: Koberger 1483.

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Den Realitäts- / Fiktionalitätsgrad einer Visualisierung erkennen

Die oft perfekt gezeichneten Rekonstruktionen verleiten dazu zu glauben, dass es das Objekt in der Realität wirklich gab.

••• Bei der realistisch daherkommenden Scenographia Templi (gemeint des salomonischen Tempels in Jerusalem) handelt es sich um eine Rekonstruktion:

Kupfer-Bibel, in welcher die physica sacra, oder geheiligte Natur-Wissenschafft derer in Heil. Schrifft vorkommenden natürlichen Sachen, deutlich erklärt und bewährt von Joh. Jacob Scheuchzer ... : anbey zur Erläuterung und Zierde des Wercks in künstlichen Kupfer-Tafeln ausgegeben und verlegt durch Johann Andreas Pfeffel; Ulm: Wagner, 1731–1735, Tafeln CCCCXXII und CCCCXXXII

••• Gab es 1797 eine solche Zusammenkunft von Schiller, Wilhelm und Alexander von Humboldt und Goethe, wie es das Bild suggeriert? Oder entspringt die Szene der Phantasie des Graphikers?

Mehr dazu im Artikel von Jutta Assel und Georg Jäger im Goethezeitportal {Abruf Nov. 2019}

••• Ist das nicht eine schöne Darstellung der Stadt Mainz, mit dem Main und den Stadtkirchen?

Schedelsche Weltchronik (1492), Blatt 39verso.

Freilich wird derselbe Holzschnitt auch für fünf andere Städte verwendet! (vgl. auch das Kapitel zur Bildwanderung). Hier als Beispiele Bologna 62recto und Aquileia 51 recto:

Eine Zusammenstellung aller mehrmals verwendeten Städteansichten in: Elisabeth Rücker, Die Schedelsche Weltchronik, München: Prestel o.J., S. 132–134.

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Glaubwürdigkeit einschätzen

Älteren Bildern trauen wir zu, dass deren Zeichner Objekte dargestellt haben, die es – nach heutiger Auffassung – gar nicht gibt, denen sie indessen einen Realitätsgehalt zugeschrieben haben. — Aber: Wo gehen wir heutzutage einem ›Fake‹ auf den Leim?

••• Erstes Beispiel:

Johannes Stumpf, Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten / Landen vnd Völckeren Chronik wirdiger thaaten beschreybung […] durch Johann Stumpffen beschriben […] Zürich bey Christoffel Froschouer M.D.XLVII.

9. Teil, XIIII. Capitel ist überschrieben mit: Von allerley thieren im Alpgebirg/ vnd erstlich von gifftigen würmern/ vnd röubigen oder schädlichen thieren/ so in den Alplendern erfunden werdend/ als Bären/ Wölff vnd Lüchs.

Der Drache wirkt neben dem Bären – dessen Realitätsgehalt bekannt ist – glaubwürdig.

••• Zweites Beispiel:

Cosmographey Oder beschreibung Aller Länder herrschafftenn vnd fürnemesten Stetten des gantzen ... Erstlich durch Herrn Sebastian Munster mit grosser Arbeit in sechs Bücher verfasset … Basel: Henricpetri 1588. Das vierdte Buch, Von dem Königreich Polandt, Cap. lj., pag. Mcxcv

In der Nähe von Krakau kam ein grosser Wurm oder Drache aus einer Bergeshöhle hervor und erwürgte Menschen und Vieh. Der Landesfürst ersann eine List: Er füllte Kadaver, die man dem Drachen vorwarf, mit Schwefel und Pech usw.

In der Cosmographie sind die Wappen seit der Erstausgabe (1544) immer schon genau wiedergegeben; und in dieser späten Ausgabe werden die Städteansichten auch mimetisch präziser. Warum soll da die Geschichte mit dem Drachen nicht stimmen?

••• Ähnliche Fälle:
Gibt es wirklich fliegende Fische?
Gibt es vierfüßige Tiere, die einen pelzigen Leib haben wie ein Biber, aber einen Schnabel, und zudem Eier legen??
Mehr dazu auf dieser Website (Schweizerische Gesellschaft für Symbolforschung)

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Didaktische Mittel als solche erkennen

••• Seit etwa 1910 werden Diagramme mit mimetischen Bildern über-formt. Solche Bilder bringen im Vergleich zum Diagramm keine neue Information. Sie helfen unserer Vorstellungskraft oder haben eine mnemotechnische Funktion.

Verteilung der Bevölkerung im Vergleich von Großstädten und ländlichen Gebieten im Lauf der Zeit.

Knaurs Konversationslexikon A–Z, 1934; Artikel Bevölkerung.

••• In der »Margarita Philosophica« (Erstausgabe 1503) von Gregor Reisch findet sich im Buch über die spekulative Geometrie eine Abbildung mit einem von drei Lanzen perforierten Mann. Das dazugehörige Kapitel befasst sich mit dem (geometrischen) Körper und seinen Eigenschaften (De corpore et eius speciebus) und ist als Dialog zwischen einem Discipulus und einem Magister gestaltet.

Der Magister definiert einen Körper (corpus) über die drei Dimensionen des Raums, wörtlich als ›eine Länge mit einer Breite und Tiefe‹, und verweist darauf, dass sich in einem Körper drei Linien in einem Punkt orthogonal schneiden.

Zusätzlich nennt er die Begriffe, mit welchen die äußeren Grenzen der Linien bezeichnet werden. Um diese Definition in ihrer Dreidimensionalität zu veranschaulichen, werden die in der rein wörtlichen Erklärung diffus erscheinenden Eigenschaften auf einen biologischen Körper (corpus) übertragen.

Der Magister wählt hierzu das Beispiel eines Menschen, der gleichsam (gleichsam!) von Lanzen durchbohrt wird. Je nach Ein- und Austrittsstelle würde entweder die Länge (Scheitel und After), Tiefe (Brust und Rücken) oder Breite (die eine und die andere Körperseite) gemessen.

Georg Reisch, Margarita Phylosophica tractans de omni genere scibili, Schott 1504.
Vgl. die deutsche Übersetzung von Otto und Eva Schönberger, Würzburg: Königshausen & Neumann 2016, S. 209.

Der Holzschneider visualisiert das theoretische Gedankenspiel des Durchstoßens, wie es im Text vorangelegt ist. Die drei Lanzen sind entsprechend ihrer Funktion als Länge (longitudo), Breite (latitudo) und Tiefe (profunditas) beschriftet. Zusätzlich sind im Raum die Bezeichnungen für die Grenzen des Körpers aufgeführt, wofür der Blickwinkel der Figur eingenommen wurde: oben (sursum), unten (deorsum), vor (ante), hinter (retro), auf der rechten Seite (dextrorsum) und auf der linken Seite (sinistrorsum).

Vt si lancea una per verticem capitis humani intraret et per anum exiret — ›Wie wenn eine Lanze hineinginge …‹ Das verstehen heutige Betrachter des Bilds kaum je und meinen erschreckt, wie übel doch das Mittelalter mit den Menschen umgegangen sei.

••• Conrad Gessner stellt oft Pflanzen auf demselben Bild in mehreren Phasen im Jahreszyklus dar, mit Blüten und Früchten/Samen. Das bedeutet nicht, dass die Blüten und Samen zur gleichen Zeit sichtbar wären:

Historia plantarum, Sammlung des Christoph Jacob Trew in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg MS 2386. 1 und 2

Digitalisate:
> http://digital.bib-bvb.de/webclient/DeliveryManager?custom_att_2=simple_viewer&pid=3053501
> http://digital.bib-bvb.de/webclient/DeliveryManager?custom_att_2=simple_viewer&pid=5331430

Literatur dazu: Urs B. Leu, Conrad Gessner (1516–1565). Universalgelehrter und Naturforscher der Renaissance, Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 2016, bes. S. 275ff..

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Rhetorische Techniken durchschauen

••• Bei dem von vielen Wunden geplagten Mann ist nicht gemeint, dass er die alle hat, sondern dass der Arzt einen Patienten von all diesen (einzeln auftretenden) Übeln heilen kann.

Wiewol ich bin voll streich und stich,
Zermorrscht/ verwundet iämerlich/
Doch hoff ich gott/ kunstlich artzney/
Schylhans der werd mir helfen frey.

(Schielhans war der Übername von Johannes von Gersdorff, † 1529)

Hans von Gersdorff, Feldtbuoch der Wundartzney, Straßburg: Schott 1517; nach Fol. XVIII
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00010085/image_56

••• Durch die Einnahme des Mutterkornpilzes kommt es zu einer Verengung der Blutgefäße und zu schmerzhaften Symptomen, dem sog. Mutterkornbrand. > https://de.wikipedia.org/wiki/Ergotismus

Der auf dem Bild den Heiligen Antonius (Eremita) als Helfer gegen die Krankheit Anflehende hat bereits einen Fuß verloren, und nun schmerzt ihm seine Hand ›wie Feuer‹ – dies wird als brennende Hand dargestellt.

Hans von Gersdorff, Feldtbuoch der Wundartzney, Straßburg: Schott 1517

Fol. lxxv: Der fünfft Tractat. Von kalten vnd heyßen bränden/ glydabschneidung/ leschungen vnd irer Cur – Das Ander Capitel. Von dem heyssen brand/ sanct Antonie feür genannt.

> https://archive.org/details/feldbuchderwunda00gers/page/n171

••• Hans Schäuffelein (um 1480– 1540) zeigt hier die #me-too-Szene, wo die beiden Alten – beide närrisch verliebt – Susanna im Bade auflauern und dann sagen: »Sei uns zu Willen und gib dich uns hin!« (apokrypher Anhang zum Buch Daniel, Kap. 13 > https://www.bibleserver.com/EU/Daniel13)

Das Büchle Memorial, das ist ein angedänckung der Tugend/ von herren Johannsen vonn Schwartzenberg/ yetz säliger gedächtnuß, etwo mit Figuren und reümen gemacht [Augsburg: Heinrich Steiner 1534].
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00029340/image_223

Die Brunnenfigur ist kein Zierat, sondern stellt Amor / Cupido dar, der mit dem Pfeilbogen auf die beiden Männer zielt und sie so ihre Passion bewirkt.

Die Vorstellung ist prominent bei Ovid (Metamorphosen I, 465ff.), wo Cupido Pfeile auf Apoll und Daphne schießt, wonach sich Apoll in Daphne verliebt, ihr nacheilt, während sie sich entzieht und in einen Lorbeerbaum verwandeln lässt (Szene rechts unten).

(Oben ist dargestellt der Streit zwischen den beiden Pfeilbogenschützen Apoll – der sich brüstet, eben den Drachen Pytho erlegt zu haben – und Cupido.)
Giovanni Bonsignori, Ovidio methamorphoseos vulgare, Venedig 1497.
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00049624/image_25

Der (mit einer Augenbinde versehene) Pfeile schießende Sohn der Venus erscheint früh auch in der Astrologie wie hier:

Tractatus Albumasaris florum astrologiae [aus dem Arab. übers. von Johannes Hispalensis, gest. 1215] Augsburg: E.Ratdolt 1488. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00024923/image_19

Ungefähr zeitgenössisch sind die Darstellungen von Heinrich Aldegrever und Jörg Breu zum Thema »Urteil des Paris«, der hier beschossen wird. Paris wählt unter den von den drei Göttinen angebotenenen Bestechungsmitteln die Liebe zur schönen Helena, wodurch er den Trojanischen Krieg auslöst.

   

 

••• Das Säulendiagramm (bar chart) als Visualisierung von statistischen Daten wird inszeniert mit den vielen Soldaten, die den Krieg überlebt haben, und den wenigen, die gefallen sind:

Anthropomorphic Display of Quantitative Data: Use of humans as a direct statistical aid as in this bio-bar graph.

The Illustrated London News, Sept. 7, 1912, page 357.
> http://longstreet.typepad.com/thesciencebookstore/2009/10/human-anthropomorphic-display-of-quantitative-data-flight-safety-1912.html

••• In der Regenbogenpresse werden mitunter sog. ›Symbolbilder‹ angeboten, denen kein Realitätsgehalt entspricht:

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Mimetische und symbolisch gemeinte Bildelemente unterscheiden

••• Wenn auf einem Bild, das den heiligen Hieronymus zeigt, ein Löwe abgebildet ist, so ist dieser als das Tier Löwe zu deuten, zurückgehend auf die Legende, wonach Hieronymus einem Löwen einen Dorn aus der Tatze zog und die Wunde pflegte, worauf der geheilte Löwe als Haustier bei ihm blieb. Vgl. den Text in der »Legenda Aurea« (13. Jh.) > https://www.heiligenlexikon.de/Legenda_Aurea/Hieronymus.htm

Lübecker Bibel 1494
> https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCbecker_Bibel_(1494)#/media/Datei:LB1494PrefHier.jpg

••• Wenn auf einem Bild, das den Evangelisten Markus zeigt, ein Löwe abgebildet ist, so handelt es sich nicht um ein echtes Tier, sondern um das (echt wirkend wiedergegebene) ›Logo‹ dieses Mannes, das zurückgeht auf die Zuordnung der vier Tier-Gesichter in der Vision des Ezechiel (Tetramorph Ez 1,10) zu den vier Evangelisten.

Holzschnitt von Christoph Murer (1558–1614)

••• Während auf den Bildern mit Hieronymus und Markus die Bilder der dargestellten Männer mimetisch gemeint sind, ist die Visualisierung von Psalm 7,2–3 ganz symbolisch:

Salvum me fac ex omnibus persequentibus me, et libera me, nequando rapiat ut leo animam meam, dum non est qui redimat, neque qui salvum faciat. (Hilf mir vor allen meinen Verfolgern und rette mich, damit mir niemand wie ein Löwe die Seele [das Leben] raubt, mich zerreißt, und keiner ist da, der mich rettet.)

Stuttgarter Psalter (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Bibl. fol. 23)
> http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz307047059
> https://archive.org/details/StuttgarterPsalter/page/n16/mode/1up

Vgl. zu dieser Passage auch das Kapitel Homonyme.

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Was ist bloß Ornament?

In Drucken v.a. des 16. Jahrhunderts werden oft Holzschnitte mit Randleisten versehen. Pro Buch gibt es wenige Randleisten, die immer wieder verwendet werden. ›Grotesken‹ am Rand sind hier Versatzstücke zum typographischen Ausgleich der Bilder mit dem Satzspiegel und haben mit dem Bild überhaupt nichts zu tun.

Es ist deshalb verfehlt zu meinen: »Aha, die Frau schießt mit dem Pfeil auf die nackten Frauen, die ihre Konkurrentinnen sind.«

Iconologia, overo descrittione dell'imagini universali cavate dall'antichità et da altri luoghi da Cesare Ripa Perugino, … In Roma. Per gli Heredi di Gio. Gigliotti, M.D.XCIII.
> https://archive.org/details/iconologiaouerod00ripa/page/393

Mehr zu diesem Thema > hier

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Den Kontext beachten

Wie im Kapitel Homonyme dargelegt, kann ein sehr ähnlich aussehendes Bild je nach Kontext verschiedene Bedeutung haben.

• Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733) stellt im Dienste seiner naturkundlichen Studien Aussagen von Leuten zusammen, denen wirklich Drachen begegnet sind, unter anderem diese:

Andreas Roduner, Landschreiber der Vogtei Sargans, bestieg mit Gefährten ungefähr um 1600 den Wangserberg; da begegnete ihnen ein erstaunlich grosser Berg-Drache… Sobald dieser sie gesehen hatte, richtete er sich auf die hinteren Füße in Manns-Länge. Sein Leib war mit sehr rauhen Schuppen belegt; die Länge war ungefähr eines halben Wiesbaums [= Stange die über ein Fuder Heu gelegt und an beiden Enden festgebunden wird]. Er hatte vier Füsse […] Der Kopf hatte einen Haarbusch.

Johann Jacob Scheuchzers Naturgeschichte des Schweitzerlandes, Samt seinen Reisen über die Schweitzerische Gebürge. Aufs neue herausgegeben, und mit einigen Anmerkungen versehen von. Joh. Georg Sulzern, Zürich: Gessner 1746. II, S.236f. (Das Bild in Scheuchzers Ουρεσιφοιτης Helveticus, sive Itinera per Helvetiæ alpina regiones, Leiden: Pieter van der Aa 1723, Tomus III, p. 395.)

Literaturhinweis: Paul Michel, »… was zur Beglaubigung dieser Historie dienen mag.« Drachen bei Johann Jacob Scheuchzer, in: Fanfan Chen / Thomas Honegger (Eds.), Good Dragons are Rare. An Inquiry into Literary Dragons East and West. Frankfurt am Main u.a.: P. Lang, 2009 (ALPH: Arbeiten zur Literarischen Phantastik), p. 119–170.

• In der Emblematik ist der Drache Allegorie für ein moralisches Verhalten:

Das Emblem bezieht sich auf den Mythos von den goldenen Äpfeln der Hesperiden, die von einem Drachen bewacht werden (Apollodor, Bibliotheca II,113 und andere Autoren).

In der lat. Erstausgabe heißt das Motto: Sacros custodit in arbore fructus – Er bewacht die heiligen Früchte des Baumes.

In der Erläuterung sagt Camerarius: Wir verstehen durch den Drachen/ als durch ein scharpfsichtiges Thier/ die Krafft eines nachsinnenden Gemüths/ durch den Baum aber die Philosophia, oder Begierd und Fleiß zur Weißheit/ welcher deren Liebhaber mit stetem wachen/ und ohngesparter Mühe nachtrachten.

Vierhundert Wahl-Sprüche und Sinnen-Bilder, durch welche beygebracht und außgelegt werden die angeborne Eigenschafften, wie auch lustige Historien und Hochgelährter Männer weiße Sitten-Sprüch. Und zwar […] Im IV. Von Fischen und kriechenden Thieren. Vormahls durch den Hochgelährten Hn. Ioachimum Camerarium In Lateinischer Sprach beschrieben: Und nach ihm […] ins Teutsch versetzet, Maintz: Bourgeat 1671. – IV, 78
> Gutes Digitalisat der UB Erlangen-Nürnberg hier

• in der politischen Karikatur kann der Drache verwendet werden, um Gegner zu charakterisieren:

Flugblatt Leipzig 1617 (zum 100jähigen Jubiläum des Thesenanschlags): Der Papst (mit Tiara!) als Drache, der von Luther (mit Bibel und Fackel in Händen) bekämpft wird.

Die Fliegenden Blätter des XVI. und XVII. Jahrhunderts in sogenannten Einblatt-Drucken mit Kupferstichen und Holzschnitten. Zunächst aus dem Gebiete der politischen und religiösen Caricatur. Aus den Schätzen der Ulmer Stadtbibliothek, wort- und bildgetreu hrsg. von J. Scheible, Stuttgart: Scheible 1850.

• In der Alchimie bezeichnen Drachen den Stoff Mercur – sinnvoll, insofern Quecksilber volatil und giftig ist. Es ist nicht das physikalische Quecksilber gemeint, insofern es beim alchimistischen Prozess um die ›Sublimation‹ des Menschen geht.

Chymisches Lustgärtlein: Mit schönen in Kupffer geschnittenen Figuren gezieret/ auch mit Poetischen Gemälden illustrirt und erleutert; Also daß es nicht allein Augen und Gemüt erquicket/ sondern zugleich eine sehr tieffe betrachtung der natürlichen dinge erwecket …. Beschrieben von M. Daniele Stoltzio de Stoltzenberg … nunmehr aber auß dem Lateinischen transferirt … durch Danielem Meißnern, Franckfurt / In Verlegung Lucæ Jennis 1624. (Reprint mit Nachwort von F.Weinhandl: Wiss. Buchgesellschaft 1964.)

Lateinische Ausgabe: > http://www.e-rara.ch/cgj/content/titleinfo/2216552

• In der Heraldik ist der Drache weit verbreitete ›gemeine Figur‹, die auf den Träger des Wappens verweist. Hier das Wappen von Wales (walisisch Cymru) auf einem Auto-Nummern-Schild (Ausschnitt):

Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Drache_(Wappentier)

• In der Ausstattung gotischer Handschriften ist der Drache am Rand der Seite oder in Initialen bedeutungsloses Ornament.

BNF manuscrits, NAF 4508, fol. 152r

Literaturhinweis: Lilian M. C. Randall, Images in the Margins of Gothic Manuscripts, Berkeley 1966.

Weitere Materialien > Symbolforschung.ch/Drachen bei Livius

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Kulturspezifisches Wissen in Betracht ziehen / berücksichtigen

••• In unserer eigenen Kultur ahnen (gebildete) Betrachter von mimetischen Bildern, dass diese evtl. aus der Bibel oder aus der antiken Mythologie oder aus einem Reisebericht stammen. Man muss den (im Text dargebotenen) Hintergrund kennen, um das Bild deuten zu können.

Beispiel: Was geschieht hier? Wird hier ein Mann von einem riesigen Raubfisch verschlungen?

A 

B 

Bild A: Es stossen auch an das Gestad des Lands Nordwegen die mechtigen grossen Fisch so man zu Latein Balenas/ vnnd zu Teutsch Walfisch nennet […]. Sie sind den Schiff so vnder sie kommen in grosser gefährlichkeit. — Aus: Cosmographey Oder beschreibung Aller Länder herrschafftenn vnd fürnemesten Stetten des gantzen ... Erstlich durch Herrn Sebastian Munster mit grosser Arbeit in sechs Bücher verfasset … Basel: Henricpetri 1588. Seite Mclix

Bild B: Und der Herr gebot dem Fisch, und er spie Jona ans Land. (Buch Jona 2,11) — Aus: Neuwe Biblische Figuren/ deß Alten und Neuwen Testaments/ […] nachgerissen mit sonderm fleiß durch den Kunstverstendigen vnd wohlerfahrenen Joß Amman von Zürich. Getruckt zu Frankckfurt am Mayn/ durch Georg Raben/ Sigmund Feyerabend/ vnd Weygand Hanen Erben M.D.LXIIII.

Vgl. auch das Ölbild von Pieter Lastman († 1683).

••• Bei einem Bild aus einer fremden Kultur sind wir meist ratlos. — Beispiel: Wie ist dieses Bild aus der Ming-Dynastie in China (Anfang unseres 17.Jhs.) zu deuten?

Aus dem San Cai tuhui. Ein ›Jenseitiger‹ liest einem Tiger vor! Nicht aus einem Kinderbuch, sondern aus einer chinesischen Enzyklopädie. (Dank an Marc W. für die Deutung!)

••• Bei Comic Strips und ähnlichen Bild-Folgen zur Visualisierung eines Prozesses sind wir es gewohnt ›in [unserer!] Leserichtung‹, d.h. von links nach rechts zu lesen:

> http://antjekoberling.de/projekte.html

Menschen, die Lesen und Schreiben anders gelernt haben, tranchieren das Huhn zwar genau gleich wie wir, zeichnen die Anleitung aber anders:

Wafāʼ Ḥamūd / Nadra Qabīʻa: aṭ-Ṭabḫ al-ʻarabī wa-l-muqabbalāt al-lubnānīya. Beirut 1994 (Ṭayyib ǧiddan) (Hinweis von Regula Forster)

Vgl. auch die Leserichtung im Manga.

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Konventionen von arbiträren Zeichen kennen

Vgl. dazu das Kapitel Pictogramme

Bei Landkarten muss man die Visualisierungs-Konventionen kennen, um aus der Karte die landschaftliche Realität rekonstruieren zu können:

Richard Bamberger / Fritz Brunner / Fritz Westphal, Die Kinderwelt von A bis Z. Reutlingen: Ensslin & Laiblin / Wien: Österreichischer Bundesverlag / Aarau: Sauerländer, 6. Aufl. 1961; Artikel Kartenzeichen

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Das Lesen von Tabellen beherrschen

Das Lesen von Tabellen muss(te) gelernt werden. 1707 bekam der Benutzer der Vergleichung der Gewichte/ aller fürnehmsten Handels=Plätze in Europa eine ausführliche Gebrauchsanleitung:

Vermittelst dieser Tabelle kan man leichtlich den Unterscheid des Gewichts einer Stadt oder Landes gegen einander finden. Zum Exempel, man verlanget zu wissen/ wie viel 100. lb Hamburger zu Amsterdam oder zu Londen thun/ so siehet man nur zur lincker Hand/ wo 100. lb Hamburger voran stehen/ und fähret in gleicher Linie fort/ biß man oben Amsterdam und ferner Londen bemerckt/ und finde bey dem ersten 98. bey andern 107. als das eigentliche Facit […].

Paul Jacob Marperger (1656–1730), Die Neu-Eröffnete Kauffmans-Börse/ Worin Eine vollkommene Connoisance aller zu der Handlung dienenden Sachen und Merckwürdigkeiten/ Auch Curieusen und Reisenden Anleitung gegeben wird/ was sie davon zu ihrem Vortheil auff Reisen zu bemercken, Hamburg: Schiller 1704 [= erste Ausgabe]; Tabelle Resolvierung der Müntzen ….

> http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN872923525 (Ausgabe 1707; dieser Ausgabe folgt das obige Zitat)

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Diagramme deuten (1)

Bei der Interpretation von Visualisierung statistischer Daten mittels geometrischer Figuren ist Vorsicht geboten. Beim Zurückrechnen vom Bild zu den Daten kann man sich bei gewissen Darstellungmethoden verschätzen.

Nehmen wir als (konstruiertes) Beispiel die Zunahme der Produktion eines Gutes über ein Jahr, die so visualisiert ist, und fragen:

A Um wieviel grösser ist das orange Quadrat als das gelbe davor liegende?

B Um wieviel größer ist der orange Würfel als der gelbe?

A linear gezeichnet:

•••••••••               3 x 3 = 9 gelbe Elemente (= Quadrate, aus denen das gelbe Quadrat erstellt ist)

 ••••••••••••••••  4 x 4 = 16 Elemente beim orangen Quadrat

>>> nicht ganz Verdoppelung der Menge

B linear gezeichnet:

•••••••••                                  3^2 = 9 gelbe Elemente (Kuben) des Würfels

•••••••••••••••••••••••••••  5^2 = 25 orange Elemente (Kuben) des Würfels

>>> beinahe Verdreifachung der Menge

Noch prekärer ist es, wenn die kubische Form der geometrischen Figur nicht angedeutet wird, wie hier, wo Kreisflächen gezeigt werden, indessen Kugeln gemeint sind:

Werner Witt (1906–1999), Bevölkerungskartographie, Hannover: Jänecke 1971.

Das ist der Grund, warum Otto Neurath (1882–1945) diese Darstellungsform kritisiert und statt Flächen und Kuben Aufreihungen von Pictogrammen bevorzugt (mehr dazu hier).

Auch Willard Cope Brinton (1880–1957) hat die »visual inaccuracy« solcher Graphiken bemängelt:

… und stattdessen solche Graphiken vorgeschlagen:

Die beiden Bilder visualisieren denselben Sachverhalt: increase of passengers carried on the railroads 1899/1911. Zum zweiten Bild (Fig. 41): The ratio expressing increase can be clearly and accuratly seen from this method […].

Willard Cope Brinton, Graphic methods for presenting facts, New York, The Engineering Magazine Company (© 1914); published 1919 (Die Gegenüberstellung der beiden Bilder auf S. 39).
> https://archive.org/details/graphicmethodsfo00brinrich/page/39/mode/1up

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Diagramme deuten (2)

Wir haben die Bild-Schablone im Kopf: oben = besser. Das stimmt bei den Börsenkursen. Aber wie ist es mit der Fieberkurve?

Bekannt ist die Kegel- oder Pyramidengraphik von Maslows Bedürfnishierarchie. Ähnlich gibt es eine Graphik »Cone of learning«, und zwar in zwei verschiedenen Varianten.

Ist das Lesen die "höchste" Leistung? Oder die "Basis", von der es aufwärts geht? Dabei geht es – ganz unabhängig von der Darstellung als Konus – einzig darum zu zeigen, wie viel Prozent des Stoffs je nach Präsentationsform im Unterricht im Gedächtnis bleiben.

(Beachte: Nur 10% dessen was man gelesen hat, bleibt = Spitzenleistung!)
> http://hlwiki.slais.ubc.ca/index.php/Dale%27s_cone_of_learning

Graphik von V. E. Lasnik 2006 (Beachte: Deeper learning ist oben)
> https://sites.google.com/site/principlesonlearning/h-edgar-dale

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Diagramme deuten (3)

Überlagerung von mimetischer und diagrammatischer Visualisierung

Das klassische Beispiel ist die Choroplethkarte (mehr dazu hier): Die zugrundeliegende Landkarte ist eine mimetische Visualisierung der Erdoberfläche + die darauf gelegten verschieden dichten Schraffierungen oder Farben sind diagrammatische Visualisierungen von statistischen Daten. (Gemeint ist nicht, dass dort die Erdoberfläche eine andere Färbung hat.)

Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden, 15. Auflage, Band 19 (Leipzig 1934), Artikel Vereinigte Staaten von Amerika, Tafel 99a / 7.

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Hervorhebungen mittels Farben verstehen

Oft werden Farben verwendet, so wie man sie als anthropomorphe Universalien verstehen kann. Mit Kälte assoziieren wir blau, wohl weil Eis bläulich ist; mit rot Wärme, weil glühende Gegenstände rötlich erscheinen.

••• Hier die Visualisierung einer Fensterfabrik, intuitiv verständlich:

http://www.enersign.com/de/Enersign_Fenster/index.php?auswahl=isothermen.php

••• Auf dem folgenden Bild werden die Farben aber arbiträr für Intensität verwendet. Der Hurrikan ist nicht im Inneren wärmer:

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Die Regeln der Modellierung einer Abbildung kennen

Grönland wirkt auf einer Landkarte, die mittels der (winkelgetreuen) Mercator-Projektion hergestellt ist, riesig, so groß wie Afrika, das effektiv eine 14 mal größere Fläche hat.

Ausschnitt aus
https://de.wikipedia.org/wiki/Mercator-Projektion#/media/Datei:Mercator-proj.png

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Ermitteln der wirklichen Größe

Damit man das maßstäblich veränderte Objekt von der Graphik wieder auf die richtige Größe zurückführen kann, wird das Maß der Vergrößerung / Verkleinerung angegeben. Dazu gibt es verschiedene Techniken (vgl. das Kapitel zu den Verstehenshilfen):

  • Das kann mit der Angabe eines Quotienten (engl. ›ratio‹) zahlenmäßig angegeben werden (z.B. 1 : 25’000)
  • oder auch anschaulich, indem als Vergleich ein Objekt verwendet wird, dessen Größe dem Betrachter bekannt ist.

Encyclopédie, Planches ### Boutonnier

Otto Spamer’s Illustrirtes Konversations-Lexikon für das Volk. Zugleich ein Orbis pictus für die Jugend, Leipzig: Spamer 1870-80, Band VII (1878), s.v. Rafflesia: Rafflesia arnoldii (Riesenrafflesie) R.Br. : hat die größten Blüten aller Blütenpflanzen weltweit.
(Es wird nicht gesagt, dass die menschliche Figur zum Erkennen der Größe der Pflanze daneben gestellt ist.)
Auf der Seite der Wikipedia wird nur die Blüte gezeigt, ohne Vergleich: http://de.wikipedia.org/wiki/Riesenrafflesie

Lange kursierte die folgende Geschichte: Ein Entwicklungshelfer hielt in einem abgelegenen Tropen-Gebiet einen Vortrag über die Gefährlichkeit der Tse-Tse-Fliege. Er hatte ein Schaubild dieses Insekts mitgebracht. Nach dem Vortrag sagte einer der Zuhörer beruhigt: »Glücklicherweise müssen wir uns darüber keine Sorgen machen; in unserem Gebiet sind die Fliegen nicht so groß.« (Tages Anzeiger Magazin Nr. 34, 27.8.1977; S. 6)

Dictionnaire pittoresque d'histoire naturelle et des phénomènes de la nature, contenant l’histoire des animaux, des végétaux, des minéraux, des météores, des principaux phénomènes physiques et des curiosités naturelles, avec des détails sur l’emploi des productions des trois règnes dans les usages de la vie, les arts et métiers et les manufactures; réd. par une soc. de naturalistes, sous la dir. de F.-E. Guérin Paris: Bureau de Souscription, imprimé par Cosson 1833–1839. Tome septième 1838, Planche 85 [zum Artikel Papillons]

Ein Spezialfall: Der Maßstab ist in der vertikalen Dimension ein anderer als in der horizontalen (vgl. hierzu das Kapitel über Distortionen).

Wenn zum Thema Le Télégraphe sous-marine die Struktur des Atlantischen Ozeans gezeigt werden soll, dann werden die unterseeischen Berge im Verhältnis zum Abstand zwischen Irland und Neufundland überhöht dargestellt:

Louis Figuier, Les Merveilles de la Science ou description populaire des inventions modernes, Paris: Furne, Jouvet et Cie. [1870]. Tome 2, p. 230; Fig. 135. (Der Maßstab in der Vertikalen ist auf dem Bild nicht angegeben, aber im Text genannt.)

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Ein komplizierteres Beispiel zum Schluss:

Das Ausgleichsgetriebe

Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden, 15. Auflage, Band 10 (1931), Kraftwagen III

Text: a Bei Geradeausfahrt wirkt das Getriebe als ein festes Ganzes, die Räder drehen sich gleich schnell, b bei Bogenfahrten führen die Ausgleichsräder noch eine Zusatzbewegung um ihre eigene Achse aus und erhöhen die Drehzahl der einen Hinterachshälfte um so viel, wie sie die Drehzahl der anderen Hinterachshälfte vermindern.

Das Verständnis verlangt zweierlei Arten von Vor-Wissen:

Sachwissen: Man muss wissen, dass bei der Fahrt einer Kurve die äußeren Räder sich mehr bewegen als die inneren. Das ist bei einem Leiterwagen mit einzeln beweglichen Rädern kein Problem, aber wenn eine Starr-Achse von einem Motor angetrieben würde, würden sich bei einer Kurvenfahrt die Pneus auf der Straße reiben. – Das Differentialgetriebe sorgt dafür, dass die Drehbewegung, die vom Motor her kommt, sich automatisch auf das innere und äußere Rad verteilt.
Realisation: Ein auf der vom Motor her (im Bild von oben her) kommenden Welle sitzendes kleineres Zahnrad (Pignon) greift in das Tellerrad (großes Kegelrad, so schraffiert: \\\\) ein , das auf dem Differentialkorb (so schraffiert: ////) befestigt ist und diesen bewegt. Innerhalb dieses Korbs ist die linke und die rechte Radwelle über 4 Achswellenräder so verbunden, dass sie sich in entgegengesetzter Bewegung drehen können.

Man muss die Darstellungstechnik kennen: Das Getriebe ist den Achsen entlang aufgeschnitten. Die Zahnräder werden in Aufsicht dargeboten, so dass man ihre Kreisgestalt nicht sieht. Man muss erkennen, dass mit den Schraffuren \\\\ und //// ein sich bewegendes Ganzes gemeint ist. Mit den runden Pfeilen ist im linken und rechten Teilbild angegeben, ob der Wagen geradeaus fährt (Bild a) oder eine Kurve (b).

Besser zu erkennen in diesem 3-D-Film > http://static.howstuffworks.com/flash/differential.swf
{Zugriff im Juli 2019; auf STRAIGHT / TURN klicken!}

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Online-gestellt im Frühling 2020.

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