Kunstkammern – Wunderkammern – Curiositätenkabinette

     
 

Kunstkammern – Wunderkammern – Curiositätenkabinette – Raritätensammlungen

Stichworte

Wer sammelt? Fürsten – Gelehrte (dazu gehören auch Apotheker u.a.) – eine abstrakte Institution ›Museum‹ –Jugendliche/Lehrer zum Unterricht

Nationale Unterschiede? (Italien / das Reich / Frankreich / England / Holland)

Was enthalten die Sammlungen? Reliquien/Heiltümer – Naturalia (kaum getrennt von) Artefakten – Raritäten und Exotisches (wieso gerade dies?) – Portraits –

Orte: Kirche – Schloss – Bibliothek – Schule – eigens für eine Sammlung eingerichtete Räume

Erwerbungstechnik?

Ordnungsprinzipien

Was soll mit der Sammlung demonstriert werden? Physikotheologisch Gottes Allmacht/Weisheit/Güte – die Potenz des Fürsten (Repräsentation) – Aufklärung

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Die Liste hier ist nur eine Auswahl. Die Bilder dienen als Eye Catcher.

Hinzuweisen ist vor allem auf die reichhaltige Homepage [www] »Kunst- und Wunderkammern« von Peter Huber (Wien) und auf die großartige Website [www] »Les cabinets de curiosités en Europe« von Forschern der Université de Poitiers und des Espace Mendes France. Ferner auf den Katalog [www] der wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität Berlin mit tausenden von verschlagworteten Digitalisaten.

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Es muss unterschieden werden zwischen Beschreibungen von Sammlungen (z.B. Olearius), bloß textuellen Sammlungen (z.B. Beutel, Vincent, Settala) und Anweisungen, wie eine Sammlung einzurichten sei (z.B. Quiccheberg, Marperger).

Es ist nicht leicht, diese Sammlungen abzuheben von der Buntschriftstellerei [WIKI der UZH] und enzyklopädischen Werken.

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Literarische Transformationen

Literaturhinweise

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Friedrichs Naturalienkabinett, welches er nach der Anweisung seines Vaters in Ordnung brachte, und sich dadurch viele nüzliche Kenntnisse erwarb:

Aus: Johann Peter Voit, Der höfliche Schüler oder Regeln zu einem höflichen und artigen Betragen für junge Leute, [EA 1786], Nürnberg: Weigel und Schneider 1792 > http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11108502-5 — Reprint: Verlag Fritz Seuffer 1968

 

 
     
 

Chronologie

Die Einträge unten sind alphabetisch nach Sammlern / Autoren der Kataloge geordnet.

Hier eine chronologische Liste mit Links zu den Einträgen:

1502 Wiener Heiltumbuch

ca. 1550 Ambraser Sammlung

1556 Samuel Quiccheberg

1557 Girolamo Cardano

nach 1560 Johann Jacob Wick

1586 Kurfürst August von Sachsen († 1586)

1595 Felix Platter

1599 Ferrante Imperato

1622 Francesco Calceolari

1655 Ole Worm

1656 John Tradescant

1656 Lodovico Moscardo

1664 Manfredo Settala

1666 Adam Olearius

1671 Tobias Beutel

1674 Johann Daniel Major

1677 Ferdinando Cospi

1678 Athanasius Kircher

1681 Nehemiah Grew

1698 Johann Jacob Scheuchzer

1704 Michael Bernhard Valentini

1705 Georg Eberhard Rumpf

1706ff Levin Vincent

1707ff Paul Jacob Marperger u.a.

1716 Michael Rupert Besler

1717 Michele Mercati

1724 Peter der Grosse

1727 Jencquel / Neickel

1730 (etwa) Bonnier de La Mosson

1734ff Albertus Seba

1737 Johann Christian Kundmann

1737ff Franckesche Stiftungen

1744 Daniel Eberhard Baring

1762 Johann David Köhler

1789 Goethe

1811ff Christian August Vulpius

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Ambraser Sammlung

Angelegt durch Ferdinand II. Erzherzog von Österreich (1529–1595)

(Greifenklauen; heute im Kunsthistorischen Museum Wien. Bild aus Schlosser, Wunderkammern 1908, Fig. 26)

Alois Primisser, Die Kaiserlich-Königliche Ambraser-Sammlung, Wien 1819.

Digitalisat [www: BSB München]

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August von Sachsen: Die Chur-Fürstliche Kunstkammer zu Dreßden

Ein älterer eindruck der Sammlung, aus: Eberhard Guarnerius Happel, Grösseste Denkwürdigkeiten der Welt oder so genandte Relationes Curiosæ. Worinnen fürgestellet / und auß dem Grund der gesunden Vernunfft examiniret werden / allerhand Antiquitäten / Curiositäten / Critische / Historische / Physicalische / mathematische / Künstliche und andere Merckwürdige Seltzamkeiten / Welche auff dieser Unter=Welt / in der Lufft / auff der See oder Land jemahlen zu finden gewesen / oder sich noch täglich zeigen. Dritter Theil / Einem jeden curieusen Liebhaber zur Lust und Erbauung in Druck verfertiget / und mit erforderten schönen Kupfern und andern Figuren erläutert, Hamburg: Thomas von Wiering 1687. S. 118ff.https://archive.org/details/imageGIX360cMiscellaneaOpal

Die Sammlung wurde von Kurfürst August von Sachsen (1526–1586) nach einer so herrlichen Dosposition angelegt / daß man darin localem und artificialem memoriam haben und behalten kan (118a). Sie war eingeteilt in sieben Zellen-Gemächer:

Im ersten Haupt-Zimmer
Goldschmieds-, Uhr-, Büchsenmachers-, Drechslers-Werkzeuge, Instrumenta
Fürnehmer Personen Brustbilder von Lucas Cranachs Hand

Im anderen Gemache
allerley Gattungen künstlicher Trince-Geschirrre, u.a. aus indianischen Nuß-Schalen, Straußen-Eiern. Kristall-Kugeln, Antiquitätische Hörner und Greiffen-Klauen

Im dritten Zimmmer
Tische aus kostbarem Holz, voll schöner Behältnisse.
allerley Biblische Gemählde von Albert Durern, Titiano, Tintoretto, Rubenio ...

Im 4ten Zimmer
allerley schöne mathematische Instrumente zur Geometrie, Astronomie, Perspectiv, Architectur, Fortification und Artillerie gehörig: Sextanten, Spheren, Compassen,
Orgeln
Land- und Seekarten

Das fünffte und sechste Gemach
Kunst-Stücke. Spiegel. Brett-Spiele von Ebenholtz und Elffenbein. indianische Porrcellanen Trinck-Geschirr. ein (medizinisch wirkendes) Einhorn
Gemälde, u.a. die vier Complexionen; die vier Jahreszeiten

Der Rest des sechsten Gemaches
u.a. See-Fische, große Meer-Krebse, Schwerd-Fische, Hirsch-Geweyhe, Elefanten-Zähne, Magnet-Steine. Gemälde eines Löwen, einer Hirschjagd

Das Siebende Gemach
Statuen aus Metall, Eisen, Marmor, Gips von Michel Angelo u.a. Kopien der Büsten der ersten zwölff römischen Kayser wie auch der Chur-Fürssten von Sachsen. Ein weisser Hirsch, ein Hirsch der ein Apotheker-Kästlein enthält und aus Hirschbestandteilen gewonnene Medizin enthält, z.B. Oleum cornu cervi, Pulvis Testiculorum Cervi,
vortreffliche künstliche Uhrwerke, deren theils zugleich ders Himmels Lauf und Bewegung der Sterne und Planeten in sich begreifen.

Dirk Syndram / Martina Minning, Die Inventare der kurfürstlich-sächsischen Kunstkammer in Dresden, 4 Bände, Dresden: Sandstein Verlag 2010.

Katalog der Kataolge der Königlichen Sammlungen zu Dresden bei Wikisource.

Vgl. hier auch bei Beutel

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Daniel Eberhard Baring (1690–1753)

D. E. Baringii Museographia Brunsvico-Lvnebvrgica. Oder Curiöse Nachricht Von denen Museis, Schatz- Kunst- und Raritäten-Cammern, so curiose Herren in den Braunschweig-Lüneburgischen Landen gesammlet und grösten Theils noch heutiges Tages in denselben aufbehalten werden, Lemgo: Meyer 1744.

Digitalisat [www ULB Sachsen-Anhalt]

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Michael Rupert Besler (1607–1661)

Gazophylacium Rerum Naturalium E Regno Vegetabili, Animali & Minerali depromptarum, nunquam hactenus in Lucem editarum, Cum Figuris Æneis Ad Vivum Incisis. Franckfurt Leipzig Berlin 1716; 2. Auflage Leipzig: Zedler 1733.

Digitalisat 1716 [www Staatsbibliothek Berlin]

Digitalisat 1733 [www Uni Halle]

Digitalisat 1742 [www Google books]

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Tobias Beutel

Tobias Beutel, Electorale Saxonicum Cedretum, Chur-fürstlicher Sächsischer stets grünender hoher Cedern-Wald, auf dem grünen Rauten-Grunde oder kurtze Vorstellung, d. Chur-fürstl. Sächs. hohen Regal-Wercke, nehmlich: der fürtrefflichen Kunst-Kammer, und anderer, seiner Chur-fürstl. Durchl. hochschätzbaren unvergleichlich wichtigen Dinge, allhier bey der Residentz Dreßden ... ; gantz kürtzl. in lat. u. teutscher Sprache beschrieben ... Dreßden: Bergen 1671.

Digitalisat der Ausgabe 1683 [www ULB Sachsen-Anhalt]

Digitalisat der Ausgabe 1683 [www biodiversitylibrary]

Digitalisat 1671 [www Bibliothek Uni Halle]

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Francesco Calceolari (1521?–1609?)

Benedetto Ceruti / Andrea Chiocco, Musaeum Francisci Calceolari iun. veronensis, Verona: apud Angelum Tamum 1622.

Digitalisat [www Google Books] ––– hier das dort nicht ausgeklappte Titelbild [www kunstkammer]

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Girolamo Cardano (1501–1576)

Hieronymi Cardani de rerum varietate libri XVII: adiectus est capitum, rerum & sententiarum notatu dignissimarum index, Basileae: Petri 1557.

Liber XVII, Caput xcvii: Thesauri

Beginn des Kapitels in der Ausgabe Basel 1581 [www e-rara]

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Ferdinando Cospi (1606–1686)

Museo Cospiano Annesso A Quello Del Famoso Ulisse Aldrovandi E donato alla sua Patria dall' Illustrissimo Signor Ferdinando Cospi Patrizio Di Bologna E Senatore Cavaliere Commendatore di S. Stefano ... / Descrizione Di Lorenzo Legati Cremonese Dottor Filosofo, Medico, e Pubblico Professore delle Lettere Greche in Bologna, Bologna: Giacomo Monti 1677.

zum Sammler Cospi [www Treccani]

Digitalisat [www archive.org]

Titelbild (aus Schlosser 1908, Fig. 90)

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Franckesche Stiftungen Halle

1737–1741 inventarisiert durch Gottfried August Gründler (1710–1775): 4696 Objekte.

Catalogus derer Sachen, die sich in der Naturalien-Kammer des Waysen-Hauses befinden: Übersicht [www: Studienzentrum August Hermann Francke]

Einblick [www Monumente online]

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Francesco Ginanni (1692–1753)

Francesco Ginanni (o Zinanni), Produzioni naturali che si ritrovano nel Museo Ginanni, Lucca 1762.

Digitalisat [www BSB — die Bilder sinnvollerweise nicht ausgeklappt = Quatsch]

zur Person [www]

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Goethe

Johann Wolfgang Goethe, Der Sammler und die Seinigen, in: Propyläen 1789–1800, Hg. und mit einem Essay von Carrie Asman, Dresden: Verl. der Kunst 1997 (Fundus-Bücher 148).

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Nehemiah Grew (1641–1712)

Musaeum Regalis Societatis. Or a catalogue & description of the natural and artificial rarities belonging to the Royal Society : and preserved at Gresham Colledge. Made by Nehemiah Grew ... Whereunto is subjoyned the Comparative anatomy of stomachs and guts. By the same author. London: printed by W. Rawlins, for the author, 1681.

Digitalisat [www: Google Books]

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Ferrante Imperato

Dell’historia natvrale di Ferrante Imperato napoletano libri XXVIII; nella qvale ordinatamente si tratta della diuersa condition di miniere e pietre; con alcune historie di piante & animali, sin’hora non date in luce, Napoli 1599.

Digitalisat [www: archive.org]

Titelbild (Wikipedia)

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Kaspar Friedrich Jencquel

[unter dem Pseudonym Caspar Friedrich Neickel (????–????)], Museographia Oder Anleitung Zum rechten Begriff und nützlicher Anlegung der Museorum Oder Raritäten-Kammern/ Darinnen gehandelt wird I. Von denen Museis, Schatz- Kunst- und Raritäten-Kammern insgemein, welche heutiges Tages grösten theils annoch in vielen Europaeischen Orten gefunden werden. II. Dem nachmals ein Anhang beygefüget ist, von vielen, welche vor Alters in der Welt berühmt gewesen. III. Im dritten Theile wird von Bibliothequen insgemein, als einem zu einem vollständigen und wohl eingerichteten Museo unentbehrlichen Wercke gehandelt. IV. Der vierte und letzte Theil aber ist eine Anmerckung oder unvorgreiffliches Bedencken von Raritäten-Kammern oder Museis insgemein. Nebst einem Register/ in beliebter Kürtze zusammen getragen und curiösen Gemüthern dargestellet von C. F. Neickelio. Mit einigen Zusätzen und dreyfachem Anhang vermehret von Johann Kanold, Leipzig / Breßlau: Hubert 1727. [Es gibt bereits eine Ausgabe Leipzig/Bresßlau 1717.]

Digitalisat [www: BSB]

Digitalisat [www: UB Göttingen]

Susan M. Pearce, Museums and their development. The European tradition 1700–1900; Vol. 2: Museographia oder Anleitung zum rechten Begriff und nützlicher Anlegung der Museorum, oder Raritäten-Kammern, Repr. d. Ausg. Leipzig 1727. London: Routledge-Thoemmes 1999.

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Athanasius Kircher (1602–1680)

[Giorgio de Sepi] Romani Collegii Societatis Jesu Musaeum Celeberrimum: Cujus magnum Antiquariae rei, statuarum, imaginum, picturarumque partem Ex Legato Alphonsi Donini, ... A Secretis, munificâ Liberalitate relictum ; P. Athanasius Kircherus ... novis & raris inventis locupletatum, compluriumque Principum curiosis donariis magno rerum apparatu instruxit, Amsterdam 1678.

Digitalisat [www: ECHO]

Digitalisat [www: UB Heidelberg]

Digitalisat [www: HU Berlin]

Filippo Buonanni, Musaeum Kircherianum sive Musaeum A P Athanasio Kirchero in Collegio Romano Societatis Jesu, Rom 1709.

Digitalisat [www: Göttinger Digitalisierungszentrum]

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Joseph II Bonnier de la Mosson (1702–1744)

Le cabinet de curiosités > Hinweis [www französsiche Wikipedia]

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Johann David Köhler (1684–1755)

Des Herrn Professors Johann David Köhlers Anweisung für reisende Gelehrte, Bibliothecken, Münz-Cabinette, Antiquitäten-Zimmer, Bilder-Säle, Naturalien-und Kunst-Kammern u.d.m. mit Nutzen zu besehen, Frankfurt und Leipzig, in der Knoch-und Esslingerischen Buchhandlung 1762.

Digitalisat [www archive.org]

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Johann Christian Kundmann (1684–1751)

Rariora naturae & artis, item in re medica; oder, Seltenheiten der Natur und Kunst des kundmannischen Naturalien-Cabinets, wie auch in der Artzeney-Wissenschafft, Darinnen abgehandelt werden.

I. Examen Fossilium & Lapidum quorundam rariorum, oder Untersuchung verschiedener unterirdischer Seltenheiten und sonderbar figurirten Steine.

II. Memorabilia Naturæ & Artis, oder Merckwürdigkeiten der Natur und Kunst.

III. Observationes in Re Medica singulares, oder Sonderbare Anmerckungen zur Artzeney-Kunst ... Denen beygesetzt

1. Ungewöhnliche Delicatessen und abgeschmackte Speisen in allen Theilen der Welt, wie auch einzelner Personen ;

2. Historie von der erschrecklichen Menschen-Pestilentz, wie sie vom Anfang dieses Seculi, bis auf das Jahr 1715. von Orient aus, durch die Polnische, Ungarische ... Reiche ... gewütet, ...

3. Reflexiones über die Kranckheits- und Todten-Listen, mit Medicinischen Anmerckungen begleitet,

Breßlau und Leipzig: Bey Michael Hubert 1737.

(Schneeflocken, das Bild zitiert Kundmann aus Scheuchzer)

Digitalisat [www: google Books]besseres Digitalisat [www: archive.org]

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Johann Daniel Major (1634–1693)

Catalogus oder Index Alphabeticus von Kunst, Antiquitäten, Schatz und fürnehmlich Naturalien-Kammern, Conclavia, Musea, Repositoria, oder auch nur kleinere Serinia Rerum Naturalium Selectorum, Kiel (1674)

Unvorgreiffliches Bedenken von Kunst und Naturalienkammern insgemein, Kiel 1674 >Digitalisat [www UB Göttingen]

Vorstellung etlicher Kunst- und Naturalien-Kammern/ in America und Asia, Kiel: Reuman 1674 > Digitalisat [www UB Göttingen]

Ob König Montezuma wol gethan/ daß er Zwergen und allerhand Miß-geburthen/ unter seinen Raritäten/ gewisse Behältnüsse zugeeignet. (hier)

Kurzer Vorbericht betreffend Johann Daniel Majors Museum Cimbricum, Ploen 1688 > Digitalisat [www BSB]

Stefan Kirschner, Vom privaten Naturalienkabinett zur öffentlichen Schausammlung: Johann Daniel Majors "Museum Cimbricum" (1689), in: Gudrun Wolfschmidt (Hg.), Popularisierung der Naturwissenschaften Diepholz: GNT-Verlag 2002, S. 65–77.

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Paul Jacob Marperger (1656–1730) und andere Autoren

Des Geöffneten Ritter-Platzes Dritter Theil, Worinnen die Ausführung der noch übrigen galanten Wissenschafften, Besonders was bey Raritäten- und Naturalien-Kammern, […] zu bemercken vorfället, […], Hamburg: Schiller 1707.

Darin: Anleitung, wie ein vollständiges Raritäten-Hauß anzuordnen und einzurichten sey. Digitalisat [www: BSB]

IV. Capitel. Von den memorabilibus. § 1.Unter diesem Nahmen sind in den Zimmern des mittleren Geschosses folgende Stücke zu versammeln. Erstlich Allerhand seltene Kleider / Feder-Zierrathen / […] Schreibzeug / Siegel / solenne Staats-Zeichen und dergleichen […]. Zu einem Exempel sind in der IVten Tab. abgezeichnet (n.1.) ein Moscowiter Hut. (2.) eine Moscowiter Knut-Peitsche. (3.) ein Lappländsicher Schlitt-Schuh. (6.) ein Japanisch Schreib-zeug. (17.) Ægyptische Weiber-Schuhe. (19.) Brasilianishe Feder-Crone. […] § 3. Von heutigen ausländischen Nationen rare Waffen: (n. 27.) ein Grönländisch Ruder.

Übersicht über das ganze Werk [pop-up]

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Michele Mercati (1541–1593)

Michele Mercati, Metallotheca Vaticana: Opus Posthumum, Auctoritate & Munificentia Clementis XI. ... E Tenebris in Lucem Eductum, Rom 1717/19.

Digitalisat Bd.1 [www Google Books] ––– Digitalisat Bd.2 [www Google Books]

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Lodovico Moscardo (1611–1681)

Note overo memorie del Museo di Lodovico Moscardo, Nobile Veronese … dal medesimo descritte … Padua: Paolo Frambotto, 1656.

Das Bild bereits in Musaeum Franc. Calceolari, pag. 90

Digitalisat [www archive.org]

Digitalisat [www Uni Köln: Arachne --- Tei-Viewer anklicken!]

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Neickel

siehe Jencquel

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Adam Olearius (1599–1671)

Gottorffische Kunst-Cammer/ Worinnen Allerhand ungemeine Sachen/ So theils die Natur/ theils künstliche Hände hervor gebracht und bereitet ; Vor diesem Aus allen vier Theilen der Welt zusammen getragen / Jetzo beschrieben Durch Adam Olearium, Bibliothecarium und Antiquarium auff der Fürstl. Residentz Gottorff; Schleßwig, in der Fürstl. Druckerey gedruckt durch Johan Holwein 1666. [quer-4°]

Digitalisat Band 1 [www HAB Wolfenbüttel] Beschreibungen

Digitalisat Band 2 [www HAB Wolfenbüttel] Kupfertafeln

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Peter der Grosse (1672–1725)

Zar Peter der Grosse hatte auf seine Frage, wie die Aufklärung in breite Schichten der Bevölkerung getragen werden könne, von Leibniz den Rat bekommen, Sammlungen von Merkwürdigkeiten anzulegen und in Museen auszustellen. Und so errichtete er in St. Petersburg ein Raritätenkabinett (»Kunstkamera«), das 1724 eröffnet wurde.

Überblick über die Sammlung [www: kunstkamera.ru]

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Felix Platter (1536–1614)

Suppellex medica Felicis Plateri = Katalog seiner Sammlungen; ca. 1595 von seinem jüngeren Halbbruder Thomas II Platter zusammengestellt. – In der Universitätsbibliothek Basel sind noch vorhanden: Botanische Zeichnungen; Album mit Mineralien/Fossilien; Vogel-Album. Ferner 39 Blätter in der Amsterdam University Library, entdeckt von Florike Egmond.

Digitalisat [www e-manuscripta]

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Samuel Quiccheberg (1529–1567)

Inscriptiones vel tituli Theatri amplissimi, complectentis rerum universitatis singulas materias et imagines eximias ut idem recte quoque dici possit. Promptuarium artificiosarum miraculosarumque rerum autore Samuele à Quiccheberg Belga, Monachii: Ex officina Adami Berg typographi 1565.

Harriet Roth, Der Anfang der Museumslehre in Deutschland. Das Traktat »Inscriptiones vel tituli theatri amplissmi« von Samuel Quiccheberg; lateinisch - deutsch, hrsg. und kommentiert von Harriet Roth, Berlin: Akademie-Verlag 2000.

Inhaltsübersicht [PDF]

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Georg Eberhard Rumpf (Rumphius 1627–1702)

D’ Amboinsche Rariteitkamer, behelzende eene Beschryvinge van allerhande zoo weeke als harde Schaalvisschen, te weeten raare Krabben, Kreeften en diergelyke Zeedieren als mede allerhande Hoorntjes en Schulpen, die men in d'Amboinsche Zee vindt, daar beneven zommige Mineraalen, Gesteenten, en soorten van Aarde, die in d’Amboinsche, en zommige omleggende Eilanden gevonden worden / beschreven door Georgius Everhardus Rumphius, T’Amsterdam: gedrukt by François Halma 1705.

Digitalisat [www: e-rara.ch]

Georg Eberhard Rumphs (Welcher ehemals Medicinae Doctor, ältester Kaufmann und Rathsherr zu Amboina, imgleichen ein Ehren-Mitglied der Kayserlichen Academie der Naturforscher unter dem Beynamen Plinius Indicus gewesen) Amboinische Raritäten-Cammer oder Abhandlung von den steinschalichten Thieren, welche man Schnecken und Muscheln nennet. Aus dem Holländischen übersetzt von Philipp Ludwig Statius Müller (...) und mit Zusätzen (...) vermehret von Johann Hieronymus Chemnitz. Wien, Auf Kosten der Kraußischen Buchhandlung, 1766.

Digitalisat [www: BSB]

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Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733)

Musei Tigurini in ordinem congruum redacti atque à Joh. Jacobo Scheuchzero Md. D. descripti sciagraphica

1698 von der Zürcher Bibliothekskommission genehmigt. Handschrift; Zentralbibliothek Zürich, Signatur Archiv 28

Claudia Rütsche, Die Kunstkammer in der Zürcher Wasserkirche. Öffentliche Sammeltätigkeit einer gelehrten Bürgerschaft im 17. und 18. Jahrhundert aus museumsgeschichtlicher Sicht, Bern: Lang 1997.

Aufsatz hierzu von C.Rütsche [PDF]

Abriß der Kunst-Kammer auf der Wasser-Kirchen in Zürich (Kupferstich von Conrad Meyer, 1618–1689)

Was der Schöpfer aller dingen Uns erstaunlichs fürgestelt
In den seinen Allmachts-Wercken/ auf der ganzen weiten Welt;
Was uns zeiget die Natur an den Steinen und Metallen/
Erden Früchten mancherley/ an den Wunder-Dingen allen/
Was für klein und gross Geschöpffte wimseln in dem weiten Meer/
Was für wunder-seltzem Vögel schweben in dem Luft umher:
Auch was etwan nach der Kunst ist gemacht von Menschenhenden/
Was man bringt auß Ost und West/ und der Welt entfehrnten enden/
Von Anatomey/ Gemählden/ von der Stern- und Feld-Meß-Kunst
Oder von Antiquiteten/ Das wird hier durch große Gunst/
Unser Hohen Oberkeit/ Bürgern/ und auch Frömder Leuthen
Auffbehalten; Gottes Ehr durch diß Mittel außzubreiten.

Der Kunst- und Tugend-Liebenden Jugend ab dem Bürgerlichen Buch-gehalter verehrt auf den Neüw-Jahrs-Tag des 1688. Jahrs

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Albertus Seba (1665–1736)

Naaukeurige Beschryving van het schatryke KABINET der voornamste Seldzaamheden der Natuur – Locupletissimi rerum naturalium thesauri accurata descriptio, et iconibus artificiosissimis expressio, per universam physices historiam ... Ex toto terrarum orbe collegit, digessit, descripsit et depingendam curavit Albertus Seba Etzela Ostfrisius ... Tomus I, Amstelaedami 1734. (4 Bände 1734–1765)

Band 1 (1734) Digitalisat [www: botanicus.org]Digitalisat [www SUB Göttingen]

(Band 4 und) Register (1765) Digitalisat [www Göttinger Digizentrum]

Das Naturalienkabinett. Vollständige Ausgabe der kolorierten Tafeln 1734–1765, Köln: Taschen 2001. [vergriffen]

The collection itself had by then been dispersed all over Europe, after being auctioned in 1752.

Faksimile der Bilder, mit Beiträgen verschiedener Autoren: Albertus Seba, Cabinet of natural curiosities – Das Naturalienkabinett – Locupletissimi rerum naturalium thesauri 1734–1765. Nach dem Original aus der Koninklijke Bibliotheek, Den Haag. Köln: Taschen 2011.

Hier ist A. Seba einem Betrug aufgesessen. Er hatte den siebenköpfigen Drachen für eine horrende Summe erworben und in seinem Naturalienkabinett ausgestellt und beschrieben. Im Frühling 1735 kam Carl Linné (1707–1778) auf der Durchreise nach Holland in Hamburg vorbei. wurdei von einem Freund zu dem Präparat geführt. Weil ihm als einem höchstbelesenen und erfahrenen Physico dergleichen niemals unter die Hände oder vor die Augen gekommen war, konte er es zu erst durchaus nicht glauben, daß dergleichen irgend in der Welt wäre, zumaln ihm bekant, daß die Natur nicht per saltus handelte. Er untersuchte es genau und stellte fest, dass das Kuriosum aus verschiedenen Lebewesen zusammengenäht und mit Schlangenhaut überzogen war; anhand des Gebisses waren die Köpfe als die von Wieseln auszumachen.

Nachzulesen in: »Spinnenfuß und Krötenbauch« – Genese und Symbolik von Kompositwesen (Schriften zur Symbolforschung, hg. von Paul Michel, Band 16), Zürich: PANO Verlag 2013, S. 130/131.

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Manfredo Settala (1600–1680)

Mvsævm Septalianvm Manfredi Septalæ Patritii Mediolanensis Indvstrioso Labore Constrvctvm; Pavli Mariæ Terzagi Mediolanensis Physici Collegiati Geniali Laconismo Descriptvm; Politioris Literatvræ Professoribvs Ervdita Hvmanitate Adapertvm; Cum Logocentronibus, siuè Centonibus eiusdem Terzagi de natura Crystalli, Coralij, Testaceorum Montanorum, & Lapidificatorum, Achatis, Succini, Ambari, & Magnetis/Terzago, Paolo Maria, Dertonae: Viola 1664.

Digitalisat [www Google Books]Digitalisat [www Archive.org]

Titelbild (aus Schlosser, Fig. 91)

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John Tradescant the elder (1570–1638) / John Tradescant the Younger (1608–1662)

Musæum Tradescantianum: OR A COLLECTION OF RARITIES. PRESERVED At South-Lameth neer London, by John Tradescant, London: John Grismond 1656.

Catalogue of a collection made by John Tradescant and his son (also named John) and left by the latter to Elias Ashmole, who presented it to Oxford University in 1683, where it formed the nucleus of the old Ashmolean Museum (the first natural history museum in Great Britain).

Digitalisat [www: archive.org]

Vgl. den lesenswerten Artikel [www Wikipedia de] zum Musaeum Tradescantianum, das von Elias Ashmole übernommen wurde (mit einer Liste erhaltener Objekte).

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Michael Bernhard Valentini (1657–1729)

Museum Museorum, oder Vollständige Schau-Bühne aller Materialien und Specereyen / nebst deren natürlichen Beschreibung, Election, Nutzen und Gebrauch / Aus andern Material-, Kunst und Naturalien-Kammern, Oost- und West-Indischen Reiß-Beschreibungen / Curiosen Zeit- und Tag-Registern / Natur- und Artzney-Kündigern / wie auch selbst-eigenen Erfahrung / Zum Vorschub der Studirenden Jugend /Materialisten / Apothecker und deren Visitatoren / wie auch anderer Künstler / als Jubelirer / Mahler / Färber / u.s.w. also verfasset, und mit etlich hundert sauberen Kupfferstücken unter Augen geleget. Frankfurt a.M.: Zunner 1704; [zweyte Edition 1714].

Titelkupfer [pop-up]

Musei Museorum. Oder Der vollständigen Schau-Bühne frembder Naturalien Zweyter Theil/ Worinnen Die rareste Natur-Schätze aus allen biss daher gedruckten Kunst-Kammern / Reiss-Beschreibungen und andern Curiosen Büchern enthalten/ und benebenst einer Neu-auffgerichteten Zeug- und Rüst-Kammer der Natur/ auch vielen Curiosen Kupffer-Stücken vorgestellt sind. Frankfurt a.M.: Zunner 1714.

Neu-auffgerichtetes Rüst- und Zeughauß der Natur/ Worinnen Die so wundersame/ curiöse/ auch sehr nützlich Machinen und Instrumenten / deren sich die heutige Naturkündiger in Erforschung der natürlichen Ursachen bedienen / zu sehen und zu finden sind. Zum Vorschub aller derjenigen/ so der Lateinischen Sprach nicht mächtig sind/ und dennoch ihren Schöpffer in der Natur zu verehren suchen/. Anjetzo zum erstenmal in Hoch-Teutscher Sprache beschrieben. Frankfurt a.M.: Zunner 1714.

Inhaltsverzeichnis und Digitalisate [pop-up]

Der vollständigen Natur= und Materialien=Kammer Drittes Buch / Von allerhand Thieren. Das XXX. Capitel (S. 481–483) – mit Diskussion der Echtheit von Einhörnern.

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Levin Vincent (1658-1727)

Titelseite 1706 (hier) (Beachte links unten die vielbrüstige Natura!) — Titelseite 1715 (hier)

Wondertooneel der nature, geopent in eene korte beschryvinge der hoofddeelen van de byzondere zeldsaamheden daar in begrepen; in orde gebragt en bewaart door Levinus Vincent, Te Amsterdam gedrukt by François Halma 1706.

Digitalisat [www Google Books]

Het Tweede deel of vervolg van het wondertooneel der natuur, ofte een korte beschrijvinge zo van bloedelooze, zwemmende, vliegende, kruipende, en viervoetige geklaauwde eijerleggende dieren, als van hoornen, schulpen, koraalen, zee-heesters, metallijke en in steen Veranderde Dingen, enz. Van de welke een zeer groote Meenigte word bevat in de Kabinetten van Levinus Vincent, Amsterdam 1715

Digitalisat [www Google Books]

Korte Beschryving van den inhout der Cabinetten begreepen in de Rariteit-Kamer of Wondertooneel der Natuur, s'Gravenhage 1727.

Digitalisat [www BSB]

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Christian August Vulpius (1762–1827)

Curiositäten der physisch-literarisch-artistisch-historischen Vor- und Mitwelt. Zur angenehmen Unterhaltung für gebildete Leser, 10 Bände, Weimar: Verlag des Landes-Industrie-Comptoirs 1811–1825.

Digitalisat [www Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena] (mit Link zu den Kupfertafeln)

Digitalisat [www BSB --- auf "Bände anzeigen" klicken]

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Johann Jacob Wick (* 1522 , † 14. August 1588 in Zürich)

Eine ›Wunderkammer auf Papier‹: Von 1560 bis zu seinem Tod stellte Johann Jacob Wick 24 illustrierte Quart- und Foliobände mit Nachrichten zusammen, ab 1572 jährlich einen. Die Einzelbände umfassen durchschnittlich gut 600 Seiten und sind annalistisch, lose, unsystematisch angeordnet; die Informationen sind nie kritisch gesichtet oder gewichtet. Die Kollektaneen enthalten handschriftliche Aufzeichnungen mit 1028 Bildern (kolorierte Federzeichnungen von verschiedenen Händen) und eine große Zahl von Druckschriften: 499 Flugschriften und mehr als 430 Einblattdrucke.

Bild: http://www.e-manuscripta.ch/zuz/content/pageview/665862

Mehr Informationen und Forschungsliteratur [Wiki der UZH]

Digitalisate. Dazu muss man wissen, dass die Sammlung einst aufgetrennt wurde. Drucke liegen in der Graphischen Sammlung; Handschriftliche Einträge in der Handschriftenabteilung der ZB Zürich:

Digitalisate in der ZB Zürich

Digitalisate der handschriftlichen Einträge in der ZB Zürich [e-manuscripta]

Kommentierte Edition der Drucke in der Sammlung: Wolfgang Harms und Michael Schilling, Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts, Band VI (2005) und Band VII (1979): Die Wickiana, Tübingen: Niemeyer.

Anthologie v.a. handschriftlicher Einträge mit Transkription und Übersetzung ins heutige Deutsch: Matthias Senn, Die Wickiana. Johann Jakob Wicks Nachrichtensammlung aus dem 16. Jahrhundert, Raggi-Verlag, Küsnacht/Zürich 1975.

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Wiener Heiltumbuch

Matthaeus Heuperger, Jn disem Puechlein ist Verzaichent das Hochwirdig Heyligtumb In der Loblichen stat Wienn In Osterreich alle iar an Sontag nach dem Ostertag zezaigen pfligt, Wienn: durch Johannem Winterburger 1502.

Digitalisat [www: ÖNB]

Digitalisat [www BSB]

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Ole Worm (1588–1654)

Museum Wormianum seu Historia Rerum Rariorum, tam Naturalium, quam Artificialium, tam Domesticarum, quam Exoticarum, quæ Hafniæ Danorum in ædibus Authrois servantur. Adornata ab Olao Worm. … Variis & accuratis Iconibus illustrata, Lugduni Batavorvm: Ex Officina Elseviriorum 1655.

Digitalisat [www UB Heidelberg]

Digitalisat [www archive.org]

Digitalisat [www biodiversitylibrary]

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Literarische Transformationen des Themas: Parodien auf Kunstkammern

Gottfried Keller, »Die drei gerechten Kammacher« (1856)

Züs Bünzlin […] hatte den [Gültbrief von siebenhundert Gulden] in einer kleinen lackierten Lade liegen, wo sie auch die Zinsen davon, ihren Taufzettel, ihren Konfirmationsschein und ein bemaltes und vergoldetes Osterei bewahrte; ferner ein halbes Dutzend silberne Teelöffel, ein Vaterunser mit Gold auf einen roten durchsichtigen Glasstoff gedruckt, den sie Menschenhaut nannte, einen Kirschkern, in welchen das Leiden Christi geschnitten war, und eine Büchse aus durchbrochenem und mit rotem Taft unterlegten Elfenbein, in welcher ein Spiegelchen war und ein silberner Fingerhut; ferner war darin ein anderer Kirschkern, in welchem ein winziges Kegelspiel klapperte, eine Nuß, worin eine kleine Muttergottes hinter Glas lag, wenn man sie öffnete, ein silbernes Herz, worin ein Riechschwämmchen steckte, und eine Bonbonbüchse aus Zitronenschale, auf deren Deckel eine Erdbeere gemalt war und in welcher eine goldene Stecknadel auf Baumwolle lag, die ein Vergißmeinnicht vorstellte, und ein Medaillon mit einem Monument von Haaren; ferner ein Bündel vergilbter Papiere mit Rezepten und Geheimnissen, ein Fläschchen mit Hoffmannstropfen, ein anders mit Kölnischem Wasser und eine Büchse mit Moschus; eine andere, worin ein Endchen Marderdreck lag, und ein Körbchen, aus wohlriechenden Halmen geflochten, sowie eines aus Glasperlen und Gewürznägelein zusammengesetzt; endlich ein kleines Buch, in himmelblaues geripptes Papier gebunden, mit silbernem Schnitt, betitelt: Goldene Lebensregeln für die Jungfrau als Braut, Gattin und Mutter; und ein Traumbüchlein, ein Briefsteller, fünf oder sechs Liebesbriefe und ein Schnepper zum Aderlassen; denn einst hatte sie ein Verhältnis mit einem Barbiergesellen oder Chirurgiegehilfen gepflogen, […] Dies alles war in der lackierten Lade enthalten, wohl verschlossen, und diese war wiederum in einem alten Nußbaumschrank aufgehoben, dessen Schlüssel die Züs Bünzlin allfort in der Tasche trug.

Mark Twain, »Die Abenteuer Tom Sawyers« (1876)

Zweites Kapitel (Tom sollte den Gartenzaun streichen)
Nach einiger Zeit war Ben müde geworden, Tom hatte als Nächsten Billy Fisher ins Auge gefaßt, der ihm eine tote Ratte und eine Schnur, um die Ratte daran durch die Luft fliegen zu lassen, anbot; und von Johnny Miller bekam er eine gut erhaltene Sackpfeife, und so immer weiter — stundenlang. Und als der Nachmittag halb vergangen war, war aus dem armen, verlassenen Tom vom Morgen ein buchstäblich in Reichtum schwimmender Tom geworden. Er besaß außer den angeführten Sachen zwölf Murmel, ein Stück eines Brummeisens, ein Stück blau gefärbtes Glas zum Durchschauen, eine Spielkanone, ein Messer, das gewiß nie jemand Schaden getan hatte oder jemals tun konnte, ein bißchen Kreide, einen Glasstöpsel, einen Zinnsoldaten, den Kopf eines Frosches, sechs Feuerschwärmer, ein Kaninchen mit einem Auge, einen messingnen Türgriff, ein Hundehalsband (aber keinen Hund), den Griff eines Messers, vier Orangenschalen und einen kaputten Fensterrahmen. (Übersetzung von H. Hellwag, Project Gutenberg)

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Literaturhinweise

Julius von Schlosser (1866–1938), Die Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance. Ein Beitrag zur Geschichte des Sammelwesens. Leipzig: Klinkhardt & Biermann 1908; 2., durchges. und verm. Ausg. Braunschweig Klinkhardt & Biermann 1978. online [www UB Uni Heidelberg]

Roland Schaer, L’invention des musées, Paris: Gallimard 1993.

Paula Findlen, Possessing Nature. Museums, Collecting, and Scientific Culture in Early Modern Italy. Berkeley: University of California Press, 1994.

Andreas Grote (Hg.), Macrocosmos in Microcosmo. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 bis 1800 = Berliner Schriften zur Museumskunde 10 (Springer Fachmedien Wiesbaden 1994)
Inhaltsverzeichnis > online

Patrick Mauriès, Cabinets of Curiosities, London: Thames & Hudson 2002. — Das Kuriositätenkabinett, Köln: DuMont-Literatur-und-Kunst-Verlag 2003.

Helmar Schramm / Ludger Schwarte / Jan Lazardzig (Hgg.), Kunstkammer, Laboratorium, Bühne: Schauplätze des Wissens im 17. Jahrhundert, Berlin: de Gruyter 2003 (Theatrum scientiarum 1).

Franz Mauelshagen, Wunderkammer auf Papier. Die »Wickiana« zwischen Reformation und Volksglaube, Tübingen: Bibliotheca-Academica-Verlag 2011 (Frühneuzeit-Forschungen Band 15).

Stefan Laube, Von der Reliquie zum Ding: Heiliger Ort – Wunderkammer – Museum, Berlin: Akademie Verlag 2012.

Collectors’ Knowledge: What Is Kept, What Is Discarded / Aufbewahren oder wegwerfen: wie Sammler entscheiden, Edited by Anja-Silvia Goeing / Anthony T. Grafton / Paul Michel, Leiden: Brill 2013.

Ulrich Stadler / Magnus Wieland, Gesammelte Welten. Von Virtuosen und Zettelpoeten, Würzburg: Königshausen & Neumann 2014.

Letztes Update November 2017 PM

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